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Die Wahrheit · 1930-07-18 · Heft 29 (18.7.1930) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 29 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN I REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UND JUDAIKA In englischer und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3.— KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH! entsprechende Verwendung finden, wanderte aus und kam so nach Nikolsbung. wo er Lehrerbei den Juden und auch bei den Piaristen wurde. " ■ Fürst Dietrichstein erkannte: Lipmann Perlins Fähigkeiten, begann ihn zu unterstützen und dürfte vielleicht auf seine Taufe eingewirkt haben, die innerhalb der Jahre 1735—1741 erfolgte. Ein genaues Datum fehlt. Nur seine Frau blieb zeitlebens Jüdin. Sie hat sich wahrscheinlich sehr bald von den Kindern getrennt und wwd nie mehr genannt. Alois Wiener, wie Lipmann Perhn ietzt hieß, machte bald Karriere, wurde 1745 Magister "für orientalische Sprachen an der Wiener Universität, 1757 Dolmetsch für hebräische Dokumente bei der Regierung, 1746 war er schon „Edler v. Sonnenfels' geworden. . , „ Vielleicht ist es ein Beweis datür. daß er sich nur der Karriere wegen taufen ließ und die Verbindung mit den Juden trotzdem aufrecht erhielt wenn wir aus einem Akt vom 24. Oktober 1753 ersehen, daß die niederösterreichischen Behörden ihre Bedenken äußern „wegen Einkehrung deren fremden Juden bey dem Wiener v. Sonnenfels als einem getauften Juden". Die Erziehung Sonnenfels war nicht die beste, da es seinem Vater anfangs nicht sehr gut ging. Aus diesen Gründen trat er sogar 1749 als gemeiner Soldat in die Armee ein, wo er fünf Jahre blieb, bis es seinem Vaten finanziell besser ging. Während dieser fünf Jahre lernte er aber viel, besondere Sprachen und las auch sehr viel. Da er vorläufig keine Stelle fand, wurde er Adjunkt seines Vaters als Uebersetzer hebräischer. Schriften bei der niederösterreichischen Landesregierung. Hebräisch hatte er bei seinem Vater sehr gut gelernt. Ein Zufall führte ihn auf den richtigen Weg. Er las sehr viel, wie ich schon erwähnt habe, und erkannte bald, wie tief geistig Oesterreich unter dem damaligen Deutschland stand und er wollte nun daran gehen, hier eine Aendemng zu schaffen. Doch vorerst hielten ihn finanzielle Sorgen ab und er war froh, als er am 1. Mai 1761 Rechnungsführer bei der Arcieren-Leibgarde wurde. Er arbeitete indessen ununterbrochen an seiner geistigen Weitenbildung und endlich gelang es ihm 1763. den neugegründeten Lehrstuhl fün Polizei- und Cameral-Wissenschaften zu bekommen. Er wollte zwar eine Professur für deutsche Literaturgeschichte, war aber froh, daß er überhaupt ein Forum bekam, von wo aus er öffentlich seine Ansichten vertreten konnte. 1763 heiratete er Therese Hoy, Schwester des späteren Bischofs von Königgrätz. Leopold Hoy. Sonnenfels verstand es bakL die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sein fesselnder Vortrag, sein bestechendes Aeußere bewirkten einen gewaltigen Zulauf zu seinen Vorlesungen. Bald lernte ihn auch die Kaiserin schätzen und so wagte er schließlich, die herrschenden Zustände immer freimütiger zu tadeln, was ihm aber sehr viele Feinde eintrug. 1763 erscheint sein Lehrbuch der Polizeiwissenschaft, das sofort als Lehrbuch für alle österreichischen und viele ausländischen Universitäten bestimmt wird, wo es auch bis 1S45 in Verwendung ist Viel bedeutender aber als all das ist für Oester- Teich seine Tätigkeit als Aufklärer. Das junge Oesterreich sammelt sich seit den Sechzigerjahren um Sonnenfels, der das Haupt der Wiener AufklärungsMteraten wird. Ein wichtiges Gebiet seiner Tätigkeit, den Kampf um die allgemeine Einführung der deutschen Sprache, habe ich schon in der „Wahrheit" gewürdigt Von sehr großer Bedeutung ist aber vor allem seine journalistische Tätigkeit. Er war das Vorbild der österreichischen Journalistik. Seine bedeutendste Zeitung „Der Mann ohne Vorurteil", die November 1769 zuerst anonym erschien, wurde bald ein großer Erfolg. Zeitgenossen urteilen über diese Wochenschrift: „Nie ist in Wien eine so freimütige Schrift erschienen, nie hat man so die Augen geöffnet, nie haben die Toren so treffende Kappen bekommen, nie hat ein Mann den Mut gehabt, dem Adel, dem ganzen Publikum so freimütig ins Gesicht zu schauen." E. V. Zenker zählt den „Mann ohne Vorurteil" zu den bedeutendsten Blättern, welche im 18. Jahrhundert überhaupt in deutscher Sprache erschienen sind. So ist es kein Wunder, daß alle anderen Zeitungen bald verdrängt wurden und Sonnenfels ein berühmter Mann wurde, dessen Schriften in ganz Deutschland nach gedruckt wurden. Mit Hilfe seiner Wochenschrift begann er das große Werk der Volksbildung. Er wurde bald der Mittelpunkt der Gesellschaft, geliebt von vielen, aber nicht weniger gehaßt. Seine Feinde zeigen ihn bei der Kaiserin an, daß seine Lehren gegen Gesetz und Kirche wären; doch es gelingt ihm, die Kaiserin zumindest teilweise zu überzeugen. Seine Blütezeit ist aber erst unter Josef II. Er ist der markanteste Vertreter der Josefinischen Literatur, der durch seine moderne Bildung bei der humanistischen Tradition der heimischen Kultur auffällt. Er wird jetzt der Mittelpunkt der österreichischen Literatur und es ist keinesfalls übertrieben, die Behauptung aufzustellen, daß Sonnenfels jene Bedeutung für Oesterreich erlangt hat, die Lessing für Deutschland hat. Unter Josef II. gelingt es ihm. viele seiner Reformen durchzuführen. Die Preßfreiheit die wohl nicht lange dauerte, ist sein Werk, genau so wie das Toleranzpatent Sonnenfels nicht zum allergeringsten Teil zu danken ist. 1780 kam er endlich in die Studienhofkommission, wo er unermüdlich für seine Reformen eintrat. Das kleinste Dorf sollte seine Schule haben. Jedes Kind sollte lesen, schreiben und rechnen lernen; doch gegen die alten Hofräte blieb er nicht immer Sieger. Seine Tätigkeit als Staatsstilist und Verfasser der Gesetze habe ich schon in einem früheren Artikel gewürdigt Sie ist wohl hauptsächlich formal, doch sind sehr viele Anregungen in den neuen Gesetzen von> ihm. Ein gewaltiger Erfolg Sonnenfels ist die Abschaffung der Folter. Trotz aller Verfolgungen, bei denen er sogar sein Lehramt riskierte, kämpfte er unermüdlich dafür. Schließlich geäang es ihm mit Hilfe des Mitregenten Josef, obwohl besonders der Klerus dagegen war, aim 25. Oktober 1773 die Abschaffung der Folter durchzusetzen. Sein Standbild vor dem Rathaus erinnert an diesen denkwürdigen Kampf. Es stellt ihn. dar. wie er gerade auf die Folterwerkzeuge tritt. 1785 arbeitet er im Auftrag des Kaisers eine Geschäftsordnung für die ganze Beamtenschaft aus. Wie modern Sonnenfels in seinem ganzen Denken war, dafür sind einige markante Sätze aus seinem Buch über die Handlungswissenschaften' bezeichnend. Er schreibt zum Beispiel: „Ein Volk, das nicht alles zur Hebung des Handels unternimmt, muß zugrunde gehen. „Der- Straßenbau ist Sache des Staates." „Zölle sollen in der Hand des Herrschers zum Gemeinwohl verwendet werden. Die Einnahmen sollen nicht der Endzweck sein. Das Zollwesen soll überhaupt keine Einnahmen ergeben" und anderes mehr. Es ist mir leider nicht möglich, alle Verdienste Sonnenfels' zu würdigen, aber das bisher Erwähnte beweist seine Bedeutung zur Genüge. Es ist selbstverständlich, daß er auch viele äußere Ehren empfing. 1769 wird er wirklicher Rejrierungsrat, 1772 Sekretär der Akademie der bildenden Künste. 1780 wirklicher Hofrat. 1806 Ehrenbürger von Wien. 1811 Präsident der Akademie der bildenden Künste, der er bis zu seinem Tod. am 25. April 1817 vorsteht Außerdem war er Freiherr', Reichsbaron. Besitzer vieler sehr hoher Orden und dergleichen mehr. Ueber seine Stellung zum Judentum wissen wir eigentlich wenig. Es steht aber fest, daß er für seine ehemaligen Glaubensgenossen oft eingetreten' ist Schon 'bei der Abfassung des Toleranzpatentes bemerken wir aus verschiedenen Akten seine Mitarbeit und es ist auch zum Beispiel eine Vorschrift für Gymnasiallehrer aus dem Jahre 1782 erhalten, in welcher Sonnenfels diese auffordert jüdische Schulkinder in vollkommen gleicher Weise wie alle anderen Kinder zu behandeln. Aus diesem kurzen Lebensbild Josef von Sonnenfels können wir unstreitbar feststellen, daß durch sein unermüdliches Wirken die geistige Entwicklung Oesterreichs schneller vor sich ging als es der langsam fortschreitende Geist der Zeit vermocht hätte. So ist Sonnenfels der Hauptvertreter der Josefinischen Aera geworden, was leider noch viel zu wenig bekannt ist. In einem weiteren Artikel werde ich die Salons der jüdischen Bankiers in Wien behandeln, deren Bedeutung für das kulturelle Löben unserer Stadt ebenfalls noch nicht genügend gewürdigt ist. Wer sie richtig liest, wird es deutlich verspüren, daß die geistigen Väter des deutschen Judentums auch für ihn gelebt und gestritten haben. Ihm wird trotzdem, und dafür bürgt wieder die wissenschaftliche Zucht der Autoren, neben dem zeitlos Gültigen das Zeitgebundene dieser Männer der Aufklärung und des Biedermeier nicht verhehlt Denn die Gegenwart stellt uns vor Fragen, die frühere Generationen teils nicht gekannt, teils anders beantwortet haben. „Das Problem der Ostjuden", das Paul Nathan behandelt, der „Aufbau und Umbau" des jüdischen Sozial- und Wirtschaftslebens in Osteuropa (A. Singalowsky) und die strittigen Fragen der Palästinawirtschaft und -politik, die Alfred Wiener mit sachkundiger Feder behandelt, erfordern unsere Stellungnahme. Die Entscheidungen, die sie verlangen, hängen von mehr als nur volkswirtschaftlichen oder politischen Zeckmäßigkeitserwägungen ab. Max Dienemaim geht in seiner Schrift „Galuth" dem religiösen Sinn nach, den die Zerstreuung des Volkes Israel für den einzelnen Juden hat Und Franz Rosenzweig zeigt in seinen gesammelten Aufsätzen („Zweistromland", das oben,bereits genannt wurde) auf, wie Zentrum und Peripherie einander religiös bedingen. Ihm ist Religion nicht mehr „Konfession", kein Feiertagsbehängsel des Bürgers, sondern ursprüngliche, innere Lebensmacht Ihr Anspruch gilt unbedingt und — das ist kein Widerspruch, sondern klärt ihr Wesen — universell und durchaus alltäglich. Es ist darum vielleicht im tieferen Sinne kein Zufall, vielmehr ein Hinweis auf den notwendigen Zusammenhang im religiösen Kosmos, wenn die Antwort des französisch erzogenen Dichters Edmond Fleg auf die Frage „Warum ich Jude bin" auch für uns Gültigkeit hat. Die geistige Anarchie der Nachkriegszeit erweckt immer tiefer das Bedürfnis nach Bindung an das Allgemeine, nach einem Zusammenschluß über Standes- und staatliche Grenzen hinweg, der wohl nur im Religiösen gesucht und gefunden werden kann. Doch liegt die Gefahr nahe, daß, wie vor hundert Jahren, die Erstarkung des religiösen Gefühls dienstbar wird der politischen Reaktion. Die Kinder der Generation Mendelssohns in Deatschland haben damals das angestammte Judentum zugunsten eines,katholisierenden, romantischen Bekenntnisses abgestreift, von dem sie glaubten, daß ihm die messianische Zukunft gehören würde. Vielleicht hätte gerade in der religiösen Krise der Gegenwart das Judentum ein Wort zu sagen, Bekenntnis zu einer unromantischen Religion des diesseitigen Weltgefühls und der irdischen Pflichterfüllung im Zeichen der Gewißheit des Einzigen Gottes. Von dem „Wandel der modernen Lebensanschauung", die noch immer nach den verschiedensten Richtungen hin tastet gibt Albert Lewkowitz' Studie über die „religiösen Denker der Gegenwart" Kunde. Dem problematischen Verhältnis von religiöser und philosophischer Wahrheit gilt Julius Guttmanns eindringliche Untersuchung über „Religion und Wissenschaft im mittelalterlichen und im modernen Denken". M. Joseph Grozinger schreibt die „Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart", deren erster Band bereits vorliegt. Ein Verlag, der einer politischen Organisation wie dem Central-Verein das geistige Rüstzeug zu liefern hat, darf neben den allgemeinen weltanschaulichen Fragen, von denen die Zukunft bestimmt sein soll, freilich die nächstliegenden nicht zu kurz kommen lassen. Das Gebiet das gegenwärtig umstritten wird, reicht außergewöhnlich weit; es umfaßt innerjüdisch die „Psychologie des Religionsunterrichtes" (H. Stern, mit einem Vorwort von Leo Baeck), von dessen eindringlicher Kraft die Gewinnung der Jugend abhängt und nach außen hin die klassenverhetzende „Legende vom jüdischen Marxismus" (Levy Koref: „Karl Marx und Hegel"), es behandelt „die Schächtfrage" (Jakob Levy), die in Süd- und Mitteldeutschland umkämpft wird, neben der objektiven Verfassungsfrage der „Rechtsstellung der Synagogengemeinden in Preußen" (Ismar Freund). Die Notwendigkeit das Judentum nach vielen Seiten hin zu verteidigen und in der Verteidigung es allseitig zu begründen, erzeugte ein besonderes System geistiger Zusammenarbeit. Das Judentum von heute beruht nicht mehr auf politischer oder Priesterhierarchie, sondern auf innerer Freiwilligkeit, die Meinung des einzelnen, soweit er nur guten Willens ist, kann nicht leicht überhört werden. Diesem einzelnen eine Resonanz gegeben und die Stimmen der vielen zu einem Chor gebunden zu haben, ist ein Verdienst des Philo-Verlages. So wird das Gesicht seiner Publikationen zu einem Spiegelbild der Strömungen im deutschen Judentum. Seine Probleme sind in die der Zeit und des Vaterlandes gebettet, aber rühren an die Ewigkeit und das All. Die Menschen sprechen ein jeder nur für sich, aber aus ihnen spricht der Wille zur Dauer, zur Gemeinschaft zu Gott Goethe, den Julius Bab in einer sich tief einfühlenden Abhandlung über „Goethe und die Juden" zitiert rührt an das Geheimnis, wenn er sagt: „Deutsche gehen nicht zugrunde, so wenig wie die Juden, weil es Individuen sind." Das Gesicht des Philo-Verlages. Von Dr. Hans Reissner, Berlin. Läßt man die Erscheinungen des Berliner Philo- Verlages in den elf Jahren seines Bestehens seit 1919 noch einmal' an seinem geistigen Auge vorüberziehen, so ordnet sich die Vielheit der Autoren und ihrer Themen unwillkürlich zu einem eindrucksvollen Gemeinschaftswerk. Was von innen her verteidigt von außen bekämpft wird, die organische Existenz und das Lebensrecht des deutschen Judentums — im nachschaffenden Wort ist es hier noch einmal gestaltet Staatsbürgertum und Glauben, Deutschland und Judentum sind die beiden Pole, um die herum naturnotwendig das geistige Kraftfeld von deutschen Juden gelagert ist Bei aller Vielfalt der Stoffe und bei aller persönlichen Freiheit der Verfasser muß doch immer das eine im andern spürbar werden. Gewähr dafür bieten die Namen der Autoren, unter denen uns die besten der deutsch-jüdischen Gegenwart begegnen: Baeck, Dienemann, Elbogen, Freudenthal, Freund, Goldstein, Guttmann, Nathan, Rosenzweig, Weil, Wiener, um wenigstens einige zu nennen. Aber auch nichtjüdische Deutsche wie Lujo Brentano und Rudolf von Ihering und nichtdeutsche Juden wie Edmond Fleg kommen hier zu Wort. Das Gebiet das diese Männer behandeln, reicht yon Fragen der deutschen Politik bis zur jüdischen Religionswissenschaft von der Pädagogik zur Philosophie, von der Geschichte der Vergangenheit bis zur Volkswirtschaft der Gegenwart- Jede Schrift trägt eine zwiefache Botschaft in sich: Belehrung für uns selbst Aufklärung nach außen — „ohne sich", wie es bei Rothholz, „Die deutschen Juden in Zahl und Bild" heißt „in langatmige, zwecklose Polemiken einzulassen, etwa noch mit Leuten, die nicht überzeugt sein wollen." Oder wie Franz Rosenzweig in seinem „Zweistromland" von der Apologetik spricht, die ihm als unseres Judentums würdig und angemessen vorschwebt; sie sei im gewöhnlichen Sinne gar kein Verteidigen, sondern ein offenes Darlegen, aber nicht irgendeiner Sache, sondern des Eigenen". In diesem Geiste ist Julius Goldsteins „Deutsche Volksidee und Deutsch-Völkische Idee" gehalten; ihm entspringen Immanuel Bernfelds Einzelabhandlungen über absichlich mißverstandene talmudische Rechtsfragen, wie „Zinsverbot" und „Eid und Gelübde"; so wird B. Jacobs Untersuchung über das sogenannte Prinzip des „Auge um Auge" zu einer Arbeit die auch der eindringlichen Beachtung von Seiten der alt- und neutestamentarischen Forschung sicher ist Aber nie, und vor allem nicht in den geschichtlichen Untersuchungen, wird die wissenschaftliche Methode kontemplativer Selbstzweck. Kreisend um die beiden magnetischen Pole — staatsbürgerliche Ueberzeugung und religiöses Bekenntnis — führt die Wissenschaft uns zu einer tieferen Erkenntnis unserer selbst. In dem „Leben Gabriel Rießers" von Fritz Friedländer, in Max Freudenthals Abhandlungen und Jakob Seifensieders Beschreibung des Lebens Moses Mendelssohns wird Gechichte nicht um der Geschichte willen getrieben. 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