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Die Wahrheit · 1930-07-18 · Heft 29 (18.7.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 29 (18.7.1930)
Date
1930-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seife 3 Los sein wird. Seit drei Monaten zahlen die verhetzten Bauern der Umgebung ihre Schulden an die Geschäftsleute und an die Banken nicht ab; die Armut in Borscha ist darum unbeschreiblich. Ganz Borscha ist ohne jedes Bargeld. Wir bitten unsere Mitbrüder um Hilfe und um Schutz des nackten Lebens. Wir sind genötigt, wenn sich eine Möglichkeit bietet, auszuwandern, denn unser weiteres Verbleiben hier ist sinn- und hoffnungslos. Der Katastrophe von Borscha sind am 10. d. M. Ereignisse in der überwiegend von Juden bewohnten Stadt Suczawa gefolgt, die den Juden schweren Schaden an Gesundheit und Besitz verursacht haben und besonders dadurch zu schweren Besorgnissen für die Zukunft Anlaß geben, weil sich bei ihnen die Unzulänglichkeit der Schutzmaßnahmen erwies, die die rumänischen Behörden zur Anwendung bringen. Nietzsche und die Juden. Auszüge aus Nietzsches Schriften. Gesammelt von Max Kozower. (Fortsetzung.) Band V, Absatz 135. Die Griechen haben in ihrem Bedürfnis, dem Frevel Würde anzudichten und einzuverleiben, die Tragödie erfunden — eine Kunst und eine Lust, die dem Juden trotz aller seiner dichterischen Begabung und Neigung zum Erhabenen im tiefsten Wesen fremd geblieben ist. Band V, Absatz 136. Das auserwählte Volk. Die Juden, die sich als das auserwählte Volk unter den Völkern fühlen, und zwar, weil sie das moralische Genie unter den Völkern sind — die Juden haben an ihrem göttlichen Monarchen und Heiligen einen ähnlichen Genuß, wie der war, welchen der französische Adel an Ludwig XIV. hatte. Band V, Absatz 137. Im Gleichnis gesprochen. Ein Jesus Christus war nur in einer jüdischen Landschaft möglich — ich meine in einer solchen, über der fortwährend die düstere und erhabene Gewitterwolke des zürnenden Jehova hing. Hier allein wurde das seltene, plötzliche Hindurchleuchten eines einzelnen Sonnenstrahls durch die grauenhafte allgemeine und andauernde Tag-Nacht wie ein Wunder der „Liebe" empfunden, als der Strahl der unverdienten „Gnade". Hier allein konnte Christus seinen Regenbogen und seine Himmelsleiter träumen, auf der Gott zu den Menschen hinabstieg; überall sonst galt das helle Wetter und die Sonne zu sehr als Regel und Alltäglichkeit Band V, Absatz 348. Ein Jude ist, gemäß dem Geschäftskreis und der Vergangenheit seines Volkes, gerade daran — daß man ihm glaubt — am wenigstens gewöhnt; man sehe sich darauf die jüdischen Gelehrten an, — sie alle halten große Stücke auf die Logik, das heißt auf das Erzwingen der Zustimmung durch Gründe; sie wissen, daß sie mit ihr siegen müssen, selbst wo Rassen- und Klassenwiderwille gegen sie vorhanden ist, wo man ihnen ungern glaubt Nichts nämlich ist demokratischer als die Logik: sie kennt kein Ansehen der Person und nimmt auch die krummen Nasen für gerade. (Nebenbei bemerkt: Europa ist gerade in Hinsicht auf Logisierung, auf reinlichere Kopf-Gewohnheiten den Juden nicht wenig Dank schuldig; voran die Deutschen, als eine beklagenswert deraisonable Rasse, der man auch heute immer noch zuerst „den Kopf zu waschen" hat) Ueberall, wo Juden zu Einfluß gekommen sind, haben sie feiner zu scheiden, schärfer zu folgern, heller und sauberer zu schreiben gelehrt; ihre Aufgabe war es immer, ein Volk „zur Raison" zu bringen. Band V. Absatz 361. Was aber die Juden betrifft, jenes Volk der Anpassungskunst par excellence, so möchte man in ihnen, von vornherein gleichsam, eine welthistorische Veranstaltung zur Züchtung von Schauspielern sehen,, eine eigentliche Schauspieler-Brutstätte; und in der Tat ist die Frage reichlich an der Zeit: welcher gute Schauspieler ist heute nicht — Jude? Auch der Jude als geborener Literat, als der tatsächliche Beherrscher der europäischen Presse, übt diese seine Macht auf Grund seiner schauspielerischen Fähigkeit aus: denn der Literat ist wesentlich Schauspieler — er spielt nämlich den „Sachkundigen", den „Fachmann". y> Jesus von Nazareth". Von Professor Dr. S. Krauss. Dr. Joseph K1 a u s n e r ist heute Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Vor etwa zehn Jahren, als er sein „Leben Jesu" in hebräischer Sprache erscheinen ließ, war er zwar ein anerkannter Gelehrter, aber doch ein Privatmann. Er durfte schreiben, was er wollte. Trotzdem wurde er wegen seines Jesuswerkes namentlich von jüdisch — wie soll ich nur sagen? — beharrlicher Seite heftig angegriffen. Warum? Hat er etwa Jesu Messianität anerkannt? Hat er seine jüdischen Glaubensgenossen zum Christentum überleiten wollen? Nichts von alledem; er hat einfach ein Jesuswerk, geschrieben, wie es tausend andere auch getan haben, aber freilich ist er Jude, sogar Nationaljude, und die „Beharrlichen", das sind diejenigen, die vom alten Schlag nicht lassen wollen, meinen, zwischen uns und Jesus müsse ein horror vacui bestehen. Noli me tangere. K1 a u s n e r hat Jesus und die Entstehung des Christentums zum Gegenstande einer eingehenden wissenschaftlichen Forschung gemacht, er hat dargetan, daß Jesus ein jüdischer Rabbi war, wie viele andere, er hat dargetan, daß Jesus eine Ethik gelehrt hat, auf die wir Juden stolz sein können, da sie doch letzten Endes unsere Ethik ist, eine Ethik, auf die fünfhundert Millionen Menschen eingeschworen sind, die Bekenner des Christentums. Klausners Werk hat viel von sich reden gemacht. Es war zuerst, wie gesagt, hebräisch da und das hat es womöglich noch pikanter gemacht, wurde doch durch die Sprache selbst ein Stück Urzeit heraufbefördert, konnte doch hierduch zu Kreisen gesprochen werden, die sonst nichts derartiges lesen und denen sich hier eine neue Welt nicht nur der Vorstellung, sondern auch des Studiums erschloß. Nun ist aber das Werk seitdem auch in englischer und jetzt auch in deutscher Sprache (Jüdischer Verlag, Berlin) erschienen, und das gibt uns Anlaß zu einer neueren Besprechung, denn es wird voraussichtlich von vielen Gebildeten unseres Volkes und auch außerhalb desselben gelesen werden. Klausner ist vor allem objektiv,.das heißt, er behandelt seinen Gegenstand vorurteilslos, ohne Haß und Liebe, und das ist gleich etwas, was seinem Werke einen besonderen Wert verleiht, denn es ist klar, daß in der Hand eines christlichen Forschers bei einem Gegenstande wie Jesus ganz andere Gefühlsmomente hineinspielen. Schon das. Bestreben, das Alte herabzusetzen und das Neue' im Tielisten Licht erstrahlen zu lassen, macht uns derartige Forschungen widerwärtig. Dagegen ist es Klausner gelungen, den vollwertigen Beweis zu führen, daß nichts in Jesu Lehre enthalten ist, was nicht ebenso gut und ebenso klar auch bei den zeitgenössischen Rabbinern vorhanden wäre, mit dem Unterschiede bloß, daß hier nicht alles so fein pointiert und so fein gruppiert ist, da sich das Interesse der Rabbinen naturgemäß auf eine Menge anderer Dinge richtet. Das von manchen christlichen Forschern neuerdings eingehaltene Extrem, die Existenz Jesu ganz und gar zu leugnen und das Ganze als Mythos zu erklären, macht Klausner nicht mit, für ihn sind gerade gewisse Aeußerungen und Stellen im Talmud der beste Beweis, daß von Jesus als einem realen Wesen gesprochen werde. So wird nun der vielgeschmätote Talmud — und er wird gerade in dem am meisten geschmäht, was er über Jesus und seine Mutter auszusagen weiß, — noch als Kronzeuge dienen müssen in einem Prozeß, der gegen Jesum geführt wird. Einsichtsvolle christliche Gelehrte wissen es schon längst ganz genau, daß eine Geschichte Jesu, seiner Lehre und Kirche nicht geschrieben werden könne, ohne die zeitgenössischen Quellen aufs genaueste zu prüfen und anzuhören, aber auch da gilt Jesu Wort: „Der Wille ist stark, aber der Körper versagt", das heißt, selten können sich christliche Forscher das rabbinische Wissen so aneignen, daß sie nicht fehlgehen sollten. Wenn nun ein jüdischer Gelehrter wie Klausner, der Verfasser einer mehrbändigen Geschichte Israels und besonders der Geschichte des zweiten Tempels, sich der Sache annimmt, so müssen hier ganz andere Resultate erzielt werden können. Und das hat unser Verfasser in reichem Maße bewiesen. Kein Ereignis, kein Wort, ja kein sprachlicher Ausdruck irgend eines Gedankens, die nicht durch irgend eine Talmud- oder Midraschstelle zu richtiger Erklärung gebracht worden wären. Es ist eben die Stärke des Klausner'schen Buches, Jesum durchaus als Juden und Rabbi darzustellen. Nur dadurch, daß er das Zeremonialgesetz minder bewertete als seine „pharisäischen" Genossen, geriet er mit den Pharisäern in Konflikt, und auch dadurch, daß er sich allmählich für den Messias ausgab, für dessen Kommen die Vorbedingungen fehlten und der in weltlicher Beziehung nicht das leisten konnte, was nach innerster Ueberzeugung der Massen von ihm erwartet werden konnte. So waren denn allerdings die Keime da, aus denen hernach eine neue Religion emporwachsen sollte. 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Einleitung. „Das verjudete Wien" ist ein altes antisemitisches Schlagwort und man will in der Regel damit sagen, daft das, was jüdischer Geist und jüdische Arbeit hier geschaffen, dem Namen und den Ehre Wiens geschadet haben. Das einzige Mittel, diesen Anwürfen zu entgegnen, ist, sie faktisch zu widerlegen. Ich habe schon in zwei früheren Aufsätzen über Sonnenfels („Unser liebes Deutsch") und in „Wien ohne Juden" in kurzen Zügen manches in weiten Kreisen Unbekanntes mitgeteilt und ich will nun den Versuch machen, in einer längeren Artikelserie den ziemlich bedeutenden Anteil der Juden an der Entwicklung Wiens und den Nutzen, den die Stadt daraus gezogen hat, auf Grund von Akten und mit Hilfe von zuverlässigen historischen Quellen darzulegen. Vielleicht wird es dann manchem Antisemiten klar, daß „Wien ohne Juden" nicht das Kultur- und Handelszentrum, das es heute darstellt, geworden wäre. Wir wollen zuerst die kulturelle Wirkung, die von den Juden ausgegangen ist, in Augenschein nehmen, die besonders an Bedeutung gewinnt, wenn wir die rechtliche Stellung der Juden betrachten. Da ich vor allem den Zeitabschnitt vom Regierungsantritt Kaiser Josefs II. behandeln will, untersuchen wir einmal, welch große Rechte das berühmte Toleranzpatent vom 2. Jänner 1782 den Juden eingeräumt hat. Wir werden sehen, daß Josef II. eigentlich nicht so sehr Menschenfreund war, wie man es durch Jahrzehnte die Schulkinder lehrte, sondern daß er als kluger Herrscher den Nutzen der Juden fiür den Staat erkannte und daraus Vorteile für Oesterreich ziehen wollte. Ich will damit aber keineswegs ableugnen, daß Josef II. wohl der liberalste Herrscher seiner Zeit war. Das Toleranzpatent bedeutet unstreitbar eine gewaltige Verbesserung der Lage der Juden, aber es war eigentlich trotzdem sehr wenig. Der Jude blieb noch» immer ein Mensch zweiten Ranges und konnte selbstverständlich nicht Bürger werden. Wohl fielen diemeisten beschämenden Verordnungen wie die entwürdigenden Abzeichen und Trachten und der reiche Jude; durfte sogar „einen Degen tragen", aber» toleriert wurdeeben nur der reiche Jude, so daß die Armen, von denen es genug gab, den Segen des Toleranzpatentes gar nicht zu spüren bekamen. Die Feststellung, daß in vielen anderen europäischen Landern die Lage der Juden weit besser war, sagt übrigens sehr viel. Dieses Patent blieb bis 1848 in Kraft und wurde sogar noch dadurch verschlechtert, daß die Bollettentaxe, die nichts anderes als eine Leibmaut war. wieder eingeführt wurde. Wir dürfen bei dieser Gelegenheit aber nicht verabsäumen festzustellen, daß die österreichischen Behörden bei der Handhabung dem Judengesetze besonders in den Jahren vor 1830—48 nicht sehr strenge vorgingen und daß in dieser Zeit sehr viele Juden in Wien wohnten und Geschäfte trieben, die gar keine Erlaubnis dazu hatten. Die Regierung sab eben ein. daß die Gesetze veraltet seien, aber Metternich und vor allem Erzherzog Ludwig, die doch eigentlich für Kaiser Ferdinand regierten, wollten an dem Atter» nicht rütteln. So war die Lage der Juden keineswegs beneidenswert. Einige wenige Familien hatten wohl Macht und Ansehen, aber die meisten anderen hatten einen schweren Kampf ums tägliche Brot und daß wir trotzdem, besonders unter den Kulturträgern des Vormärz, so viele Juden finden, erhöht das Verdienst der Juden an der kulturellen Entwicklung Wiens gewaltig. Es ist unumgänglich, daß ich auch die getauften Juden erwähne, und so beginne ich mit Josef Freiherr von Sonnenfels. Ich will mich hier nur möglichst kurz fassen, da ich in einem anderen Artikel der „Wahrheit" seine Bedeutung für Oesterreich schon teilweise gewürdigt habe. Josef v. Sonnenfels wurde 1733 m Nikolsburg als Jude als Sohn des Lipmann Perfin. dessen Vater Rabbi Michael der Fromme als Stadt- und Landrabbiner von Berliner, weit und breit berühmt war, geboren. Lipmann Permi, selbst ein gelehrter Mann, konnte zu Hause keine

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