Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 28 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite? Vontiodtc su Worte Die jüdischen Gemeinden Ungarns in schwerer Not Im Budapest fand am 4. d. M. unter Vorsitz von Baron Kohner eine allgemeine Tagung der jüdischen Gemeinden des Budapester Distrikts statt, die sich vorwiegend mit der schweren Lage der jüdischen Gemeinden beschäftigte. Es wurde die Proklamierung eines „Tages der jüdischen Gemeinden Ungarns" beschlossen. Ferner wurde die Forderung an die Staatsbehörden gerichtet, die religiöse und kulturelle Gemeindearbeit im Verhältnis zur Zahl der Juden zu unterstützen. Dabei kam zum Ausdruck, daß jüdische Gemeinden an vielen Orten vor dem finanziellen Zusammenbruch stehen, •obgleich die Gemeindesteuern zum Teil bereits 100 Prozent der Staatssteuern erreicht haben. Ein Aufruf nimmt Bezug auf die Absicht des Ministers iür Kultus und Unterricht, im Hinblick auf die wirtschaftliche Krisis des Landes die Staatssubventionen für die jüdischen Gemeinden einzustellen und •das Besteuerungsrecht der Gemeinden einzuschränken. Dem Delegierten Ungarns beim Völkerbund, Grafen Apponyi, wurde für seinen vor dem Völkerbund vorgebrachten Protest gegen die Palästinaunruhen der Dank der jüdischen Gemeinden ausgesprochen. Baron Kohner wurde zum Präsidenten ■des Gemeindeverbandes wiedergewählt. Der Sabbat - Weltkongreß. Der Weltverband Schomre Schabbos, dessen Weltzentrale ihren Sitz in Berlin hat., hat seinen ersten ordentlichen Weltkongreß nach Berlin für den 24.. 25. und 26. August einbciufen. Die Vorarbeit für den Kongreß ist in vollem Gange. Aus den meisten Ländern jüdischer Siedlung (Amerika, Südafrika, England, Frankreich, Belgien, Holland. Italien, Schweiz. Norwegen, Schweden, Dänemark, Litauen, Lettland, Polen. Rumänien, Ungarn, Tschechoslowakei, Palästina usw.) sind zahlreiche und namhafte Delegationen angemeldet. Die Arbeiten des Kongresses werden sich insbesondere mit der Notlage der Sabbattreuen in der ganzen Welt, die unter dem Drucke der allgemeinen Wirtschaftskrise katastrophale Formen angenommen hat, zu befassen haben. Wirtschaftskenner von Rang und Namen werden sich mit den zu behandelnden Wirtschaftsfragen auseinandersetzen und die repräsentativsten Geister der mit der Sabbat-Idee unlöslich verbundenen Judenheit aller Richtungen werden Anlaß nehmen, auch auf die kulturelle Sabbatkrise einzugehen. Die Frage der drohenden Kalenderreform, die alle gläubigen Schichten der Welt mit ernsthafter Besorgnis erfüllt und die Sabbat-Idee in ihrem Wesenskern bedroht, soll besonders behandelt werden. Die jüdische Oeffentlichkeit sieht mit Spannung dieser Tagung entgegen und erhofft von ihr heilende Rückwirkungen auch für die allgemeine kultureile und soziale Krise, in die das Sabbatproblem schicksalhaft eingebettet ist. Für die Stabilität des Sabbat. Einer bei ihm erschienenen Delegation des litauischen Rabbi nerverban des versprach Außenminister Dr. Zainius, innerhalb des Völkerbundes dahin zu wirken, daß bei einer eventuellen Kalenderreform die Stabilität des Sabbat innerhalb der Woche nicht angetastet werde. Dr. Heinrich Brody, der Prager Oberrabbiner, scheidet bekanntlich demnächst aus seinem Amte. Wie der JTA-Vertreter erfährt, wird Herr Dr. Brody nach Berlin übersiedeln und sich hier ganz wissenschaftlichen Arbeiten, in erster Linie der Herausgabe der mittelalterlichen spanischen poetischen und philosophischen Literatur widmen. Paris. Die Societe des Etudes Juives feiert in diesen Tagen ihr 50jähriges Bestehen. Außerdem feiert das Rabbiner-Seminar, das in Metz begründet wurde und sich seit Jahrzehnten in Paris befindet, die Hundertjahrfeier seiner Gründung. ■ Es wurde im Laufe des Semesters 1829/30 eröffnet. Aus dem Seminar sind durch Generationen die hervorragendsten geistigen Führer des französischen Judentums hervorgegangen. Erinnert sei nur an Männer, wie den früheren Oberrabbiner von Frankreich, Zadoc-Kahn, den jetzigen Oberrabbiner von Frankreich und hervorragenden Gelehrten Israel L e v i. Das Seminar befindet sich gegenwärtig in einer wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Lage. Die Ausgaben überschreiten die Einnahmen um etwa 150.000 Francs. Im Jahre 1914 gab es in Frankreich 42 rabbinische Aemter, die durch ehemalige Schüler des Seminars besetzt waren, augenblicklich nur etwa 28. So sind z. B. die Stellen des Oberrabbiners Fridmann in Algier, des Rabbiners Herrmann in Reims, des Oberrabbiners Jonas Weyl und anderer zunächst nicht wieder besetzt worden. Das Seminar hat nicht nur die französischen Gemeinden mit geistigen Führern versehen, sondern Schüler des Seminars wirkten und wirken auch in Argentinien, Belgien, Aegypten und der Schweiz. Die allgemeine Hoffnung des französischen Judentums geht dahin, daß in Verbindung mit der Feier auch die wirtschaftliche Lage des Seminars eine Stabilisierung erfahren möge. Tagung des Conseil der ICA. Der Verwaltungsrat der ICA ist für den 12. Juli nach Paris einberufen worden. An der Sitzung, die unter dem Vorsitz des Herrn Leonard Cohen stattfinden wird, werden die französischen Mitglieder der ICA, die Professoren Reinach, Netter und Wahl, die belgischen Mitglieder Philipson und Gottschalk, die englischen Mitglieder Montefiore und d'Avigdor Goldsmid und die deutschen Dr. Blau, Dr. Klee und Dr. Baerwald teilnehmen. Auf der Tagesordnung stehen Fragen von besonderer Bedeutung, insbesondere Fragen des europäischen Ostens, aber auch amerikanische, in erster Linie südamerikanische Angelegenheiten. wahrend des Sommeraiilenthalfes Ihrer Frau erhalten sie Vorzügl. Wittago. ADcndüsdi streng zu bürgerlichen Preisen II., Praterstraße Nr. 33 (Neben dem Carl-Theater) EISEN & HÖNIGSBER SELC H WAR EN FABRI WANTEN Trauung. Am 6. d. M. fand im festlich beleuchteten Stadttempel die Trauung des Fräulein Julia S c h w a r z s t e i n, Tochter des Ehepaares Paul und Leopoldine Schwarzstein, mit Herrn SaschaLissiansky, Sohn des EhepaaresMischa und Augustine Lissiansky, statt. Im Gotteshause hatte sich eine sehr große Anzahl von Freunden und Bekannten der Brauteltern eingefunden, insbesondere nahmen an dem schönen Hochzeitsfeste alle jene vielen Vereine regen Anteil, in denen der durch seinen Wohltätigkeitssinn rühmlich bekannte und geschätzte Herr Paul Schwarzstein unermüdlich . mitwirkt. So sah man Abordnungen der Chewra Kadisclia und anderer Wohltätigkeitsvereine, Herrn Kultusvorsteher E. Hof mann, Herrn Reg.-Rat E. Adler, Herrn Aintsleiter Freistadt, ferner eine starke Delegation des jüdischen Frauenvereines Leopoldstadt, dessen rühriges Vorstandsmitglied Frau Leopoldine Schwarzstein ist. Den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Prof. J. M. Bach, der in seiner gehaltvollen Festrede die Bedeutung des jüdischen Hauses dem Brautpaare vor Augen führte. Dieses jüdische Haus ist zu allen Zeiten den Juden Schutz und Schirm gewesen, namentlich aber dann, wenn eine wackere Hausfrau in demselben waltete. Von diesem, schönen Grundgedanken ausgehend, zeigte Dr. Bach nun auf, wie gut es um das Haus der Brauteltern bestellt ist, in dem Herr Paul Schwarzstein einen solch edlen jüdischen Familien- und Wohltätigkeitssinn entwickelt und seine brave Gattin ihn in all seinen sozialen Bestrebungen hilfreich unterstützt. Er ermahnte das Brautpaar, solch hervorragendem Vorbilde stets nachzueifern ztim Wohle des eigenen Hauses und zum Wohle der ganzen Gemeinschaft. Die kantoralen Funktionen vollzog Herr Oberkantor Heinrich Fischer, assistiert von dem trefflichen Chor des Stadttempels. Brauteltern und Brautpaar, in weitesten Kreisen geschätzt und beliebt, waren Gegenstand überaus herzlicher Gratulationen. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■> Israelitisches BLINDEN-INSTITUT, Wien, Hohe Warte. An die Slawische Versicherungs-Anstalt, Akt-Ges., Wien I., Wollzeile 32. Für die ebenso rasche wie kulante Erledigung unseres Brandschadens vom 6. Juni a. c. danken wir Ihnen bestens. Hochachtungsvoll Direktion des Israel. Blindeninstitutes Hohe Warte in Wien. Eine ehrenvolle Berufung. An den Herren Oberrabbiner von Trier, Dr. Adolf A11 m a n n, ist die jüdische Gemeinde in Saloniki mit dem ehrenvollen Ruf herangetreten, auf den dort vakanten Oberrabbinerposten, den die Gemeinde ihm anbietet, zu kandidieren. Saloniki, eine Stadt von 250.000 Einwohnern und etwa 80.000 bis 100.000 Juden, ist das Zentrum der griechischen Judenheit, ausgestattet mit den größten, mustergültigen jüdischen Institutionen aller Art. Der Oberrabbiner von Saloniki soll zugleich der Großrabbiner für ganz Griechenland sein. Oberrabbiner Dr. Altmann genießt in der ganzen jüdischen Welt den Ruf eines großen Gelehrten, insbesondere als Talmudist, Philosoph und Geschichtsforscher und ist als glänzender und feinsinniger Redner sowie Verfasser von zahlreichen bedeutenden Werken bekannt. Ob Dr. Altmann dem Rufe Folge leisten wird, ist noch nicht bekannt geworden. Baden bei Wien. Anläßlich der Jubiläumsfeier der Stadt Baden wurde Herrn Obermedizinalrat Dr. Rath der H o f r a t s t i t e 1 verliehen. Herr Hofrat Dr. Rath entstammt einer Miskolczer Kaufmannsfamilie und ist seit 40 Jahren in Baden, wo er sehr beliebt und geschätzt ist. als hervorragender Arzt tätig. Aber auch seine besonderen Charaktereigenschaften haben ihm die Wertschätzung weitester Kreise errungen, insbesondere sein sozialer Sinn. Herr Hofrat Dr. Rath gilt als ein edler Mensch, der sich besonders liebevoll der Armen annimmt. Auch die Badener Judenschaft fühlt sich durch die ihm zuteil gewordene Auszeichnung geehrt, da er als guter Glaubensgenosse auch im Vorstande der dortigen Gemeinde lange Zeit ersprießlich tätig war. Wir gratulieren aufs herzlichste. Im Max Freiherr von Soringer'scben- Waisenhaus«. Wien XIV.. Goldschlagstrafte 84. werden im Schuljahre 1930/31 einige Waisenknaben zur unentgeltlichen Pflege und Erziehung übernommen. Gesuche mit Personaldokumenten versehen, für 6-bis 11 jährige Knaben, die xanz oder väterlicherseits verwaist sind, sowie fir solche, die mütterlicherseits verwaist sind, deren Vater aber erwerbsunfähig ist. sind bis spätestens 15. August 1930 an das Kuratorium in Wien. I.. Augustinerstraße 8. einzusenden. Dienstjubiläum. Am 1. Juli d. J. fand im Kultusbezirksamt. XVI., Hubergasse 8, eine Sitzung des Bethaus-Vorstandes statt, welche sich zu einer besonderen Ehrung des sein 25jähriges Dienstjubiläum feiernden Amtsie iters der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Sigismund Rochmis. gestaltete. Die Herren Obmann Siegmund Weiler. Sr. Ehrwürden Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach und der Obmann der Bezirkskommission S i t z m a n n priesen in beredten Worten die hervorragende und vorbildliche Tätigkeit des allseits beliebten und hochgeschätzten Amtsleiters. Die erhebende Feier bildete eine Ueberraschuug für den bescheidenen Jubilar. Unvergessen ist seine Hilfsbereitschaft für die Kriegsfliichtlinge, einzigartig seine nimmermüde Fürsorge iür die Armen und mustergültig sein Wirken als Beamter auf allen Gebieten seines weitverzweigten Dienstes. — Zu Ehren des Amtsieiters der israelitischen Kultusgemeinde und Sekretärs der Chewra Kadischa für den 16. und 17. Bezirk. Herrn Sigismund Rochmis. veranstaltete auch die Chewra eine Festsitzung. In einer großangelegten, formvollendeten Rede hob der Vorsitzende. Kultusvorsteher Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, die unvergänglichen Verdienste des Jubilars hervor und schilderte in ergreifenden Worten sein selbstloses, mühevolles Wirken als Hort der Armen. Unter dem langanhaltftideh Beifall der Versammelten schloß sich der Vizepräses. Herr Ottomar K a t z. im Namen des Gesamtvorstandes der Kundgebung des Vorsitzenden an. Mögen dem Gefeierten viele Jahrzehnte reinen Glückes beschieden sein! Hildesheimer-Feier. Auch in diesem Jahre hat das Rabbiner- Seminar zu Berlin am 4. Tamus (30. Juni), dem Sterbetage seines verewigten Begründers. Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer, eine Gedenkfeier unter Teilnahme aller gegenwärtigen Schüler und einer großen Anzahl von Gästen abgehalten, wie sie schon seit drei Jahrzehnten alljährlich stattfindet und mit der Ueberreichung von Diplomen au entlassene Schüler verbunden ist. Die Feier war umrahmt von Psalmen-Vorträgen, in ihrem Mittelpunkte standen die Entlassungsrede des Herrn Dozenten Dr. J. W o h 1 g e m u t h und eine Ansprache des Rabbiners Dr. Ch. B. F r i e d m a ti n. an die sich ein eindrucksvolles Gcbei des Herrn Dozenten Dr. S. G r ii n b e r g schloß. Ausstellung jüdischer Kultgeräte in München. Der Verband Bayrischer israelitischer Gemeinden und die israelitische Kultusgemeinde München haben anläßlieb, des zehnjährigen Bestehens des Verbandes im Saale der Gesellschaft „Concordia" eine Ausstellung jüdischer Kultgeräte und Kulteinrichtungen iür Synagoge und Haus, parallel zur „Ausstellung christlicher Kunst", veranstaltet, die in der Kunststadt München allgemein starkes Interesse findet Die Eröffnung der Ausstellung fand in Gegenwart von Vertretern der Staatsregierung, den Leitern der staatlichen und städtischen Kunstsammlungen, des. Prinzen Ludwig Ferdinand und Gemahlin und zahlreicher bekannter Persönlichkeiten der Münchener Gesellschaft statt. Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer, der Präsident des Gemeindeverbandes, wies in seiner Eröffnungsrede auf den Charakter der Austeilung hin, der mit der christlichen durch den überhöhten Gottesbegriff verbunden ist Der göttliche Atem lebe in jeder echten hohen Kunst, Glaube und Heimat seien die tieferen Wurzeln jeder Kunst Die Münchener Presse würdigt die Ausstellung in längeren Aufsätzen und kommt zu dem Schlüsse, daß die Ausstellung klar zeigt, wie tief das deutsche Judentum im deutschen Volkstum verwurzelt ist. Jüdische Schauspielkunst in Amerika. Im Alter von f9 Jahren verstarb in New York der bekannte jüdische Schauspieler Samuel Tobias Tabachnikoff. Der Verstorbene war 40 Jahre lang mit der jüdischen Bühne verbunden; vor 37 Jahren wanderte er aus Kamenez Podolsk nach Amerika ein. Der Verband jiddischer Schauspieler in Amerika hat den Beschluß geiaßt. seinen Mitgliedern zu verbieten, in jiddischen Tonfilmen zu spielen, weil die Produktion solcher Filme die Zukunft des jiddischen Theaters gefährden könne. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein der westlichen Bezirke Wiens eröffnet auch heuer, wie alljährlich, seine Ferienkolonie in Vöslau, Florastraße 15. Diesbezügliche Anmeldungen sind beim Präsidenten Karl Fröhlich, VI., Mollardgasse 85, Telephon: B 29-1-65 und bei Frau Helene Kani t z (Mensa judaica). IX., Zimmermanuplatz 8, Telephon A 25-2-28, vorzunehmen. DcrOdfsiditigcn Sic bei Ihren Einhäuicn unsere Inserenten!