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Die Wahrheit · 1930-07-11 · Heft 28 (11.7.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Rechte der gesenwärtisen Einwohner des Landes fortentwickelt werden soll". Der Bericht Stellt ferner fest: „Im Laufe des Jahres 1929 hat sowohl der arabische wie der jüdische Nationalismus neue Impulse erhalten. Was den arabischen Nationalismus betraft, der nie vollständig erstorben war. so hat er durch den Appell an das religiöse Gefühl njetie Lebenskraft erhalten. Auf jüdischer Seite hat " der Nationalismus in seinen wirtschaftlichen Bestrebungen durch die Wirtschaftsdepression der Jahre 1926-27 und zum Teil 1928 Rückschläge erfahren, fand aber in der Vereinigung der Juden zum Zwecke der Fortentwicklung des jüdischen Nationalheims erneute Kraft." Der Transjordanien-Bericht. In dem Transjordanien gewidmeten Teil des Berichtes der englischen Regierung an den Völkerbundsrat heißt es u. a.: Die enge Verbindung zwischen den Arabern Palästinas und Transjordaniens und die Verbreitung wilder Gerüchte bei Ausbruch der Unruhen in Palästina erzeugten in Transjordanien einen solchen Gemütszustand, daß ein bewaffneter Marsch gegen die jüdische Bevölkerung Palästinas zu befürchten war. Daß diese schwere Gefahr abgewendet wurde, ist hauptsächlich der Haltung des Emir Abdullah und seiner Regierung zu verdanken. Dem Bericht sind zahlreiche Dokumente beigefügt, darunter die Bestimmungen der Konzession für die Ausbeutung des Toten Meeres und die Bestimmungen über die Benutzung des Platzes vor der Klagemauer, in denen die Verwendung von Bänken und Scheidewänden und ferner das Vorbeiführen von Tieren über den Platz vor der Klagemauer zu bestimmten, dem jüdischen Gottesdienst vorbehaltenen Stunden verboten sind, ferner angeordnet wird, daß die Tür. welche den Moslems den Zugang vom Platz vor der Klagemauer zur Zavieh- Moschee am Südende der Mauer eröffnet, an Sabbathtagen und jüdischen Feiertagen geschlossen zu bleiben har. Nietzsche und das Judentum. Von Max K o z o w e r. Antisemitismus ist ein Begriff, ein Urteil. Beide sind Gefühlsangelegenheiten, und diese wiederum sind immer falsch, indem die Prämissen Liebe und Haß ausschließlich den Ausschlag geben. Beim Durchschnittsmenschen ist das immer der Fall. Selbst wenn wir bei sogenannten Gebildeten Antisemitismus begegnen, so verliert obiger Ausdruck keinesfalls an Bedeutung. Man ist Antisemit nur aus zwei Gründen: Aus Dummheit und aus Schlechtigkeit, und diese beiden Kategorien verursachen Gefühlsentgleisungen schlimmster Sorte, abseits von Vernunft und Verstand. Große Geister jedoch, die Vernunft und Verstand besitzen und Mut und Charakter haben, das, was sie denken, auch der Welt zu sagen, waren nie Antisemiten. Unter solchen großen, mutigen Geistern war der große Philosoph und Philolog Nietzsche. Es ist zum Staunen, daß Nietzsche, dieser große Revolutionär aller menschlichen Werte, dieser geistige Heroe, der bis in die Gründmauern alle menschlichen Begriffe, Erkenntnisse, Theorien, Moral und alle anderen, jahrhundertealten, festgefügten Sentenzen stürzte, daß dieser einzige Mann in seiner großen Produktivität geistiger Größe Hellenen- und Judentum nichts anzuhaben vermochte, ja diese über alles erhob, seine volle Anerkennung ohne Lobhudelei beiden zollten. Beim Durchstudieren seiner Werke bewunderte ich immer mehr seinen Mut und seine 3. Versöhnungen. Wenn die Verhältnisse es verlangen, stiften wir auch Versöhnungen. Das ist auch das Geheimnis unserer Geldmittel, die uns sehr knapp, manchmal auch gar nicht, zu Gebote stehen. Wir appellieren an die Familie, söhnen sie mit dem Verbrecher aus und haben auch die Geldmittel für sein Fortkommen. Auch hiefür gehört eine zielbewuße Organisation. 4, Repatriierungen. Im Gegensatz zu den Heimatlosen haben diese Stiefkinder des Schicksals eine Heimat, die aber weder sie begehrt, noch von ihnen begehrt wird. Außer den Entlassenen gibt es viele Unbescholtene, denen ein ähnliches Schicksal bevorsteht. Denn den armen Juden begehrt kein einziges Land. Höchstens wenn er wo eine Straftat begangen hat, dann wünscht man seine Auslieferung dorthin, um ihn recht empfindlich zu strafen. — Traurig gestaltet sich das Schicksal der Irren, denen eine Repatriierung bevorsteht. Durch irgend einen Formfehler haben diese Kranken ihre österreichische Zuständigkeit nicht erlangt und jetzt sollen sie abgeschoben werden. Manche trotzdem sie in Wien geboren sind und hier ihre sie betreuenden Angehörigen haben und nur Deutsch verstehen. Diese Interventionen bei den Behörden erheischen ebenfalls sehr viel Mühe und brauchen dringend eine anerkannte und von der Kultusgemeinde geleitete Organisation. Aber den Impuls hiezu muß die private Initiative geben. 5. Lebensmüde, Erziehungsbedürftige. Lebensmüde waren immer eine Gefahr und doch ist diese Gesellschaftskrankheit in der modernen Zeit zu einer großen und ansteckenden Gefahr geworden. Es gibt auch allgemeine Organisationen, aber eine jüdische Korporation ist bei Ansehung des in der jüdischen Ethik enthaltenen Schatzes, bei der Möglichkeit einer besseren Iidividualisierung eine große, befreiende Tat. Erziehungsbedürftige Kinder müssen nur beraten werden. Wenn sie schwer gefährdet sind, dann sollen sie in Heilstätten geleitet wenden. Eine Gefährdetenorganisation ist die erste unterscheidende und dirigierende Instanz. Kommt ein Fall der Armut, Arbeitslosigkeit, so wird er in das Wohlfahrtsamt hindirigiert Beratung der Jugend und der Erwachsenen. Auch die Jugend in ihrer seelischen Not. in ihren Zweifeln an sich, in ihrem Zerfall mit Gott und mit der Gesellschaft wendet sich an uns. Hier muß der Seelsorger, die ethisch hochstehende und im Judentume gebildete Frau helfend eingreifen. Was hier an Erziehungswerten geschaffen werden kann, läßt sich kaum schildern. (Schluß folgt.) Größe und ich beschloß, alle seine Aphorismen, die das Judentum betreffen, aus der Ausgabe seiner Schriften vom Jahre 1899 in Leipzig, in 15 Bänden zerstreut, zu sammeln und in einer Folge herauszugeben. Ich verfolge hiermit zwei Zwecke: 1. Den Andersgläubigen zu zeigen, wie ein echter, großer Geist, ein wahrer Mensch objektiv über das Judentum denkt und fühlt und 2. will ich damit den Juden klar machen und zeigen, daß es auch Nichtjuden gibt, die den Juden die ihnen gebührende Achtung in jeder Hinsicht zollen, und daß unter diesen Nichtjuden ein Nietzsche sich befindet. Mögen unsere Juden daraus Selbstbewußtsein und Vertrauen zu sich selber schöpfen. Band IV, Absatz 68. Alle Welt glaubt noch immer an die Schriitstellerei des „Heiligen Geistes" oder steht unter der Nachwirkung dieses Glaubens: wenn man die Bibel aufmacht, so geschieht es, um sich zu „erbauen", um in seiner eigenen persönlichen, großen oder kleinen Not einen Fingerzeig des Trostes zu finden. Er (Paulus) litt an einer iixen Idee oder deutlicher: an einer fixen Idee, stets gegenwärtigen, nie zur Ruhe kommenden Frage: welche Bewandtnis es mit dem jüdischen Gesetze habe? Und zwar mit der Erfüllung dieses Gesetzes? In seiner Jugend hatte er ihm selber genugtun woilen, heißhungrig nach dieser höchsten Auszeichnung, welche die Juden zu denken vermochten, dieses Volk, welches die Phantasie der sittlichen Erhabenheit höher als irgend ein anderes Volk getrieben hat und welchem allein die Schöpfung eines heiligen Gottes, nebst dem Gedanken der Sünde als eines Vergehens an dieser Heiligkeit gelungen ist Paulus war zugleich der fanatische Verteidiger und Ehrenwächter dieses Gottes und seines Gesetzes geworden und fortwährend im Kampfe und aui der Lauer gegen die Uebertreter und Anzweiiler desselben, hart böse gegen sie und zum Aeußersten des Strafen geneigt. Absatz 205. Vom Volke Israel. Zu den Schauspielen, auf weiche uns das nächste Jahrhundert einladet, gehört die Entscheidung im Schicksale der europäischen Juden. Daß sie ihren Würfel geworfen, ihren Rubikon überschritten haben, greift man jetzt mit beiden Händen: es bleibt ihnen nur noch übrig, entweder die Herren Europas zu werden oder Europa zu verlieren, so wie sie einst vor langen Zeiten Aegypten verloren haben, wo sie sich vor ein ähnliches Entweder-Oder gestellt hatten. In Europa aber haben sie eine Schule von achtzehn Jahrhunderten durchgemacht, wie sie hier kein anderes Volk aufweisen kann, und zwar so. daß nicht eben der Gemeinschaft, aber umsomehr den Einzelnen die Erfahrungen dieser entsetzlichen Uebungszeit zugute gekommen sind. In Folge davon sind die seelischen und geistigen Hilfsquellen bei den jetzigen Juden außerordentlich; sie greifen in der Not am seltensten von Allen, die Europa bewohnen, zum Becher oder zum Selbstmord, um einer tiefen Verlegenheit zu entgehen, was dem geringer Begaben so nahe liegt Jeder Jude hat in der Geschichte seiner Väter und Großväter eine Fundgrube von Beispielen kältester Besonnenheit und Beharrlichkeit in furchtbaren Lagen, von feinster Ueberlistung und Ausnützung des Unglücks und des Zufalls; ihre Tapferkeit unter dem Deckmantel erbärmlicher Unterwerfung, ihr Heroismus im spernere se sperni übertrifft die Tugenden aller Heiligen. Man hat sie verächtlich machen wollen, dadurch, daß man sie zwei Jahrtausende lang verächtlich behandelte und ihnen den Zugang zu allen Ehren, zu allem Ehrbarem verwehrte, dafür sie umso tiefer in die schmutzigeren Gewerbe hinstieß; und wahrhaftig, sie sind unter dieser Pdozedur nicht reinlicher geworden. Aber verächtlich? Sie haben selber nie aufgehört, sich zu den höchsten Dingen berufen zu glauben und ebenso haben die Tugenden aller Leidenden nie aufgehört sie zu schmücken. Die Art wie sie ihre Väter und ihre Kinder ehren, die Vernunft ihrer Ehen und Ehesitten zeichnet sie unter allen Europäern aus. Zu alledem verstanden sie es, ein Gefühl der Macht und der ewigen Rache sich aus eben diesen Gewerben zu schaffen, welche man ihnen überließ (oder denen man sie überließ); man muß es zur Entschuldigung selbst ihres Wuchers sagen, daß sie ohne diese gelegentliche angenehme und nützliche Folterung ihrer Verächter es schwerlich ausflerren-naß-Schneiderei IWILBCIN BRAUNER | Wien 11.» Praterstraße Nr. 21 Gegründet 1900 Telephon R 41-6-64 empfiehlt sich zur Anfertigung eleganter Herren - Garderoben Orig. englische Stoffe Erstklassige Ausführung stets lagernd Massige Preise *r lahliintfs-Erielclilcrnnilcn £ *TfffyTVTTTTTffTTffTT¥fTT?tftfTtfffT gehalten hätten, sich so lange selbst zu achten. Denn unsere Achtung vor uns selber ist daran gebunden, daß wir Wiedervergeltung im Guten und Schlimmen üben können. Dabei reißt sie ihre Rache nicht leicht zu weit: denn sie haben alle die Freisinnigkeit, auch die der Seele, zu welcher der häuiige Wechsel des Ortes, des Klimas, der Sitten von Nachbarn und Unterdrückern den Menschen erzieht, sie besitzen die bei Weitem größte Erfahrung in allem menschlichen Verkehre und üben selbst in der Leidenschait noch die Vorsicht dieser Erfahrung. Ihrer geistigen Geschmeidigkeit und Gewitztheit sind sie so sicher, daß sie nie, selbst in der bittersten Lage nicht, nötig haben, mit der physischen Kraft, als grobe Arbeiter, Lastträger, Ackerbausklaven ihr Brot zu erwerben. Ihren Manieren merkt man noch an, daß man ihnen niemals ritterlich vornehme Empfindungen in die Seele und schöne Waffen um den Leib gegeben hat: etwas Zudringliches wechselt mit einer oft zärtlichen, last stets peinlichen Unterwürfigkeit. Aber jetzt, da sie unvermeidlich von Jahr zu Jahr mehr sich mit dem besten Adel Europas verschwägern, werden sie bald eine gute Erbschaft von Manieren des Geistes und des Leibes gemacht haben: so daß sie in hundert Jahren schon vornehm genug dreinschauen werden, um als Herren bei den ihnen Unterworfenen nicht Scham zu erergen. Und darauf kommt es an! Deshalb ist ein Austrag ihrer Sache für jetzt noch verfrüht! Sie wissen selber am besten, daß eine Eroberung Europas an irgend weche Gewaltsamkeit nicht zu denken ist: wohl aber, daß Euopa, irgendwann einmal wie eine völlig reife Frucht ihnen in die Hand fallen dürfte, welche sich ihr nur leicht entgegenstreckt. Inzwischen haben sie dazu nötig, auf allen Gebieten der europäischen Auszeichnung sich auszuzeichnen und unter den Ersten zu stehen: bis sie es so weit bringen, das, was auszeichnen soll, selber zu bestimmen. Dann werden sie die Erfinder und Wegzeiger der Europäer heißen und nicht mehr deren Scham beleidigen. Und wohin soll auch diese Fülle angesammelter großer Eindrücke, welche die jüdische Geschichte iür jede jüdische Familie ausmacht, die Fülle von Leidenschaften, Tugenden, Entschlüssen, Entsagungen, Kämpten, Siegen aller Art, wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige Menschen und Werke! Dann, wenn die Juden aui solche Edelsteine und goldene Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben, wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten, wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnung verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein, an dem der alte Judengott sich seiner selber, seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes treuen darf — und wir alle, alle wollen uns mit ihm freuen! Glossen, Kein Einsichtiger wird es dem Herrn Prorektor Gleispach verargen, wenn er durch die furchtbaren Hiebe, die der Abg. Leuthner im Nationalrat gegen ihn führte, verstimmt wurde. Es waren zwar beispiellos unverfälschte deutsche Worte, die Leuthner zur Charakteristik des Herrn Prorektor und seiner „Studentenordnung" suchte, aber ich wette eine Million gegen einen ganzen Groschen aus den Abonnementsgeldern der „Dötz", daß dadurch die Wirkung auf das Ohr Gleispachs nicht gemildert wurde. Aber auf die Gefahr hin, das Mißfallen des Herrn Abgeordneten Leuthner zu erwecken, muß ich doch gestehen, daß mir die Wucht seiner Ausführungen gegen den Geist der Gleispach'schen „Studentenordnung" im Grunde genommen federleicht gegenüber der peinlichen (für den Herrn Prorektor Gleispach peinlichen) Abwehr erscheinen, die sie fanden. Wie sieht es denn mit der Verteidigung Gleispachs aus? * * Wer wäre zunächst berufen gewesen, sofort im Nationalrat für Gleispach ein Wort zu sprechen? Ein einziges, und sei es auch noch so diplomatisch vorsichtig gewähltes Wort des Herrn Unterrichtsministers hätte wie Musik dem Ohre des Herrn Prorektors geklungen. Aber ein ganzes Trappistenkloster kann nicht so eindrucksvoll schweigen, als es der Herr Unterrichtsminister tat. Er schwieg ganze Bände. * * £ Herr Prorektor Gleispach mochte sich zur eigenen Beruhigung das Schweigen des Unterrichtsministers immerhin mit dessen Rücksichtnahme auf die bevorstehende Entscheidung des

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