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Die Wahrheit · 1930-06-27 · Heft 26 (27.6.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 26 (27.6.1930)
Date
1930-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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kurze Zeit ihrer Wirksamkeit hinweisen, auf eine Zeit, in der diese nationale Idee in ihrer Auswirkung durch die geschichtlichen Ereignisse im Heiligen Lande erschüttert wurde. Ihr gegenüber steht die unumstößliche Tatsache, daß die Juden als Schicksalsgemeinschaft in der Jahrtausende währenden Geschichte der Diaspora einzig und allein durch das Band des Glaubensbekenntnisses zusammengeschmiedet wurden. Hütet euch davor, dieses Band um einer Idee willen zu zerreißen, die im Laufe der Geschichte so oft schon demselben Volke zum Siege verholten und dasselbe Volk vernichtet hat. * * * Die Hinrichtungen der drei Araber vollzogen. Am 17. Juni, morgens, wurden die drei im Zu* sammenhang mit den Unruhen im August 1929 zum Tode verurteilten Araber, die wegen mehrfachen Mordes In den Begnadigungsakt nicht einbezogen waren, in der Zitadelle von Akko hingerichtet. Die Muezzim auf den Minaretts der Moscheen zu Haifa und Akko riefen während der Hinrichtung die Moslems zum Gebete, auch die Glocken der katholischen Kirchen läuteten eine Viertelstunde lang. Der Polizeiinspektor Mavrogordato weilte persönlich in Akko, um den Hinrichtungsakt zu überwachen, während Major Saunders in Haifa die Vorbereitungen traf, um eventuell aufkommende Unruhe im Keime zu ersticken. In Haifa ist es zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, in Jaffa hat die Polizei eine Araberdemonstration gesprengt Am .Damaskustor zu Jerusalem versuchten Schulknaben zu demonstrieren, die Polizei zerstreute sie und verhaftete vier Araber, unter ihnen den als Agitator bekannten Lehrer der Saint George-Schule. — Von den Hingerichteten waren zwei Hebron-Araber und einer aus Safed. Berliner jüdische Persönlichkeiten für die Begnadigung. Professor' Albert Einstein, Dr. Oskar Cohn, Ernst Toller und Rabbiner Dr. B a e c k sandten am 16. Juni abends das folgende Telegramm an den High Commissioner in Jerusalem: Exzellenz! Aus Gründen reiner Menschlichkeit sind wir gegen jede Todesstrafe und lassen keine Ausnahme zu, wie schwer auch das einzelne Verbrechen sei. Uns als Menschen und Juden verbietet das Gewissen, in dieser Stunde zu schweigen. Eure Exzellenz bitten wir, Zionisten wie Nichtzionisten, inständig um Begnadigung der drei Araber, die auch die von uns erstrebte Friedensarbeit zwischen Juden und Arabern kräftigen wird. Die Klagemauerkommission in Jerusalem. Die Klagemauerkommission des Völkerbundes weilt bereits in Jerusalem. Die Kommission setzt sich . bekanntlich aus dem früheren schwedischen Außenminister und Justizminister Eliel L o e ig r e n als Vorsitzenden, ferner aus dem Genfer Richter Charles Barde und dem früheren Beamten des holländischen Kolonialdienstes Van K a m p e n zusammen. Sie wurde auf dem Bahnhof von dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Palästinas Colonel Frederick K i s c h im Namen der Jewish Agency for Palestine, von Rabbi Uziel im Namen des Rabbinats. sowie von Dr. David Yellin, Eliash und Blau, die die jüdische Sache vor der Kommission offiziell vertreten werden, begrüßt. Araber waren bei Ankunft der Kommission auf dem Bahnhof nicht anwesend. Die Juden werden vor der Kommission einheitlich vertreten Sein. Es besteht ein Kontakt mit dem vom französischen Oberrabbiner Israel Levi geleiteten Europäischen Rabbinischen Verband. Die Rabbinischen Räte in der ganzen Welt wurden ersucht, sich vor der Kommission vertreten zu lassen. Dr. David Yellin wird, die jüdische Gemeinschaft Palästinas (Knesseth Israel), Herr Blau die Agudas Jisroel vertreten. Herr Eliash wird das jüdische Beweismaterial präsentieren. Dr. Magnes. der an Stelle des erkrankten Dr. Cyrus Adler das jüdische Beweismaterial hätte präsentieren sollen, wird vor der Kommission nicht erscheinen, da sich der Waad Leumi kategorisch gegen die Betrauung von Magnes erklärt hat. (Wieder eine Provokation, die ganz fehl am Ort ist. D. Red.) Zur Vertretung der jüdischen Sache hat sich ein rabbinischer Rat aus dem aschkenasischen Oberrabbiner Kuck, dem sephardischen Oberrabbiner Jacob M e i r und dem agudistischen Oberrabbiner Sonnenfeld konstituiert. Es ist dies die erste bedeutsame Aktion, zu der sich die Rabbiner aus den entgegengesetzten Lagern vereinigen. Professor Yehudah, der bekannte Orientalist, hat seine Bereitschaft kundgetan, sich den Vertretern der jüdischen Sache anzuschließen. Die erste Sitzung der Kommission, zu der schon arabische und jüdische Vertreter zugelassen werden, hat am Montag, den 23. Juni; stattgefunden und war vertraulich. Als Sekretär der Kommission fungierte Herr S a c h 1 a n vom schwedischen diplomatischen Dienst. Die Presse wird zu den öffentlichen Sitzungen zugelassen werden, aber der Umfang der öffentlichen Verhandlung ist noch nicht festgesetzt. Aehnlich wie bei der Shaw-Kommission werden je ein Vertreter der arabischen, der jüdischen, der englischen und der ausländischen Presse zugelassen werden. Tagung des Administratice Committee der Jewish Agency. Herr Felix M. Warburg, der Vorsitzende des Administrative Commitee der Jewish Agency, hat die Mitglieder des Administrative Committee zu einer Tagung für den 29. August nach Berlin eingeladen. Ein demokratisches Regime in Palästina? Der arabische Mitarbeiter des „P a 1 e s t i n e Bulletin" teilt mit, der Großmufti von Jerusalem habt bei seiner Rückkehr aus London und Genf seinen Anhän ern erklärt, die britische Regierung werde innerhalb von sechs Monaten in Palästina ein demokratisches Regime errichten. — Auf eine Frage der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird derselben seitens offizieller englischer Regierungskreise erklärt, die Einrichtung eines demokratischen Regimes für Palästina stehe nicht zur Erwägung. Er fand auch Gehör bei Ludendorff, aber dieser konnte sich von anderen Einflüssen nicht befreien. Frau von Hindenburg hatte ihn gebeten, ihrem Vereine zur Erneuerung Deutschlands beizutreten. Darauf antwortete Rathenau: „Ich bitte, nicht auf mich, zu rechnen! Aber, wenn ich mich auch entschließen sollte, mich auf politischem Gebiete zu betätigen, so sind alle Voraussetzungen dagegen. Obwohl meine Vorfahren und ich dem Vaterlande treu gedient haben, so bin ich als Jude Bürger zweiter Klasse. Durch einen Glaubenswechsel könnte ich mich den Unannehmlichkeiten entziehen. Das scheint mir aber nur das Unrecht der herrschenden Klasse zu bestärken. Beunruhigen Sie sich, gnädige Frau, nicht darüber, denn es ist nichts Neues für Sie. Auf dem Gebiete, auf dem ich dem Vaterland zu dienen im Augenblick in der Lage bin, in dem Reiche des Gedankens, gibt es keine Unterschiede der Konfessionen!" Deutschland hörte nicht den Rat der guten und klugen Geister, sondern es kämpfte bis zur Ohnmacht — und kapitulierte. Rathenau hat mit allen Mitteln und geistigen Kräften gegen diese Kapitulation gekämpft. Zuerst mit einem Aufruf an die deutsche Jugend, in dem er sich als Sohn des alten Stammes vorstellt. Auch das bestätigt die Behauptung des Grafen Keßler, daß Rathenau sein Judentum stets wie ein Adelsrecht getragen hat. Als der Frieden kam, fanden die deutschen Diplomaten keinen Weg, um die besten Bedingungen des Friedens, gemäß den wirtschaftlichen Möglichkeiten ihres Landes, ausführen zu können. Der katholische Minister Wirth hat aus persönlicher Wertschätzung Rathenau das Ministerium des Wiederaufbaues anvertraut. In dieser Eigenschaft und durch seine persönliche Kenntnis aller führenden Männer der Wirtschaft war er in der Lage, den Staat auf neue Wege der Verhandlung zu führen. So gelang es ihm. Frankreich durch Herrn Loucheur dazu zu bringen, sich einverstanden zu erklären mit Sachlieferungen, und es wurde die Lieferung für eine Milliarde vereinbart. Frnkreich hat sich aber im Verlaufe der Lieferungen davon überzeugt, daß die konsequente Durchführung dieses Abkommens seine eigene Industrie ruinieren wird, so daß es am Ende des Jahres von der ihm zur Verfügung stehenden Milliarde nur für 19 Millionen Mark Ware entnahm. Rathenaus politische Arbeit war von Erfolg gekrönt, so daß ihm das Ministerium des Aeußeren anvertraut wurde, sogar rrrift Zustimmung seiner Gegner aus dem Lager der antisemitischen Schwerindustrie. Seine kluge Mutter wußte, daß er mit diesem ■Amt den Haß eines großen Teiles des Volkes auf sich ziehen wird, und so schrieb sie ihm: „Warum hast Du mir das angetan?" Je mehr seine politischen Erfolge offensichtlich wurden, desto mehr entfachten seine Widersacher aus Kleinmut und Antisemitismus den Haß gegen ihn. Er hätte sein Leben retten können, wenn er sich zum Rücktritt entschlossen hätte — aber da erwachte in ihm der jüdische Stolz. Eine Gruppe von Offizieren hat ihn am 24. Juni 1922 auf der Fahrt ins Ministerium des Aeußern mit einer Bombe erschlagen. Auf Staatskosten hat der Reichstag ihm eine Beerdigung ohne gleichen bereitet Als der Prozeß gegen die Mörder stattfand, hat der Richter einen Brief der Mutter Rathenaus, der an die Mutter eines der Mörder gerichtet war, vorgelesen. Sie schrieb, sie verzeihe im Geiste ihres ermordeten Sohnes dem jungen Mörder. Auf dem Grabe seines Vaters, im Juni 1915, hat Dr. Walter Rathenau, in Gegenwart aller Großen des Reiches, der Wissenschaft und der fremden Staaten und in Gegenwart des Vertreters des Kaisers, gesagt: „Und nun segne ich Dich mit dem Segen Deiner und meiner Väter, mit dem Segen Moses! der zum Segen geworden ist aller Völker: Der Herr segne Dich und behüte Dich, der Herr gebe Dir Friede..." In diesem Sinne segnen auch wir diesen Großen Israels und Märtyrer an seinem Todestage. M. Weiner. Schober—, Volksverräter'. Daß Bundeskanzler Schober dem Bürgerkriegstaumel entgegenarbeiten will, das geiällt nicht nur manchen kampfeslustigen Heimwehrmännern nicht, auch der „Völkische Beobachter", dieses Münchner Organ der Hitlerei, glaubt in die Frage Bürgerkrieg oder Ruhe in Oesterreich dreinreden zu müssen. Also schreit der „Völkische Beobachter" über die Staatsgrenze der österreichischen Brudernation hinüber: Das Entwaffnungsgesetz ist ein Verrat! Schober ist ein Vclksverräter! Und damit auch jene Oesterreicher, die nicht jeden Tas; nach München fahren können, um über den Verrat an dem österreichischen Volk belehrt zu werden, seine Stimme vernehmen, kommt der ..Völkische Beobachter" auch nach Wien und läßt sich hier durch ein paar Kolporteure „vertreiben". Zwei Nummern des „Völkischen Beobachters , in denen sich die Hitlerianer denn doch etwas gar zu viel erlaubten, wurden über Antrag des Pressestaatsanwalts beschlagnahmt und da stellte es sich heraus, daß von der einen Nummer ganze zehn, von der anderen sogar — zwanzig Exemplare in Wien vorhanden waren. Jetzt wissen wir. welche Bedeutung der „Völkische Beobachter" für die Bildung der öffentlichen Meinung in Wien hat. Was schrieb nun der „Völkische Beobachter"? Der „verräterische" Bundeskanzler Dr. Schober, der durch die Heimwehr Kanzler geworden sei, habe ein provokatorisches Entwaffnungsgesetz eingebracht, er wolle die Heimwehren vernichten und werde dafür von den jüdischen und französischen Anleihevermittlern gefeiert. Es sei ein tragisches Schauspiel, daß Schober sich schützend vor den Bolschewismus stellt, dagegen müssen „wir" — gemeint sind wahrscheinlich die Hitlerianer selbst — uns zur Wehr setzen, die Stunde des Widerstandes hat geschlagen. Die Heimwehr befinde sich auf dem Scheideweg. Und damit der Leser ja nicht zweifelt, daß Schober, der in dem Artikel wiederholt persönlich beschimpft wird, ein Volksverräter sei, werden den ernsten politischen Kreisen, die den „Völkischen Beobachter" lesen, „Kulissengeheimnisse" der großen Politik im Vertrauen mitgeteilt Die französische Regierung, heißt es da, habe anläßlich des Besuches Schobers in Paris die Gewährung der Kredite an die Bedingung geknüpft, daß Schober kroatische Flüchtlinge, die sich in Oesterreich aufhalten, an Jugoslawien ausliefere. Ueberhaupt handle Schober auf Befehl der Hebräer und anderer Feinde des österreichischen Volkes. Mit diesen giftgeschwollenen Stilübungen hatte sich jüngst das Schöffengericht unter Vorsitz des Hofrates Hr. K u b e s c Ii zu beschäftigen. Nachdem die beiden Hummern des „Völkischen Beobachters", in denen diese Dinge standen, vorläufig beschlagnahmt worden waren, erklärte sie nun auch das Gericht wegen Vergehens der Aufwiegelung nach § 300 des Strafgesetzes iür verf a 11 e n. Noch eine dritte unerlaubte Verirrung in die innere Politik Oesterreichs und der „Völkische Beobachter" kann im Sinne des Preßgesetzes nicht mehr nach Oesterreich. Nicht einmal in zehn Exemplaren . . . Die Judenfrage in Rumänien und Ungarn. Rumänien. Beim Empfang der Vertreter der ausländischen Presse erwiderte der Führer der Nationalzaranisten M a n i u, der wiederum an der Spitze der Regierung steht, auf eine Frage des Vertreters der Jüdischen Telegraphen-Agentur: Die Genugtuung, mit der die Juden auch im Auslande die Bildung der neu.en Regierung begrüßten, ist wohl begründet, und die Erwartung, daß der jüdischen Bevölkerung Rumäniens eine faire Behandlung zuteil werden wird, wird nicht getäuscht werden. Die antisemitische Partei in Rumänien ist klein und unbedeutend, sie nimmt im politischen Leben eine weit weniger wichtige Position ein als in vielen anderen Ländern. Meine Regierung hat zur Sicherung der Rechte der jüdischen Bevölkerung mehr getan als die früheren Regierungen. Es gibt jetzt viel weniger Ungleichheiten und Haßmaniiestierungen als früher. Vergleicht man die gegenwärtige Lage der Juden mit derjenigen, wie sie war, bevor die nationalzaranistische Partei ans Ruder kam. so muß man feststellen, daß eine entschiedene Wendung zum Guten vor sich gegangen ist, eine Wendung, die nicht allein auf die Tätigkeit der Regierung, sondern auf die allgemeine Meinungsrichtung, die von der jetzigen Regierung und ihrer Anhängerschaft beeinflußt wurde, zurückzuführen ist. Sollten sich wiederum Exzesse ereignen, so wird die Regierung Schritte ergreifen, um sie zu unterdrücken; die Juden werden keine Enttäuschung erleiden. Die Regierung hat ein Bürgerschaftsgesetz ausgearbeitet, das der nächsten Parlamentssession im Herbst unterbreitet werden wird. Im allgemeinen ist es der Wunsch der Regierung, die Minderheiten gerecht zu behandeln und ihnen die Wohltaten des Gesetzes angedeihen zu lassen. Bevor die Regierung das jüdische Gemeindegesetz verkünden wird, wird sie alle jüdischen Gemeinden zu Rate ziehen. nur!a Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt. LEIDER-UN10N »WlENVlKaLsernena.ö Tel.B20-2-!S

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