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Die Wahrheit · 1930-06-20 · Heft 25 (20.6.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 6 sich daraus der sonderbare Zustand, daß ein durch die politische Mandatarmacht, England, unterstützter Beamter Regen die französischen Mandatsinteressen, die ja auch Angelegenheiten des Völkerbundes sind, wühlen darf. Dr. Shiels erwiderte, der Mufti sei wegen politischer Vergehen verurteilt worden, die später unter eine Amnestie fielen. Die Mandatarmacht betrachtet den Mufti nicht als ihren Gehaltsempfänger. Genf. 12. Juni (J. T. A.) Die Mandatskommissiondes Völkerbundes befaßt sich, wie. der ITA-Vertreter erfährt, auch jetzt noch, nach Beendigung der speziellen Palästina-Session, mit den Fragen Palästinas. Am 11. Juni begann die Kommission mit der Abfassung des Berichtes für den Völkerbündsrat und den Formulierung ihrer „Observations". Ueber den Verlauf dieser Sitzungen erscheinen keine Communiques. Der ITA-Vertreter erfährt, daß die Mandatskommission, beschlossen hat, daß jedes Mitglied seinen persönlichen Standpunkt schriftlich zu präzisieren hat. Sodann hat die Kommission die Fragen formuliert, zu denen sie in den ..Observations"' Stellung nehmen wird. Es wurde ein Redaktionsfcorrritee eingesetzt, dem Van Rees, Rappard, Orts und Merlin angehören. Das Redaktionstomitee tagte am 12. Juni den ganzen Tag über. Man spricht davon, daß die Mandatskommission den Text ihres Berichtes über die Palästina-Fragen, den sie jetzt ausarbeitet, noch in einer speziellen Sitzung nach Beendigung der ordentlichen Session endgültig bestätigen wird. Ein unglaublicher Plan. Der Genfer Korrespondent der „M o r n i n g P o s t" teiit seinem Blatte mit. daß in inoffiziellen, aber einflußreichen Kreisen in Genf der Plan ventiliert wird, das Palästina-Mandat Großbritannien abzunehmen und entweder der direkten Konirolle des Völkerbundes oder einer Staatengruppe, der auch die Vereinigten Staaten von Amerika angehören sollen zu unterstellen. Der Korrespondent erklärt, daß dieser Plan ursprünglich von amerikanischen Zionisten zur Diskussion gestellt wurde. Welche Bedeutung man diesem Plane auch immer beimesse, schreibt der Korrespondent, so zeigt die Erörterung desselben die gegenwärtige Gefühlsrichtung in Genf an. Unter den Mitgliedern der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes hegt man anscheinend starken Zweifel darüber, ob die britische Arbeiterregierung wirklich alles, was in ihrer Macht steht, zur Sicherheit von Leben und Eigentum in Palästina getan hat. Repräsentanten der zionistischen Bewegung führen unter den Mitgliedern der Mandatskommission in Genf eine starke Kampagne gegen den Beschluß der hritjschen Regierung, die jüdische Einwanderung zeitweise zu beschränken. In einem hohen Maße, schließt der Korrespondent der „Morning Post", ist die gegenwärtig bestehende Reibung zwischen gewissen Mitgliedern der Mandatskommission und der britischen Regierung dieser kräftigen jüdischen Propaganda zuzuschreiben. * Die Objektivität Sir John Hope Simpsons. Der außerordentliche Bevollmächtigte der britischen Regierung für Palästina, Sir John Hope Simpson, stattete am 10. d. M. dem Jerusalemer Hauptbüro der Jewish Agency offiziell einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit erklärte ihm Professor Hexter die Haltung der Nichtzionisten innerhalb der Jewish Agency. während Colonel Kisch, Rabbi M e i r Berlin und Joseph S p r i n z a k ihm die Ansichten der Führer der zionistischen Bewegung darlegten. Sir John Hope Simpson besuchte auch das Büro des Waad Leumi. Später traf Proiessor Hexter mit Sir John Hope Simpson bei. einem Frühstück im Hause des High Commissioner Sir John Chanceilor zusammen. Professor Hexter ist von Simpsons Vorurteilslosigkeit und Aufrichtigkeit überzeugt. Dr. Arthur R u p p i n, der in ständiger Berührung mit Simpson steht, ist der gleichen Meinung über ihn. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Doktor Shiels teilte — wie der ITA-Vertreter erfährt — am Tage seiner Abreise aus Genf der Mandatskommission mit. daß der Bericht von Sir John Hope Simpson über seine Untersuchungen in Palästina der britischen Regierung nicht vor acht Wochen vorliegen wird. Zweierlei Maß. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurde vor einiger Zeit aus autoritativer Quelle mitgeteilt, daß fortwährend kleinere Gruppen von Aegyptern als Packer, Transportarbeiter, und für ähnliche Arbeiten in Palästina einwandern. Als Sicherheit dafür, daß sie innerhalb einer gewissen Zeit nach Aegypten zurückkehren, hinterlegt jeder Arbeiter fünf Pfundi zu einem großen Teil lassen die eingewanderten Aegypter die Garantiesumme verfallen und verbleiben in Palästina. Außerdem werden ägyptische Arbeiter fortwährend durch den Wüstenweg nach Palästina eingeschmuggelt. Auf eine Anfrage von Captain Cazalet im englischen Unterhaus hat Dr. Drummond Shiels vor einiger Zeit erklärt, er habe keine Information über die Einwanderung ägyptischer Arbeiter. In Palästina aber ist die Tatsache der Einwanderung von Aegyptern allgemein bekannt. 200 in den Hotels beschäftige jüdische Arbeiter haben eine Versammlung abgehalten und eine scharfe Protestresolution gegen Einwanderung ägyptischer Arbeiter bei gleichzetiger Sperre der Einwanderung für jüdische Arbeiter gefaßt. Herrenand Dieitt nur Ia Qualitäten, nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt. TeIdeFunioR kWNVLKasernens.6 TeL.B20M5 Vor Eintreffen der Klagemauer-Kommission. Die Mitglieder der Klagemauer-Kommission des -Völkerbundes werden am 19. Juni in Jerusalem eintreffen. An Stelle von Dr. Cyrus Adler, der infolge Erkrankung nicht rechtzeitig in Palästina eintreffen kann, wird Dr. David Y e 11 i n das jüdische Beweismaterial der Kommission unterbreiten. Die Regierung dementiert das Gerücht, daß "Herr Lloyd vom Londoner Kolonialamt, der der Shaw-Kommission zugeteilt war. auch als Sekretär der Klagemauer-Kommission fungieren wird. Die französische Presse erfährt, die britische Regierung habe die nach Palästina sich begebende Klagemauerkommission des Völkerbundes ersucht, bis zum August d. J. das Ergebnis ihrer durchgreifenden Untersuchungen mitzuteilen, damit der Bericht dem Völkerbundsrat schon in seiner Sitzung im September d. J. unterbreitet werden kann. * Luke kehrt nicht nach Palästina zurück. Der Chefsekretär der Palästina-Regierung H. C. Luke, der im August vorigen Jahres den abwesenden High Commissioner Sir John Chanceilor vertrat und während dessen Amtszeit die arabischen Angriffe erfolgten, wird nicht auf seinen Posten in Jerusalem zurückkehren. Er ist zum stellvertretenden Gouverneur von Malta befördert worden. — Zuletzt weilte Luke auf Urlaub in Europa und fungierte in der außerordentlichen Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes als einer der Assistenten des Bevollmächtigten Großbritanniens Dr. Drummond Shiels. * Ordentlicher Zionistenkougreß Im September? Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem befaßte sich am 10. Juni mit dem von der Zionistischen Weltexekutive in London ihr übermittelten Vorschlag betreffend Einberufung des ordentlichen Zionistenkongresses für Anfang September oder Ende Oktober 1930. (Bei seiner letzten Beratung mit zionisti- ISRAEL1TISCHE GEMEINDE STRASBOURG (Frankreich). Zur Besetzung der Stelle als Oberkantor für unsere große Synagoge (mit 2000 Sitzen, großer Orgel und Chor) findet ein Wettbewerb statt Bewerber mit einer schönen, klangvollen, kräftigen Stimme, musikalisch gebildet (Blattleser) wollen sofort ihre Offerte einreichen an Generalsekretariat der israelitischen Gemeinde 2 quai Kleber in Strasbourg (France) unter Angabe des Lebenslaufes enthaltend Alter, Nationalität. Familienverhältnisse, bisherige Tätigkeit, Vorbildung. Art und Umfang der Stimme und Beifügung eines Lichtbildes im Ornat. Hohes Gebalt mit Anrecht auf Pension. Den zur Probe zugelassenen Kandidaten werden Reise- und Aufenthaltskosten vergütet. sehen Führern in Berlin sprach sich Prof. Weuraanit zu der aufgeworfenen Frage der Einberufung des Kongresses für September zustimmend aus, erklärte aber, daß die am 23. Juni zusammentretende politische Kontmissian Hielrüber entscheiden wird.) Jugend hilft der Jugend. §§ 99 Am 8. und 9. Juni wurde in München, Tonhalle, die achte ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands abgehalten, nachdem ihr am Samstag, den 7. Juni, Gottesdienst und gesellige Veranstaltungen vorangegangen waren. Fast drei Tage stand das jüdische München unter dem starken Eindruck der Tagung. Hunderte von Delegierten und Gästen aus allen Teilen des Reiches bekundeten durch ihre oft auch durch persönliche Opfer erkaufte Teilnahme ihre Verbundenheit mit der Arbeit des Verbandes. Das Motto der Tagung lautete: „Jugend hilft der Jugend". Als der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Hugo Hahn. Essen, zum Leityortrag. Martin Buber das Wort erteilte, füllte eine festlich gestimmte, nach Hunderten zählende Zuhörerschaft den Sitzungssaal. „Wie kann Gemeinschaft werden" nannte Buber seine gedankentiefen, eine bei geistig bedeutsamen Referaten höchst ungewöhnliche atemberaubende Spannung erzeugenden Ausführungen, für die ebenso wie für das überwältigende Wirkung erweckende Schlußwort die Versammlung durch Ovationen dankte. Einen dem Buberschen Geiste adäquaten Ausklang fand der erste Sitzungstag durch die unter Herbert Felsenthals Regie stehende in keiner Weise mehr als dilettantisch zu bezeichnende Aufführung des „Jeremias" von Stefan Zweig. Die Zuhörerschaft dankte nach Minuten weihevollen Schweigens den Schauspielern, Verbandsfreunden aus Düsseldorf, durch stürmischen Beifall und huldigte dem anwesenden Dichter, der ergriffen dankte. In der Nacht tagte eine Reihe von Ausschüssen zur Vorbereitung der Arbeitssitzung. Vor Beginn des zweiten Verhandlungstages erörterten eine Anzahl Arbeitsgemeinschaften Themen des Problemkreises der Berufs-. Bildungs- und Wirtschaftsnot der jüdischen Jugend. Der Verhandlungstag war sodann durch den Geschäftsbericht Dr. Hahns und eine teilweise leidenschaftlich geführte, geistig bedeutsame und für die Situation der jungen jüdischen Generation in Deutschland charakteristische Aussprache ausgefüllt. So entgegengesetzt die Auffassung der Einzelnen gegenüber entscheidenden Gegenwartsfragen auch sein mag und so sehr sich auch die Vertreter der einzelnen Auffassungen bemühten, die Richtung des Verbandes in ihrem Sinne zu bestimmen, so zeigte sich dennoch der Wille zum Verband sofort in dem Augenblick, wo es um die Einheit des Verbandes ging. Die notwendigen Formalien füllten den Rest des Tages aus. Eine wichtige Satzungsänderung, die die Aktionsfähigkeit des Verbandes erhöht, wurde angenommen. Unter Leitung des Vizepräsidenten der Großloge für Deutschland U. O. B. B., Rechtsanwalt Dr. Benno Walter, erfolgte sodann die Wahl des Vorstandes, da die bisherige Verbandsleitung zurückgetreten war und der Vorsitzende Dr. Hahn, der Geschäftsführer Fritz Schwarzschild aus beruflichen Gründen eine Wiederwahl ablehnten. Per Akklamation wurden die leitenden Aemter folgendermaßen besetzt: Erster Vorsitzender Rechtsanwalt Herbert Felsenthal-Düsseldorf, zweiter Vorsitzender Erich Altmann- Hamborn, dritter Vorsitzender Referendar Erwin Seegall- Stettin, Redakteur der Verbandszeitschrift Rabbiner Dr. Alfred Philipp-Elberfeld, Schatzmeister Alfred Bonnin-Bielefeld, Dezernent für soziale Nothilfe Waldemar Straus-Berlin. Der Delegiertentag wählte sodann den Verbandsbeirat, dem führende Persönlichkeiten des deutschen Judentums angehören. Die Tagung, der Vertreter der staatlichen und gemeindlichen Behörden teilweise beiwohnten, bedeutet in ihrem Ergebnis eine Bestätigung der Verbandsidee. * Im Anschluß an die Münchener Tagung haben 65 Delegierte der jüdischen Jugendverbände Deutschlands ihre Reise nach Wien fortgesetzt, um hier mit iüdischen Kreisen, insbesondere mit Vertretern der Wiener jüdischen Jugendbünde Verbindungen anzuknüpfen. Die Gäste, die von ihrer beabsichtigten Reise die Wiener Kultusgemeinde verständigt und um Förderung derselben ersucht hatten, kamen am 11. d. M. von Passau zu Schiff an: das Arrangement des Wiener Aufenthaltes hatte im Auftrag des Präsidiums der Gemeinde das Jugendrefenat durchgeführt Die Reiseteilnehmer wurden bei ihrer Ankunft namens der Kultusgemeinde von dem Leiter des Jugendreferates, Herrn) Inspektor Oehlen und von einem Vertreter der B'nai B'rith-Logen, Herrn Alfred Frankfurter, begrüßt. Leider war der Aufenthalt dieser lieben Gäste nur für drei Tage berechnet und da begreiflicherweise ein großer Teil dieser Zeit zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Wiens verwendet wurde, konnten sich die offiziellen jüdischen Feiern nur auf den Empfang im Präsidium der Wiener Kultusgemeinde beschränken. Hier wurden die Führer der deutschen Jugend von den beiden Vizepräsidenten der Gemeinde, den Herren Dr. Jakob 0 r n s t e i n und Dr. Josef L ö w e n h e r z. die in Begleitung des Herrn Kultusvorstehers Dr. I. K1 a b e r, ferner des Herrn Amtsdirektors Reg.-Rat Dr. Emil Adler, des Leiters des Schulinspektorates, Herrn Studienrat Prof. Dr. Heinrich R e d i s c h, des Herrn Amtsleiters Förster und des Herrn Inspektors O e h I e r erschienen waren, auf das herzlichste begrüßt. In einer markanten Rede skizzierte Herr Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n die große ruhmreiche Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Wien und gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, die Vertreter der jüdischen Jugend Deutschlands so zahlreich hier willkommen heißen zu können, die sowohl in ihrer Tagung in München als auch in dem gesuchten Anschluß an das jüdische Wien von ihrer lobenswerten Absicht Zeugnis ablegen, die jüdische Tradition mit ganzer Kraft fortzusetzen. In der knappen Zeit, die den deutschen Gästen zur Verfügung stand, konnten nur einige jüdische Institutionen Wiens besucht werden^ so der historisch bedeutsame alte jüdische Friedhof in der Seegasse, das Versorgungshaus im der Seegasse, das jüdische Museum und das Merores-Waisenhaus. Ueber die ausgezeichnete Einrichtung und Führung der letzgenannten WohKahrtsinstitution konnten insbesondere die weiblichen Teilnehmer der Gesellschaft nicht genug Worte des Lobes finden, und es darf wohl als ein Beweis den besonderen Anerkennung für diese mustergültige Anstalt gelten, daß ein junger Mann der Reisegesellschaft anläßlich seiner Anwesenheit in der Synagoge der Anstalt eine Spende zukommen ließ. Besonders feierlich und gleichzeitig intim und familiär gestaltete sich die Freitagabendfeier im Heim der Wiener B'nai B'rith-Logen. Sämtliche Teilnehmer der Reisegesellschaft hatten vorher an einem überaus weihevollen Gottesdienste im Müllnertempel, bei dem Herr Oberkantor Postolow in künstlerischer Meisterschaft fungierte, teilgenommen. Die Gäste sprachen auch dem Präsidenten des Tempelvereines, Herrn Börserat J. Glück ihren herzlichsten Dank und ihre besondere Bewunderung für den erhebenden Gottesdienst aus. Nach demselben waren sie alle, wie erwähnt, von der Großloge B'nai B'rith zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen worden. Der Abend gestaltete sich zu einer echt alttraditionellen Sahbathfeier im besten Sinne des Wortes. Hier fanden aber auch die iüdischen Jugendführer Deutschlands Gelegenheit, mit den Vertretern der jüdischen Jugendbünde Wiens, die ebenfalls von der Loge zu Gast geladen waren, in einen Meinungsaustausch zu treten: hier wurde von allen Seiten dem Wunsche Ausdruck gegeben, eine Verbindung zwischen den österreichischen und deutschen jüdischen

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