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Die Wahrheit · 1930-06-06 · Heft 23 (6.6.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 23 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Glossen. ~k GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL WIEN IX., BIROOASU NR. 1» FILIALE ■ XVIII., UfAHMNQBRSTRASSS ffi Telephon Nr. A 17-349 an d A 164-34 Uafarant ffl» Hallanstattei» AbteilungenfQrKoscherfleisch unter Aufsieht ■•• «hrw. Rabblnates tfu> l»rv Kultu«aamaind« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Das Gnadengesuch Halsmanns weist — wie die Blätter berichten — zahlreiche befürwortende Unterschriften auf, darunter befinden sich auch die Unterschriften von zehn Geschworenen aus der zweiten Verhandlung. Die vielen, die von der Schuldlosigkeit Philipp Halsmanns überzeugt sind, und auch die vielen, die zumindest den Zweifel an der Schuld dieses Sohnes nicht überwinden konnten, werden es nur begreiflich finden, daß dieses Gnadengesuch auch die Unterschriften jener vier Geschworenen trägt, die für den Freispruch des Angeklagten gestimmt hatten. * * * Aber eine andere Frage wird sich ihnen aufdrängen. Wer erkennt denn ganz klar die Beweggründe, von denen die sechs Geschworenen, die für die Verurteilung Halsmanns als eines tückischen Vatermörders gestimmt hatten, geleitet sind, wenn auch sie jetzt für seine Begnadigung eintreten? Mußten diese denn nicht schon die Strafe von 4 Jahren Gefängnis für einen nur Grauen und Entsetzen einflößenden Vatermörder als schier übermenschliche Milde und Gnade betrachten? * % * Wenn sich zu den vier Geschworenen, die für den Freispruch Halsmanns stimmten, nur noch ein fünfter gesellt hätte, der nicht die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten gewonnen, dann hätte der Fall Halsmann eine Erledigung im Gerichtssaale gefunden. Heute muß jedem menschlich und rechtlich Denkenden sich die furchtbare Frage autdrängen: Was ist irdische Gerechtigkeit, wenn es denkbar ist, daß ein Unschuldiger zunächst auf alle Fälle eines grauenhaften Verbrechens schuldig gesprochen wird, um dann eventuell aus Gnade mit dem Kainszeichen gebrandmarkt aus dem Kerker entlassen zu werden? * * * Die Tragödie Halsmann, so kompliziert, verworren und verzerrt sie auch war, einigte doch so ziemlich alle Welt mit der Frage: Sind vier Jahre Kerker für einen Vatermörder nicht zu wenig und für einen Unschuldigen nicht zu viel? Diese Frage bleibt auch weiter offen. 'M % * Ein Dialog. — Haben Sie gelesen, der hakenkreuzlerische Schriftsteller Dr. Julius Göbbels ist wegen eines von Beschimpfungen und Beleidigungen strotzenden Artikels „Lebt Hindenburg noch?" zu einer Strafe von 800 Mk. verurteilt worden?" Ein seltsamer Mensch, dieser Herr Doktor Göbbels! Hätte er sich die Auskunft, daß Hindenburg noch lebt, nicht billiger verschaffen können? yc H/t * Schulknaben — die echten Kinder echter Jiakenkreuzlerischer Väter — wurden in Frankfurt als Friedhofschänder eruiert Wie werden dereinst als Erwachsene diese Kinder über diese Schändlichkeit denken? Optimisten werden glauben, daß sie, zur besseren Einsicht gelangt, mit Beschämung ,an die Erziehung denken werden, die sie genossen. Pessimisten werden aber mit Entsetzen daran denken, wie diese Knaben dereinst als — Erzieher wirken werden? Ego. Tirol: Fügen. Hall: „Goldener Ese 1". Hopfgarten. Judenstein ob. Hall: Pension Wälsung. St. Jakob am Pillersee: Nur Arier werden aufgenommen. Kufstein: „Andreas Hofe r". Mieders. Stubaital: Hakenkreuz am Gasthaus ..Alte Post". Dorf Oberlängenfeld im Oetztat: Der Gasthof „Zum Hirschen" und dessen Dependence „Antonshaus", Bes. Geschwister Skrein, nehmen jüdische Gäste nicht auf. Die Inhaber des Gasthofes „Zum Hirschen" sind auch Besitzer von „Kurbad und Pension Längenfeld". Oetztat gilt zum größten Teil als antisemitisch verseucht: nicht judenfeindlich ist das ..Hotel Cassel" in Oetz. Seefeid: Hotel Fritz Werther. Volderwildbad bei Hall, nimmt laut Prospekt „nur arische Gäste" auf. Walchsee bei Kufstein: Gasthof Kramerwirt lehnt die Aufnahme jüdischer Gäste ab. Zillertal gilt teilweise als antisemitisch verseucht: es dürfte sich empfehlen, jeweils zuvor Erkundigungen einzuziehen. Vorarlberg: Gascfaurn im Montafon: Hotel „Rößle-Post". Oer Besitzer Keßler ziert seine Schreiben mit einem Hakenkreuz. Schruns: An den Gasthöfen Xöw c" und ..T aube" Hakenkreuze. Wahrheiten vom Jage Gnadengesuch Philipp Halsmanns. Beim Innsbrucker Landesgericht wurde kürzlich das Gnadengesuch Philipp Halsmanns, das zahlreiche befürwortende Unterschriften trägt, eingereicht. Auch zehn der Geschworenen, die ander letzten Verhandlung teilgenommen haben, haben ihre Namen unter das Gesuch gesetzt. * * * Das schon seit längerer Zeit erwartete Gnadengesuch für den unglücklichen Rigaer Studenten, der in Stein hinter Kerkermauern schmachtet, ist nun überreicht und wird hoffentlich von Erfolg gekrönt sein. Fanatiker des Rechtes könnten zwar der Meinung sein, daß dem jungen Juden, der von Anfang an seine Unschuld beteuerte und von dessen Unschuld weiteste jüdische wie nichtjüdische Kreise überzeugt sind, wie eben die vielen befürwortenden Unterschriften beweisen, statt Gnade Recht werden müsse. Aber hier geht es um ein junges Menschenleben, dem die schwere Kerkerhaft arg zusetzt, und da müssen noch so berechtigte Erwägungen formaler Natur hintangesetzt werden. Uns bleibt nur die Hoffnung, daß das wirkliche Recht den Paragraphen zum Trotz sich durchsetzen wird. Der Vatikan und der Beilis-Prozeß. Die Moskauer Zeitung „Isvestija" veröffentlicht aus dem Zarenarchiv Geheimdokumente, die beweisen sollen, daß der Vatikan in Rom im Jahre 1913 im Zusammenhang mit dem Beilis-Prozeß in Kiew die Ritual mordlegende gestützt hat. In einem Rom, 18. November 1913, datierten Geheimbericht teilt der damalige russische Bevollmächtigte beim Vatikan D. Neledow dem zarischen Außenminister Sasonow mit. daß Lord Rothschild in London sich an den Vatikan mit dem Ersuchen gewandt hat. den Behauptungen des als Sachverständigen im Beilis-Prozeß vernommenen katholischen Geistlichen Pranaitis. daß Juden zu PessacW Blut von Christen benutzen, entgegenzutreten. Lord Rothschild legte Kopien zweier Dokumente bei, aus denen hervorgeht, daß katholische Kirchenführer der iMiiiiiiniinmiiiHmmiUMiiiiii Dcröffanflicliunqon cUr Union deu+scHös+err«.!chiscner Juden Telephon A 19-2-77 IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.464 Wo Juden unerwünscht sind! Verzeichnis judenfeindlicher Kurorte. Sommerfrischen und Gaststätten. Die vorliegende Liste ist das Ergebnis vielmonatiger Arbeit der „Union". Ihre Aufstellung bedingte langwierige Korrespondenzen, peinlich genaues Sichten und Prüfen zahlreicher „Fälle". Unsere Leser würden der jüdischen Oeffentlichkeit einen Dienst leisten, wenn sie uns nach Beendigung ihrer Erholungsreise ihre Erfahrungen zu dem leidigen Kapitel „Antisemitismus in der Sommerfrische" mitteilen würden. D. Red. Niederösterreich: Aggsbach-Markt, Wachau: Nur an Katholiken, ümmersdorf a. d. Donau, Wachau: Nur Arier. Gobelsburg am Kamp. Krems a. d. Donau: Die Verwaltung der Stiftswälder untersagt den jüdischen Kurgästen das Betreten der Wälder. Mank: Gemeinderatsbeschluß, den Aufenthalt jüdischer Sommerfrischler nicht zu dulden. Scheiblingkirchen a. d. Aspangbahn. Schönberg am Kamp: Im Jahre 1925 antisemitische Exzesse. Türnitz. Ybbsitz. Oberösterreich: Algen im EnnstaL Altmünster: Pension Dr. Müller, Efferdlng: Laut Gemeinderatsbeschluß für „Nichtarier" auf 24 Stunden Frankenmarkt. Freistadt. St Georgen im Attergau: Der „Gasthof Bauer n- Löckner" inseriert: Nur christliche Sommergäste erhalten Unterkunft. Goisern: Hotel Post. Guttau bei Keserraarkt Mühiviertel. Hausberg, Post St. Johann i. Mühlviertel: Nur christliche Gäste. Lambach: Hotel M e n s c h i k. Mattighofen. Micheldorf: Pension Haindl. Mühlfelden. Mühiviertel: Gasthof Aachinger. Neuhaus a. d. Donau: Gasthof Ernst. Neuhofen a. d. Krems. Nußdorf am Attersee. Obermühl a. d. Donau. Reichenthal, Mühlviertel: Nur Arier. Scharnstein L Almtal: Pension Herrenstraß. Schödling am Attersee: Alle Wirte mit Ausnahme des Gasthofes „Blaue Traube". Aufenthaltsdauer beschränkt Spital am Phyrn: Im Gasthof „Zur Post". Eigentümer Grundner, in der Einfahrt Inschrift: Juden nicht erwünscht. Villa Schwarzenberg. Traunkirchen: Hotel „Am Stein". St Veit Mühlviertel: Nur für Arier. Vorderstoder: Steinerwirt. Wallern bei Schallerbach: Gasthöfe Eberstaller und Renner. Wartberg a. d. Krems. Weyr a. d. Enns: Der Verschönerungsverein schreibt daß „Juden nicht erwünscht" seien. Weyregg am Attersee: Lehrerheim: Nur für Arier. Salzburg: Abtenau-Bad. Krimml. Neumarkt am Wallersee. Seeham bei Mattsee. Seekirchen am Wallersee. Tamsweg im Lungau. Wald im Oberpinzgau. Zell am See: Villa Olga. Villa Schmittental. Steiermark: Alt-Aussee: Edlauer, Neue Post. Alurau. PöUau: Arische Sommerfrische ersten Ranges. F'uck: Zentralverband. Pürgg (am Eingang des Steirischen Salzkammergutes). Scbladming. Obersteiermark, versieht seine Prospekte mit dem Vermerk: „Juden nicht erwünscht." Trofaiach: Die Kurverwaltung annonciert: „Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien." Waldbach a. d. Lafnitz: Pension Langenecker. Kärnten: Afritzersee: Arische Sommerfrische. Agathendorf: Post Hirt. Kolbnitz. Kötscbach im Gailtal: Stempel „Nichtarier unerwünscht" auf einem Briefe eines dortigen Gasthofbesitzers. Krumpendorf am Wörthersee: Villa Streicher. St Margarethen. Lavanttal. Maria-Wörth am Wörthersee: Hotel Post. Möllbrücke. Ober-Villach (nicht zu verwechseln mit Ober-Vellach bei Villach). Rosenbach: Gasthof Matschnigg. Weißensee: Juden sind am Weißensee in sämtlichen Sommerfrischen ungebetene Gäste, da gemäß einem Beschluß der dortigen Fremdenverkehrsverbände die Sommerfrischen „judenrein" zu sein wünschen.

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