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Die Wahrheit · 1930-06-06 · Heft 23 (6.6.1930) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 23 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT stellt, gefaßt werden. Die Regierung, heißt es in dem Statement weiter, stellt auch Untersuchungen bezüglich der Auswahl von Arbeiter-Immigranten durch die Konföderation der jüdischen Arbeiter Palästinas und bezüglich der landwirtschaftlichen Kredite an. Die Regierung stellt fest, daß keinerlei Einrichtung einer Selbstverwaltung, die mit den Bestimmungen des Mandates nicht zu vereinbaren ist, in Erwägung gezogen werden könne. Schließlich wird in dem Regierungs- Statement erklärt, daß ein Plan der Landesverteidigung in Kraft treten wird, der die Errichtung und die Kontrolle versiegelter Waffenarsenale in den jüdischen Kolonien einschließt. Der High Commissioner erwägt gegenwärtig die Inkrafibringung eines Gesetzes zur verbesserten Kontrolle der Presse (?) in Palästina. * Die in dem Regierungs-Statement erwähnten in Vorbereitung befindlichen Gesetzesverordnungen, die dem echt englisch verschleierten Zwecke dienen sollen, „die Enteignung der einheimischen landwirtschaftlichen Bevölkerung zu kontrollieren", und die die Freiheit der von Sir Simpson geführten Untersuchungen beeinträchtigen und die aus der Untersuchung zu ziehenden Schlußfolgerungen beeinflussen können, verstärken die in eingeweihten Kreisen Palästinas bestehende Befürchtung, daß es in absehbarer Zeit zum Erlaß eines DekretsgegenBodentransaktionen kommen könnte. Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael) veröffentlicht z. B. eine Kundgebung über die gegenwärtige Lage, in welcher dieser Befürchtung Ausdruck gegeben wird. Nach einem kurzen Hinweis auf das die Einwanderung verbietende Dekret wird dann weiter ausgeführt: „Die ganze jüdische Bevölkerung von Erez Israel Unter dieser Ueberschrift beschäftigt sich Dr. H. Stern, Berlin, in Nummer 19 der „Wahrheit" mit meiner Artikelreihe über „Ford und die Weisen von Zio n". Hätte ich die Ehre. Herrn'Dr. Stern persönlich bekannt zu sein, es wäre ihm unmöglich eingefallen, meine Ausführungen auf den „Unmut" darüber zurückzuführen, daß mein Buch über die „Protokolle" nicht genügend beachtet und ausgewertet wurde. Mein Ehrgeiz liegt wahrlich nicht darin, als Zerstörer der „Protokolle" in die Unsterblichkeit einzugehen. Mit der Beachtung, die meine anderen Bücher gefunden liaben, darf ich wohl zufrieden sein, wie Herr Dr. Stern aus meinem gedachten Artikel ersehen kann. Anders verhält es sich freilich mit der praktischen Auswertung meines „Protokoll"- Buches im Kampfe gegen den Antisemitismus. Allein das ist nicht mehr eine Frage des literarischen Ehrgeizes eines Autors, sondern eine Frage der Taktik und Strategie. Und da muß man betonen, daß die „Protokolle der Weisen von Zion" wie kein anderer antisemitischer Streitfall der Weltjudenhert die Möglichkeit bot, dem Antisemitisismus einen Schlag zu versetzen, von dem er sich nie wieder erholen sollte, und sein Ansehen in den Augen der ganzen Welt aufs tiefste zu untergraben. Denn nie zuvor wurden die führenden antisemitischen Fälscher aller Länder und Völker bei einer mit größter Einmütigkeit, Hartnäckigkeit und Selbstsicherheit vorgebrachten Fälschung sozusagen in flagranti ertappt wie diesmal. Es war nur nötig, diese auf der Hand liegende Tatsache der Kulturmenschheit nachdrücklich zu Bewußtsein zu bringen, um sämtliche antisemitischen Anklagen gegen die Juden hi den=Augen aller, die nicht ganz auf den Kopf gefallen sind, im richtigen Lichte erscheinen zu lassen. Dazu ist von jüdischer Seite nicht einmal der Versuch gemacht worden. Wir haben uns begnügt, in unserem eigenen Bewußtsein die Fälscher überführt zu haben und rein dazustehen... *) Unliebsam verspätet. ^^^^^^^MBHH^^MHMMMMi^^Mi^BMM Kleider sofort Zahlung später Herrenand Damenkleider nach Maß nad fertig nur erstklassige Stolfe, bis 12 Monate Kredit Klelderhaus werler, Wien Xfl.. Otfahrlnücrsit. 17, Tel. A2i-5oi ist empört über diesen neuen Angriff auf unsere elementaren Rechte. Abgesehen von der Härte, mit der es uns trifft, weckt das Dokument Besorgnis hinsichtlichder Zukunft. Wer weiß, ob dieses Dekret das letzte seiner Art oder ob es nicht gar das erste in einer Reihe ähnlicher Dekrete ist? Besonders ist die Befürchtung rege, daß ein Dekret gegen Bodenkauf erlassen werden könnte." Alles in allem, es steht schlecht um das jüdische Palästina, darüber täuschen auch noch so laute Protestaktionen leider nicht hinweg. * Die Klagemauer-Kommission des Völkerbundes. Wie die „ITA" erfährt, wird die von der englischen Regierung vorgeschlagene und vom Völkerbundsrat bestätigte Kommission zur Festsetzung der jüdischen und der arabischen Rechte an der Klagemauer, die sich aus den Herren Eitel L ö f g r e n, Charles Barde und Van Kempen zusammensetzt, gegen Ende Juni in Jerusalem eintreffen. Dr. Cyrus Adler. Vorsitzender des von der Jewish Agency ernannten Klagemauer-Komitees, der das jüdische Material für die internationale Kommission bearbeitet, wird gleichzeitig mit der Kommission nach Jerusalem kommen. Dem von Dr. Cyrus Adler gewählten Komitee gehören mehrere bekannte Gelehrte und Rechtsanwälte in Palästina an. * Das Telegramm des Waad Leumi an die Großgemeinden. Das Telegramm, das der Waad Leumi in Palästina am 22. Mai. dem Tage des Proteststreiks der palästinensischen Judenheit, an die Großgemeinden in Europa gesandt hat, lautet: Der Proteststreik gegen die die Einwanderung verbietende Verordnung umfaßt alle Schichten und Strömungen des Jischuw. Genau 12 Uhr mittags wurden die Arbeit und der gesamte Verkehr in Jerusalem und in allen Städten und Kolonien eingestellt. Zehntausende Streikende bewegen sich ruhig und in Ordnung durch die Straßen in ihre Heime. Der Ausdruck des Protestes seitens des Jischuw ist vollkommen, seine Forderungen sind scharf umrissen. Das Judentum Erez Israel ist dessen gewiß, daß das Judentum in der ganzen Welt sich mit ihm in dem Proteste und in der Vertretung seiner Forderung nach Abschaffung der die Einwanderung verbietenden Verordnung vereinigen wird. Wir erinnern uns noch alle, seinerzeit in den Zeitungen gelesen zu haben, wie vor der Untersuchungskommission in Jerusalem der Großmuiti auf die „Protokolle" hinwies, in denen die Juden selber ihre gefährlichen Weltherrschaftspläne entwickeln. Und was erwiderte der Verteidiger der Juden dem Großmufti? Er hält ihm eine Broschüre mit drei Artikeln der „Times" aus dem August 1921 entgegen, in denen festgestellt wurde, daß die „Protokolle" nicht etwa von der „Ochrana" nach 1905 in Petersburg fabriziert wurden, sondern daß sie Zitate aus einer französischen Schrift von 1865 enthalten! Ganz mit Recht erwiderte der Großmufti darauf, diese gloriose Entdeckung sei schon zehn Jahre alt und habe es nicht vermocht, die Weltmeinung über die Echtheit der „Protokolle" abzuschwächen, da die ganze iudengegnerische Presse, besonders die Ford-Organe in Amerika, geltend machte, daß die „Weisen von Zion" es eben waren, die jene französische Schrift exploitierten und Stücke davon in ihrem Welteroberungsplan verwoben. Und der Großmufti setzt es durch, daß die „Protokolle" zu den Akten gegeben wurden. Der erste Fall in der neueren Geschichte, daß ein derartiges Dokument in den Akten einer so hochernsten englischen Kommission, zusammengesetzt aus Diplomaten und Juristen allerersten Ranges, figuriert. Jetzt prangen in dem kürzlich erschienenen „Repor t" der Kommission, S. 194, Nummer 90a, die „Protokolle" als Zeugen, daneben die „Times"-Broschüre und ein französisches Buch über die „Protokolle", das nicht näher bezeichnet ist. In französischer Sprache gibt es aber kein Buch gegen die „Protokolle", es ist offenbar eine der vielen französischen Uebersetzungen mit Kommentar. Das wurde alles durch diese hohe Körperschaft gewissermaßen zum Rang historischer Dokumente erhoben. Seite 156 führt der „Report" unter den unmittelbaren Ursachen, die die blutigen Unruhen in Palästina hervorgerufen, auch die Auszüge aus den „Protokollen der Weisen von Zion" an, die knapp zuvor in mehreren arabischen Blättern erschienen waren, also zwei Jahre nach dem weltberühmten „Widerruf" Fords, drei Jahre, nachdem auf Verwendung eines einflußreichen Berliner Herrn bei den hohen Behörden die „Protokolle" in Palästina und Aegypten verboten wurden. Man kann daraus ersehen, was den Juden jener Länder blüht, in denen nicht Auszüge, sondern Tausende von Seite 3 Exemplaren der „Protokolle", und zwar auf Kosten des Herrn Ford verbreitet wurden. Daß der Großmufti von Jerusalem, immerhin ein ernster Mann, ohne die Furcht, sich tödlich zu blamieren, auf die „Protokolle" sich — ofienbar in gutem Glauben — zu berufen wagte und daß ihm nicht ein allgemeines schallendes Gelächter antwortete, wie wenn jemand heute gegen uns die Anklage erhöbe, wir zapften geweihten Hostie» durch Marterungen Blut ab, das, sage ich. ist eine unerhörte Blamage für die Gesamtjudenheit, insbesondere für die Judenheit Londons, denn ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit war es in erster Reihe, dahin zu wirken, daß im ganzen Bereiche der britischen Herrschaft jeder Vollsinnige sich ebenso schäme, von den „Protokollen" zu reden, wie von gemarterten Hostien. Wozu haben wir in Amerika eine A n t i Diffamation League, die kurz nach ihrer Gründung, Sommer 1921. eine Million Dollar zu Abwehrzwecken zusammengebracht hatte? Aber gerade seit dieser Zeit blühte das Ford'sche Propagandageschäft und breitete sich über die ganze zivilisierte und halbzivilisierte Welt aus, ohne daß etwas Wirksames dagegen geschah. Für den berühmten „Widerruf" Fords wurde eine ungeheure Weltreklame gemacht. Aber merkwürdig, schon drei Monate später wurde ganz Mittel- und Ostasien von einer englischen, mit Fords Kommentaren versehenen „ProtokolI"-Ausgabe überflutet, für die namentlich die in Ostasien lebenden „weißen" Russen unermüdlich Propaganda machten. Aus Amerika konnte man den Juden nur eine magere Broschüre aus dem Jahre 1920 zu Hilfe senden, die noch nicht einmal die Plagiat-Entdeckung enthielt. Und doch hätten gerade die Amerikaner die Pflicht, hier in vorderster Reihe zu kämpfen. Denn die „Protokolle" traten zwar von Berlin aus ihren Triumphzug über die ganze Kulturwelt an, aber die ungeheure- Verbreftung und das tiefe Eindringen in das Unterbewußtsein der Massen aller Völker verdanken sie doch nur der beharrlichen achtjährigen amerikanischen Propaganda, die man in Amerika ruhig gewähren ließ. Nein, wahrhaftig, es war nicht „Unmut" über angeblichen literarischen Mißerfolg, der meine Feder führte, sondern Schmerz darüber, zusehen zu müssen, wie vor unseren Augen ein neues Seitenstück zum Ritualmordaberglauben immer breitere Völkermassen umfaßt und wie sich ein Vorurteil immer tiefer verwurzelt, das vielleicht noch gefährlicher ist, als der Ritualmordaberglaube. Max Reinhardt Zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Berliner Reinhardt-Bühnen schreibt das Hamburger „Israelitische Familienblatt": Das künstierische Berlin, und mit ihm die deutsche Kunstwelt, begeht am 30. Mai den Tag des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Reinhardt-Bühnen. Dieses Datum bietet der deutschen Judenheit willkommene Gelegenheit zur Betrachtung einer von einem Juden gegebenen deutschen Kulturleistung, wie sie in der Gegenwart fast einzig dasteht. Die Reinhardt-Bühnen sind, aus ganz kleinen Anfängen heraus, zu dem maßgebenden Faktor der deutschen Theaterwelt geworden und haben bei der Beachtung, die das deutsche Kunstleben in allen Erdteilen findet, einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Bühnengestaltung der gesamten Welt genommen. Es ist schwer, im Geistigen, im Kulturellen und gar im Künstlerischen messen. Es läßt sich nicht mit Ziffern angeben, wie groß die Leistung Max Reinhardts ist. Allenfalls aber hat sie ein Ausmaß und eine Verzweigtheit, die es unmöglich machen, sie in einer kurzen Darstellung auch nur andeutungsweise zu würdigen. An dieser Stelle kann daher lediglich mit Genugtuung vermerkt werden, daß mit den Reinhardt-Bühnen auch uns Juden ganz speziell angehende Dinge und Menschen Jubiläum feiern. Wir denken hier vor allem an die Inszenierungen jüdischer Stücke oder solcher Dramen, die in irgendwelchem Zusammenhang mit Judentum und jüdischem Milieu stehen. Reinhardt, dem Juden, ist es zu verdanken, wenn die so zahlreichen Gefahren, Wert und Wirkung der Auf klär ungsliteratar*). Von Binjamin Segel.

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