Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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» 016 WAHRHEIT Seite? ihnen erteilte, erglänzte manches Auge vor Rührung. Nachdem dann noch vor geöffneter Bundeslade ein tiefempfundenes Gebet gesprochen wurde und Herr Koffler in überaus würdiger Weise ein Gebet vorgetragen hatte, hielten Ansprachen Herr Max Posamentier, der mitteilte, daß die Institution Judenburg Herrn Gottlieb, den Gründer der Institution, zum Ehrenvorstande wählte. Herr Bezirkshauptmann Schmidt hob in seiner prächtigen Rede hervor, daß der Jubilar nicht allein unter seinen Glaubensgenossen, sondern unter allen Mitbürgern verdientes hohes Ansehen genieße und er sich darum aufrichtig freue, dem Jubilar mitteilen zu können, daß der Herr Bundespräsident Herrn Gottlieb für seine Verdienste die goldene Medaille verliehen habe, die er ihm auch sofort an die Brust heftete. Diese Mitteilung weckte bei allen Anwesenden große Freude. In herzinnigen Worten begrüßte hierauf Herr Kultuspräsident Dr. Sonnenwald das Jubelpaar, beglückwünschte es und teilte mit, daß der Kultusausschuß beschlossen habe, Herrn Gottlieb die höchste Auszeichnung, welche die Gemeinde zu vergeben habe, die Ehrenmitgliedschaft, die, nebenbei bemerkt, bislang nur zwei verdienten Männern der Gemeinde, den Herren Ignaz Adler und David Stern verliehen worden ist. zu verleihen. Gleichzeitig dankte er der Regierung fün die Herrn Gottlieb zuteil gewordene Ehrung, in der er nicht allein eine Auszeichnung des Herrn Gottlieb, sondern auch der Judenheit in der Steiermark erblickt. Bürgermeister Stoll pries Herrn Gottlieb als den treu bewährten Bürger der Stadt. Gremialvorstand Kommerzialrat Hufnagel überbrachte die Glückwünsche der Kaufmannschaft und wies darauf hin, daß der Jubilar der Kaufmannschaft stets ein leuchtendes Vorbild des soliden, ehrlichen Kaufmannes gewesen sei. Als Zeichen der Verehrung überreichte er zwei kunstvoll gearbeitete Silbervasen. Zum Schlüsse teilte Herr Feuerwehrhauptmann Aich mit. daß Herr Gottlieb, der über 60 Jahre mitgeholfen hat, die beiden Elemente Feuer und Wasser, dort, wo sie zu vernichten gedroht haben, zu bekämpfen, zum Ehrenmitgliede ernannt wurde, und überreichte ihm ebenso wie die Institution ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom. Mit dem vom „Jüdischen Gesangverein" glänzend vorgetragenen 150. Psalm und einem von der Judcnburger Sängerrunde stimmungsvoll zu Gehör gebrachten Liede schloß die einzigartige, glänzend verlaufene, bis ins kleinste Detail gelungene Feier, die ein Ehrenblatt m der Geschichte der Juden Steiermarks bilden wird und um die sich Herr D. S. Dachinger und die Jungmannschaft von Judenburg sehr verdient gemacht haben. Die Feier hat bewiesen, wie viel ein Einzelner zur Ehrung des jüdischen Namens beizutragen imstande ist. Der Verlauf der ganzen Feier war ein „Kiddusch haschem" im edelsten Sinne des Wortes. Nach der Festfeier war in einem Saale festlicher Empfang. Es ist unmöglich zu sagen, wer alles da war. Abordnungen, Industrielle. Gewerkschaften', ja fast alle Schichten der Bevölkerung. Zahlreiche Geschenke, herrliche, nicht zu überschauende Blumengewinde, darunter ein prachtvolles vom Bezirkshauptmann, Telegramme, ein Glückwunschschreiben des Bundespräsidenten, ein überaus herzliches Schreiben des Landeshauptmannes Prof. Dr. Rintelen, des Stadtpfarrers und zahlreicher anderer zeigten, welcher Sympathien sich das Ehepaar Gottlieb in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut. Im Laufe des Mahles, bei welchem der „Jüdische Gesangverein" wieder gesungen, entzückte Herr Samuel Stern, ein Mitglied des Vereines, mit seiner herrlichen Baßstimme die Anwesenden. Als dann Prof. Dr. Herzog den Ertrag des Tages zusammenfaßte und die Jugend ermahnte, sich diesen bewährten, treuen Juden zum Vorbilde zu nehmen, und ein junger Mann hintrat und dieses Gelöbnis feierlich ablegte, erreichte die Feier ihren Höhepunkt Es war schon spät am Abend, als Bahn und Auto die Gäste wieder in alle Richtungen heimführte, alle aber mit dem erhebenden und beglückenden Bewußtsein, Zeugen einer einzigartigen, schönen Feier gewesen zu sein. Tagung der Kultusgemeinden Niederösterreichs lind des Burgenlandes. Sonntag, den 18. d. M., fand in Mödling eine von der Kultusgemeinde Mödling einberufene Tagung der Kultusgemeinden Niederösterreichs und des Burgenlandes statt. Namens der einberufenden Gemeinde begrüßte Präsident David Rosenfeld die erschienenen Delegierten der geladenen Gemeinden und erteilte Herrn Dr . Rudolf Schwarz-Hiller das Wort zu seinem Referat. Der Referent schilderte die juristischen Grundlagen für die Steuerpraxis der Gemeinden und wies nach, daß nach den geltenden Gesetzen eine Aenderung der Verwaltungsgerichtshofentscheidung vom 11. Jänner 1930, durch die den Provinzgemeinden die Besteuerung des in ihrem Sprengel befindlichen Besitzes unmöglich wird, untunlich wäre. Er beantragt daher. Schritte zur Abänderung des Gesetzes über die Kultusgemeinden vom Jahre 1890 zu unternehmen. Der zweite Referent, Herr Dr. Ernst Moser, beleuchtet die Lage der Provinzgemeinden und zeigt an der Hand von Fällen aus der Besteuerung zugunsten den katholischen Pfarrgemeinden, daß der Wunsch nach Abänderung der verhängnisvollen Gesetzesstellen gerechtfertigt ist. Nachdem noch Doktor Schwarz-Hiller die Anfragen des Herrn Baruch als Vertreter der Gemeinde Lackenbach und Sr. Ehrw. Herrn Rahbiner Dr. Schweiger, Mödling, hinsichtlich der entsprechenden Rücksichtnahme auf die Autonomie der Orthodoxie beantwortet hatte, wurde ein Komitee zur Durchführung der geplanten Aktion gewählt ung die Tagung geschlossen. „theqlogia", Yerein Jüdischer Hochschüler an 4er israelitischen theologischen Lehranstalt Am Montag, den 2. Juni ' d. J.' (I. Tag ' Schebuoth), findet im Kleinen Tempel, II.. Tempelgasse 3, die predigt des Herrn cand. theol. et Dr. phil. St Eisenstein statt Der Gottesdienst beginnt um 8 Uhr früh. gad. Gleichenberg. Pier bekannte Chefarzt des israelitischen Hospitals Herr Dr. Leo W e r d e s h e i m, hat seine kurärztliche Tätigkeit .in Bad Gleichenberg wieder aufgenommen. Seebad Crkvenica (Jugoslawien) Streng 1tJ?3 orth. Gasthaus in der Villa Ästoria. Das beste and billigste Seebad an der Adiia. Geräumige Speisezimmer, Gartenterrasse, feine Küche. Referenzen der anerkanntesten orthodoxen Autoritäten! Prospekte sendet M. Jos. Engel. 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TlmtlieQe Verfautöarungen der Jsraeßtisdfen Xuftosgemeinde Wien Z. 3163^3876 ex 1930. Konkursausschreibung. Im Spitale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, XVIII., Währinger Gürtel 97, gelangt an der I. medizinischen und an der urologischen Abteilung. je eine Sckundararztensstelle zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich: die österreichische Staatsbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde in der österreichischen Republik, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein von einem der Vorstände der medizinischen Abteilung des eigenen Spitales ausgestelltes Zeugnis) und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stelle ist nebst dem in der Besoldungsordnung für die Abteilungsärzte des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde fixierten Barbezug die Benützung einer möblierten Naturalwohnung samt Beleuchtung, Beheizung und Bedienung, sowie die volle Verköstigung verbunden. Für die letztere werden die Eigenkosten von dem Monatsbezuge in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nicht überschreitet. Mit den Personaldokumenten (Geburtsschein, Heimatsschein, Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentume, Zeugnisse über die bisherige fachliche Verwendung) belegte Gesuche sind an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien I.,*Seitenstettengasse 4, bis längstens 15. Juni 1930, 12 Uhr mittags, zu überreichen. Wien, den 19. Mai 1930. ' Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. * Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Lesesaal der Bibliothek wurde im Jahre 1929 von 9321 Lesern besucht, die 17.287 Werke mit 24.422 Bänden benützten. Entlehnt wurden an 1480 Personen 2059 Werke in 2623 Bänden, zurückgestellt wurden 2452 Werke in 3512 Bänden. Der Zuwachs betrug 828 Bände, von denen 709 durch Kauf erworben wurden. Von den restlichen 119 Bänden sind 10 Bände Publikationen von Vereinen, deren Mitglied die Bibliothek ist, während 90 geschenkweise und 9 Bände durch Tausch mit den Veröffentlichungen der Bibliothek in ihren Besitz gelangten, weitere 10 Bände sind Werke, deren Herausgabe durch Subventionierung seitens der Kultusgemeinde ermöglicht wurde. Zu erwähnen ist noch eine Schenkung des Herrn Josef Lemberger, aus dem von ihm erworbenen Büchernachlaß des sei. Oberrabbiners Dr. H. P. Chajes. * Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Am kommenden Wochenfeste werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen bei dem um 8.30 Uhr beginnenden Morgengottesdienste Predigten abgehalten, und zwar: Montag, den 2. Juni (1. Festtag): L, Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); Dienstag, den 3. Juni (2. Festtag): II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XV. , Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI. , Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Am Vorabende des Wochenfestes, Sonntag, den 1. Juni, Beginn 8.15 Uhr, IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz). Masklr-Andachten am Schewuothfeste. Zar Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur Jiaskarab" veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schewuothfeste, Dienstag, den 3. Juni, um 6 Uhr früh, im Stadttempel, L. Seitenstettengasse 4. und) hn Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 5, sowie, um %9 Uhr vormittags Im Saale des Hotel „Post". L, Fleischmarkt 24 (Eingang L, Drachengasse 1). anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 31. Mai 1930, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt.