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Die Wahrheit · 1930-04-25 · Heft 17 (25.4.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 17 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sehe 6 DBB WAHRHEIT bereitet waren. Vor einigen Wochen, schreibt das Blatt, demonstrierten die Sowjetmassen gegen den vom Papst inszenierten Kreuzzug gegen die Sowjets, und am 1. Mai werden sie unter Verwendung antireligiöser Parolen von neuem demonstrieren. Wenn dem so ist, hat es dann einen Sinn, jetzt wieder neue, antireligiöse Demonstrationen zu inszenieren? Tatsächlich ergibt sich aus zahlreichen Berichten, daß das Pessachiest in diesem Jahre * a s t ungestört verlaufen konnte. Die von den lokalen jüdisch-kommunistischen Organisationen vielerorts bereits eingeleiteten Vorbereitungen für eine Antipessach-Kampagne sind annulliert worden. Viele jüdische Kommunisten erklären, daß der antireligiöse Kampf im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Kraft- und Zeitverschwendung bedeute, weil das Leben selbst im Verlaufe eines natürlichen Prozesses und ohne jeden Kampf die Zahl der in Rußland lebenden gläubigen Menschen von Jahr zu Jahr verringere. Die jüdisch-kommunistische Presse allerdings, obgleich auch sie sich im Vergleich zu früheren Jahren eine bemerkbare Mäßigung auferlegt, widmet der Antipessach-Agitation beträchtlichen Raum. Sie beklagt, daß die Mazzoth-Bäckereien in diesem Jahre stärker beschäftigt waren als jemals in den vergangenen Jahren, und fordert ihre Leser deshalb auf. der wiedererwachenden religiösen Aktivität durch Veranstaltung von „Roten Seder feiern", antireligiösen Versammlungen, Vorträgen und Konzerten an den Sederabenden entgegenzn treten. Die Pessach-Festtage sind aber überall in Rußland ruhig verlaufen. Zusammenstöße zwischen Juden und Atheisten, die in den letzten Jahren eine Regel waren, sind in diesem Jahre nirgends zu verzeichnen gewesen. Die Seder-Abende wurden überall traditionell gefeiert, die Synagogen und Betstuben waren von Andächtigen überfüllt. Entsprechend der Anordnung der Sowjetregierung, keine antireligiösen Demonstrationen zu veranstalten, übten auch die jüdischen Kommunisten Zurückhaltung nnd beschränkten ihre antireligiöse Kampagne darauf, kleine Antipessach-Versammlungen abzuhalten. In den jüdischen staatlichen Schulen wurde den Kindern, die erschienen waren. Unterricht erteilt. Es fiel auf, daß die Zeitung „E m e s s" zum ersten Male seit ihrem Bestehen in der Pessach-Zeit ohne einen Antipessach-Artikel erschienen ist. In Minsk. Kiew, Odessa und in den kleineren Städten Sowjetrußlands hat sogar ein großer Teil der iüdischen Arbeiterschaft das Pessach- Fest traditionell gefeiert. (I. T. A.) Was versteht Frick unter „fremdrassig"? Die Berliner .,C. V. - Z e i t u n g" richtet die nachstehende ,.Bitte an Herrn MinisterFr ick": „In Ihrem neuesten Erlaß gegen die Jazzkultur, die mit dem Judentum so viel zu tun hat wie Goethe mit dem Nationalsozialismus, und die von sicher nicht weniger jüdischen Deutschen mindestens so stark abgelehnt wird als von christlichen Deutschen, gebrauchen Sie doppelsinnig den Ausdruck ..fremdrassig". Als Vorkämpfer deutscher Wahrheit und Klarheit werden Sie sich nicht lange bitten lassen und klarstellen, was Sie darunter verstehen. Der Begriff ..fremdrassig" fehlt in der deutschen Reichsverfassung. Sie meinen daher für die Reichsregierang und für Ihre Thüringer Freunde aus der Deutschen Volkspartei sicher die Neger, für Ihre Parteifreunde aber und für die Versammlungen der Streicher und Goebbels, der Münchmeyer und ähnlicher edler Vorkämpfer meinen Sie mit dem Ausdruck im Sinne des Absatz 4 Ihrer Forderungen: „Kein Jude kann Volksgenosse sein" uns jüdische Deutsche. Dieses allzu listige Spiel mit Worten ist für Sie. sehr geehrter Herr Minister, nicht sehr ehrenvoll. Sagen Sie klar heraus, was Sie meinen, damit man an dem Wort eines deutschen Ministers nicht drehen und deuteln kann." Fricks Gesetzentwurf gegen das alte Testament Der nationalsozialistische thüringische Innen- und Volksjtfldungsminister Frick hat bekanntlich im Gesetzgebungsausschuß des Thüringer Landtags vorgeschlagen, daß mit der Kirche und Lehrerschaft Verhandlungen einzuleiten seien, um im Lehrplan für den Religionsunterricht die alttestamentlichen Stoffe stärker in den Hintergrund zu rücken. Ein in der „Standarte" erschienener Aufsatz des BerlinerWeihbischofs Dr. Christian Schreiber, der den Titel „Gegen den Antichrist" trägt, enthält dazu folgende Ausführungen: .„ . . Innerhalb derer, die sich zu der religiösen Einheitsfront zusammenschließen, müssen die konfessionellen Befehdungen aufhören! Nicht nur zwischen Protestanten und Katholiken. Auch der gottgläubige Jude gehört in die große Einheitsfront des Glaubens gegen den Unglauben. Wir dürfen nicht vergessen, daß das alttestamentliehe Judentum der Welt das Grundlegende in der Religion vermittelt hat: den Ghauben an den einen Gott und die Ehrfurcht vor Gottes zehn Geboten." Antisemitische Ungesetzlichkeit in Rumänien. In der rumänischen Kammer hat Deputierter Michael Landau die nachstehende Interpellation an die Minister für Inneres und für Kultus gerichtet: Gemäß Artikel 77 des Verwaltungsgesetzes hat gleichzeitig mit der Konstituierung der Gemeinde- und Bezirksräte unter den Virilisten auch ein Repräsentant desjenigen Minoritätenkultus ernannt zu werden, der in der Gemeinde, bzw. im Bezirke die größte Anzahl von Mitgliedern aufweist Nun wird aus verschiedenen Teilen des Landes gemeldet daß in willkürlicher und ungesetzlicher Weise als Vertreter des jüdischen Kultus in die Gemeinde- und Bezirksräte Leute ernannt werden, die g a r k e i n e n Z usammenhang mit diesem Kultus haben; diese Stellen werden in der Regel politischen Parteigängern zugewiesen. In der Stadt Suezava wurde zum Vertreter des jüdischen Kultus ein Wahlagitator der Regierungsliste ernannt Dies bedeutet einen Eingriff in die Autonomie der jüdischen Gemeinden und eine schwere Beleidigung für den jüdischen Kultus. In anderen Städten, wie z. B. in Galatz, hat man die Existenz der jüdischen Bevölkerung und ihres Kultus einfach ignoriert und einen Vertreter des jüdischen Kultus für den Gemeinderat überhaupt nicht ernannt Ich ersuche die Herren Minister für Inneres und für Kultus, zu erklären, ob sie Auitrag geben wollen, daß einZustandderGesetzlichkeitgescha'ffen werde und die Mißbräucbe aufhören sollen. Als Unterstaatssekretär Anghelescu eine ausweichende Antwort erteilte, stellte Dep. Landau fest: Mit keinem anderen Kultus würde man sich erlauben, so zu verfahren, wie man es mit dein jüdischen Kultus tut Mächte zu behandeln, zu einer Katastrophe führen, dieuns in einigen Wochen in dieselbe Lage brächte, in der Rußland sich befindet Er spricht weiter von einem Mangel an Intelligenz und von ererbten Vorurteilen, denen die Gegenseite die klügeren Köpfe gegenüberstelle. „Es kommt in der hohen Politik nicht auf Langschädel an. sondern auf das, was drin ist" Die „V o s s i s c h e Z e it u n g", die die gleiche Aeußeramg Spenglers wiedergibt, knüpft an dieselbe die folgende Bemerkung: Oswald Spengler ist nach dem landläufigen Sprachgebrauch ein scharfer Nationalist und Machtpolitiker, er verdammt Liberalismus. Demokratie nicht minder als den Pazifismus und sieht das Heil Deutschlands in einein neuen Cäsarismus, in der unumschränkten' Herrschaft des großen Einzelnen. Gerade darum ist sein vernichtendes Urteil über den nationalsozialistischen Geist so ausführlicher Wiedergabe wert. Palästina-Fragen im englischen Unterhaus. Im Unterhaus fragte jüngst der liberale Deputierte Mander. ob die Regierung bereits die drei Personen für die Bildung der Klagemauer-Kommission zur Prüfung und Entscheidung betreffend die jüdischen und moslemitischen Rechte und Ansprüche an der Klagemauer nominiert habe und ob der Völkerbundrat diese Nominierungen bereits gebilligt hat Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Shiels, erwiderte: Die Namen der Mitglieder der Klagemauer-Kommission sind noch nicht definitiv festgesetzt, aber es werden Schritte unternommen, um die Nominierungen vornehmen zu können. — Auf eine Frage von Colonel Howard Bury über das Verhältnis zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Einwanderung in Palästina erwiderte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Doktor Shiels, im Unterhaus: Für die Zeit vor dem 3. Juni 1921 sind Zahlen nicht verfügbar. Vom 3. Juni 1921 bis Ende 1929 wanderten in Palästina 6400 Nichtjuden und annähernd 89.000 Juden ein. Der Prozentsatz nichtiüdischer Einwanderung beträgt etwa 7. Karin Michaelis über Antisemitismus. Di« bemäntne dänische Schriftstellerin Karin Michaelis widmet dem vom Paneuropa-Schöpfer Grafen Richard Coudenhove-Kalenghi neu herausgegebenen und eingeleiteten Buche seines Vaters, Grafen Hemden Coudenhove-Kalerghi, „Wesen des Antisemitismus", einen Aufsatz im „Berliner Tageblatt", der die Ueberschrift trägt „Em Buch, über das man nicht hinweg kann" und in welchem die Verfasserin über die Juden in Dänemark schreibt: „Mit Stolz muß ich sagen, daß wfr in Dänemark schon seit mehreren Menschenaltem frei sind von jenem Bazillus, der sich Antisemitismus nennt Nie fragt man bei uns, ob einer Jude ist B e i uns wäre unmöglich, was Tag für Tag im sanften Oesterdeich geschieht, daß die Studenten ihre jüdischen Kollege« mit Stöcken und Gummiknüppeln von der Universität fortjagen. Bei mir zu Hause weiß man nichts von den unmenschlichen Greueln in Rumänien, in Bulgarien, in der Ukraine, und kein Mensch kann sich einen Pogrom vorstellen. Wenn wir in Dänemark so fortgeschritten sind, wie es jetzt unleugbar der Fall ist, so ist es möglich, daß wir das der Qualität der Juden verdanken, die wir in uns aufgenommen haben. Die Juden haben uns von ihrer Tüchtigkeit Vftalität und Ausdauer abgegeben; ihre Freigebigkeit ist nicht ohne Einfluß auf uns geblieben, wir haben sie dafür aus der Enge ihrer Anschauungen befreit ihnen von unserer heiteren Weltweite und leichtbeschwingten Lebensform mitgeteilt" Anknüpfend an den Hinweis des Buches, daß die Judenfeindschaft ursprünglich im Religionsunterschied begründet ist, schreibt Karin Michaelis: „Wir sind erschüttert, daß die ersten Christen sich lieber vor wilde Tiere werfen ließen, als daß sTe ihren Glauben abgeschworen hätten. Der jüdische Widerstand gegen einen aufgezwungenen Glauben ist aber eben noch größer. Der jüdische Mut erscheint so ungeheuer 1 ich, so ergreifend in all seinem Fanatismus, daß man ausderBewunderungnichtherauskommt. Sie werden im Mittelalter gezwungen, abgesondert zu leben, gebrandmarkt und gezeichnet. Man entzieht ihnen die Erlaubnis, die Erde zu bebauen, ein Handwerk auszuüben. Nichts bleibt ihnen übrig als der Handel. Erwerben sie durch diesen ein Vermögen, so nimmt man ihnen das Geld weg und jagt sie in eine neue Verbannung. So jagt man sie durch alle Länder. Sie leisten passiven Widerstand. Sie lassen sich töten, lassen sich ma*- tern, statt ihrem Glauben abzuschwören. Und doch beruht auch die jüdische Lehre auf den Grundsätzen der Nächstenliebe. Ich kenne viele Juden, die den Geboten der Bergpredigt eher nachleben als wfr Christen." Oswald Spengler über die Hitler-Jugend. In einer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zitiert die „Kölnische Zeitung" eine Aeußerung Oswald Spenglers, in der die völkische Bewegung mit der aus der französischen Revolution bekannten ieunesse doree verglichen wird. Es heißt da: „Die kurze Geschichte dieser Bewegung ist noch nicht geschrieben, aber der Mangel an Verständnis war damals der gleiche wie heute, wo er Realpolitik auf Rassegefühle aufbauen möchte." Dies und die kindlichen wirtschaftlichen Ansichten und Utopien seien so michelhaft und provinzial. daß diese völkische Bewegung dadurch vollkommen abgeschnitten werde von allem, was durch Begabung, Erfahrung, Macht und Beziehungen politisch und wirtschaftlich ernst zu nehmen ist. Sie scheine bestimmt zu sein, den Boden aufzuwühlen, aber nur um einer gefährlichen Gegenströmung Platz zu machen. Wie klein, flach, beschränkt und! unwürdig stehe neben dem englischen Satz: Wright or wrong, my country! der deutsche: Juden hinaus! Die Nationalsozialisten rühmen als Herzstuck ihres sogenannten Wirtschaftsprogramms die Befreiung von der Zinsknechtschaft. Spengler sagt in Deutschland würde der geringste Versuch, die bestehenden Formen der Kieditverzuisung zu erschüttern oder die bestehenden FTnanzmächte nicht als Alois Jirasek und das Judentum. Der vor einiger Zeit verstorbene und mit großen* Ehren bestattete große tschechische Dichter Alois J i r a s e k hat in seinem dichterischen Werk wiederholt das jüdische Problem zu gestalten versucht In seinen Jugendarbeiten schildert er den Juden noch unsympathisch, aber schon in den „Alfen tschechischen Sagen" behandelt Jirasek jüdische Motive mit starker Einfühlung.. Er schilderte die Verfolgung der Juden unter Johann v. Luxemburg und Wenzel IV. und zeichnete liebevoll die Gestalten von Mordechai Maisl und Rabbi Jehuda Loew. Zu seiner Meistererzählung „Rabbi Loew und der Tod" schuf M. Alesch eine Reihe ausgezeichneter Bildwerke. In seiner Roman-Trilogie „Zwischen) den- Strömen", die eine große Zahl wundervoll gezeichneter Judengestalten enthält, klagt er das mittelalterliche Prag unter Wenzel IV. wegen der Judenverfolgungen an. Zum Judentum der Gegenwart hatte er ein positives Verhältnis; dem Forscher auf dem Gebiete der Beziehungen der tschechischen Literatur zum Judentum, Prof. Oskar Donath, erklärte er in einem Gespräch: „Ihr Juden habt viele seltene Eigenschaften, wir könnten von Euch vieL. sehr viel lernen." Expräsident Taft und die amerikanische Judenheit. Das kürzlich erfolgte Ableben des früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten, Taft, hat auch die amerikanische Judenheit in Trauer versetzt. Taft war energisch für die Lösung des Handelsvertrages mit dem zaristischen Rußland eingetreten, als die zaristische Regierung sich weigerte, Einreisevisa amerikanischer Bürger, weil sie Juden waren, zu vidieren. Als Taft 1908 zum Präsidenten nominiert wurde, war der Handelsvertrag mit Rußland bereits in Kraft getreten. In seiner Ansprache bei der Nomination bezeichnete er das russische Vorgehen in der Paßfrage als den Prinzipien der amerikanischen Regierung zuwider und versprach, wenn er gewählt wird, dieser' Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit zu widmen. 1911 lud er Jacob Schiff. Louis Marshall. Mayer Sulzberger. den Bnei Brith-Weltpräsidenten Adolph Kraus, Philip Stein. Jacob Furth. J. Walter Freiberg. Bernard' Bettmann und Simon Wolf zu einem Frühstück in das Weiße Haus ein, um mit ihnen die Aufhebung des Handelsvertrages mit Rußland zu diskutieren. Es war dies das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident einejüdische Delegation in das Weiße Haus einlädt Nach dem Frühstück besprach Präsident Taft mit seinen Gästen die Einzelheiten der Rußlandfrage und teilte ihnen mit, daß die Situation sich bessere, so daß eine so energische Aktion wie die Lösung des Vertrages nicht notwendig sei. Jacob Schiff widersprach dem und griff den Präsidenten später in einem Briefe an. Die Führer der amerikanischen Judenheit setzten es durch,, daß sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus Resolutionen annahmen, in denen der Präsident aufgefordert wurde, der russischen Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß der Handelsvertrag am 1. Jänner 1913" außer Kraft tritt Präsident Taft hat seinerzeit gegen die geplante Dillingham Gardner Einwanderungsbill, die eine Intelligenzprüfung für Einwanderer forderte, ein Veto eingelegt. Im Mai 1911 setzte er sich für die Errichtung eines Denkmals für Chaim Salomon ein, den polnischen Juden, der im Befreiungskriege eine große Rolle gespielt hat 1910 erschien er persönlich in der in Washington stattgefundenen Convention der Bnei Britb. im selben Jahre besuchte er in New York den Ball der Daughters of Jacob. Er war es, der den Juden Oscar Straus zum Botschafter in der Türkei und den Juden Levis Einste"i n zum Gesandten In¬ Costa Rica ernannt hat 1912 wurde dem Präsidenten Taft die Goldene Bnei Brith-Medaille zuerkannt, die dem Mann oder der Frau, ungeachtet des Glaubens, verliehen wird, der oder die im Verlauf des Jahres am meisten zum Wohl der jüdischen Glaubensgemeinschaft heigetracen hat. In dem National Geographie Magazine vom Juli 1919 veröffentlichte Taft einen von großer Einfühlung zeigenden Aufsatz über Charakter und Geschichte der Juden und ihre Rolle in der Zivilisation. 1920 wohnte er der Konferenz der Liga gegen Verleumdung der Juden in Chicago bei und wandte sich dort irr einer Ansprache gegen den Antisemitismus Henry Fords und seines Organs ..Dearborn Indeoendent". Er bezeichnete den Antisemitismus als lasterhaft tinamerikanisch und nannte die ..Protokolle der Weisen von Zion" eine „absurde Münchhausiade". In einer Proklamation gegen die ..Protokolle" stand sein Name an der Spitze von 116 prominenten amerikanischen Christen, die die .Protokolle" als eine infame Fälschung erklärten. Die füdische Presse in Ungarn. In einer „Die konfessionelle Presse in Ungarn" betitelten Studie befaßt sich der Rabbiner der Pester Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Sigmund Groftmann, mit der Entstehung und Entwicklung der ungarischen Presse. Die ungarische jüdische Presse verdankt ihre Entstehung dem berühmten Szegediner Rabbiner Leopold Löw, der im Jahre 1844 die erste jüdische Wochenschrift herausgegeben hat, die aber bald eingegangen ist. Ungeachtet oder vielleicht unter dem Eindrucke der stürmischen Zeiten des

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