Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 -stehe. Der „Dötz" passiert da eine arge Verwechslung, gegen die das Judentum wahrhaftig gefeit ist. * * ifi Da heuer die christlichen und die mohammedanischen Ostern zusammenfielen, haben die Behörden in Jerusalem, um den Ausbruch von Unruhen im Keime zu ersticken, an mehreren Punkten der Hauptstadt — Maschinengewehre aufgestellt. In Jerusalem dürfte man in diesen Tagen lebhaft an die Prophezeiung des großen, von Juden, Christen und Mohammedanern gleichmäßig geehrten Jesaias erinnert worden sein, wonach man im messianischen Zeitalter die Schwerter zu Sicheln umändern wird. Für Maschinengewehre wird also in jener Zeit überhaupt keine Verwendung gefunden werden. * * Prinz Ludwig Windischgrätz ist nun richtig, wie aus einem ungefälschten Protokoll ersichtlich ist, durch eine aus fünf Generälen bestehende Ehrenjury rehabilitiert worden. Minister Q ö m b ö s, der Schützer alier Rassenschützler, erklärte, dem Prinzen habe es sich hauptsächlich darum gehandelt, nunmehr nach dem Duellkodex als — satisfaktionsfähig zu gelten. Die ungarischen Richter, die seinerzeit den Prinzen wegen seiner Mitwirkung bei den Frankenfälschungen nach ihrem Kodex verurteilten, werden jetzt eventuell gezwungen sein, ihm nach dem Duellkodex Genugtuung, zu geben. * * % Wie die ungarischen Blätter ferner mitteilen, wird Prinz Windischgrätz von dem Staate den Ersatz der ihn durch den Prozeß verursachten Kosten — 162.000 Pengö — fordern. Selbstverständlich echte und nicht etwa (in leidenschaftlichem Patriotismus, aus Rücksicht für die Finanzen des Landes) gefälschte Pengö. * * Minister Gömbös machte auch Im Gespräche mit Abgeordneten die überraschende Mitteilung, daß eigentlich bereits anläßlich des Reichsverweser-Jubiläums alle Personen, die in dem Frankenprozeß verwickelt waren, ihre Rehabilitierung erhalten haben. Der Prozeß selbst konnte damals aus Rücksicht auf Frankreich nicht niedergeschlagen werden, aber es besteht kein Hindernis mehr, daß die rehabilitierten Frankenfälscher nunmehr jeden, der sie an diese Affäre erinnern wollte, im Duell — niederschlagen dürfen. * * :•: Nach der unbedingten Rehabilitierung des Prinzen Windischgrätz ist auch die allerdings nur bedingte Amnestierung des Baron H a t v a n y erfolgt. Der Prinz wurde überhaupt viel milder bestraft als der Baron, was begreiflich wird, wenn man bedenkt, daß Windischgrätz nur Francs fälschte, während Hatvany ein weitaus größeres Verbrechen beging, indem er — ungefälschte Schilderungen über den „weißen Terror" in Ungarn veröffentlichte. Ego. Wahrheiten vom (falte Wie alle anderen Völker? In der Aufsehen erregenden Broschüre, die der Rektor der Hebräischen Universität hir Jerusalem veröffnet hat, stellt Dr. Magnes schon mit dem Titel seines Buches: „Wie alle anderen Völker?" eine Frage und beantwortet sie klar und deutlich: Nein, nicht wie alle Völker. Nach seiner Konzeption wären die großen Anstrengungen der Judenheit nutzlos, wenn in Palästina ein Staat wie alle anderen Staaten, eine Kultur und eine soziale Ordnung wie bei allen anderen Völkern geschaffen werde sollten. Das, was in Palästina gebaut werden soll, muß etwas Außergewöhnliches sein. Moralisch, kulturell, sozial muß das ein Muster sein, ein Beispiel für die Welt, schöner, besser und erhabener als bei allen anderen Völkern. Das ist Zionismus nach Dr. Magnes. Und ist ein solcher Zionismus nicht durchführbar oder sind die Juden nicht reif oder nicht fähig, ihn zu verwirklichen, dann hat die ganze Arbeit keinen Wert. Es lohnt nicht, noch einen kleinen Staat zu schaffen, noch ein Bulgarien oder Albanien, einen Staat, wo Juden so leben wie andere Völker. Man wird zugestehen, daß diese Gedankengänge des geistreichen Gelehrten recht faszinierend sind und schon seiner bedeutenden Persönlichkeit wegen die größte Beachtung verdienen. Trotzdem ist bekanntlich die zionistische Kritik an seinem Buche, seinem friedliebenden Wirken, ja auch an seiner Person eine ungemein scharfe und einige nationalistische Skribifaxe scheuten sogar vor den ärgsten Verunglimpfungen nicht zurück. Auch die Studenten der hebräischen Universität haben sich, ohne daß ihnen vor irgend einer offizieller Seite Einhalt geboten wurde, an lauten Demonstrationen gegen ihren Rektor nicht genug tun können. Eine der vielen ablehnenden Kritiken, die die Broschüre gefunden hat, ist nun auch von einem anderen Gesichtspunkte aus interessant. J. Schlechmann, Paris, verrät in seiner Besprechung des Buches ein offenes Geheimnis, das aber von zionistischer Seite aus „agitarorischen" Gründen stets abgeleugnet wurde. Er gibt klipp und klar zu, daß der moderne politische Zionismus „das Ergebnis eines Assimilationspro z es ses" ist, bekennt sich also zu jener Tendenz, die von zionistischer Seite so oft den Nichtzionisten zum Vorwurf gemacht wird. J. Schlechmann, Paris, schreibt diesbezüglich in seiner Besprechung: „Das moderne Judentum (sprich: Zionismus. D. Red.) ist durch die Schule der modernen europäischen Völker gegangen und hat dieselben Vorstellungen von der Existenz eines Volkes wie alle anderen Völker der Welt. Es hat sich innerlich von der traditionellen „Ata Becharthanu" Ideologie befreit und sieht die Zukunft des jüdischen Volkes in der Normalisierung seines Lebens, d. h. in der Schaffung von solchen Bedingungen, unter denen auch andere Völker leben und sich entwickeln, die großen und die kleinen, die reichen und die armen, die kulturell hochstehenden und die weniger kultivierten. Die Gegner des Zionismus behaupten, daß dies ein „assimilatorischer" Standpunkt sei und daß wir mit der Losung „wie alle anderen Völker" unsere spezifische Individualität verleugneten. Dieser Vorwurf ist an und für sich richtig. Der Zionismus ist in Wahrheit das Ergebnis des Assimilationsprozesses, den das jüdische Volk im Verlaufe des letzten Jahrhunderts durchlief. Der tiefe Unterschied zwischen den Losungen der Assimilationsbewegung und den Losungen des Zionismus besteht in dem Adressaten, an den sich diese beiden Bewegungen wenden. Die Assimilation ruft das Individuum, den „Sohn Israels": Sei wie alle anderen Menschen, assimiliere Dich persönlich an die Umgebung, in der Du lebst. Der Zionismus wendet sich an die Gesamtheit, an das „Volk Israel": Sei wie die Nachbarvölker sind, schaffe die gleichen Bedingungen, in denen andere Völker leben. Die Adressaten und die Ziele der beiden Losungen sind also grundverschieden, aber beide sind ein Produkt des objektiven Assimilationsprozesses, dem die jüdische Welt unterliegt." Was J. Schlechmann über den Unterschied der beiden Richtungen zu sagen weiß, hat nicht viel Berechtigung. Bekanntlich besteht eine „Gesamtheit" aus „Individuen" und ob sich diese einzeln oder die Gesamtheit auf einmal „assimilieren", wird in der Auswirkung wenig differenzieren. Jedenfalls ist es bemerkenswert, daß ein Ziorfist, noch dazu ein anscheinend radikaler, den Mut aufbringt das zuzugeben, was ist, und damit auch jene Gehässigkeit ad absurdum zu führen, die darin liegt, ausgerechnet nur die Nichtzionisten als „Assimilanten" zu verschreien. Jeder kehre immer zuerst vor seiner eigenen Türe! Ausgerechnet, der Herr Beda! „Dös is a Israelit, weil er mir an Gulden gegeben hat. Wann's nur zwa Kreuzer gewesen wären, hätt' i g'sagt, dö is a Jud!" Von den Lederhandschuhfabrik Josef JjasCmger Z^^^^^^^^^^^^^^^^^^BaaBBaBBBaaaaaBaBBBaBBBaBB* L, Rotenturmstraße 23 Telephon ü 25-3-29 * IL, HoUandsfraße 11 Telephon R 47-2-40 fc, GROSS FLEISCH HAUEREI «EGM. KORNMEHL WIEN DC( MRdttSSI NR. 19 FILIALE XVIII., WAHRINdERSTRAUE »T Telephon Ni. A 17-3-99 vi d A 16-9-34 Llaferant für Haltaastalton AbteilungenfQrKoscherfleisch nater Aufsteht «Im «hrt». Rabbinatea 4m* lais KaltasganaafaMla Wim. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Brettern, die die Welt, in diesem Spezialfälle (Stadttheater) nur den „W i e n e r w a 1 d" bedeuten, ertönen diese „humorvollen" Worte und das dankbare, wenn auch nicht allzu zahlreiche Publikum nimmt diese „Geistreichelei" mit lautem Gelächter auf. Es versteht den „riefen Sinn" dieses Satzes, der die Mentalität der Nichtjuden gegenüber der Hartherzigkeit oder der Freigebigkeit der Juden bekundet. Es versteht diesen Sinn um so besser, als ein Blick in das Programm dem Kenner verrät, wer sich hinter dem lieblichen Pseudonym „Beda" verbirgt, der für das unverantwortlich dumme Buch mitverantwortlich zeichnet. Es ist unser alter Bekannter Dr. Fritz L ö h n e r, der sich unlängst in solch geschmackvoller Weise im „Journal" darüber aufregte, daß die Sozialdemokraten antisemitein. Und er selbst? Der zitierte Satz aus dem jüngsten Werke seiner so fruchtbaren Muse enthält wahrlich keine Gehässigkeit gegen die ihm nahestehenden Juden. Aber muß solcher Unsinn wirklich von einem jüdischnationalen ,.Heimwehr"-Autor verzapft werden, damit die christliche Mitwelt etwas zum Lachen hat — nur über den blöden Juden. „Mademolselle Docteur." Die deutsch-völkische Presse hat, wie das Mainburger „Israelitische Familienblatt" zu berichten weiß, mitunter doch arges Pech. Da wird zum Beispiel in einer Berliner Zeitung eine Spionin geleiert, die dem deutschen Spionagedienst während des Weltkrieges unschätzbare Dienste erwiesen hat. die. ohne Uebertreibung, die Heldin des ganzen Spionageapparates war. Die Artikelserie erregte allenthalben großes Aufsehen. Man iühlte sich in Karl May- Geschichten versetzt, wenn man die Heldentaten dieser Dame las. Das war wahrlich noch ein echt deutsches Weib, die ihre Kräite während des Krieges restlos in den Dienst des Vaterlandes stellte. Eine Frau, der man ein Denkmal setzen müßte. Plötzlich wurde es still im deutsch-völkischen Blätterwald. Es waren Gerüchte aufgetaucht, daß die Dame, der man im Kriege in Feindesland den Spitznamen „Mademoiselle Docteur" gegeben hatte, überhaupt nicht existiert, daß alles nur Phantasiegebilde sei. Und überhaupt dieser merkwürdige Name: Annemarie Lesse r, eine Berlinerin. „Lesser" . . . das roch sehr stark nach Judentum. Also kurz und gut: die Mademoiselle Docteur hat niemals Spionagedienste geleistet, ein sensationshungriger Reporter hatte alles erfunden. Schluß. Aber es war nicht Schluß. Der Kyffhäuserbund selbst ist gewissermaßen als Kronzeuge für die Existenz der Mademoiselle Docteur auf den Plan getreten. Daneben auch andere Stimmen. Und nun kommt die Hauptsache: Annemarie Lesser hat tatsächlich im deutschen Spionagedienst gestanden, entstammt einer gut jüdischen Familie und ist jetzt in einer Irrenanstalt in der Schweiz, nachdem sie einen unheilbaren Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Eine Jüdin aus gut jüdischem Hause, Spionin allerersten Ranges? Eine Heldin von noch nie dagewesenem Heldenmut, die unzählige Male ihr Leben aufs Spiel setzt für das deutsche Vaterland, die berühmt dafür ist, daß sie sich immer wieder in die Löwenhöhlen wagte, vor keinen Geiahren zurückschreckte, niemals etwa des Geldes wegen ihr gefährliches Handwerk betrieb, sondern nur aus reinster Vaterlandsliebe ihren Beruf als Spionin ausübte?! Das ist Pech für die Deutsch-Völkischen, das muß man sagen. Aui diesem Gebiete war eigentlich noch nichts von jüdischer Konkurrenz zu verspüren, bisher. Und nun nehmen die Juden plötzlich auch hier die erste, die allererste Stelle ein! Es ist furchtbar. Kein Gebiet ist vor den Juden sicher! . . . Die antireligiöse Kampagne in SowjetruBland. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war die kommunistisch-atheistische Agitation gegen die Feier des Pessachiestes in diesem Jahre infolge des neuen Kurses der sowjetischen Religionspolitik zurückgedrängt Das Hauptorgan der antireligiösen Propaganda „Besboschnik" (Der Gottlose) veröffentlichte unter der Ueberschrift „Macht keinen Lärm" einen bemerkenswerten Aufsatz, in dem die Mitglieder der militanten atheistischen Organisation instruiert wurden, dieses Jahr von der Abhaltung antireligiöser Karnevals, Demonstrationen und Versammlungen vor den Synagogen oder Kirchen während des Pessach- und Osterfestes abzusehen und sie abzusagen, wo sie schon vor-