Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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__Seite 3 Einwanderangsbeschränkungen in Südafrika. DIE WAHRHEIT Oberrabbiner Dr. Simon H e v e s i schließt seine ganz einleuchtende Richtigstellung mit den für unser Blatt äußerst schmeichelhaften Worten: „Ihre Wochenschrift ist von einem edlen -Geiste durchweht und leistet unserer Konfession und der jüdischen Gesamtheit große Dienste. Ich lese das Blatt stets mit tiefem Interesse und inniger Befriedigung." Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß der unbeugsame Optimismus des bewährten religiösen Oberhauptes der Budapester Juden gerechtfertigt ist und daß das jetzt so schwer geprüfte ungarische Judentum sich wirklich weiter entwickeln und behaupten wird können. Herrn Rektor Gleispach ins Stammbuch. Aus einem Aktenstück ist zu entnehmen, daß zur Zeit MariaTheresias sowohl an der Wiener wie an der Prager Universität zahlreiche Juden die chirurgischen Kollegien besuchten. Dies geht auch aus einem Erlasse an das „Königliche Gubernium in Böhmen" vom 28. März 1778 hervor, der besagt: „Das böhmische Gubernium erstattete am 22. Juni einen Bericht über U n r u h e n, welche am 24. November 1777 zwischen jüdischen und christlichen Studierenden am Collegio Chirurgico entstanden. Da der Auftritt keine weiteren Folgen hatte und die Unruhe durch Herbeirufung der Militärwache und durch Arrest der Schuldtragenden gelegt wurde, so sollte es bei dem, was das Gubernium über die Urheber der Schlägerei verfügte, sein Bewenden haben. Da der Vizedirektor der medizinischen Fakultät, Breyer, der Direktor Max Neven und der Professor Arnold alles taten, um die Unruhe zu unterdrücken und die Frequentierung der chirurgischen Kollegien jedermann ohne Ausnahme gestattet ist, so sollen sie kerne Rüge erhalten, wie das Gubernium angeraten hatte. Was die künftige Aufnahme jüdischer Studierender der Chirurgie betrifft, so sollte sie ihnen nach wie vor nach den bestehenden Studienplänen für die medizinischen Fakultäten offen stehen. Da die Juden toleriert sind, sei es auch nur billig, wenn man ihnen die Wege zum Unterricht nicht beschränkt. Auch in Wien besuchen Juden und Christen ohne Unterschied und Absonderung die Collegia Chirurgica und seien die Juden ebenso wie die Christen bis zur Ankunft des Professors berechtigt, den Hut aufgesetzt zu behalten und darf deshalb kein Teil den anderen im mindesten beirren oder beunruhigen. Derselbe Vorgang sei auch an der Prager Universität zu beobachten und sollen den Juden keine besonderen Plätze angewiesen werden, sondern es ist der Besuch promiscue (vermischt) gestattet. Um ferner alle Unordnungen zu vermeiden und unangenehmen Vorfällen im vornherein vorzubeugen, wird den Professoren anbefohlen, jeden Unfug von seiten der Studierenden einzustellen, sämtliche Studenten in den gehörigen Schranken zu halten, und wer trotzdem einigen Unfug beginge, der soll nichtalleinvom weiteren Studium ausgeschlossen, sondern überdies zum Beispiele anderer, entweder mit einer geschärften Leibesstrafe belegt oder zu einer größeren Geldstrafe angehalten werden." Wer da weiß, welche Gesinnungen die Kaiserin Maria Theresia gegen die Juden hegte, der wird dieses auch für unseren akademischen Senat interessante Rescript um so mehr zu würdigen wissen. Die englische. Regierung hat ein Gesetz angenommen, das die Einwanderung in Südafrika für Osteuropäer vom 1. Mai 1930 ab auf 500 Personen pro Jahr beschränkt Einwanderer, die nach dem 30. April in Südafrika eintreffen, ohne über ein Visum auf Grund des neuen Ouotengesetzes zu verfügen, werden nicht mehr eingelassen. Die Berliner „C.-V.-Zeitung" hat Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, der kürzlich von einem dreivierteljährigen Aufenthalt in Südairika zurückgekehrt ist, über die Gründe befragt, die zu dem neuen Gesetz führten, und in einer Unterredung folgende Darstellung von ihm erhalten: In Südafrika, einem Land, das dreimal so groß ist wie Deutschland, leben — unter 1% Millionen Weißen — 72.000 Juden. Sie siedeln sich bei ihrer Einwanderung in den Städten an und treiben Handel, da ihnen das Geld fehlt, um Ländereien zu erwerben und den regenarmen Boden — es gibt Landstriche, in denen es seit fünf Jahren nicht mehr geregnet hat, — fruchtbar zu machen. Das Land wird fast ausschließlich von den christlichen Buren, deren holländische Vorfahren vor mehr als 300 Jahren einwanderten und Ländereien erwarben, bewirtschaftet. Der kaufmännische Beruf gibt den Juden zwar die Möglichkeit zu leben, ist aber verhältnismäßig aussichtslos, da Südafrika bisher keinerlei Luxus kennt und in seinen Bedürfnissen unbeschreiblich anspruchslos ist. So gibt es z. B. selbst in der Hauptstadt Johannisburg weder Theater noch ein Kunstgeschäft. Die einwandernden Juden nehmen also, um überhaupt leben zu können, zunächst jede, auch die niedrigste Arbeit an; dadurch machen sie den eingeborenen Schwarzen, die von den Buren bisher noch immer als Sklaven angesehen und behandelt wurden, Konkurrenz, erhöhen durch diese äußere Gleichstellung auch deren soziale Ansprüche und heben so ihr Ansehen. Diese Entwicklung ist den Buren, die nicht gerade arbeitsfreudig sind, durchaus unerwünscht, um so mehr, als sie sehr kinderreich sind und deshalb fürchten, daß ihre Nachkommen keine Existenzmöglichkeit in Südafrika haben werden. Südafrika hat augenblicklich mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wolle und Leder, seine Hauptausfuhrartikel, sind auf dem Weltmarkt so stark gefallen, daß sie kaum noch die Herstellungskosten lohnen. Das hatte eine Verschärfung der schon immer mißlichen Geldverhältnisse zur Folge, in deren Verlauf die Banken Händlern und Farmern fast allen Kredit kündigten. Bei dieser Stagnation der Wirtschaft versuchen die Buren natürlich alles, um ein weiteres In der antisemitischen „Deutschen Wochenschau" vom 19. Gübhart richtet die „Katholikin Käthe Bayer" in München einen offenen Brief an die deutschen Bischöfe, in welchem sensationelle Enthüllungen über die — Jesuiten gemacht werden. Es dürfte aber nicht nur Bischöfe, sondern auch die Juden einigermaßen überraschen, gerade durch Käthe Bayer zu erfahren, daß „der Jesuitismus nicht erkannt werden konnte, ehe nicht das Judentum erforscht war". Nun, da man aber das Wesen des Judentums dank den vereinigten Hakenkreuzlern aller Länder genügend erforscht hat, steht es immer nach Käthe Bayer in der „Deutschen Wochenschau" fest, daß der Jesuit „in Wahrheit Missionär der talmudisch-mosaischen Religion, Vorkämpfer des Sanhedtins und seiner Religionspolitik ist, mit der Aufgabe, das Christentum mit talmudischen Elementen zu durchdringen und zu seiner Selbstaufgabe reif zu machen". Die deutschen Bischöfe und auch die Juden hatten bisher keine Ahnung, daß die talmudbeflissenen Jünglinge in den Jeschiwoth und den Rabbinerseminaren verkappte Jusuitenzöglinge sind, „denen die Pflicht obliegt, die historischen Gewalten zu untergraben und dem Judentum den Weg zur Weltherrschaft und zur Aufrichtung seines Priesterkönigtums vorzubereiten". Welche Enthüllungen! Ist es nicht begreiflich, daß sich dem verblüfften Leser hn ersten Augenblick der Ausruf entringt: „Unglaublich!!!" Käthe Bayer antwortet darauf: „Aber wahr!" * Käthe Bayer weist in der „Deutschen Wochenschau" in langatmigen Erörterungen mit der ihr eigenen Gründlichkeit nach, daß wirs„dies alles Anwachsen der konkurrierenden Juden zu verhindern. Sie verschanzen sich dabei hinter die Nationalistische Partei, deren Rückgrat sie bilden. Es gibt in Südafrika drei Parteien: die Nationalistische, die Südafrikanische und die Arbeiterpartei. Alle drei erkennen die Herrschaft Englands an. Während jedoch die Nationalisten nur den gemeinsamen König mit England wünschen, wollen sich die „Südafrikaner" vollständig nach der englischen Politik orientieren. Nun haben die Nationalisten bei den letzten Wahlen am 10. Juni 1929 gesiegt und das Uebergewicht erhalten. Sie forderten sofortige gründliche Einwanderungsbeschränkung. Die Südafrikanische Partei wollte die im Interesse der Wirtschaft notwendige Einschränkung allmählich durchführen, während die Arbeiterpartei Südafrikas im Grunde für freie Einwanderung ist. Sie mußte sich zwar diesmal den wirtschaftlichen Gründen fügen, hat sich aber im Kampf um das Einwanderungsbeschränkungsgesetz vollständig zurückgehalten. Das neue Gesetz auf sofortige Einwanderungsbeschränkung wurde von dem südafrikanischen Innenminister M e 1 a n eingebracht und von den südafrikanischen Nationalisten unterstützt. Von Juden ist in diesem Gesetz zwar nicht die Rede; aber man muß fürchten, daß möglicherweise Willkür die Einwanderung noch erschweren wird, da der Ministerpräsident frei entscheiden darf, wer von den Einlaßbegehrenden herein darf und wer nicht. Für die litauischen Juden, aus denen sich etwa 90 Prozent aller einwandernden Juden überhaupt rekrutierten, ist die Durchführung dieses Gesetzes katastrophal. In Litauen haben die Juden keine Existenzmöglichkeit mehr. Sie müssen auswandern. Ihre Zufluchtsstätte war bisher Südafrika, wohin sie sich fast ausschließlich wandten. Die westeuropäischen Länder sind ihnen durch die scharfen Einreisebestimmungen, die nur wenigen von ihnen einen auch nur meist begrenzten Aufenthalt gestatten, verschlossen. Nordamerika, Südamerika und Kanada unterbinden systematisch jede Einwanderung. Südbrasilien hat die Einwanderungserlaubnis schon von langer Zeit sehr eng begrenzt. Nun hat sich ihnen auch Südafrika verschlossen. Das Schicksal Tausender wird dadurch ungewiß. Die Juden Südafrikas erkennen den furchtbaren Schlag, den dieses neue Gesetz für ihre litauischen Brüder bedeutet, und haben den 1. Mai, den Tag, an dem das neue Gesetz in Kraft tritt, als allgemeinen Trauertag bestimmt. dem Ränkespiel der eingeweihten talmudischen Verschwörer im Vatikan verdanken". Wer gläubig ihren Auseinandersetzungen folgte, wird auch keinen Moment zögern, mit Käthe Bayer auszurufen: „Kein Wunder dann, wenn die Christen beider Konfessionen scharenweise ihre Kirchen verlassen. Was sie flüchten läßt, ist der Talmud, der immer deutlicher dem Christentum seinen Stempel aufdrückt." Wer hätte gedacht, daß der so lange verkannte Talmud solche Wirkungen üben könnte. * * * Welche Wirkungen die am 19. Gilbhart veröffentlichten Enthüllungen Käthe Bayers bisher hatten? Ich weiß nicht, ob kirchliche Blätter bisher sich überhaupt schon mit ihnen beschäftigten. Ich habe auch nichts davon gehört, daß Psychiater irgendwie darauf reagierten. Sehr beachtenswert erscheint es mir aber, daß Herr Fritsch, dem die Anerkennung seiner Senilität schon manchen hübschen Erfolg im Gerichtssaale sicherte, die Studie Käthe Bayers im „Hammer" vollinhaltlich nachdruckte, und zwar mit Beifügung folgender Worte: „Diese tapferen Worte verdienen alle Anerkennung. Möchte diese Erkenntnis doch endlich in die weitesten Kreise unseres Volks eindringen!" Käthe Bayer und Theodor Fritsch sind einig: Dem deutschen Volke kann nur geholfen werden, wenn es den Talmud genau kennt! Ani.. Jüdische Wirschaftsorgani- ■SatiOII sucht Mitbenutzung eines jüdischen Vereinslokales. Zuschriften unter »Gemeinschaft* an die Adm. d. Blattes. NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL. R 43-1-58 ALLE NEUERSCHEINUNGEN 1 REICHE AUSWAHL IN HEBRJMKA UND JUDAIKA Id englischer uid französlsctier Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3.— KEINE BAND GEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH I „Tapfere Worte/'