Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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so deutlich vernachlässigt, dagegen verwendeten Louis Maishali und Oskar Straus inren ganzen Ciniluß, um die gepiance (dritte!) Ausgabe der „Protokolle" zu unterdrücken, üie Sacne kam natürlich bald, ki die Oeffentlicnkeit und es ist interessant, im den betreffenden Wummern Ues „uearborn luüepeuaent" das lnumphgeheul derer um Fand ob dieser Blamage der Juden zu vernehmen, die dadurch nur bekundeten, daß sie die tenineu der „f rotoKolie'* und die Waruneit der in innen enthaltenen Anklagen nicht zu widerlegen imstande und daiium gezwungen sind, inquisitorische Methoden zu versuchen. Es versteht sich, daß dadurch der Einfluß des „Üearborn inuepenüent" und uer ujauoe au aie jüaiscne Weltverschwörung nur gewachsen ist und befestigt wurde. Schließlich hat man sich in Amemika iis heute nicht bemüht, dem Publikum eine rationelle, v e r nliln f t ig e Widerlegung der ,ProtoKoile' vorzulegen und uer Widerruf Henry Fords hat nicht die geringste Wirkung geübt. Man traut in Amerika dem früheren Ford, der Beweise erbracht, aber nicht dem späteren, den verlangt, daß man ihm auf Wort glaube. Wenn man erwägt, daß sogar die Vatikanisch e D i p 1 o m a t i e, ' die älteste, schlaueste und bestunterricniete aer Welt, am den „h'ioioKoif'-aehwindel hereingefallen ist und Kardinal üaspari am 20. Juni ly20 an den Uebersetzer Mgr. Jouim einen Brief gerichtet hat, in welchem ihm der Dank des Papstes für das ihm übersandte Exemplari sowie warme Glückwünsche und der apostolische Segen übermittelt werden, weichen briei Mgr. Joum in der Vonriede zur vierten Auflage seiner Uebersetzung der Protokolle abzudrucken sich beeilt hat (Vgl. mein Protokoilbuch, Einleitung S. XXI). so wird kein üerechtdeiikenüer rierrn roro, uer weder Diplomat noch Geschichts- oder Literaturkritiker ist, wegen seines Glaubens au die Ccntheit uer „Protokolle" verurteilen. Diesen Glauben vorausgesetzt, war es selbstverständlich, daß Ford als der reichste und mächtigste Mann der Welt es auf sich nahm, die ganze Kulturwdt von diesem iürchterlictien, im Dunkeln sciileiohenden Vampir zu warnen. Es ist Schuld der Juden, daß sie nicht rechtzeitig der Welt und Herrn Ford die Augen öffneten, daß sie es hier mit einem frechen Schwindel zu tun hatten, wie ihn die Geschichte noch nicht gesehen hatte. Was Europa und speziell Deutschland anbetrifft, so haben wir vielfach nicht die materiellen Mittel, um den Verleumdungen entgegenzutreten. Die großen liberalen, meistgelesenen Zeitungen nehmen von unserer Abwehrliteratur einfach keine Notiz und so dringen unsere Widerlegungen nicht ins Publikum. Ein Beispiel: Als ich im Jahre 1922 an der vierten Auflage meiner Schrift „Judentum und Bolschewismus" arbeitete, welche den allgemeinen Glauben widerlegt, daß alle Revolutionäre und Bolschewiken in Rußland Juden seien, hatte ich vor mir ein Exemplar der Broschüre des Divisiohspfamrerers C r a n e, der mit dreister Stirne versicherte, daß alle russischen Revolutionäre und Anarchisten u. a. sogar Tschenischawski und K r opatkin, Juden waren! Das Exemplar stammte aus dem 155. Tausend. Meine Broschüre dagegen hat höchstens 12.000 Exemplare erreicht, die zum weitaus größten Teile von Juden gekauft wurden. (Zum christlichen Publikum gelangt nämlich unsere Abwehrliteratur, wenn überhaupt, höchst ausnahmsweise.) Ist das nicht in Wahrheit ein Tropfen im Meere? Was Wunder, wenn der Glaube an den jüdischen Ursprung der Revolution und deren Träger in der ganzen Welt ein Dogma geworden ist? Was Wunder, wenn gelehrte Professoren vom Katheder herab und in dickleibigen, ernsten Büchern es als selbstverständlich hinstellen, daß die Juden die wirklichen Urheber der Revolution und des „Bolschewismus sind, daß sie von „Sowjet-Juden" reden? In vielen Schriften hervorragender Autoren, wie z. B. des ehemaligen-Gouverneurs von Deutsch-Ostafrdka. Schnee, redet man vom jüdischen Ursprung und der jüdischen Urheberschaft des Kommunismus und Bolschewismus als von der selbstverständlichsten Sache deir Welt Mit einigen dieser Autoren habe ich mich in Verbindung gesetzt und ihnen meine Schrift über „Judentum und Bolschewismus" zugesandt. Sie antworteten, daß ihnen diese Broschüre ganz unbekannt wan. Hätten sie sie gekannt, so hätten sie anders geurteilt. Einige versprachen, in der nächsten Auflage ihrer Bücher die betreffenden Urteile zu berichtigen, und einer dieser Autoren hat auch Wort gehalten . . . Das Geheimnis ist dies: Die in unserer Abwehr- Iiteratur niedergelegten Argumente gelangen überhaupt nicht zur Kenntnis des nichtjüdischen Publikums die große Presse nimmt von unserer Abwehrliteratur nur äußerst selten in kleinen, versteckten Notizen Kenntnis von einer regelmäßigen, ausführlichen Berichterstattung wie sie jeder anderen Literaturgattung gewidmet wird. Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfmger 1., Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 ist kein Rede. Wir besitzen aber weder die Mittel, noch den Apparat, um unmittelbar an den Leser heranzukommen. Ich habe mich davon gelegentlich meiner Bücher über die „Protokolle" selber nur zu grüudiicn überzeugt. Wenn man sich einmal erinnert, was iür Reklame die antisemitischen Blätter den „Protokollen" machten und was für Aufregung ihretwegen seit ihrem Auftauchen 1919 in der ganzen Welt herrschte, hätte man glauben sollen, daß ein Buch unter dem Titel „Die Protokolle der Weißen von Ziora, kritisch beleuchtet. Eine Erledigung" in Zehmausenden von Exemplaren abgesetzt werden müßte, zumal in Wien, wo die Antisemiten den ganzen Sommer 1925 anläßlich des Zionistenkongresses tagaus, tagein in Riesenplakaten für ihre Wiener Ausgabe der „Piotokolle" die beste Propaganda machten. Uleichwohl ist noch nicht die erste, 1924 erschienene Auflage abgesetzt woiden, ebensowenig von der kleinen. i92o erschienenen Ausgabe. Dabei sind meine früheren Bücher „Der Weltkrieg" in 25.000, „Die polnische Judenfrage" in 8000, „Rumänien und seine Juden"" in 8500, „Am Tage des Uenchtes-' in ööUU Exemplaren abgesetzt worden, obwohl sie alle die Nichtjuden nicht im geringsten angingen. Ein großer christlicher Gelehrter schrieb mir einmal: „eine jüdische Organisation müßte es sich zur Aufgabe machen, von Ihrem Protokollbucn jedem Intellektuellen in Deutschland ein Exemplar auf den Tisch zu legen; nur so könnte man das ungeheuer verbreitete und tief eingewurzelte Vorurteil erfolgreich bekämpfen." Natürlich geschah das nicht. Nur ich allein versandte das Buch an etwa zwei Dutzend hervorragender Professoren, mit denen ich persönlich bekannt war. Davon antworteten etwa 20 höchst anerkennend und bezeugten, daß sie durch meine Ausführungen völlig von der Unechtheit der „Protokolle" und der Haltlosigkeit der in ihnen enthaltenen Anklagen überzeugt wurden. Aber ich kann von keinem verlangen, daß er sich zum Agenten meines Buches mache, obwohl ein Gießener Philosophie- Professor aus eigenem Antrieb unter seinen Kollegen dalür Propaganda machte, es sogar in seinen Vorlesungen einige Male empfahl. Mein Buch erschien im November 1924. Als bis August 1925 k ei n einziges großes Blatt in Deutschland darüber auch nur eine Zeile brachte, verfaßte ich eine Selbst anzeige, die ich an 57 liberale Blätter versandte, alle, die man gewöhnlich als „Judeiiblätter" zu bezeichnen pflegt und für deren wirkliche oder vermeintliche Schandtaten wir Juden verantwortlich gemacht zu werden pflegen. Von allen diesen Blättern brachte meine Setbstanzeige nur ein einziges Blatt, die „Frankfurter Zeitung", ein wahrhaft liberales, unabhängiges und vornehmes Organ. Von den Motiven, mit denen die anderen ihre Absage begründeten, war das bezeichnendste, „daß sie sich GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL IMIHMMbHaHaMMMMMaaMaHBB WIEN IX., BBRQOASSfi MH. t» FILIALE! XVIII., WÄHRINGERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17 3-99 und A 16-9-34 Llsfarant für Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfieisch unter Aufsieht des ehm. Rabbinate» der ler. Kultusaemeinda Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen in einen Kampf mit den Antisemiten nicht einlassen wollten . . ." Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß der Aberglaube der „Protokolle" und der jüdischen Weltverschwörung nichtimgeringstenan getastet wurdeundkräftig ist, wie am erstenTage. Er schlummert zu Zeiten ein, aber unter günstigen Umständen wird er erwachen und Verheerungen anrichten, ebenso wie der Ritualmordaberglaube. Die achtjährige Arbeit dos Herrn Ford läßt sich nicht, wie er glaubt, mit einem Federstrich ungetan machen. Sie wird schon zur rechten Zeit ihre rrüciue tragen und dem iNameu ihres U r h e b e r s „E h r e" bringen, wenn an nicht ernstlich, so lange es noch Zeit ist, sich alle Mühe geben wird, die ausgestreuten Keime zu vertilgen. Die Urteile deir deutschen Forscher und Gelehrten über mein Buch und ihre daraus gewonnene Meinung über üie „Protokolle" veröffentlichte ich in den Jahren 1925 und 1926 der Reihe nach in fast allen jüdischen Zeitungen und sandte regelmäßig ein Exemplar nebst englischer Uebersetzung an Artur Brisbane, dem Herausgeber des „New York American", der e i n intimer Freund und Vertrauter von Henry Ford ist. Mehr kann ein Privatmann, der nicht Millionär ist, nicht tun. Die Vorwürfe, die mir mein Herr Uebersetzer macht, sind also, wie jeder Gerechte zugeben wird, ganz unbegründet. Pseudo-Nationalismus. Telephon R 47-2-40 Seit der Gründung der jewish Agency und der zeitlich in unmittelbarem Zusammenhang damit stehenden schweren Erschütterung des Palästina-Aufbaues durch die Araberunruhen ist die innerzionistische Auseinandersetzung nicht zum Stillstand gekommen. Es ist auch nur zu begreiflich, daß die geistigen Führer der Bewegung sich immer von neuem veranlaßt fühlen, diese beiden entscheidenden Ereignisse in der zionistischen Entwicklung gedanklich zu bewältigen und die sich aus ihnen ergebenden Folgerungen darzustellen. Kürzlich hat es der durch seine „Revision des jüdischen Nationalismus" bekannte Zionist Dr. Ignaz Zollschan unternommen, in der „Neuen Freien Presse" seine schon früher vertretenen Forderungen im Hinblick auf die neuesten Tatsachen mit verstärkter Dringlichkeit wieder zu erheben. Er nannte seinen von der „Wahrheit" im Auszüge bereits wiedergegebenen Aufsatz „Die Palästina-Krise. Die Wiedererstarkung eines Landes durch begriffstheoretische Verwirrung gefährdet". Die These, die er unter diesem Leitsatz vertritt, erfordert aufmerksamste Beachtung auch nichtzionistischer Kreise. Z o 11schan leugnet eine der wichtigsten Grundlagen der national jüdische n Gedankenführung, das Bestehen einer jüdischen Nationalität in der Gegenwart. Er schrieb: „Die Forderung, daß alle Juden sich jetzt und hier dem Prinzip der nationalen Sonderstellung anschließen sollen, mußte iür viele als Zumutung erscheinen, sich als Nationalfremde den Staaten und Völkern gegenüber zu proklamieren, von denen sie du.rch Geschichte und Politik, durch territoriale. Sprach- und Kulturgemeinschaft, durch ihre Interessen- und Pflichtidentität ein Teil geworden sind und denen sie sich deim Gefühle nach zugehörig empfinden. Aus diesem Konilikt ergibt sich, daß schon in den ersten Phasen des Zionismus die Mehrheit eine mit solchen Prämissen verknüpfte Forderung ablehnen mußte und daß durch die Schaffung dieses Konfliktes seine Anhängerschaft nicht über den Umfang einer Sekte hinauswachsen konnte . . ." Abhilfe verspricht sich Zollschan einzig und allein von der Aufgabe des ziQnis.tischenGrundsa.tzes. v o n , d er nationalen Einheit des Judentums seit der Emanzipation, also Revision des nationaljüdisc'uen ürundbaues: „Was das Objekt einer solchen RevicUuruug hätte sein müssen, ist dies gänzlich unechte Ding des Diaspora-Nationalismus... Die Erreichung des Zieles (des Palästina- Aufbaues. D. Red.) wird eben nicht — wie aus Propagandamotiven erklärt würde — durch tun er politischen Kampi gefördert, sondern behindert. Und hiermit parallellaufend tritt die U n s i u n i g k e i t dieser pseudonationalen Attitüde hinsichtlich der wirklichen Interessen in den einzelnen Ländern klar zutage. Einer „nationalen" Politik hierzulande würde es ja auch an nahezu allen programmatischen Inhalten fehien. Die aber dann allein übrigbleibende bloße nationale Attitüde würde unter solchen Umständen nur noch juridische und politische Differenzierungen, das heißt eine Absonderungspolitik im Sinne des Antisemitismus, sanktioniere n." Im Zusammenhang mit dieser zionistischen Stimme seien die Ausführungen des Hauptvorstandsmitgliedes des Centrai-Vereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Friedrich B r o d n i t z erwähnt, mit denen er zu den bekannten Palästina-Aufsätzen Emil Ludwigs Stellung nimmt. In einem Brief an die „Vossische Zeitung" schreibt Brodnitz: Heimatlose Nomaden? Wer Emil Ludwig aus vielen seiner Bücher als den glänzenden Schriftsteller schätzt, der — allem Kopfschutteln der „Fachmänner" im Namen der strengen Wissenschaft zum Trotz — uns geschichtsliebenden Laien schon so manche große Gestalt der Geschichte in plastischer Darstellung nahegebracht hat, wird es freudig begrüßt haben, wenn Ludwig das Problem des Palästina-Aufbaues in zwei kürzlich erschienenen Artikeln beleuchtet hat. Wer als Jude in dem jüdischen Aufbau Palästinas eine Kollektiv-Aufgabe aller Juden sieht, wird Ludwig besonders dankbar sein, daß er eine weitere Oeffenthchkeit mit der eigenartigen Problematik dieses Werkes bekanntgemacht hat. Es ist hier nicht der Ort, zu den Einzelheiten seiner Schilderung Stellung zu nehmen. Unterstrichen soll nur werden, daß die Ausführungen Ludwigs über die Notwendigkeit einer friedlichen Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina die Ueberzeugung aller, in der Jewish Agency — der Vertretung aller am Aufbauwerk mitarbeitenden Juden, Zionisten und Nichtzionisten — darstellt. Leider hat aber Emil Ludwig in seine Darstellung einige Sätze über die Ursachen des Waltinteresses finden Aufbau Palästinas eingefügt, die schärfsten Widerspruch herausfordern müssen. Er schreibt in seinem ersten Artikel: „Weil unter allen-Völkern der Erde die Juden allein heimartilos sind, sich aber als eine