Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1930-04-11 · Heft 15 (11.4.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064145-3064160--17854-3082823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite 3 für ein friedliches Zusammenarbeiten mit den Arabern aufs neue bekräftigt wurde. Wunderschöne Worte! Diesen wunderschönen Worten ging aber ein Bericht des Präsidenten der Jewish Agency, des Zionistenführers Dr. Chaim W e i z m a n n voraus, in dem dieser mit bezug auf die vom Kanzler der Hebräischen Universität J. L. Magnes geförderte „Brith Schalom"-Bewegung sagte: „Während noch der Jischuw im Verteidigungszustand war, erhoben sich Stimmen, die uns in eine schwierige Lage brachten. Es wurde den Verteidigern von der Plattiorm der hebräischen Universität aus gesagt, daß sie nicht friedlich genug seien, daß es ihre Pflicht wäre, aui gewisse Dinge zu verzichten. Als noch die Toten von Hebron und Safed unbegraben dalagen., wurde ihnen gesagt, daß es ein Zeichen von Stärke sei, mit den Angreifern zu verhandeln. Solche Verhandlungen sind zurückzuweisen, solange das arabische Volk sich nicht vergegenwärtigt, daß die Juden berechtigt sind, ihre Heimat in Palästina aufzubauen, ebenso wie den Arabern ihr Recht unbenommen bleibt, ihre Heimat aufzubauen." Die Antwort auf diese untaktischen und überheblichen Aeußerungen des Führers der zionistischen Weltorganisafion blieben nicht aus. Das Organ der arabischen Exekutive „F alestin" gab Dr. Weizmanns Rede wieder und bemerkte dazu: „Wir kennen keinen Araber, der sich den Zionisten zwecks Verhandlungen genähert hat. Vielleicht hat das Kolonialamt Dr. Weizmann zu verstehen gegeben, er möge Verhandlungen mit den Arabern einleiten, und er hat dies mit der gewohnten jüdischen Anmaßung zurückgewiesen." „Wir sehen am Horizont eine neue jüdische Blutverschwörung auftauchen", schließt das arabische Blatt mit echt orientalischer Phantasie seinen Artikel, dessen Schärfe verständlich erscheinen mag, wenn man bedenkt, wie kaltblütig ein so verantwortlicher Führer wie Weizmann Verhandlungen mit den Arabern im jetzigen kritischen Augenblicke abzulehnen wagte. Oder: Unsere Leser erinnern sich wohl noch, daß das gleiche Blatt „Falestin" vor einigen Wochen den Vorschlag Prof. Albert Einsteins auf Bildung eines geheimen Rates aus Arabern und Juden zur Vorbereitung eines dauernden Verständnisses und eines Zusammenarbeitens von Juden und Arabern, sowie einer gemeinsamen Vertretung palästinensischer Interessen gegenüber der Regierung rückhaltlos begrüßt hat. Nun beachte man die Resonanz auf diesen Vorschlag im zionistischen Blätterwalde. Die „Neue Welt" schrieb dazu: „Dieser bedenkliche Weg, der sich dem des Rektors Magnes zu nähern scheint, ist g e e i g n e t, G e f a hren hervorzurufen, wie sie bereits durch die Tätigkeit Magnes entstanden sind." Das ist der Kommentar des „weitsichtigen" radikal-zionistischen Blattes zu einem ehrlich gemeinten Vorschlage, der sogar nach der christlichsozialen „Reichspost" „die ernste Beachtung aller verdiente, denen das Wohl Palästinas am Herzen liegt". Was nützte es, daß die aus Angehörigen der jüdischen und der arabischen Intelligenz zusammengesetzte Organisation Brith Schalom in einer Resolution den von Prof. Albert Einstein im „Falestin" gemachten Vorschlag begrüßte und die Eröffnung inoffizieller Diskussionen zwischen autorisierten Personen zur Vorbereitung offizieller Verhandlungen forderte. „Falestin" selbst ist — wohl unter dem Eindruck des Berichtes der Shaw-Kommission — vollkommen von seinem früheren Standpunkt abgerückt und beklagt es, daß ein Gelehrter vom Range Professor Einsteins sich in politische Angelegenheiten einmischt. Die Zeitung nennt Einsteins Vorschlag undurchführbar und behauptet, das Hauptproblem liegt darin, daß die Juden die Araber hindern, ihre nationalen Ziele zu verwirklichen. Die Araber, schließt „Falestin" erstreben drei Dinge: ein Parlament, Aufhören des Bodenverkaufes an Juden und EinschränkungderEinwanderung. Ob die nunmehrige Haltung des Organs der arabischen Exekutive nicht auch auf die ablehnende Einstellung der Zionisten zu dem Projekte des großen Gelehrten zurückzuführen ist, bleibe dahingestellt. Diese jeder politischen Vernunft zuwider laufende Einstellung wird bei den maßgebenden Zionisten leider trotz des schweren Schlages, den sie durch den Bericht der Untersuchungskommission erlitten, fortgesetzt. Auf eine bei einer Pressekonferenz an Dr. Weizmann gerichtete Frage, ob er mit der jetzt in London weilenden arabischen De- Oi&HAfi&ti&ru können Sie ohne Bedenken mit Kunerol zubereiten. Jeder Strenggläubige kann dieses Fett geniefeen, denn dessen Herstellung steht unter streng ritueller Aufsicht desHerrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol ist reines Kokosnubfett und kann sowohl für Milchspeisen als auch für Fleischspeisen verwendet werden. UNEROL 1003 REINES KOKOSNUSSFETT legation in irgend einem Kontakt stehe, erwiderte er: „Vorläufig nicht!" Vorläufig nicht! Ob nicht an diesem ewigen „Vorläufig" der offiziellen Zionisten das ganze Aufbauwerk scheitern wird? Sie zeigen den Arabern die kalte Schulter, weil die englische Regierung sie ihnen zeigte und die jüdische Welt sieht diesem neckischen Spiel untätig zu. Wie lange noch? * * Die Empfehlung der Shaw-Kommission. Die höchste Bedeutung messen wir unserer ersten Empfehlung bei, daß die Regierung Sr. Majestät erwägen sollte, ob es ratsam sei. ein klares Statement ihrer Politik herauszugeben, dessen Wert sehr erhöht werden würde, wenn es sich mit den Punkten befaßte, die wir nachstehend anführen: Unsere Empfehlungen bezüglich die Einwanderungs¬ und Bodenfragen basieren in hohem Maße auf der Annahme, daß die Regierung Sn. Majestät bei der Definierung ihrer Politik klar erklären wird, daß die Rechte und die Position der nicht]üdischen Gemeinden in Palästina voll gewahrt werden sollen. Es ist unsere Meinung, daß der Erlaß eines klaren Statements der Politik, die die Regierung Sr. Majestät in Palästina zu verfolgen beabsichtigt, für die gute Führung dieses Landes notwendig ist. Wir empfehlen deshalb, daß die Regierung Sr. Majestät erwägen soll, ob es ratsam sei. ein solches Statement mit möglichst geringer Verzögerung zu erlassen: es ist wichtig, daß die Regierung Sr. Majestät es klarmacht, daß sie beabsichtigt, dieser Politik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln voHe Wirkung zu verleihen. Welche Form immer dieses Statement haben mag, sein Wert würde sehr erhöht werden. 1. wenn es in klaren und positiven Ausdrücken eine Deutung enthielte, die die Regierung Sr. Majestät denjenigen Abschnitten im Mandat gibt, welche die Sicherung der Rechte der nichtiüdischen Gemeinden in diesem Lande vorsehen und 2. wenn sie. als Richtschnur für die Regierung Palästinas, deutlichere Richtlinien als bisher über die Politik in so vitalen Fragen wie Boden und Einwanderung niederlegt. Jede Ungewißheit über die Linie der Politik in der vitalen Angelegenheit der Einwanderung muß sich in der Haltung der Palästina-Regierung, in der Haltung und Stimmung der arabischen Bevölkerung und jener, die jüdische Interessen vertreten, widerspiegeln. Wir empfehlen deshalb, daß die Regierung Sr. Majestät bald eine klare und entschiedene Deklaration der Politik erlassen soll, die hinsichtlich der Regulierung und der Kontrolle weiterer jüdischer Einwanderung nach Palästina befolgt werden soll und daß sie bei der Abfassung dieser Deklaration unsere Konklusionen über das Thema der Einwanderung berücksichtigt. Die administrative Maschinerie für die Regulierung der Immigration sollte das Ziel haben, eine Wiederholung der übermäßigen Einwanderung von 1925 und 1926 zu verhüten. Es sollte irgendeine geeignetere Methode ersonnen werden, um die Erteilung von Einwanderungszertifikaten gemäß der Arbeiter-Schedule zu regulieren. Bis irgendeine Form repräsentativer Regierung in Palästina gefunden ist. sollte, wenn möglich, eine Maschinerie ersonnen werden, durch die nichtjüdische Interessen betreffende Angelegenheiten beachtet werden könnten, die im Falle des Bestehens eines Legislative Council dem speziellen, im Weißbuch von 1922 erwähnten Einwanderungskomitee überwiesen worden wären. Eine wissenschaftliche Untersuchung sollte von Experten über die Aussichten der Einführung verbesserter Kultivierungsmethoden in Palästina durchgeführt werden. Die Bodenpolitik könnte dann im Lichte der dadurch erkundeten Tatsachen geregelt werden. Es ist von wesentlicher Bedeutung, daß in ledern als Ergebnis der Experten-Untersuchung angenommenen Plan für Bodenentwicklung auf den natürlichen Zuwachs der jetzigen ländlichen Bevölkerung Rücksicht genommen werden solle. Es ist ven vitaler Bedeutung, daß, bis Resultate dieser Prüfung vorliegen, der jetzigen Tendenz zur Entsetzung der Bauern vom Boden Einhalt getan werde. Die Palästina-Regierung sollte die Möglichkeit in Erwägung ziehen, die Landwirtschahsbank neu einzurichten oder durch andere Mittel den Bedürfnissen der kreditbedürftigen ärmeren Bauern entgegenzukommen, um sie in die Lage zu versetzen, ihre jetzigen Ackerbaumethoden zu verbessern. Wir möchten keinerlei formale Empfehlung über die Frage konstitutioneller Entwicklung machen. Wir möchten jedoch dringend ersuchen, daß, wenn die Frage konstitutioneller Entwicklung in Palästina wieder in Erwägung gezogen wird, auf unsere Konklusion acht gesehen werden solle, daß das Fehlen irgendeines Maßes von Selbstregierung die lokale Administration sehr erschwert. Wir empfehlen, daß die Regierung Sr. Majestät das im Jahre 1922 gemachte Statement neu bestätigen solle, laut welchem die der zionistischen Organisation durch das Mandat zugewiesene Sonderposition diese nicht dazu berechtigt, in irgendeinem Grade an der Führung Palästinas teilzuhaben. Wir empfehlen der Regierung Sr. Majestät, die Möglichkeit zu prüfen, irgendeine präzise Definition der Bedeutung von Artikel 4 des Palästinamandats niederzulegen. Unsere Empfehlungen würden die Basis bilden, auf der der zukünftige Friede Palästinas ruhen könnte. Appell an Araber und Juden. Wir haben nun die Mission, die wir übernommen haben, zu Ende geiührt. Unsere allgemeinen Konklusionen, unsere Befunde betreffend die Ursachen der Unruhen und unsere Vorschläge für die Zukunft sind alle das Ergebnis langdauernder und sorgfältiger Untersuchung. Unsere Vorschläge würden, so glauben wir, eine Basis bilden, auf der der zukünftige Friede Palästinas ruhen könnte. Es gibt jedoch vieles, das außerhalb der Kontrolle der Regierung Sr. Majestät liegt, auf das die Palästina-Regierung wenig Einfluß hat, und es gibt Heilmittel, wichtigere vielleicht als alle von uns vorgeschlagenen, die in den Händen der beiden Völker liegen, die in einem in seinem Umfang begrenzten Lande unter einer Regierung zusammenleben müssen. In einer Atmosphäre, in der rassischer Antagonismus und gegenseitiger Verdacht allgemein sind und die durch die tragischen Ereignisse vom August 1929 noch mehr vergütet worden ist, mag es in diesem Augenblick müßig scheinen, auszusprechen, daß weder für den Erfolg jüdischer Kolonisation in Palästina, noch für die friedliche und fortschrittliche Entwicklung des arabischen Volkes Aussicht vorhanden ist, so lange nicht Zusammenarbeit zwischen den beiden Rassen. Ausgleichung ihrer Differenzen und Eliminieerung der Verdachtsursachen bewirkt worden sind. Die Aussichten gemeinsamer Bestrebungen auf irgend einem Gebiet politischer Tätigkeit sind nicht ermutigend. Die Ereignisse vom August 1929 können nicht leicht vergessen werden. Zusammenarbeit in wirtschaftlichen Angelegenheiten kann jedoch möglich sein und ist das Mittel, durch das die ausgleichenden Vorteile jüdischer Siedlung dem arabischen Volke dargetan werden können. Das Wohl einer ganzen Gemeinschaft macht es erforderlich, daß die jüdischen Führer sich durch ihre höchst natürlichen Gefühle nicht davon zurückhalten lassen sollen, bis zum Aeußersten die Möglichkeit wahrzunehmen, auf die oben bezeichnete Weise iür eine bessere Verständigung zwischen den beiden Rassen zu wirken. Es w i 111 sc h e inen, daß bisher wenig Anstrengungen nach dieser Richtung hin gemacht worden s i n d. Es ist wahr, daß jüdische Einwanderung und jüdische Unternehmungen dem Lande großen Nutzen icebracht haben, an dem das arabische Volk Anteil hat. Aber die Sache liegt so, daß, während die luden für Wohltaten, die sie dem Lande als Ganzem erwiesen, Kredit beanspruchen — und mit Recht —, die Araber keine Dankbarkeit iür die ihnen erwachsenden Vorteile zeigen, da sie das Gefühl haben, daß diese Vorteile unbeabsichtigte Folgen einer Politik sind, die sie mißbilligen. Den arabischen und moslemitischen Führern liegt eine Pflicht ob, die unmißverständlich klar ist: Sie sollten es allen ihren Anhängern und allen ihren Glaubensbrüdern klar machen, daß sie sowohl als KoHeklnvität, wie als Einzelpersonen Unordnung und Gewalt mißbilligen. Und wenn von jüdischer Seite ein wirklicher Versuch gemacht wird, in der Landwirtschaft oder in anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten mit den Arabern zusammenzuarbeiten, wird es den arabischen Führern obliegen, als Erwiderung auf diesen Versuch zu zeigen, daß sie es aufrichtig meinten, als sie vor uns das Bekenntnis ablegten, daß sie sich jüdischen Tätigkeiten in Palästina nicht widersetzen, wo diese von Nutzen für Angehörige ihrer eigenen Rasse sind. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Morde und anderen verbrecherischen Akte vom . letzten August, für die keine Worte der Verurteilung zu streng sind, für einige Zeit die Hoffnung auf eine allgemeine Beilegung der Differenz«» zwischen den beiden Völkern hinausgeschoben haben. Doch ist, wie die verantwortlichen Führer beider Rassen sieb vergegenwärtigen und es auch ihren Anhängern klarmachen sollten, ohne Zusammenarbeit im Geiste gegenseitiger Toleranz wenig Hoffnung, daß die Aspirationen Jedes der beiden Volker verwirklicht werden körnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.