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Die Wahrheit · 1930-04-11 · Heft 15 (11.4.1930) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Itfc.iiiSfe'^äKWW^jJMBB^fi^ Seite 2 DIE WAHRHEIT r> 'ü Jahr und Tag betont haben, ohne bei den verantwortlichen Zionisten Gehör zu finden: „Jüdische Unternehmung und jüdische Einwanderung haben, wo ste nicht die Absorptionsfähigkeit des Landes überschritten haben, Palästina wesentlichen Nutzen gebracht, von dem das arabische Volk profitierte. VWr erachten jedoch, daß die Ansprüche und Forderungen, die von zionistischer Seite hinsichtlich die Zukunft der jüdischen Einwanderung nach Palästina vorgebracht worden sind, von einer Art gewesen sind, daß sie-unter den Arabern die Befürchtung geweckt haben, daß sie schließlich ihres Lebensunterhaltes beraubt und unter die politische Herrschaft der Juden kommen werden. Wir.erachten fenner, daß Sir John Campbell im Recht war. als er darlegte, daß die Krisis von 1927 und 1928 auf die Tatsache zurückzuführen sei. daß mehr Einwanderen nach Palästina gekommen sind, als sie das Land wirtschaftlich absorbieren konnte." „Es liegt unanfechtbares Beweismate rial dafür von, daß in der Angelegenheit der Einwanderung ein stärkeres Abweichen seitens der jüdischen Aemter von der 1922 durch die Zionistische Organisation angenommenen Doktrine, laut der die Einwanderung nach der wirtschaftlichen Kapazität Palästinas, neue Ankömmlinge zu absorbieren, reguliert werden solle, stattgefunden h a t. Neben anderen und unmittelbareren Ursachen der Unruhen war das durch die jüdische Einwanderung bei den Arabern verursachte Furchtgefühl edn Faktor, der zu dem Ausbruch der Unruhen beigetragen hat. Die Auswahl von Immigranten gemäß der Arbeiter-Schedula ist im wesentlichen der Allgemeinen Föderation der jüdischen Arbeiter in Palästina anvertraut In der Bewilligung ' von Einwanderungszertifikaten ist es die Praxis der Föderation, auf den politischen Glauben der etwaigen Immigranten mehr Gewicht zu legen als auf ihre Qualifikation für die Arbeit in Palästina. Dieses System kann nicht rechtfertigt werden; daß politische Ueberzeugung ein entscheidender Faktor bei der Auswahl unter Immigranten sei. verdient schärfsten Einwand." Stärkstem Interesse begegnen die Empfehlungen der Shaw-Kommission, die wir deshalb vollinhaltlich an anderer Stelle dieser Nummer publizieren. Sie gipfeln in den Forderungen nach einem klaren Statement der englischen Palästinapolitik, nach einer entschiedenen Deklaration bezüglich der Regulierung und der Kontrolle weiterer jüdischer Einwanderung nach Palästina, nach einer wissenschaftlichen Untersuchung von ExpertenüberdieBodenpolitik, nach einer Selbstregierung, nach Ausschaltung der Zionistischen Organisation von der Führung Palästinas (!) und endlich nach einer präzisen Definition der Bedeutung des Artikels 4 des Palästina mandates. der von den Rechten der Jewish Agency spricht. Wie man sieht ein großes Programm. Dieses Programm ist für eine politische Partei besonders vernichtend, für die Zionisten, trifft aber auch die Judenheit der Welt auf das härteste, weil diese, obwohl oft gewarnt, die Führung im Palästina-Aufbau den Nationaljuden, die sich hier ungebührliche Rechte arrogierten, überließ. Die Zionitfeuitteton Owinoh malkenoh.galeh... Erinnerungen an ein tragisches Synagogenereignis am „Achron schel Pesach". Von Josef Grob. Es war im Jahre 1904, am letzten Tage des jüdischen Osterfestes. Die große städtische Synagoge war von Andächtigen überfüllt, nicht nur wegen der Seelenandacht vielmehr noch dem großen und beliebten Chasan zuliebe, der bereits ein Menschenalter der geachtete und innigst verehrte „Scheliach-Zibbur" dieser großen Judengemeinde war. Die Gebetvorträge dieses Chasar.s waren keine konventionellen, nur darauf berechnet, den Beifall der Zuhörer zu erzielen, sondern sie kamen immer aus tiefstem Herzen und waren von einem wahrhaft strengreligiösen Gefühl durchdrungen, weshalb sie auch den Weg zu den Herzen der Andächtigen fanden und stets große Begeisterung auslösten. Das „Maskir-Neschomaus" war zu Ende und das Publikum freute sich schon auf das festliche „Musaf Gebet", besonders auf das „Umipneh Chatoenoh", das zu den glänzendsten Leistungen des alten Meisters auf dem stische Exekutive hat bereits durch ihren Anwalt vor der Shaw-Kommission, dem Kronanwalt Sir Boyd M e r r i m a n, Proest dagegen erhoben, daß „die Kommission ihren Aufgabenkreis überschritten" hat. Gespannt blickt man nach London, wo die Regierung des Premierministers MacDonald die Geschicke des englischen Weltreiches lenkt. Und der Herr Premierminister hat auch das Wort genommen, er hat dem von der Untersuchungskommission geforderten Statement vorgegriffen, indem er im Unterhause laut und eindringlich verkündete, die Regierung werde die Verwaltung von Palästina gemäß den Bestimmungen des Mandates fortführen. Der Premierminister fügte hinzu, die Verwirklichung des Mandates scHMaße die Verantwortung für die Errichtung des Jüdischen Nationaihefms in Palästina ein. Es sei dies eine internationale Verpfliebtun& der man sich auf keinen FaJl entziehen könne. Dabei aber dürfte nichts geschehen, was die Rechte der der nicht jüdischen Bevölkerung in Palästina oder die Rechte der Juden in anderen Ländern bei n trächtigen könnte. Die Regierung sei entschlossen, sowohl die gegenüber dem jüdischen Volke wie die gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas übernommenen Verpflichtungen irri Geiste der Balfour- Daklaration in die Wirklichkeit umzusetzen und allenthalben der palästinensischen Bevölkerung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diese Pflicht, der die Regierung sich nicht entziehen könne, Wörde sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln erfüllen, MacDonald wies darauf hin, daß die Kommission die Aufgabe hatte, die unmittelbaren Ursachen der bedauernswerten Zwischenfalle im August 1929 zu untersuchen und Maßnahmen vorzuschlagen, wie eine Wiederholung solcher Zwischenfälle in der Zukunft zu vermeiden sei. Die Kommission war bemüht, sich ihrer Aufgabe in gerechter Weise zu entledigen, aber es liegt im der Natur der Sache, daß ihre Aufgabe eine sehr schwere war. Ihr Bericht erstrecke s5ch auf'ein weites Gebiet Die Regierung sei jetzt mit der PrÖfung dieses Berichtes beschäftigt. Der Premierminister betonte zum Schluß, daß die WiMensmeinung der Regierung, für die Zukunft Zwischenfälle auszuschalten, so viel bedeutet, daß genügend PolizeilkTätte zur Erhaltung von Ruhe und Frieden sofort zur Verfügung gestellt würden. Der frühere Premierminister Baldwin, auf dessen Interpellation hin diese Erklärung abgegeben wurde, sprach sein Einverständnis mit der vom Premierminister geäußerten Willenskundgebung der Regierung aus. Auch Lloyd GeoTge billigte im Namen der liberalen Partei die Erklärung MacDonalds. Jetzt ist das jüdische Palästina gerettet! Der Sozialdemokrat MacDonald hat eine Erklärung abgegeben, die sich fast wörtlich mit der Balfour- Deklaration deckt, deren schwierige Durchführungsmöglichkeit gerade von der Untersuchungskoinmission konstatiert wurde, und der Konservative Baldwin und der Liberale Lloyd George haben zu dieser Erklärung zustimmend mit ihren erleuchteten Köpfen genickt Das jüdische Palästina hat also wieder einmal eine Versprechung, ähnlich der Balfour- Deklaration, erhalten. Es wäre aber historisch und politisch gleich falsch, die Balfour-Deklaration isoliert zu betrachten. Sie ist eine von drei Verheißungen, in denen die englische Regierung ungefähr gleichzeitig ihre künftige Palästinapolitik festgelegt hat. Und diese Versprechungen sind so widerspruchsvoll, daß sie sich unmöglich reibungs- AKTD2N6ESELLSCHAFT l., Bauernmarkt Nr. 10-12-14 vii., nariamiierstraoe (Ecke Zieglergasse) 90 TEPPICHE VORHÄNGE nOBElSTOfFE ElMOEEUra DECKEN Größte AHswahl! Billigste Preise! los miteinander in Einklang bringen lassen. Kein anderer als MacDonald hat in seinen Reiseberichten aus Palästina auf die schreienden Widersprüche hingewiesen: „Wir haben eine arabische Revolte gegen die Türkei begünstigt, indem wir versprachen, ein arabisches Königreich aus den arabischen Provinzen des türkischen Reiches zu schaffen — einschließlich Palästina. Gleichzeitig ermutigten wir die Juden, uns zu helfen, indem wir ihnen versprachen, daß wir ihnen Palästina zur Ansiedlung und Selbstregierung zur Verfügung stellen würden. Und schließlich haben wir zum gleichen Zeit mit Frankreich den Sykes- Picot-Geheimvertrag geschlossen, der die Teilung desselben Territoriums vorsah, das unser Generalgouverneur von Aegypten den Arabern versprechen sollte. Hier ist ein krasser Fall von Doppelzüngigkeit, und wir können uns die Vorwürfe über die Folgen nicht ersparen." Als Mac Donald diese Feststellung traf, war er noch Führer der Opposition und meinte etwas heftig von seinen politischen Gegnern: „Vielleicht wußte Mr. Balfour nicht, was er eigentlich sagte, aber die Regierung tut jetzt ihr Möglichstes, um zu zeigen, daß M r. Balfours Versprechungen an die Juden denselben wertlosen Charakter hatten wie die von Mr. Bonar Law an die Bergarbeiter." Inzwischen ist MacDonald selbst Premierminister geworden und hat sich davon überzeugen müssen, daß auch die gewiß wohlmeinende Labour- Regierung die Balfour-Deklaration nicht restlos erfüllen kann. Deshalb hilft sich der Herr Premierminister mit neuen Versprechungen, von denen man, wollte man gehässig sein, mit seinen Worten meinen könnte, daß sie „wertlosen Charakter" besitzen. * Tatsächlich wertvoll für die Zukunft Palästinas sind nur die in den letzten Schlußfolgerungen des Kommissionsberichtes enthaltenen Vorschläge für eine Zusammenarbeit von Juden und Arabern. Wie steht es diesbezüglich? Wurde wirklich auf diesem Gebiete alles von den Juden, richtiger den Zionisten, getan? Wir wollen die Ereignisse der Vergangenheit nicht untersuchen und uns nur auf die Gegenwart beschränken. Da lasen wir unlängst eine Entschließung der Londoner Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency, in der eine vom 12. Zionistenkongreß gefaßte Resolution Gebiete des jüdisch-traditionellen Chasonaus zählte. Immer wenn es zu diesem weihevollen Gebet mit seinem herrlichen Textinhalte kam, entzündete sich die Flamme der Begeisterung in der Brust des greisen Vorbeters. Er betete dann nicht für die Zuhörer, sondern zum großen, heiligen und allbarmherzigen Gott um Befreiung und Erlösung seiner geknechteten und bedrückten Brüder mit tiefer Inbrunst. So feierlich, so erhebend konnte nur er beten, der greise Chasan in der großen Synagoge und wer nur einmal Gelegenheit hatte, diesen größten aller großen Chasonim zu hören, dem wurde es zum Erlebnis für alle Zeit seines Lebens. Kein Wunder, wenn die ständigen Besucher der großen Ss^nagoge den Gottesdiensten mit größter Spannung entgegensahen. Wußten sie doch, daß ihre größte Festfreude, der wahrhaft jüdische „Auneg Jomtow" das Vorbeten ihres verehrten Chasan ist. So war es auch an diesem Tage, am „Achron schel Pessach" 1904. Eine weihevolle Stille herrschte im großen Gotteshause, als der Chasan das „Atoh bechartonoh" zu rezitieren begonnen hatte. Mit einer tränenerstickten Stimme brachte er in gefühlvollen Variationen die Sätze des weihevollen Gebetes zum Vortrage. Diesmal schien der Vortrag dieses Abschnittes besonders herzerweichend zu sein, denn man konnte deutlich Tränen in den Augen aller Zuhörer wahrnehmen. Oder sollten diese Tränen die Vorahnung des kommenden erschütternden Ereignisses sein?.. Immer flehender, immer erschütternder klangen die Töne des greisen Chasan und als er mit größter Stimmkraft die Worte „Owinoh malkenoli, ga 1 eh . . ." hinausposaunte, da geschah etwas, das die Herzen aller Anwesenden zum Stillstand brachte. Kaum verließen diese drei Worte den Mund dieses gottergebenen Vorbeters, da stürzte der greise Chasan vor dem „Omid" zusammen und hauchte seine heilige Seele aus . . . So fiel der weltberühmte Chasan Baruch S c h o r in seinem 81. Lebensjahre auf dem Felde des Gottesdienstes und der Gottesverehrung. Groß war die Trauer der Lemberger Judengemeinde um ihren beliebten Chasan, der fast ein Menschenalter die Zierde und der Stolz der großen Synagoge war. Ueber ein Vierteljahrhundert ist seit dem tragischen Ereignis verstrichen und bis heute konnte die Lemberger Judengemeinde keinen Chasan für die große "Synagoge finden. Die Juden Lembergs trauern noch immer um ihren Baruch S c h o r und können ihn nicht vergessen. Sein Geist schwebt noch immer in den heiligen Hallen des uralten Gotteshauses und reichlich fließen die Tränen seiner Andächtigen an allen Fest- und Feiertagen, besonders am. „Achron schel Pesach" bei: Owino'fi m alk enoh, galeh... Ml

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