Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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**j«^^!täi!XSKiJi«'ijra5S^a£^ Seite 8 DIE WAHRHEIT JOLSON der weltberühmte jüdische Tonfilmstar IBT singt und sprich* *V| in seinem größten Welterfolg DER JAZZSÄNGER täglich, ab 5. April 1930 j Beginn: an Wochentagen 5, 7 u. 9 ühr;| ™ Sonn- und Feiertage ab 3 Uhr | nachmittags. | lOSf §PIElf HEAf ER | II., Prater, Ansstellungsstraße | Telephon R 47-5-70 jjj Tageskassa: I., Rotenturmstraße 16 ||| Telephon R 20-2 41 jjj 1ITE-KI MO h, Wollzeile 34 FlOTTEN KINO VI., Mariafcilferstraße 85 Telephon B 24-1-41 u. B 24-1-71 Telephon A 29-3-64 Sichern Sie sich ihre Korten Im Vorferhaui! 8700 Stfick betragen. Nach erfolgloser politischer Exekution wurde in 430 Fällen die gerichtliche Exekution durchgeführt Gemeindeverwaltung: Der Gesamtaufwand für personelle Auslagen hat für das Jahr 1929 S 2,477.000.— betragen. Am Schlüsse des Jahres 1929 waren bei der Kultusgemeinde Insgesamt 522 Personen beschäftigt, davon sind 268 pragmatisierte, bzw. nach dem Schema Besoldete, 253 nach Kollektivverträgen und Spezialvereinbarungen Angestellte. 11 Personen waren im Genüsse von Pensionen oder Versorgungsgenüssen, 58 im Bezüge von Gnadengaben, welche aus einem bestandenen Dienstverhältnisse herrührten. Der Dienstbetrieb der Kultusgemeinde umfaßt 31 Aemter Hnd Anstalten. An Postporto wurden im Jahre 1929 S 31.678.— verausgabt. In der Einlaufstelle der Amtsdirektion wurden in dem Berichtsjahre 8826 neue Einlaufstücke verzeichnet. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 5. April 1930, um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt Z. 2242 ex 1930. Wien, 27. März 1930. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in Gemäßheit der §§ 91 und 16 des Kultusgemeindestatuts die Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehenden Fonds und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1930 in allen Einnahmen- und Ausgabeposten geprüft und festgestellt Gemäß § 91 des Statuts liegt dieser Voranschlag durch 14 Tage vom Tage der Kundmachung gerechnet zur Einsichtnahme der Gemeindemitglieder in der Amtsdirektion, I-, Seitenstettengasse 4, III. Stock, auf. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist Erinnerungen bezüglich des Voranschlages bei dem Kultusvorstande schriftlich zu überreichen, welches dieselben in Erwägung zu ziehen hat Diese Kundmachung wurde unter einem im amtlichen Teile der „Wiener Zeitung" verlautbart. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Wahrheiten vom Ja&e Ein Kuriosum? Der Budapester Bischof Ludwig Szmrec s a n y i erklärte auf einem kürzlich abgehaltenen Kongreß des ungarischen Klerus, daß die antisemitische Presse in Ungarn zur Hauptsache von jüdischen Journalisten und Redakteuren geschrieben werde. Die beiden antisemitischen Regierungsblätter „Nemzeti Ujsag" und „Uj Nemzedek" besitzen mehr jüdische als christliche Mitarbeiter, das erstgenannte Blatt hat 14 Juden als ständige Mitarbeiter und Redakteure und ist scharf antisemitisch. Ist Hitler noch Antisemit? Vor mehr als vier Wochen veröffentlichte, wie „Die Wahrheit" berichtete, die Zeitung „Der Jungdeutsche" ein im „New York American" erschienenes Interview des ersten Auslandskorrespondenten der Hearstpresse Karl von Wiegand mit Adolf Hitler. Adolf Hitler hatte laut Karl von Wiegand auf dessen Frage, warum er den Antisemitismus wieder auf sein Programm geschrieben habe, geantwortet: „Weil das Volk es nicht verstehen würde, wenn ich das nicht täte. Ich bin nicht dafür, daß die Rechte der Juden in Deutschland beschnitten werden, aber ich dränge dar- EDUARD HERLINGERS CAFE CARLTHEATER ■HHHHHBHBHl (Sitz des österr. Kantorenverbandes) WIEN II., PRATERSTRASSE NR. 29 Wahrend der Pessachfeier- | tage Kaffee und erstklassige^_ GeträrAe^'gf^schelPcssach ^— auf, daß wir anderen, die wir keine Jnden sind, nicht weniger Rechte haben, als die Juden selbst" „Der Jungdeutsche" hatte am 26. Februar die Erwartung ausgesprochen, daß Hitler zu diesem Interview Stellung nehmen würde, harten doch auf diese Weise 20 Millionen Amerikaner erfahren, daß Hitler gar kein Antisemit sei! Hitler aber antwortete nicht, auch der „Völkische Beobachter" schwieg. Jetzt vier Wochen später, erklärt die Nationalsozialistische Pxessekorrespondenz, Adolf Hitler habe keine Zeit und wenig Neigung, sich „zu jedem dummen Schnack zu äußern, der irgendwo über ihn in die Welt gesetzt werde." Die Korrespondenz fügt aber sofort hinzu, daß sie keinen Auftrag habe, das Interview zu dementieren! Die Nationalsozialistische Pressekorrespondenz versucht weiter die Persönlichkeit Karl yon Wiegands herabzusetzen. Sie meint, daß sogar Interviews, die sich „findige" Schmocks für „seriöse" Blätter aus den „schmutzigen Pfoten saugen", entstellt wiedergegeben worden seien. „Der Jungdeutsche" weist nun darauf hin. daß Karl von Wiegand einer der angesehensten deutsch-amerikanischen Journalisten ist, der wegen seines Eintretens für Deutschland von den Feinden Deutschlands beschuldigt wurde, im deutschen Dienste zu stehen. Karl von Wiegand, der in dem vom früheren kaiserlichen Kriegspresseamt herausgegebenen „Handbuch der Auslandspresse" als der „König der Interviews" bezeichnet wird, hat den Kronprinzen, Hindenburg, Tirpitz, Zeppelin, Papst Benedikt interviewt Nachdem Hitler es nicht wagt, zu dementieren, und die nationalsozialistischen Pressestellen sich drehen und winden, gilt für den „Jungdeutschen" Karl von Wiegand, der anerkannte Vertreter von Deutschlands Interessen in den Vereinigten Staaten, als derjenige, der die Wahrheit spricht. Hitler hat, schließt „Der Jungdeutsche", den Antisemitismus der amerikanischen Hochfinanz zuliebe über Bord geworfen. Gegen die Religionsverfolgung in Rußland.' Das „American Committee on Religious Rights and Minoriües", dem führende Persönlichkeiten aller Religionsgemeinschaften Amerikas und von jüdischer Seite die Herren Otto H. Kahn, Richter Julian W. Mack, Rabbi Dr. Stephen S. Wise, Abraham Elkus. Carl Sherman. Bernard Deutsch (Präsident des American Jewish Congress), Bernard G. Richards u. a. m. angehören, hat eine Warnung an die Regierung der Union der russischen Sowjetrepubliken ergehen lassen, in der es heißt, daß die Verfolgung der Religion und der Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Rußland die Aussichten zerstört, daß die russische Regierung durch die Vereinigten Staaten anerkannt wird. American Jewish Congress war einer der Einberufer der großen Massenversammlung zum Protest gegen die Religionsverfolgung in Sowjetrußland, die am 25. März abends im Metropolitan Opera Hoase zii New York unter ungeheurer Beteiligung stattgefunden