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Die Wahrheit · 1930-04-04 · Heft 14 (4.4.1930) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 na Einziz£ In nitteleuropa sind die Vortrefflich-Mazzoth der bestrenommierten 1. Wr. orthodoxen Mazzothfabrik, welche unter streng orthodoxer Aufsicht des ehrw. Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien erzeugt werden. — Atteste der größten D'Jlitt, Durch die modernsten technischen und hygienischen Einrichtungen bin ich in der Lage, sämtliche niStt und feinsten lichten Grieß, wie auch die dünnsten Mazzoth aus dem garantiert feinsten Nullermehl nDS hü "W3 streng orthodox zu erzeugen. Separate Abteilung unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. H. Schenk (Talmud-Thora). Bäckereien p|D3 h*0 in großer Auswahl und bester Qualität zu den billigsten Preisen ISRAEL VORTREFFLICH Fabrik: Wien ll.f Obere AugartenslraBe 52 Telephon Nr. R 46-3-90 und A 47-8-42 Verkaufstelle: Generalvertreter ALBERT KÖRNER, II., HovaragassB 7 DeiollierhaulMiellen In ganz Wien an* österrekü hat. Die Einladung zur Versammlung war gezeichnet von Kardinal Hayes, Bischof Manning und Dr. Bernard B. Deutsch. Innerhalb und außerhalb des Gebäudes waren zahlreiche Polizeimannschaft postiert worden, da die Behörden .Drohbriefe erhalten hatten, wonach das Haus während der Versammlung in die Luft gesprengt werden würde. Die Polizei brauchte aber nirgends einzugreifen. Die Redner befürworteten wirtschaftliche Maßnahmen und Propaganda gegen die russischen Atheisten. Auch forderten sie ihre Zuhörer auf. für eine Aenderung der Einstellung der Sowjetregierung in der Religionsfrage zu beten. VonWottke xu Wodke Budapest In diesen Tagen verstarb der stellvertretende Oberstadthauptmann (Polizeivizepräsident) von Budapest Dr. Emil Schreiber, ein guter Jude. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Neben Vertretern der jüdischen Gemeinden fanden sich die Spitzen der Behörden mit dem Oberstadthauptmann zur Bestattung ein, die Polizeimannschaft stellte eine Ehrcnkompagnic, die am Grabe vorbeidefilierte. — Im Alter von 75 Jahren verstarb der Oberrabbiner von Czegled Dr. Josef Feldmann, der mehr als 40 Jahre das Rabbineramt in Czegled bekleidete und in ganz Ungarn als Politiker und als Bekämpfer des Antisemitismus einen Namen hatte. Ernst Mezei 80 Jahre alt. Verehrt von der ganzen ungarischen Oeffentlichkett - und herzlich gefeiert von der ungarischen Judenheit, beging der bekannte ungarische Publizist, Schriftsteller, Gelehrte und Dichter Ernst Mezei seinen 80. Geburtstag. Von der jüdischen Intelligenz war er einer der ersten, die die Lehren Ludwig Kossuths sich zu eigen machten, er war auch einer der ersten, die das ungarische Judentum gegen die Beschuldigung des Blutmärchens verteidigte, er kämpfte 60 Jahre lang für. bürgerliche Freiheit und Gleichheit, gesellschaftliche Solidarität und konfessionelle Duldung. Israelitischer Bethaus-Verein „Chewra Beth Hat- Glah". Donnerstag, den 27. März 1930, fand um H7 Uhr abends im Zeremoniensaal des Tempels in der Müllnergasse die Generalversammlung obigen Vereins statt. Der Präsident des Vereines, Börserat I. Glück, eröffnete die Generalversammlung und begrüßte alle Erschienenen, insbesondere den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef T i c h o, dem er für das warme Interesse, das er sowie die Kultusgemeinde dem Tempelverein entgegenbringt, den herzlichsten Dank aussprach, ferner die Vertreter der Tempelvereine sowie Herrn Chefredakteur Ludwig Hirschfeld, dem er für die Anteilnahme der „W a h r h e i t" an der Entwicklung der Tempelvereine dankte. Er schilderte sodann die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Geschäftsjahr und betonte, daß trotz der schweren Krise das Interesse der im Bezirke wohnenden Juden für ihre kulturellen Einrichtungen nicht erlahmt ist, wovon der der Generalversammlung vorliegende Kassabericht das Zu den Osterfeiertagen erstklassige Spezialitätsweine (Riesling, Tokajer. Dessert, Karlowitzer) sowie Original-Palästinaweine in der bestbekannten Weinhandlung M. Engelmann, II., Schiffamtsgasse 4 (Eingang im Hofe). Billigste Preise. ERIKA HDD Sfflokoladen und cacao nDB bv nur In bester Qualität I. BRUMMER & CO. WIenXVIII., Währingergürtel 15 ____ Telephon A 28-0-54 erzeugt unter strenger Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. SCHENK (Talmud-Thora) beste Zeugnis abgebe. Redner stellte mit besonderer Genugtuung fest, daß der allwöchentliche Jugendgottesdienst wegen seiner würdevollen, dem Gemüte dar jüdischen Jugend in vollendeter Weise Rechnung tragenden Form den größten Anklang in den weitesten Kreisen des Bezirkes gefunden habe. Schriftführer Max E i s n e r legte sodann den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Vereinsjahr der Generalversammlung vor, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde. Besondere Freude löste die Mitteilung aus, daß durch Intervention des Präsidenten Börserat I. Glück dem Vereine von einem nicht genannt sein wollenden Gönner eine Spende von 50.000 tschech. Kronen zugekommen ist. Nun ergriff Dr. Josef T i c h o das Wort und dankte dem Vorstande und speziell seinem Präsidenten Börserat I. Glück, der auch in seiner Eigenschaft als Obmann des Verbandes der Tempelvereine auf ein einträchtiges Zusammenarbeiten mit der Kultusgemeinde bedacht sei. Ganz besonders rühmend hob Herr Doktor Josef T i c h o die mustergültige Sorgfalt hervor, die der Tempelverein im 9. Bezirk der Ausgestaltung und Pflege des Jugendgottesdienstes angedeihen lasse, welcher im Vereine mit der neuerrichteten Bibelschule die Jugend im religiösen Geiste erziehe und so eine wichtige Zukunftsarbeit leiste. Revisor Moritz^ Oesterreicher gab nun die Erklärung ab, daß er im Vereine mit dem Revisor S. W e i n e r alle Bücher und Belege überprüft und in bester Ordnung befunden habe, und stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. Herr Klein sprach sodann dem Vorstande namens der Mitglieder des Vereines den innigsten Dank aus und bat denselben, auf dem eingeschlagenen Wege fortzufahren. Herr Präsident I. Glück dankte dem Vertreter der -Kultusgemeinde -für* dfe ^de^'-Wirksämkeit des Vorstandes gespendete Anerkennung und würdigte die Tätigkeit sämtlicher Funktionäre, denen für ihre Leistung das größte Lob gebühre. Die Neuwahlen brachten die Bestätigung der bisherigen Vorstands- und Ausschußmitglieder. Israelitischer Synagogenverein JBeth Israel", 2. Bez., Leopoldsgasse 29. Sonntag, den 30. März d. J., um J4l0Uhr vormittags, fand die 48. ordentliche Generalversammlung obigen Vereines unter großer Beteiligung statt. Der Obmann des Vereines, Herr Dr. Leo Landau, begrüßte den in Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde erschienenen Vorsteher Dr. Josef T i c h o, den Präsidenten der Organisation der Tcmpelvereine, Börserat I. Glück, sowie die Delegierten anderer Tempelvereine aufs herzlichste und eröffnete die Generalversammlung. Vor Eingang in die Tagesordnung widmete er den im Vorjahre verstorbenen Mitgliedern einen tiefempfundenen Nachruf. Er konstatierte sodann, daß die wirtschaftliche Depression der vorangegangenen Jahre und die damit in Zusammenhang stehende Verarmung der breiten Kreise der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1929 noch eine Steigerung erfahren hat. womit sich auch die finanzielle Situation des Vereines, wie aller anderen Vereine, erklärt. Das Budget ins Gleichgewicht zu bringen, ist angesichts der oberwähnten Sachlage derzeit unmöglich, doch will der Vorstand alles unternehmen, was zur Erleichterung der finanziellen Lage beitragen kann. Der Obmann dankt sodann dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde für die werktätige Unterstützung und ersucht die Herren Dr. J. T i c h o und Börserat I. Glück, dem Präsidium der Kultusgemeinde die Dankbarkeit der Generalversammlung zu verdolmetschen. Nachdem Schriftführer Moritz B u r i a n den Tätigkeitsbericht und den Rechnungsabschluß zur Verlesung gebracht hatte, ergriff Kultusvorsteher Dr. Josef T i c h o das Wort. Er gab seiner Freude über den schönen Erfolg Ausdruck, den der Tempelverein durch die Opferwilligkeit des Vorstandes und der Vereinsmitglieder aufzuweisen hatte und dankte dem Vorstande und dem Obmanne Dr. Leo Landau im Namen der Kultusgemeinde für die trotz der schweren wirtschaftlichen Krise mustergültige Führung des Tempels und der Bibelschule. Redner konstatierte mit Genugtuung, daß sich der Vorstand seiner Pflichten gegenüber der heranwachsenden Jugend, die ja die Zukunft des Judentums darstelle, voll und ganz bewußt sei und beglückwünschte den Obmann der Bibelschule, Herrn Kultusvorsteher Prot M. Rath, zu dem erzielten Erfolge. Börserat I. Glück würdigte ebenfalls in anerkennenden Worten die rastlose Tätigkeit der Vereinsleitung, sowie des Kultusvorstehers Dr. Leo Landau, welche es zu Wege gebracht haben, alle Institutionen des Tempelvereines auf ein mustergültiges und nachahmenswertes Niveau zu bringen. Auf Antrag des Revisors Heinrich Hirschfeld wurde dem Vorstande das Absolutorium einstimmig erteilt. Sie fohlen sidi wie in Rasse heim Seder im bestrenommierten sireng Restaurant und Hotel A BABSCflÜK Wien IL, Grone ScMHgasse Nr. 5 Telephon b 40-1so Sederaniueldungen werden schriftlich u. telephonisch entgegengenommen. Erstes Hans für: Palästinaweine, Karmel, Muskat, Malaga, Sherry, ungarische Weine, Met und la Sliwowitz HOB Lieferungen: von 5 Flaschen aufwärts werden ins Haus zugestellt. 25jähriges Amtsjubiläum. Am 1. April leierten Herr Max U11 m a 11 n. Portier des M ü 11 n e rtempels (Wien IX.), und seine Gattin Clementine ihr 25jähriges Amtsjubiläum im Dienste des Tempelvereines ..Chewra Beth Hatfilah". Das Ehepaar war aus diesem Anlasse unmittelbar nach der am 27. März stattgefundenen Generalversammlung Gegenstand herzlicher Gratulationen. Präsident Börserat I. Glück würdigte durch ergreiiende Worte, die vom Herzen kamen und zu Herzen gingen, die langjährige Tätigkeit des Jubelpaares, das sich infolge seines rastlosen Pflichteifers und seiner Liebenswürdigkeit nicht nur beim Vorstande, sondern bei allen Tempelbesuchern großer Beliebtheit erfreue. Sodann sprachen Rabbiner Dr. Schwarz für die Funktionäre und Angestellten des Tempels und Dr. Josef Ticho für den Vorstand der Kultusgemeinde. Beide Redner betonten, daß das Jubelpaar seiner schweren Aufgabe ein Vierteljahrhundert mit selbstloser Hingebung nachgekommen ist, und gaben der Dankbarkeit für diese langjährige ersprießliche Tätigkeit und dem Wunsche, sie ebenso tortgesetzt zu sehen, ebenfalls in warmempfundenen Worten Ausdruck. Hierauf stimmte der Tempelchor unter Mitwirkung des Oberkantors S. Postolow das große „Hallelujah" an. Der Vorstand und die Funktionäre des Tempels überraschten das Jubelpaar mit praktischen Geschenken. Mit Tränen in den Augen dankten Herr und Frau Uli mann für die zahlreichen Sympathiekundgebungen. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk. In der kürzlich stattgefundenen konstituierenden Vorstandssitzuug wurden gewählt: Zum Ehrenpräsidenten Sr. Ehrw. Rabbiner Dr. J. M. Bach, zum Präsidenten Herr Julius K r u p n i k, zu Vizepräsidenten die Herren Samuel Deutsch, Samuel Fischer und Dr. Felix Reik, Kassier: Leopold Löwinger, Schriftführer: Samuel Trost. Revisoren: Robert Beck und Edmund K o t a n y i. Todesfälle. Vor einigen Tagen starb in Lübeck im Alter von 66 Jahren Frau Jenny Reich, geb. Ellern, die Witwe des seiner Gattin im Juli 1929 im Tode vorangegangenen Badener Oberrabbiners Wilhelm Reich. Frau Jenny Reich, welche zwei Söhne, den Bankbeamten Dr. phil. Siegmund Reich, der in Haifa (Palästina) lebt, den Bankbeamten Ernst Reich (Paris) sowie eine Tochter, die Bankiersgattin Sidi Sternfeld in Lübeck, bei welcher sie auch die letzte Zeit lebte, hinterläßt, entstammte einer sehr vornehmen Familie in Nürnberg. Mit ihrem verewigten Gatten war sie durch 33 Jahre in glücklichster Ehe verbunden. Sie war eine feingebildete Dame, Gründerin und Vorstandsdame des israelitischen Frauenvereines, dem sie bis zu ihrem Tode als solche angehörte. Ihr Hinscheiden wird von allen, die sie kannten, tief betrauert. Donnerstag, den 27. März wurde der Seniorchef der Firma Gebrüder Dukes, Wien XVIII. und X., das langjährige Mitglied des „Misrachi". Herr Alois Dukes, Fürsorgerat des 2. Bezirkes, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Am Friedhofe widmete den ersten Nachruf dem Verblichenen Herr Rabbiner Schenk vom Bethause der Talmud-Thora, weiches eines seiner ältesten und eifrigsten Mitglieder verloren hat. Dann sprach namens des Misrachi und im Auftrage des Jüdischen Wohltätigkeits-Vereines „Brüderlichkeit", dessen Ehrenobmann Dukes war, Herr Malkiel G r ü n w a 1 d, der als Neffe gleichzeitig auch im Namen der weitverzweigten Familie von ihm Abschied nahm. Es sprachen noch die Vertreter des Fürsorgeinstitutes, des Klubs der Fürsorgeräte, des Vereines Liwjas-Chen und der älteste Sohn, Gremialrat Michael Dukes. Zum Leichenbegängnisse erschienen auch Vertreter aller orthodoxen Bethausvereine der Leopoldstadt und viele hervorragende Vertreter des Handels- und Gewerbestandes. Die kantoralen Funktionen haben die beiden Kantoren der Talmud-Thora, die Herren Rabbinovits und Roth versehen. Der Verstorbene hat sich im Laufe eines mühevoll und in großen" Sorgen verbrachten Menschenalters aus sehr bescheidenen Anfängen emporgearbeitet und hat es seinen sieben um ihn trauernden Söhnen gelehrt, als selbstbewußte Juden zu leben, sich gleich ihm an allen philanthropischen Aktionen zu beteiligen und seine zahlreichen Schützlinge auch in Zukunft zu unterstützen. Herr Rabbiner Jecheskiel Dukes in Altona und Herr Hermann Dukes vom Verein Marpe-Lanefesch betrauern in dem Verstorbenen ihren Bruder.

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