Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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IMF. WAHRHEIT Seite? Das Beste Sdimidl-Ifazzofli welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt. Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 vom Guten sind die im Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten T«5l. R 4«-l-00, A -«•«3 mm. M. 41-9-32 Filialen: M.WlIdmann,!., Bäckerstraße 16. — IgnaxFielscher, II.,Praterstraße44. — Jakob WaiB, IL.Untere Augartenstraße25. — S.Sohneldar,lI.,Miesbachg. 12 - David Raab, II. Schitfamtsgasse 7. — M. Spiegel, DL, Radetzkystraße 4. — Max Silberberg, IX., Rotenlöwengasse ä — Leib Mandel» IX., Grflnentorgasse 41 ttiaften Anteil nahm, wie ihr Präsident aui Grund seiner eigenen Erfahrung berichten konnte. Besonderes Interesse löste seine Mitteilung aus, daß auch ein hervorragendes Mitglied des Kaiserhauses, die E r z h e r z ogin .Mafia Theresia, sich für den unschuldig seines Judentums wegen zweier grauenhafter Verbrechen bezichtigten Hilsner in tatkräftigster Weise "angenommen hat. Dr. Ornstein erzählte, wie diese hohe Dame Kaiser Franz Josef selbst das von der .„Union" entworfene Wiederaufnahmegesuch übergeben ■hatte,, das jedoch nicht zuletzt des damaligen deutschnationalen Justizministers Schönborn wegen erfolglos Wieb. Erst eine Amnestie Kaiser Karls gab der „Union" vGelegenheit, ein Gnadengesuch einzubringen, demzufolge Hilsner nach beinahe 20jähriger Haft die Kerkermauern von Stein verlassen konnte. In diesem heroischen Kampfe für das Recht eines armen Juden bleibt;dic hervorragende Anteilnahme des jetzigen Präsiden- Hen der Tschechoslowakischen Republik Prof. Dr. Tho^ •mas C'Masaryk unvergessen, der seine Professur ton der Prager Universität aufgeben mußte, weil die .verhetzte Jugend ihn, den Ueberzeugungstrcuen, ständig 'verunglimpfte. Wie Masaryk. der damals Gebrandmarkte, nun zum Führer seines Vaterlandes geworden ■ist, so erhebt sich auch das Judentum stets aus allen Drangsalen zu neuer Blüte. Es kann stolz darauf sein, daß es in seiner jahrtausendealten Geschichte immer;soich edle Männer gefunden. Dr. Julius G r ü n w a 1 d führte noch die Ansicht des medizinischen Sachverständigen Prof. Haberda über die Unsinnigkeit der Mordbeschuldigung gegen Hilsner an und schloß hierauf mit Dankesworten an die Referenten und die Erschienenen die Versammlung. UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN MITGLIEDSCHAFT FAVORITEN. EinlüclHitgzu der am Donnerstag, den 10. April, K-8 Uhr abends, im Jagdzimmer von Hofmanns Rosensälen, X.. Favoritenstraße 89 (l. Stock. Eingang durch die Gassenschank), stattfindenden VERSAMMLUNG Tagesordnung: „Kultus und Politik." Referent: Dr. Ernst F e 1 d s b e r </...' Anschließend Diskussion. - G;äste, auch Damen, willkomm-ern! Union deutschösterreichischer Juden. Qmlliclift t)«rlauTLarungcn der israelifischen 16tltusqemeinde Wien Statistische Daten betreffend das Jahr 1929. Zugleich mit dem Rechnungsabschlüsse für das Verwaltungsjahr 1929 liegen dem Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde die statistischen Nachweisungen der einzelnen Aemter und Abteilungen für das Jahr 1929 vor. Aus der Nachweisung des Matrikenamtes ist ersichtlich, daß im Jahre 1929 450 männliche und 443 weibliche, zusammen 893 Personen ihren A u stritt aus der israelitischen Religion bei den magistratischen Bezirksämtern vollzogen haben. Davon waren 523 ledigen Standes. Die größte Zahl der Austritte weist die Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren auf. Der Eintritt in die israelitische Religionsgesellschaft, bzw. der Rücktritt liat in 305 Fällen stattgefunden. Davon betrafen 111 männliche und 194 weibliche Personen. Die Höchstzahl — 96 — weist die Altersgruppe vom 24. bis zum 30. Lebensjahre auf. Die Zahl der Todesfälle hat 2638 betragen, davon 1295 Männer, 1241 Frauen, 61 Knaben und A\ Mädchen. Die Höchstzähl der Todesfälle entfällt auf Herzkrankheiten mit 487, dann folgen die Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen mit 412 und Erkrankungen der Atmungsorgane mit 372 Fällen. Die Zahl der Selbstmorde hat 78 betragen. Die Höchstzahl der Todesfälle nach dem Alter ergibt sich mit 603 Fällen in der Gruppe zwischen dem 70. und 80. Lebensjahre. In 223 Fällen wurde ein Alter zwischen 80 und 90 und in 32 Fällen ein solches zwischen 90 und 100 Jahren erreicht. Die Anzahl der Geburten hat 1344 betragen, davon 670 männlich, 674 weiblich. Darunter sind 24 männliche und 18 weibliche Totgeburten verzeichnet. Insgesamt wurden im Jahre 1929 im Wirkungsbereiche der Israelitischen Kultusgemeinde Wien 1246 Trauungen vollzogen. Davon entfallen 698 auf die Gemeindebethäuser und 548 auf jene Vereinsbethäuser, in welchen ein Gemeinderabbiner seinen Amtssitz hat. Betsitze: In den Gemeindetempeln und in den von der Kultusgemeinde veranstalteten tem- * porären Bethäusern standen insgesamt 10.065 Betsitze zur Verfügung. Davon blieben unverkauft im Stadttempel 18, im Leopoldstädter Tempel 229, im Fünrhauser Gemeindetempei 5, im Ottakringer Gemeindetempel 38, im Währinger Gemeindetempel 1, im Gemeindetempel des XXI. Bezirkes 45. Rituelle Schlachtungen: Im Jahre 1929 wurden im Schlachthause St. Marx 16.700 Stück Großvieh geschlachtet, wovon 5243 Stück als trefe befunden wurden, ferner 12.697 Stück Kleinvieh, und weitere 4772 auswärts geschächtete rituell beschaut. Schließlich sind 103 Schafe zur Schlachtung gelangt. Im Geflügelschächtlokale der Israelitischen Kultusgemeinde wurden 54.683 Hühner und 333 Gänse geschlachtet. Telephon 319 SfTCIlg FltllClI Telephon 319 "teo Pessach in Boden im Hotel - Restaurant SCHEY, Baden b. Wien, Annagasse Nr. 3 unter persönlicher Leitung des Besitzers David Sdray Oonie Yerpfletfunä: Frühstück: Kaffee, Mazzes Mittagmahl: Suppe. Braten (nach Wahl event. Geflügel), Beilage, Mehlspeise Jause: Kaffee, Mazzes Nachtmahl: Fleischspeise (nach Wahl), Beilage!»«■» Tcatf S lO- Groöe Portionen. Anerkannt beste MO. die GrOStes jüdisches Etablissement Badens SSnHMra Lokalitäten glazllch renovier« Schone Zimmer, einbettig von S 4.—, zweibettig von S 6.— per Tag aufwärts Anmeldungen werden bis 11. April entgegengenommen Rituelles Bad: Das rituelle Bad der Israelitischen Kultusgemeinde wurde im Jahre 1929 von 50.735 Personen besucht, davon 37.527 Männer und 13.518 Frauen. Unentgeltlich wurden 10.248 Bäder verabfolgt. Trauungstaxen: Von den 689 in Ge-- mein.detempeln vollzogenen Trauungen wurden 131 tax- und gebührenfrei vollzogen. Ehescheidungen: Im Jahre 1929 wurden im Rabbinate 328 Ehescheidungen vollzogen, davon 64 ohne Entrichtung irgend einer Gebühr. : Beerdigungstaxen: Von 2562 im Jahre 1929 ausgewiesenen Beerdigungen wurden 743 unentgeltlich und 392 unter Ermäßigung der normierften, nicht einmal die Eigenkosten erreichenden Mindestgebühr durchgeführt. Im Krematorium der Stadt Wien haben im Jahre 1929 3378 Krenrationen stattgefunden, davon betrafen 256 jüdisch? Leichen, was einem Prozentsatze von 7.6%; entspricht. B e t Ii a u s' s p e n d e n: In den sechs Gemeindebethäusern und in den von der Kultusgemeinde errichteten temporären Bethäusern wurden im Jahre 1929 insgesamt für verschiedene, wohltätige Zwecke S 149.766.— gespendet. V e r s o r g u n g s a n s t a 11: In derselben beiträgt die Bettenanzah.l 347, hiervon 115 für Mariner, 232 für Frauen. 117 Insassen werden ohne jede Verpflegskostenzahlung verpflegt. Die Anzahl der Verpflegstage für die Insassen und das Personal beträgt 144.910, die Ausgaben für die Anstalt haben sich auf S 493.680.— belaufen. Aus dem Ausweis über den Lebensmittelverbrauch seien hervorgehoben: Milch 51.860 Liter, Eier 46.142 Stück, Kartoffel 23.831 kg, Mehl 10.614 kg. Fleisch 12.686 kg. Durch Tod abgegangen sind im Laufe des Jahres 35 Männer und 53 Frauen. Spital: Im Jahre 1929 wurden 2656 Patienten ins Spital aufgenommen. Die Zahl der gesamten Verpflegstage für Patienten und Personal hat 103.659 betragen, die durchschnittliche Verpflegsdauer eines Kranken 13% Tage. Von den Verpflegstagen entfallen 12.195 auf Patienten der I. und II. Klasse, 39.068 auf das Personal, 36.868 auf die III. Verpflegskiasse und 15.528 auf unentgeltlich Verpflegte. Die Gesamtausgaben für das Spital haben S 977.082.— betragen, die Kosten eines Patienten pro Kopf und Tag S 15.12. Aus dem Lebensmittelverbrauch seien hervorgehoben: Milch 59.154 Liter, Eier 131.112 Stück, Kartoffel 28.771 kg, Mehl 6382 kg, Fleisch 15.326 kg und 460 Hühner, Zucker 7555 kg. Jugendfürsorge: Das Jugendfürsorgeamt hat im Jahre 1929 in 19.821 Fällen interveniert, die sich wie folgt verteilen: Parteien im Jugendfürsorgeamt 9778, Hausbesuche 2941, Geldbeihilfen 6133, Sachaushilfen 948, Stellenvermittlung 2t. Hiervon entfallen auf Jugendgerichtsfälle 1300, Vormundschaftsfälle 1011, diverse Pflegschafsfälle 17.510 Parteien. Im Genüsse von Geldbeihilfen standen Ende 1929 472 Parteien. Davon erhielten 147 Parteien Heimbeiträge, 83 Parteien Kostgelder, 192 Pflegebeiträge, 14 Krankenaushilfen, 25 sonstige Aushilfen, 5 Arbeitsentlohnung, 4 Sachaushilfen, 2 Parteien Beiträge für kulturelle Zwecke. Allgemeine Fürsorge: Im Jahre 1929 wurden verausgabt: Für Monatsgaben S 64.818.—, an laufenden Unterstützungen durch das Wohltätigkeitsamt S 88279.—, Unterstützungen aus Spenden S 13.447.—, aus dem Präsidialfonds S 25.734.—, für die Kohlenaktion S 19.584.—, für Ferienaktionen S 7500.—, für arme Bräute S 12.059, für Speisemarken S 3600.—. Kultussteuer: Im Jahre 1929 sind insgesamt 59.116 Kultussteuerbemessungen ergangen, hiervon 4100 Fälle erstmalig. Im Jahre 1929 wurden beim Steueramte 7400 Rekurseeingebracht, wovon sich 5450 gegen die Kultussteuervorschreibung für das Jahr 1929 richteten. Die Zahl 'der überreichten Exekutionsansuchen hat pro 1929