Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 5_ta •*" - *** " *J - v v mmsai s w Der kleinste Versuch genügt, um sich von der Güte der besten **** ^^V* und A«^ artas lO* Amerikanischen *<*° ä«*1 zu üb«rzauo«n Qenerai Vertretung: Brlder welare» Wien IL. Taborstraße 62 - Tel. R 41-5-19 Uberall erhältlich I §6. Am Schabbos Erev Pessach darf, wie immer am Erev Pessach, nur bis zu der vom Ritualgesetze bestimmten Tageszeit, in diesem Jahre etwa bis 9 Uhr, Chomez gegessen werden. §7. Nach diesem Zeitpunkte wird das Chomez-Geschirr gespült — aber auch nur in einer am Schabbos überhaupt erlaubten Weise — und an die Stelle, woselbst das übrige Chomez-Oeschirr sich befindet, gebracht; desgleichen alles übriggebliebene Chomez aus Haus und Eigentum gebracht werden muß. Schabbos vormittags, etwa gegen 10 Uhr, wird das Kol Chamiro gesprochen, welches an gewöhnlichen Jahren beim Chomez-Verbrcnnen gesprochen wird. §8. Von Chomez-Speisen kocht man für diesen Schabbos nur solche, die nicht zu sehr an den Töpfen ankleben, wegen der am Schabbos unzulässigen Reinigung derselben (vgl. §7). §9. Die dritte Schabbos-Mahlzeit, S'udoh Schlischis, soll ritueller Bestimmungen gemäß eigentlich erst nach Mittagszeit stattfinden. In diesem Jahre darf selbstverständlich Chomez hierzu nicht verwendet werden, aber auch Mazzo am Erev Pessach zu essen, ist untersagt, weshalb dieselbe bloß aus Fleisch, Fischen usw. zu bestehen hat. Wenn übrigens die Andacht in der Synagoge so früh stattfindet, daß nach Beendigung derselben noch so viel Zeit übrigbleibt, um noch zwei Chomez-Mahlzeiten zu genießen, so soll auch dieses geschehen, da. nach manchen Autoritäten auch hierin der S'tfdoh Schlischis entsprochen wird. §10. Sämtliche Vorbereitungen für den Seder-Abend dürfen erst nach Ausgang des Schabbos besorgt werden, da man am Schabbos auch an und für sich erlaubte Beschäftigungen nicht für einen anderen Tage verrichten darf. Charosses, Ei und Seroa aber müssen schon vor Schabbos zubereitet werden. Slossen. In den soeben erschienenen Briefen, die Rosegger seinerzeit an seinen Biographen, einen gelehrten französischen Universitätsprofessor, richtete, findet sich u. a. die Stelle: „1885 bin ich gegen die antisemitischen Hetzer aufgetreten. Hierauf Hetze der Antisemiten gegen mich in ihrer damals verbreiteten Presse, in ihren Vereinen, durch allerlei Schimpf und Verleumdungen, als sei ich von Juden bestochen." Warum sollte der edle Rosegger von den Judenfeinden anders behandelt werden als Lessing, der doch nach den Antisemiten auch den „Nathan" nur für bares Geld der Juden geliefert haben könnte? Es ist nur zum Staunen, daß noch kein antisemitischer Literarhistoriker auf die Idee gekommen ist, daß Stellen im „Käufmann von Venedig", in denen Shakespeare dem Shylock die treffendsten Anklagen gegen die Judenfeinde in den Mund legt, damit zu erklären sind, daß der Dichter sich dafür von den Juden bezahlen ließ. Geschäft ist Geschäft. * * * Der Ehrenbeleidigungsprozeß, der gegen den Hauptschriftleiter der „Dötz" wegen eines unter dem Titel „Das Dokument des roten Mordbefehles von St. Lorenzen" erschienenen Artikels durchgeführt wurde, hat sicherlich manches merkwürdige Detail zur Kenntnis der Oeifentlichkeit gebracht. Als das merkwürdigste erscheint wohl manchem, daß der Vertreter der Anklage Dr. Siegmund . Popper gegen den Herrn Hauptschriftleiter den Vorwurf der Feigheit zu schleudern wagte. Man sollte glauben, daß aufmerksame, aber vorurteilslose Leser des Verhandlungsberichtes, Christen wie Juden, die Meinung des Herrn Dr. Popper als gänzlich unbegründet geradezu entrüstet zurückweisen müssen. Es genügt schon der Hinweis auf ein paar Kleinigkeiten, um dies sofort jedem einleuchtend zu machen. * » * Der Vorsitzende fragt z. B. den Herrn Hauptschriftleiter der „Dötz", ob er meine, daß es keine persönliche Beleidigung sei, wenn in einem Artikel von jemanden behauptet wird, er sei Mitglied einer Mordbrennerzentrale? Man sollte meinen, der Herr Vorsitzende dürfte an die vereinigten Juristen aller Staaten und Länder diese Frage richten, ohne auch nur von einer Seite eine Widerlegung seiner Auffassung über das, was „persönliche Beleidigung" ist, befürchten zu müssen. Der Herr Hauptschriftleiter antwortete jedoch, ohne mit der Wimper zu zucken: „Nein, ich sehe darin durchaus nichts Persönliches." Wenn zur Bekundung einer solchen, zumindestens höchst originellen Ansicht nicht Mut gehört, dann weiß ich wirklich nicht, welches Wort dafür gesucht werden müßte. * * * Aber der Hauptschriftleiter der „Dötz" zeigte, und wieder just dem Vorsitzenden gegenüber, in noch imponierenderer Weise, daß er auch vor den Schranken des Gerichtes, mit der eines echten „Dötz"-Vertreters würdigen Festigkeit, unbekümmert um das, was andere denken mögen, das vertrete, was er seiner Stellung schuldig zu sein glaube. Wer hätte nicht darüber gestaunt, daß der Hauptschriftleiter nicht neugierig ist, einen geradezu sensationell aufgemachten, an der Spitze seines Blattes erschienenen Artikel, der „das Dokument eines Mordbefehls" glossiert — möge wer immer diesen Artikel geschrieben haben — wenigstens vor der Drucklegung einer wenn auch flüchtigen Beachtung zu würdigen? Gewiß, man kennt das berühmte Wort, „der Gebildete ist nicht neugierig", aber kann die Bildung selbst eines Hauptschriftleiters so gewaltig sein, daß er sich die Lektüre eines einen „Mordbefehl" beleuchtenden Artikels bis zum Frühstückskaffee aufhebt? Auch der Vorsitzende in dem Ehrenbeleidigungsprozesse scheint dieses nur zu begreifliche allgemeine Staunen geteilt zu haben, denn er meinte dem Herrn Hauptschriftleiter gegenüber: „Sie behaupten also, daß Sie den Artikel weder gelesen, noch zum Drucke befördert haben. Es kommt mir merkwürdig vor, daß Sie einen so wichtigen, leidenschaftlichen und großen Artikel vor der Drucklegung nicht überprüft haben?" Der Herr Hauptschriftleiter antwortete abermals, ohne mit der Wimper zu zucken, daß ihm nur das Dokument, auf das sich der Artikel bezog, als die Hauptsache erschien. Und was den Artikel betrifft? Darüber ging der Herr Hauptschriftleiter offenbar mit einem geringschätzigen Achselzucken hinweg. Nicht der Mühe wert, über derlei ein Wort zu verlieren! Und dem Mann soll man den Mut absprechen? Die „Dötz" schreibt selig aufatmend nach dem Ausgange des Ehrenbeleidigungsprozesses, der mit der Verurteilung ihres Hauptschriftleiters zu einer Geldstrafe von 100 Schilling endete, zur Verherrlichung des Dr. Walther Riehl: „Unsere Richtung kann sich glücklich schätzen, diesen Menschen und Juristen zur Seite zu wissen." Man kann diese dankerfüllte Begeisterung begreifen. Was hat Dr. Riehl nicht alles schon für die „Richtung" der „Dötz" getan! Wie hat der Mann es z. B. verstanden, selbst einem Rothstock zur Seite zu stehen und ihn abwechselnd, je nach Bedarf, bald als einen preiswürdigen Idealisten, bald für einen der Schonung und Milde werten Irrsinnigen hinzustellen! * * * Zeitgemäß: Hakenkreuzlerische Blätter wollen in Zukunft die redaktionelle Aufforderung „Kauft nicht bei Juden!" durch die Worte ergänzen: „außer Stoffe für Leitartikel". Ludendorff veröffentlicht Beschimpfungen und Schmähungen gegen Hindenburg, die an Maßlosigkeit alles übertreffen, was der neid- und haßerfüllte Mann bisher selbst gegen die Juden geschrieben. Solche Hiebe führt man nur, wenn man tödlich treffen will. Der General hat sein Ziel erreicht. Diese Schrift Ludendorffs hat zweifellos eine vernichtende Wirkung. Aber für ihn. Das Ebert-Rathenau-Erzberger-Denkmal wurde — von unbekannten Tätern — besudelt und verstümmelt. Der Name Rathenaus aber wurde auch aus dem Steine herausgeschlagen. Saxa loquunturt Wenn jemals die Steine gesprochen, so sind es dieSteine, diesodeutlichaufdieSpur der Täter hinweisen, wenn man sie —■ finden will. * * * In Lemberg haben hakenkreuzlerische Uaiversitätshörer arge Demonstrationen gegen den Rektor und die Professoren veranstaltet, weB sie einem Hilfskomitee für lungenkranke jüdische Studenten ihre Unterstützung zusagten. Das wüste Geschrei der Hakenkreuzler zeugte jedenfalls in erfreulicher Weise für ihre gesunden Lungen. Aber ihre Herzen? Ego. Daroffantlichunqait dar Union dau+sch ös+*r r*lcVisch*r%)udtn Telephon A 19-2-77 IX.» Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9t4«4 Mitgliedschaft Salzburg. Seit längerer Zeit bereits werden an die Wiener Zentrale der „Union deutschösterreichischer Juden" Ersuchen seitens der Provinz-Ortsgruppen gerichtet, persönliche Berichte über Ziel und Tätigkeit der „Union" zu erstatten und so den dortigen Glaubensgenossen Gelegenheit zu einem engeren Kontakt mit der Zentrale und zu einem Ausbau der Ortsgruppen, die auf einem exponierten Posten stehen, zu geben. In Verfolg dieser Aktion wurden zunächst seitens des Zentralvorstandes die Herren Dr. Ernst Feldsberg und Sekretär Oskar Hirschfeld nach Salzburg delegiert, um mit den dortigen „Union"-Kreisen Fühlung zu nehmen und eine Neukonstituierung der daselbst bereits seit langer Zeit bestehenden Ortsgruppen durchzuführen. Die Reise der beiden Herren war von größtem Erfolg begleitet Sie hatten Gelegenheit, sich persönlich davon zu überzeugen, daß in der verhältnismäßig kleinen Judengemeinde Salzburg erfreulicherweise ein reges Jüdisches Leben pulsiert, das sich in den mannigfachsten Formen äußert. Mittelpunkt der Gemeinde ist das schöne Gotteshaus, in dem an allen Feiertagen, Freitag abends und Samstag vormittags gebetet wird und in dem sich insbesondere eine verhältnismäßig große Anzahl von Glaubensgenossen einfindet, wenn einer der dortigen Juden seine „Jahrzeit" nach einem teuren Angehörigen zu verrichten hat. Auch eine eigene Chewra Kadischa ist in Salzburg in Funktion. An der Spitze der Kultusgemeinde steht seit geraumer Zeit Präsident Löwy. der erst vor kurzem in Anerkennung seiner Verdienste das Goldene Ehrenzeichen der Republik erhalten hat. Sehr angenehm gestaltet sich das gesellschaftliche Leben der Salzburger Judengemeinde, insbesondere sind die Veranstaltunoen des rührigen Frauenvereines sehr beliebt. Ueberhaupt ist der Zusammenhalt in der Gemeinde ein sehr starker und so kann es nicht Wunder nehmen, daß auch die Aufnahme der Delegierten eine überaus herzliche war. In liebenswürdigster Weise bemühten sich viele Damen und Herren um sie und es wäre eine Ungerechtigkeit, hier einzeln die Namen all derjenigen, denen der Dank des Zentralvorstandes der „Union" gebührt, aufzuzählen. Die Versammlung selbst war ungemein stark besucht, der Präsident der Gemeinde wie auch Ihr Rab-