Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064145-3064158--17837-3082804- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 DIE WAHRHEIT EPERABENDE. Am 12. and Ii. April werden im Restaurant «Aion«N «rvnck Wien II-, Ztrfcusgasse 30, Telephon K 43-1-60 Seder ab ende ansehalten. BeKfcbaitiües resiraam ä io Carte Karmel-u.TlsdiweiiiesdielPessadi. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. Was uns aber wirklich überrascht hat und überraschen mußte, ist die Begründung, welche die Oberstaatsanwaltschaft für ihre Mitteilung, daß sie äie Einstellungserklärung der " Staatsanwaltschaft Korneuburg nicht.beanstanden könne, anführt. Sie beurteilt nämlich den Fall nicht nach der zweifellos auch gewollten Wirkung, welche die Aushängung des Bildes auf diejenigen hat, welche es sehen und die Ueberschrift lesen, sie prüft offenbar gar nicht, ob die angezeigte Tat objektiv geeignet ist, andere zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Religionsgesellschaft aufzufordern, oder ob niifidestens der Tatbestand der Anpreisung eines Mordes gegeben ist, sondern begnügt sich mit der von wahrem Bekennermut zeugenden Verantwortung des Angezeigteil, der in seinem Verhöre eine solche Absicht — Aufforderung zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Religionsgesellschaft oder die Anpreisung eines Mordes — in Abrede, gestellt — das ist nach unserer Auffassung feige geleugnet — und auch eine andere Erklärung (?) gegeben hat. Sollte der Angezeigte — die „andere Erklärung" wird uns nicht bekanntgegeben — die Aushängung des Bildes nur veranlaßt haben, um den Hollabrunnern einen Kunstgenuß zu verschaffen, um ihnen vor Augen zu führen, welch hohe Leistungen ,-teutsche" Kunst aufzuweisen hat? Bei dieser Auffassung der Staatsanwaltschaft drängt sich wohl jedem von uns die Frage auf, ob sie die gleiche Stellung eingenommen hätte, wenn ein Jude an dem Hause eines Juden ein Bild mit der Darstellung eines erstochenen katholischen Priesters und der Ueberschrift „Das ist die gerechte Strafe" angebracht hätte Die Erklärung, das Bnd stelle den Rabbiner Schach (?) dar, einen angeblichen Gegner der eingesessenen Araber, welcher bei Beginn der Kämpfe in Palästina erschossen worden ist, ist wohl nur ein schlechter Witz, den sich der Angezeigte der Staatsanwaltschaft gegenüber erlaubte. Ist das alles aus der bildlichen Darstellung ersichtlich? Sogar der Name des Rabbiners? Und seit wann wird ein Erschossener mit einem Messer in der Brust dargestellt? Wahrlich: Difficile est, satyram non scribere... In dem einen Punkte müssen wir allerdings der Oberstaatsanwaltschaft zustimmen, daß eine Anklage vor den Geschworenen in Korneuburg nur mit einem Freispruche enden müßte. Hätte sie nur diesen einen Grund für ihre ablehnende Haltung angeführt, wäre sie uns verständlich gewesen. Weniger verständlich ist uns allerdings der Beisatz: „... zumal das Bild in einer (ausländischen) zensurierten Zeitung erschienen war." Seit wann hebt denn die Tatsache der Zensurierung die Straf- *arkeit der Tat auf? Die „Union" hat sich an die zuständigen Staatsbehörden gewandt im vollen Vertrauen, daß die Juden den allen Bundesbürgern in gleicher Weise zukommenden gesetzlichen Schutz finden werden. Wir haben ihn nicht gefunden und können das Gefühl nicht los werden, daß wir nach wie vor elenden Preßbanditen und gewissenlosen Hetzaposteln schutzlos ausgeliefert sind. Den uns gebührenden Schutz müßten wir eigentlich finden, wenn die Staatsanwaltschaften ausnahmslos folgende Worte sich zur Richtschnur ihres Handelns machten, die der Schöpfer der Strafprozeßordnung in seinem Erlasse vom 25. November 1873 an die Oberstaatsanwälte gerichtet hat: „Die Ehre der Staatsanwaltschaft und das Gedeihen ihrer Wirksamkeit hängt vor allem davon ab, daß jeder durch strafbare Handlungen in seinen Rechten Verletzte oder Bedrohte sich mit Vertrauen an die Staatsanwaltschaft wende und daß dieses Vertrauen nie getäuscht werde. Alles, was auch nur den Schein erregen könnte, daß die Organe der Staatsanwaltschaft sich durch Bequemlichkeit, durch Gunst oder Ungunst fin bezug auf einzelne Personen oder Klassen der Gesellschaft, durch irgendwelche Rücksichten bestimmen lassen, welche den Zwecken der Strafrechtspflege fremd sind, muß auf das sorgfältigste vermieden werden und wo es dennoch auftaucht, auf das nachdrücklichste geahndet werden." Dr. Karl Steiner. Die Mitgliedschaft Landstraße der „Union deutschösterreichischer Juden" hielt am Donnerstag,- den 20. März eine Bezirksversammlung ab, in der an Stelle des Herrn Dr. Josef Ti cho, welcher durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, Herr Dr. Emst Feldsberg über Ziele und Zwecke der „Union" sprach. Er wies in seinen Ausführungen darauf hin,- daß es gerade jetzt notwendig sei, das besondere Augenmerk auf die Wahrung der allgemeinen und politischen Rechte der österreichischen Juden zu richten, sowie zu allen jenen Fragen des öffentlichen Lebens Stellung zu nehmen, die das österreichische Judentum berühren. Der Redner wies insbesondere auf den wieder im Anwachsen begriffenen Antisemitismus hin, der durch die Gleichgültigkeit einer großen Zahl österreichischer Juden an Expansionskraft gewinne. Die. Handhabung des Preßgesetzes und der mit diesem im Zusammenhang stehenden strafgesetzlichen Bestimmungen schützen das österreichische Judentum vor Verunglimpfungen nicht und es müsse Sache aller Juden sein, die schon so lange geforderte Reform des Preßgesetzes zum Schutze der Juden durchzusetzen. Nicht nur das politische Leben im Staate, sondern auch die Politik der Juden als Einzelpersonen sei Sache der Beobachtung durch die „Union", auch hier wäre es notwendig, aufklärend zu wirken und vor allem Juden daran zu hindern, durch besondere Exponierung auf politischen Posten dem Judentum mehr zu schaden als der Menschheit zu nützen. Weiters verlangte der Redner besondere Beobachtung der Vorgänge innerhalb der Judenschaft, vor allem innerhalb der Kultus gemeinde. Die Stellungnahme der „Union" zum Nationalismus kann nur eine eindeutige sein. Der Begriff des Nationalismus ist mit dem Begriffe vom jüdischen Volke, wie ihn uns unsere Geschichte lehrt, unvereinbar. Der Redner versuchte nun sowohl vom geschichtlichen als auch vom praktischen Standpunkt den jüdischen Nationalismus kritisch zu beleuchten. Zusammenfassend soll oberstes Ziel und Zweck der „Union" sein, all das zu fördern, was dem Judentume nützt, und all das zu bekämpfen, was dem Judentume schadet. Nach den Ausführungen des Referenten ergriff Herr Ing. Koditschek das Wort; er beleuchtete in einer ausführlichen DarstsHung die Lage der Kultusinsfitutionen des JH. Bezirkes und richtete den dringenden Appell an alle Anwesenden, an 'der Erhaltung und dem Ausbau der jüdischen Institutionen, vor allem des Tempels Untere Viaduktgasse, mitzuwirken, da nach seiner Meinung das Judentum nur durch die Erhaltung der Kulmsinstitutionen stark, mächtig und schlagkräftig erhalten werden könne. Herr Kommerzialrat Adolf U n g e r, welcher der Versammlung präsidierte, ersuchte in seinem Schlußworte die Anwesenden, durch Propaganda von Mann zu Mann mitzuwirken, daß die Ortsgruppe der „Union" für den III. Bezirk erstarke. Telephon 319 StTCIlg rilBCil Telephon 319 "ftPD Fessach in Baden im Hotel - Restaurant SCHEY, Baden b. Wien, Annagasse Nr. 3 unter personlicher Leitung des Besitzers David Sehey Ganze Verpfletfund: Frühstück: Kaffee, Mazzes Hittagmahl: Suppe, Braten (nach Wahl event Geflügel), Beilage, Mehlspeise Jause: Kaffee, Mazzes Nachtmahl: Fleischspeise (nach Wahl), Beilage Per Tost S lO - Crooe Portionen. Anerkannt beste KBdie Größtes jüdisches Etablissement Badens SamtHcha LokaliMten gänzlich renoviert Schone Zimmer, einbettig von S 4.—, zweibettig von S •.— per Tag aufwärts Anmeldungen werden bis " 11. April entgegengenommen GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHI WIEN IX., BEROOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINdERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17 3-S9ond A 16-3-34 Llwforant für tUtlaastaltaa AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrar. Rabbinato« dar lar. Kultuaaemeinde Wien., Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen: VonWoche xuWothe Tempelverein „Aeschel Awrohom" (IL, Pazmantergasse 6). Sonntag, .den 23. März, fand im großen Sitzungssaale die diesjährige ordentliche Generalversammlung des im Titel genannten Vereines unter dem Vorsitze des Vereinsobmannes Herrn Oskar Schramek statt. Als Gäste erschienen: in Vertretung' der. Wiener israelitischen Kultusgeineinde Vizepräsident Dr. Josei Löwenherz sowie die Kultusvorsteher Kommerzialrat Buchwald und Bauminger, die Organisation der Wiener Tempelvereine war durch Präsident Börserat I. Gl Kick und Delegierte verschiedener Tempeivereine vertreten. Obmann Oskar Schramek eröffnete um 10 Uhr vormittags die Generalversammlung und begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder auf das herzlichste. Vor Eingang in die Tagesordnung widmete er den verstorbenen Vorstands- und VereinsmitgMedern einen tiefempfundenen Nachruf, welche Trauerkuadgebung von de» Versammlung stehend angehört wurde. — Das abgelaufene" •Vereirisjahr hat, wie Schriftführer Direktor Karl Ehren z weig ausführte, nicht Jenen Erfolg gebracht, welchen mau erwartete, da die allgemeine schlechte Lage und die wirtschaftliche Not der Mitglieder und. Tempelbesucher auch. an ihren kulturellen Institutionen nicht spurlös vorübergegangen sind* Zur kritischen Lage des Vereines trägt sehr viel die seit eineinhalb Jahren ungelöste Frage der Besetzung des Rabbinerposteas hei. Da sich der Vorstand diesbezüglich nicht einigen und diese üür den Verein so wichtige Lebensfrage auch im Kultusvorstande keine Erledigung finden konnte, so hat sich der Vorstand des Tempelvereines veranlaßt gesehen, am 18. d. M. seine Gesamtdemission zu geben. Revisor J. Neumann gab nun die Erklärung ab, daß alle Bücher und Belege überprüft und in bester Ordnung befunden wurden, und stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorhun zu erteilen. In der nun folgenden Wechselrede ergriff Harr Heinz K o h n das Wort und übte eine sehr scharfe Kritik am der Hönning und Gebarung des Vereines im abgelaufenen Jahre; insbesondere bemängelte er einzelne Eingangs- und Ausgabeposten. Er verwahrte sich dagegen, als ständiger Oppositionsredner zu gelten, und betonte. - daß seine diesbezüglichen Wannungen all die Jahre her mehr als gerechtfertigt waren, denn sonst hätte der Vorstand nicht als einzigen Ausweg, um aus seiner mißlichen Lage herauszukommen, dia Gesamtdemission gewählt Die Uneinigkeit im Vorstande und die Wirtschaft im Sekretariate sind nach seiner Ansicht an dem Niedergang des Vereines schuld. Nachdem ObmannsteM^ Vertreter S. Schönherz einige unrichtige Behauptungen des Herrn Heinz Kohn richtig gestellt halt», ergriff unter großer Aufmerksamkeit Vizepräsident Doktor Josef Löwenherz das Wort und widerlegte! die Behauptung, als ob die Kultusgemeinde die Schuld an der bis heute nicht erfolgten Bestellung eines Rabbiners für den Pazmanitentempel trage. Das Gegenteil ist richtig. Der Pazmanitentempel ist. wie jeder Tempelverein^ autonom und hängt die Berufung eines geistigen Führers einzig und allein von den Beschlüssen des Vereinsvorstandes ab. Wenn alber keine Einigung zu erzielen ist» so kann man eben nicht berufen, noch weniger kann man aber die Schuld auf die KuJrusgemeinde, die bemüiht war und ist. diese Angelegenheit mit der größten Objektivität zu erledigen, wälzen. Ein Tempelverein hat keine Politik zu treiben, sondern die Verpflichtung, dendrei Grundsätzen des Judentums, Gottesdienst, Gotteslehre und Wohltun zu dienen und einig zu seia Er ermahnte die Mitglieder zur Einigkeit und wird der Verein dann auch in Zukunft, wie es bisher der Fali war, seine schweren Aufgaben in musterhafter Weise erfüllen^ Für die verdienstvollen Bemühungen des Vereinsobmannes sprach er den uneingeschränkten Dank der Kultusgemeinde aus. Börserat J. Glück bedauerte ebenfalls die Vorkommnisse und einmahnte im Namen der Organisation der Tempelvereine die Mitglieder zur Einigkeit,, denn nur dann kann der Verein sein segensreiches und aufopferungsvolles Wirken fortsetzen. Der Verein hat große Leistungen stets aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln vollbracht. Bei einer zielbewußten Führung und bei Einigkeit wird dies wieder der Fall sein. Im selben Sinne sprach auch Kommeirzialrat B. Buchwald und bat die Mitglieder, in ihrer dem Interesse einer großen- und heiligen Sache unternommenen Arbeit fortzufahren. Sodann wurde dem Vorstand© das Absolutorhim erteilt und die Neuwahlen für den 27. April festgesetzt . Die berühmten amerikanischen Horowitz-Margareten-Mazzoth sind bereits in Wien eingelangt und es, herrscht eine lebhafte Nachfrage nach ihnen, da sich bereits viele davon überzeugten!, daß dies© Mazzoth sowohl qualitativ wie auch bezüglich Kaschruth das beste und bekömmlichste Nahrungsmittel für Pessacb ist Sie sind in "alten einschlägigen Geschäften «rhältfch: S&ete. Inserat auch irä Inneren des Blattes. ...