Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 OflS PCSlC m^blrrtnM^enQU^tt^L^^WM^iKMaMM^FW^^^M^ '■■■HHHHBH klassig-altrenommierten V WHHHHH^HH ■TB WBMfliWlH welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldssasse Nr. 43 Tel. BM-140, AM-MS » Filialen: M.Wildmann,L.BäckerstraQe 16. — Iga« Nalscliar, H.,Praterstraße 44. — Jakob Weift, »..Untere Augarteoatraße25. - S.SolUMldartlI.,Miesbachg. 12 - Dawld Raab, »I. Schiffamtsgasse 7. — M. Iplagal, HI., Radetzkystrafie 4. - Max Silbarbarg, IX., Rotenlöwengasse & - Laib Mandat» IX.. Grflnentorgasse4l Jahren verlangt, war selbst schon einmal wegen Hochverrates zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt! fühlte er sich vielleicht darum berufen,, sich als Fachmann in Verratsaffären aufzuspielen? * * * Im rumänischen Parlament ist ein Gesetz angenommen worden, daß Verbreiter falscher Gerüchte, die den Staatskredit schädigen, mit mehrjährigem Kerker straft Man weiß, daß zu den Nachrichten, die im Auslände den rumänischen Staatskredit schädigten, namentlich die Mitteilungen über die greulichen, von den Behörden geduldeten antisemitischen Exzesse gehören, Mitteilungen, die leider wirklich nicht auf „falschen Gerüchten" basierten. Die rumänische Regierung täte daher mit Rücksicht auf den Staatskredit gut daran, vorsorglich auch ein Gesetz zu schaffen, das den Anstiftern und Arrangeuren antisemitischer Exzesse <las Spiel verdirbt. Ego. Aus der Grazer Kultusgemeinde. Zu dem unter diesem Titel in Nr. 10 der ..Wahrheit" erschienen Artikel sendet uns Herr Rechtsanwalt Dr. Robert Sonnenwald, Präsident der Israelitischen Kultusgemeifide Graz, eine Berichtigung, der wir aus Gründen der Loyalität, an die Dr. Sonnenwald appelliert, folgendes entnehmen: In Nr. 10 der „Wahrheit" berichtet Herr Adolf Rendi „Aus der Grazer Kultusgemeinde" über die Wahlbewegung und erwidert hierbei auf einen Artikel der „Stimme" vom 27. v. M. Es muß zunächst festgehalten werden, daß dieser Artikel das Referat über eine Wählerversammlung darstellt; es wird in demselben bezüglich der konservativen Partei, der Herr Rendi angehört, lediglich konstatiert, daß sie in der letzten Sessi( n des Kultusrates als Minorität die Mitarbeit ablehnte', wobei jedoch hervorzuheben ist, da3 ihr selbstverständlich nach parlamentarischem Brauche ordungsgemäß der entsprechende Einfluß im Präsidium. Vorstande und den Sektionen angeboten wurde. Was das geschlossene Kompromiß der beiden Parteien betrifft, so ging die Anregung hierzu im Gegensatze zu den Ausführungen des Herrn Rendi von der konservativenPartei aus, in welcher Tatsache gewiß keinerlei Vorwurf, sondern nur die wahrheitsgetreue Darstellung zu erblicken ist Die Ausführungen bezüglich der Steuer- Höchststufe haben bereits vor zwei Jahren Gegenstand eines Artikels des Herrn Rendi an gleicher Stelle gebildet und wurden damals richtiggestellt. Der Finanzreferent Vizepräsident Karl Schwarz hat bei der fraglichen Versammlung in seinem Rechenschaftsberichte das Protokoll der Kuitusrats-Siteung vom 17. Mai 1913 verlesen, laut welchem damals in Anwesenheit des Herrn Rendi die Höchststeuer mit K 1200.— festgelegt wurde; er folgerte daraus, daß die gegenwärtige Höchststufe von S 1000.— bloß das 8000fache der damaligen betrage, das Erfordernis aber gegenüber 1914 das 16.500fache. Richtig ist, daß die 1913 beschlossene Höchststufe erst 1915 erstmalig vorgeschrieben wurde, was jedoch bei Vergleichung der beiden Höchststufen nicht maßgeblich sein kann. Die Aeußerung des Schulreferenten Freudmann lautete so, daß für die Schule kein Opfer zu groß sein dürfe, um das einzige Aktivum unserer kulturellen Institutionen, das den Fortbestand unserer Gemeinde und der Erziehung unserer Jugend zu sichern vermag, zu gewährleisten. Herr Rendi liest nun aus diesen Worten einen unerfreulichen Sinn heraus und fühlt sich dadurch zu einem Angriff auf jene zionistische Gemeindeführung veranlaßt, deren mindestens einwandfreie Gebarung wiederholt auch die Anerkennung seiner Parteigenossen gefunden hat Da Herr Rendi dem letzten Kultusrate nicht angehörte, so scheint er keine Kenntnis davon zu haben, daß diekonservativePartei bei mehreren Gelegenheiten aus budgetären Gründen für einen Abbau der Schule plädierte, wogegen die Zionisten im Sinne ihres kulturellen Programmes auf unbedingter Erhaltung derselben beharrten, welchen Standpunkt eben Herr Freudmann bei der fraglichen Wählerversammlung ausführlich begründete. Gewiß stammt die Schule aus einer Zeit wo es noch keinen Zionismus gab, es muß aber entschieden betont werden, daß sie durchaus nicht gelitten hat, sondern von den Aufsichtsbehörden ebenso hoch gewertet wird wie bisher und daß in der letzten Session sogar ein Ausbau derselben möglich war. An dieser Tatsache ändert der Umstand nichts, daß ein prominenter Führer des .Grazer National-Judentums seine Kinder nicht mehr die jüdische Schule, sondern nach Absolvierung derselben nunmehr die Mittelschule besuchen läßt worüber "Herr Rendi offenbar unrichtig informiert war. Zu dieser Berichtigung des Herrn Dr. Robert Sonnenwald in Graz teilt uns Herr Adolf Rendi mit: Wenn ich in meinem, in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Berichte ausführte, daß die Kompromißverbandlungen von der zionistischen Partei ausgegangen sind, so war ich zu dieser Annahme dadurch veranlaßt, weil tatsächlich zwei Mandatare der Gegenpartei an mich persönlich mit Kompromißanträgen herangetreten sind und ich bei Abfassung meines Artikels nicht wußte, daß schon früher ein maßgebender Herr unserer Partei um das Zustandekommen eines Kompromisses bemüht war, was ja nur ein ehrendes Zeugnis für dessen Friedensliebe bedeutet. In dem Artikel in Nr. 155 der „Stimme" werden die zionistischen Kultusräte als Vertreter des Fortschrittes, der aufbauenden Gemeindearbeit mit vorbildlicher Tätigkeit, dagegen die konservative Opposition als die Verhinderer einer demokratischen Entwicklung der Kultusgemende bezeichnet und ähnliches mehr. Ich habe diese Ausführungen als eine unverdiente und kränkende Herabsetzung der Mandatare der konservativen Partei aufgefaßt, bzw. wird doch jeder Unbefangene zwischen den Zeilen lesen müssen, daß die Tätigkeit des früheren Kultusrates als rückschrittlich, stagnierend und zerstörend zu werten sei: Ueber die in meinem Berichte erwähnte Schulangelegenbeit möchte ich mich nicht weiter ausbreiten, schon aus dem Grunde, weil ich in dieser Beziehung mit den Herren von der Gegenpartei darin übereinstimme, daß für die Erhaltung unserer Schule die größtmöglichsten Opfer gebracht werden sotten, dies jedoch nur dann, wenn die Schule auf der höchsten Höhe der Leistungsfähigkeit gehalten werden, kamt. Der Tenor meiner Ausführungen in meinem Berichte bestand jedoch darin, gegen den in dem Berichte der „Stimme" vorgebrachten Finanzbericht des Herrn Karl Schwarz Stellung zu nehmen. Ich habe der von Herrn Dr. Sonnenwald erwähnten Wählerversammlung nicht beigewohnt, hatte keine Kenntnis davon, daß Herr Karl Schwarz in seinem Rechenschaftsberichte ein Protokoll vom Jahre lMS^vöigelesen hat, sondern ich erachtete es als meine Hauptaufgabe, gegen die von diesem Herrn laut dem Artikel in der „Stimme" vorgebrachten nackten Ziffern Stellung zu nehmen und diese zu widerlegen. Nach diesem Artikel soll Herr Schwarz ausgeführt haben, daß das Erfordernis der Gemeinde pro 1929 das I6.500fache von dem Erfordernis pro 1914 betragen habe, wogegen die Höchstbesteuerten im Jahre 1929 gegen 1914 nur das 8000fache, somit nicht einmal die Hälfte leisten. Daß diese Behauptung einen schweren Vorwurf IMIMUftlMIHMMMMimHntMMIMMajINUim •••«■•mm«m Unsere Leser dürften sich daran erinnern, datt die „Union deutschösterreichischer Juden" wegen der in Holiabrunn erfolgten Aushängung eines Bildes, das einen erstochenen Rabbiner darstellt und die Ueberschrift „Die gerechte Strafe" trägt, die Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft erstattet-hat. Da diese keinen Grund zur strafgerichtlichen Verfolgung gegeben sah, brachte die „Union" den Sachverhalt zur Kenntnis der Oberstaatsanwaltschaft Wien mit der Bitte, die Richtigkeit der Rechtsanschauung der Staatsanwaltschaft Korneuburg zu überprüfen. Die der „Union" zugekommene Erledigung hat folgenden Wortlaut: ZL 1569/30 An die Union deutschestem Juden Wien IX.. Berggasse 4. Unter Bezugnahme auf Ihre Eingabe dto. 10. März 1930 gebe ich bekannt daß leb die von der Staatsanwaltschaft Korneuburz abgegebene Einstellungserklärung wegen Aushängung des Bildes auf Seite 480 des „Illustrierten Beobachters" ex 1929 nicht beanständen kann. Das Bild stellt den Rabbiner Schach dar. einen angeblichen Gegner der eingesessenes Araber, welcher bei Beginn der Kämpfe gegen die Höchstbesteuerten unserer Gemeinde, die fast ausschließlich unserer Partei angehören, beinhaltet wird wohl jeder objektive Leser zugeben, und ich habe daher richtigstellen müssen, daß das Erfordernis pro 1929 gegen 1914 sich um 24 Prozent erhöht hat. daß die Erhöhung dieses Mehrerfordernisses durch die Zunahme der Gemeindemitglieder um 28 Prozent wettgemacht wird und daß die Höchststeuer vom Jahre 1914 per Gk 720.— durch eine Höchststeuer pro 1929 von S 1100.— übervalorisiert erscheint. Ich habe in meinem Berichte es gar nicht für notwendig gehalten, darauf zu verweisen, daß gelegentlich der Kompromißverhandlungen unsere Partei die Forderung der Zionisten auf Erhöhung der Maximalsteuer auf S 1500.—. ohne die geringsten Schwierigketten zu machen, bewilligt bat. obzwar diese Erhöhung zu 80 Prozent von der konservativen Partei getragen wird. Es ist nach meiner Ansicht vollständig unzulässig und irreführend und keineswegs von nicht maßgeblicher Bedeutung, wenn zum Vergleiche von Herrn Karl Schwarz die Maximalsteuer von Gk 1200.— herangezogen wird, wenn auch diese im Jahre 1914 beschlossen und projektiert war, aber erst für das Jahr 1915 in Anwendung gekommen ist Einzig richtig für den Vergleich sind nur die tatsächlichen Leistungen in den beiden Jahren oder wenn die Höchststeuer von Gk 1200.— als Vergleichsbasis dienen soll, hätte das Verwaltungsjahr 1915, für welches zum erstenmal die Maximalsteuer von Gk 1200.— in Anwendung gekommen ist. herangezogen werden sollen, weil ja dann ganz andere Ergebnisse resultieren würden. * Mit dieser Gegenüberstellung erscheint die Angelegenheit für die Redaktion unseres Blattes erledigt, die sie nur deshalb aufrollte, damit nicht durch widerspruchslose Kolportierung einseitig zionistischer Berichte aus Graz das Verdienst der dort jahrzehntelang wirkenden konservativen Partei geschmälert wird. Von dieser loyalen Haltung werden uns auch nicht die Angriffe des Herrn Karl Schwarz gegen unser Blatt abbringen, die dieser in der letzten „Stimm e" in Form einer Berichtigung des Artikels des Herrn Adolf Rendi produziert. Diese Veröffentlichung muß um so mehr wundernehmen, als es Herrn Karl Schwarz gewiß bekannt gewesen ist. daß sein Parteiführer, Präsident Dr. Karl Sonnenwald, uns eine Berichtigung zukommen ließ, von der Herr Schwarz, ate er seine Erwiderung schrieb, nicht wissen konnte, ob wir den Abdruck ablehnen würden, was uns übrigens nie eingefallen wäre. Wir haben unseren guten Willen bewiesen, von der Gegenseite kann man gleiche Loyalität wahrlich nicht behaupten. in Palästina erschossen worden ist Das Bild wurde von dem Angezeigten (Oskar Reinwald) mK der Ueberschrift „die gerechte Strafe" versehen. Hierin muß nicht eine Aulforderung zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Religionsgesellschait oder die Anpreisung eines Mordes erblickt werden. Der Angezeigte bat in seinem Verhöre eine solche Absicht in Abrede gestellt und auch eine andere Erklärung gegeben. Jedenfalls ließe sieb die von der „Union" gegebene Auslegung nicht mit Aussicht auf Erfolg vor dem Geschworenengericht vertreten, zumal das Bild in einer (ausländischen) zensurierten« Zeitung erschienen war. Oberstaatsanwaltschaft Wien, am 17. März 1930 Dr. Schwarz. Wir müssen offen gestehen, daß die Ablehnung der strafgerichüichen Verfolgung uns nicht überrascht hat, da wir es tägheh erleben, daß in antisemitischen Hetzblättern arger und ärgster Sorte ganz frei und schrankenlos die Juden in gemeinster Weise verleumdet und verhöhnt, verspottet und besudelt werden, daß unverhüllt zu Haß und Verachtung aufgereizt wird, kurz, daß die Juden zum Freiwild für eine feige Preßkanaille geworden sind, ohne daß ihnen der gesetzliche Schutz zuteil wird. Daröffantlichunqa cUr Union deutsch ös^trrtlcVtscberJudt» Telephon A 19-2-77 IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.484 Die gerechte Strafe.