Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 5 PflS PCSf C unabtrtroffenetQUtrst- ^R^B^B^^^^MjtP^^^TFT^^^^B^ HBHHHHB klassig-altrenomraierten WWHHHH^HH ■¥H Wl H welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee Zentrale: N. BRODETZKY, Wien, II. Bezirk, Leopoldsgasse Nr. 43 Tal B46-1-VO, A40-243 u. A41Q-3X Filialen: M. Wildmann,I.,Bäckerstraße 16. — Ignaz Fleischer, IL.Praterstraße 44. — Jakob Weift, Il .Untere Augartenstraße 25. - S.Sohnelder,lF.,Miesbachg. 12 - David Raab, II, Schiffamtsgasse 7. — M. Spiegel, HL, Radetzkystraße 4. — Max SHberberg, IX., Rotenlöwengasse & — Leib Mandat» IX., Grünentorgasse4I Wahrheiten vom &a£e Uebler Geruch. Das Parfümeriegeschäft auf dem Graben, Segen dessen widerliche Judenhetze in diesem "Blatte wiederholt scharf Stellung genommen wurde, ist vor einigen Tagen Gegenstand unliebenswürdiger Aufmerksamkeiten gewesen. Die dort befindliche Ausstellung antisemitischer Zeitungsausschnitte, die täglich eine große Anzahl entrüsteter Neugieriger anlockte, hat am letzten Samstag eine Gesellschaft angezogen, die sich und ihrer schwer bedrängten Gemeinschaft mit lauten Demonstrationen gegen die Geschäftsinhaberin .helfen wollte. Die Zusammensetzung der Demonstranten mag den kompetenten Behörden zu -denken gegeben haben. Neben Kaufleuten und dem Vorrecht der Jugend gemäß sehr temperamentvollen Hochschülern befanden sich zahlreiche Messebesucher, die sich ein famoses Bild über die „Gewerbeförderung" in unserer Stadt gemacht haben dürften. Sie werden wohl erstaunt darüber gewesen sein, wie in Wien, das immer wieder fremde Geschäftsleute anzuziehen versucht, auf einer der lebhaftesten Verkehrsstraßen ein Lokal damit Propaganda für sich (und gegen die Fremdenstadt Wien) machen will, •daß es seine wohlriechenden Produkte mit übelriechender. Judenhetze garniert. Die Behörden — P r e s s est a a t s a n w ä 11 und Polizei ' — haben sich bis vor kurzem den zahlreichen Anzeigen gegenüber auf folgenden Standpunkt gestellt: Die zur Schau gebrachten Zeitungsausschnitte haben seinerzeit schon die Zensur passiert und da sie dabei unbeanstandet geblieben sind, hat jeder Geschäftsinhaber das Recht, sie in seinem Schaufenster anzuschlagen. Eine echt österreichische Logik! Weil zu Beginn ein Unrecht geschehen ist ohne daß der berufene Herr Pressestaatsanwalt eingeschritten ist, darf diese böse Tat fortzeugend Böses nur gebären. Dazu kommt noch ein zweites Faktum: Für unsere Polizei, die oberste Hüterin der Ordnung, muß erst ein öffentliches Aergernis gegeben sein, «he sie ihren komplizierten Apparat in Bewegung setzen kann. Die gegen die Judenhetze auf dem Graben geführte Pressepolemik in jüdischen und demokratischen Blättern, die mit entrüsteten Zuschriften aus allen Teilen der Stadt belegten Anzeigen kompetenter Korporationen, insbesondere der Kultusgemeinde, boten der Polizei bisher schwer die Handhabe, dieses für ihr Einschreiten erforderliche „öffentliche Aergernis" zu konstatieren. Erst die turbulenten Vorfälle haben die Polizeidirektion, wie wir an anderer Stelle berichten, zu einem Einschreiten veranlaßt. Wir hatten beinahe täglich Gelegenheit, in Wort und Schrift geäußerter Empörung über eine Judenhetze und ihre bisherige Duldung zu begegnen, die einer Großstadt, wie sie Wien doch sein will, unwürdig ist. Deshalb begrüßen wir den wenn auch sehr spät erfolgten Schritt unserer Polizeidirektion. Vor dem Bericht der Shaw-Kommission. Die Londoner Zeitschrift „Daily News" glaubt, daß der von der parlamentarischen Palästina-Kommission, die unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw die Ursachen der Augustunruhen in Palästina untersucht hat, der Regierung erstattete Bericht wahrscheinlich in der Empfehlung einer umfassenderen Interpretation der Balfour-Deklaratton betreffend die Errichtung eines National- Heimesfür die Juden in Palästina ausklingen wird. Die Kommission, meint „Daily News", vertritt den Standpunkt, es sei noch nicht die Zeit gekommen, daß in Palästina die Zionisten die Kontrolle übernehmen. Zwar hat nach dieser Richtung das Arbeitermitglied der Kommission, Harri' S n e 11 seinerseits Vorbehalte gemacht, sonst aber ist der Bericht einmütig abgefaßt worden. Die Festsiellungen über die Unruhen und ihre Ursachen, heißt es in dem Artikel von „Daily News", sind wahrscheinlich im allgemeinen den Arabern günstig. „Daily News" schließt: der Bericht wird wohl die Fragen der Zukunft des britischen Mandates in Palästina in ihrer Gesamtheit aufrollen. Im Gegensatze zur „Daily News" erfährt „Daily Telegraph", daß der Bericht keine Feststellungen zugunsten der einen oder der anderen Partei enthält und auch keine Anregung über die Bildung einer gesetzgebenden Körperschaft gibt. Wohl sei diese Frage von der Kommission in Erwägung gezogen, dann aber fallen gelassen worden. Hingegen werden allgemeine Vorschläge über Aenderung des Verwaltungsapparates und Personenwechsel in verschiedenen Verwaltungsposten gemacht. Eine Revision des Mandates wird nicht einmal angedeutet (?) Ein großer Teil des Berichtes soll sich mit der Bodenfrage befassen. Wie die JTA erfährt, rechnet man in eingeweihten Kreisen mit einer weiteren Verzögerung der Veröffentlichung des Berichtes, den die Regierung noch nicht entgegengenommen hat, weil sie sich veranlaßt gesehen hat, der Kommission gewisse Aenderungen vorzuschlagen. Es handelt sich hierbei um EHnrimerung: jener Vorschläge und Empfehlungen, die die Häüptrichtiinien der englischen Politik in Palästina berühren und die außerhalb der Befugnisse der Untersuchungskommission liegen. Revision im Prozeß Hinkis. Das Jerusalemer Appellationsgericht hob das vom Jaffaer Distriktsgericht gegen den TelAvi'verjüdischenPolizistenSimcha Hinkis gefällte Todesurteil auf und verurteilte Hinkis zu 15 Jahren Gefängnis. Das Jaffaer Gericht nahm auf Grund von Aussagen arabischer Zeugen und von Sachver- Telepbon 319 $frCII2| rHD€ll Telephon 319 "ft73 Pessnch in Baden im Hotel - Restaurant SCHEY, Baden b. Wien, Annagasse Nr. 3 unter persönlicher Leitung des Besitzers David Schey Ganze V«»rK»u«^nnst - Frühstück: Kaffee, Mazzes Hittagmahl: Suppe. Braten (nach Wahl event. Geflügel), Beilage, Mehlspeise Jause: Kaffee, Mazzes Nachtmahl: Fleischspeise (nach Wahl), Beilage ■»«&■> TeBst S lO - GroOe Portionen. Anerkannt beste Kacne Größtes jüdisches Etablissement Badens sämtlich« Lokalitäten gänzlich renoviert Schone Zimmer, einbettig von S 4»—p zweibettig von S 6.— per Tag aufwärts Anmeldungen werden bis 11. April entgegengenommen ständigengutachten an, daß Hinkis während der Unruhen im August 1929, bei welchen eine Anzahl Juden aus Tel Aviv von Arabern getötet wurde, in das Haus einer arabischen Familie zwischen Jaffa und Tel Aviv eingedrungen war und fünf Glieder dieser Eamilie vorsätzlich niederschoß. Das Appellationsgericht hat sich der Annahme einer vorsätzlichen Handlung nicht angeschlossen, glaubte aber, daß die Beweise für die Täterschaft Hinkis hinreichend seien, um ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Der Verteidiger des Tel Aviver jüdischen Polizisten Hinkis, Dr. Eliash, teilte mit, daß Hinkis auch gegen das Gefängnisurteil des Appellationsgerichtes Berufung beim Prfvy Council (Kronrat) zu London einlegen wird. Als das Appellationsgericht unter dem Vorsitz von Oberrichter Mac Donnell die Aufhebung des Todesurteiles gegen Hinkis aussprach, wurden Hinkis sofort die Ketten abgenommen, auch wurde er des Scharlachgewandes, das der zum Tode verurteilte Gefangene zu tragen hat, entkleidet, worauf ihm seine Zivilkleidung zurückgegeben wurde. Die Verkündung der Aufhebung des Todesurteiles hat unter den Juden Jerusalems unbeschreibliche Freude hervorgerufen. Die Leute, die vor dem Gerichtshause auf die Urteilsverkündung warteten, umarmten sich und beglückwünschten einander, als das Urten" bekannt wurde. Die Zeitungen veranstalteten Extraausgaben. Die Verfolgung der indischen Religion in Sowjetrußlamt Das Unterhausmitglied A. M. Samuel. Finanzminister im früheren konservativen Kabinett und Oberhaupt einer der ältesten jüdischen Familien Englands, richtete an den Außenminister Henderson eine Anfrage wegen Verfolgung der jüdischen Religion in Rußland. Als er mit den Worten begann: „Ich appelliere im Namen des Glaubens, dem ich angehöre", wurde er von Parlamentariern der Arbeiterpartei, die nicht wünschen, daß die Fiage einer Intervention in Rußland wegen der Glaubensverfolgung erhoben wird, in tumultuöser Weise unterbrochen. Henderson beantwortete Samuels Frage mit den Worten: Es ist für uns sehr günstig, wenn jemand im Namen eines in unserem Lande vertretenen Glaubensbekenntnisses einen Appell macht, aber es ist sehr schwer festzustellen, was die Regierung tun kann, um den Glauben zu schützen, dem das ehrenwerte Mitglied angehört. In Rußland ist der antireligiöse Druck seit vielen Jahren ein Merkmal der Sowjetpolitik. Ich sympathisiere durchaus mit der Sache der religiösen Freiheit, aber ich kann den Glauben nicht teilen, daß irgendeine Handlung der Regierung im Rahmen ihrer Befugnisse geeignet sein würde, das Ziel der religiösen Freiheit zu fördern. •i Die Agency-Vertretung in der Klagemauerkommission. Dr. Cyrus Adler wurde von Prof. Weizm a n n ersucht, die Jewish Agency bei der vom Völkerbund einzusetzenden Kommission für die Untersuchung der Verhältnisse an der Klagemauer zu vertreten. Die Ernennung der Kom- QBOSSBR MUSIKVEREINS-SAAL Montag, den 24. März 1930 um halb 8 Uhr abends KlawIcfAbeod JULIUSZ WOLFSOHN PROGRAMM: BRAHMS: Sonate F-Moll op. 5. Allegro maestoso — Andante espressivo — Scherzo, Allegro energico — Intermezzo (Rückblick) — Finale. Allegro moderato ma rubato. IL'L. WOLFSOHN: Fünf Stimmungsbilder aus der Kinderwelt (Uraufführung, Manuskript). An der Wiege — Schlimme Schulbuben und der Lehrer — Märchenerzählung — Fest der Lichter (Chanuka) — Bei der Hochzeit der Schwester. CHOPIN: Preludien As-Dur, D-Moll. Prelude As (Nachlaß) — Etüde Cis-Moll — Walzer As-Dur - Mazurka A-Moll — Polonaise Fis-Moll. Klavier Bösendorfer. Karten zum Preise von 2, 3» 4, 5 und 6 S Im Büro der „Union", IX, Berggasse 4 (Tal- Nr. A 19-2-77) erhältlich.