Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Ford und die „ Weisen von Zion". UFA-TON-KINO Der Berliner Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat sich ein großes Verdienst erworben, indem er Henry Ford veranlaßt hat, noch einmal eine öffentliche Absage an den Antisemitismus und an die „Protokolle" abzugeben. (Vgl. „Die Wahrheit' Nr. 7.) Durch die Fordvertretung in Berlin richtete der genannte Verein an Henry Ford in Detroit die Anfrage, ob etwas Wahres an der in Deutschland und in Amerika kolportierten Behauptung sei, daß bei der Abfassung der Fordschen Zeitschrift „The Dearborn Indepedent' und des international Jew" der Chef der russischen Ochrana in Paris, Ratschkowski und sein Gehitfe Manuilow-Monassewitsch die Hände im Spiele hatten. In einem Briefe an den genannten Verein stellte das die Berliner Ford-Vertretuug im Namen ihres Chefs entschieden in Abrede und fügte hinzu: „Henry Ford gehört zu den Wenigen, die den Mut aulbringen, zu sagen: Ich habe mich geirrt, ich kehre um." So lobenswert es von Seiten des Herrn Ford ist, jetzt wieder die Welt daran zu erinnern, daß er seinen so lange und so intensiv propagierten Glauben an die „Protokolle der Weisen von Zion" im Juli 1927 widerrufen hat, so muß man doch betonen, daß er irrt, wenn er glaubt, daß dieser Widerruf in der Welt die gewünschte Wirkung hervorgerufen und beim Publikum die „Protokolle" als das hingestellt hat was sie sind, nämlich als eine gemeine verbrecherische Fälschung der Ochrana. Schon daß eine so ernsthafte und vornehme Körperschaft wie der oben erwähnte Verein bemüßigt ist, sich noch jetzt mit den Dingen zu beschäftigen, beweist das Gegenteil. Weiter unten zitiere ich einen Brief aus Amerka, der darlegt, welches Unheil Herr Ford mit seiner achtjährigen Propagandader „Protokolle" in Amerika angerichtet hat Was Europa anbetrifft so möge hier nur das Zeugnis eines angesehenen Mannes zitiert werden, des New Yorker Predigers Dr. Stephan Wise. In der November- Ausgabe der „J e w i s h T r i b u n e" schreibt er: „Kann ein Mann von sich sagen, daß er widerrufen habe, solange er nicht auf die Austilgung der Folgen seiner Verleumdung ebensoviel Zeit Kraft und Mittel verwendet wie er darauf verwendet hatte, sie auszustreuen? Europa ist heutzutage überflutet mit derartigen Publikationen. In einer Bahnhofsbuchhandlung eines Schweizer Dorfes habe ich im Oktober dieses Jahres zwei unsagbar schmutzige Bücher über die Judenfrage gefunden, die nach meiner festen Ueberzeugung ohne die moralische und, wie ich glaube, auch ohne die materielle Förderung durch den Fordschen Prapagandaapparat nicht hätten veröffentlicht werden können. Es genügt nicht zu sagen: „Ich widerrufe". Hier müßte eine andächtig ernsthafte Anstrengung .gemacht werden, um den Widerruf in allen kultivierten Kreisen Europas mit derselben systematischen und geschickten Propaganda zu verbreiten, welche auf die Ford-Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen angewendet wird, damit der Widerruf überall hindringt wohin die giftgeschwollenen Publikationen gedrungen sind, die nur Uebersetzungen und Bearbeitungen von Fords Buch „The International Jew" sind, welches mit der schreienden Reklamemarke „Das größte Weltproblem" in die Welt hinausgeschickt wurde. Dieser „Internationale Jude" ist in ganz Europa zum Schreckgespenst geworden. Man malt sich den Juden aus als ein Wesen, das in dem einen Lande haust seine Treue und Ergebenheit aber einem anderen Lande widmet ein Wesen, das keine Heimat kein Vaterland hat. keine Loyalität kennt eine Art Findling und Zigeuner ohne Treu und Glauben." Im Februar 1928, also kaum ein halbes Jahr nach Henry Fords Widerruf, der von der gesamten Presse beider Hemisphären laut verkündet wurde und dem Bekennermut des Herrn Ford so viele Lorbeeren einbrachte, wurde eine neue englische Ausgabe der „Protokolle" mit Einleitungen und erklärenden Anmerkungen aus der Ford-Literatur in Ostasien verbreitet nicht für die Chinesen auf Chinesisch, sondern auf Englisch für die in Ostasien wohnenden Europäer, hauptsächlich Russen von der Weißgardistischen Couleur, die auch die eifrigsten Verbreiter Von Binjamin Segel. des Machwerkes unter den Europäern in China und Japan sind. Es entspann sich eine wilde, Polemik zwischen den Organen dieser Kreise und der jüdischen Zeitung „The Jewish Messenger" in Shanghai, welche fortwährend behauptete, die'.Protokolle" seien eine Fälschung. Aber als Beweis konnten die Juden nur ein mageres, aus Amerika bezogenes Büchlein aus dem Jahre 1920 anführen, in dem noch nicht einmal die im Juli 1921 gemachte Entdeckung erwähnt war, daß die „Protokolle" Zitate aus Jolys Schrift von 1862 enthielten. Daß wir in Deutschland bereits seit 1924 den strengsten, juristisch unanfechtbaren Beweis in Händen hatte, daß die „Protokolle" im Jahre 1906 in Petersburg verfaßt wurden, also keinesfalls 1897 in Basel auf dem Zionistenkongreß vorgelesen worden sein konnten, davon hatte man in Amerika und Ostasien nicht die leiseste Ahnung. Und so haben denn dort die Juden den Kürzeren gezogen und es herrscht die Ueberzeugung, daß fast alles, was die Juden angeblich in den „Protokollen" bekennen, pure Wahrheit ist. In Polen, wo die „Protokolle" schon 1919 übersetzt worden sind, und eine enorme Verbreitung gefunden haben, gaben sie Veranlassung zu dem Steiger- Pro z e ß, da der Glaube herrscht daß die Juden es auf die Staatsoberhäupter abgesehen haben, durch deren Beseitigung, wie es in den „Protokollen" heißt, „auf alle Fälle unter die Gojim Verwirrung und Chaos gestiftet wird". Für die jüdische Weltverschwörung wurde in Polen ein eigener Terminus geprägt das „anonyme Weltreich" (anonimowe panstwo), das über allen Staaten steht und alle in gleicher Weise bedroht. Im Herbst 1928 wurde die weite Verbreitung dieses Glaubens sogar in einem gerichtlichen Urteil als Befreiungsgrund angeführt. In Bulgarien verbreitete der dortige nationalistische Verein eine Uebersetzung der „Protokolle" und Fords „Internationalen Juden", was sogar zu kleinen Pogromen Anlaß gab. Das gleiche war der Fall in Litauen. In Saloniki brachten zwei Tagesblätter gleichzeitig Uebersetzungen der „Protokolle", die nachher in Broschürenform erschienen. In Südamerika erschienen gleichfalls Uebersetzungen ins Spanische und Portugiesische. Das alles erfolgte in dem Jahr nach Fords Widerruf vom Juli 1927. Es ist, wie wenn dieser Widerruf nicht nur die Verbreitung der „Protokolle" nicht gehemmt sondern ihnennurnocheine riesige Weltreklame gemacht hat so daß sie sich immer neue Länder erobern. Von einer arabischen Uebersetzung der „Protokolle" in Damaskus hörten wir schon im Jahre 1925. Der päpstliche Legat v6n Palästina, Barlassina, soll sie gefördert haben/ Im Jahre 1928 rühmte sich ein Berliner Herr, der zufällig in Palästina war, daß er kraft seines „hohen Einflusses!' bei->der»dortigen Regierung ein Verbot dieser Schrift bewirkt habe. Hätte er doch lieber eine Broschüre verbreitet, die die „Protokolle" als Fälschung demaskierte! Das Verbot hatte offenbar entgegengesetzte Wirkung, denn erst vor kurzem lasen wir von einer neuen arabischen Uebersetzung, Wien II., Taboriir Telephon R 42-3-41 all 8 Der neueste spre<hand Tonlllm der JOE MAY-Prodahllon der OTA Liane Haid u. Gustav Fröhlich in Der im«* Lump Musik von Ralph Benafzky Regie: Gustav Fröhlich Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr An Sonn- und Feiertagen ab 4 Uhr Iii die im ganzen Orient verbreitet wird .... Und vor der Untersuchungskommission in Jerusalem durfte der Großmufti von Jerusalem sich auf die „Protokolle" berufen zum Beweise für die Welteroberungspläne der „Weisen von Zion". Der Vertreter der Juden aber wußte nicht, daß diese „Protokolle" in Berlin schon im Jahre 1924 als dreiste Fälschung entlarvt wurden, sondern berief sich auf die „Times", die die „Protokolle" angezweifelt haben. Der Gegner konnte sich mit Recht auf eine andere Nummer derselben „Times" berufen, die vom 8. Mai 1920, als die englische Uebersetzung der „Protokolle" soeben erschienen war; das große englische Blatt schlug förmlich Alarm und forderte eine öffentliche Untersuchung über die „geheime Weitverschwörung der Juden". Das Blatt schrieb u. a.: „Haben wir diese traurigen Jahre hindurch gekämpft um die deutsche Weltherrschaft zu sprengen und zu vernichten, damit wir hinter ihr eine viel gefährlichere, weil heimliche entdecken? Sind wir mit Anspannung jeder Fiber unserers Volkskörpers dem deutschen Joch entronnen, um uns dem jüdischen zu unterwerfen?" Es ist kein Wunder, daß die Erklärung des Muftis und sein Exemplar der „Protokolle" zu den Akten der Untersuchungskommission gegeben wurden. Das Machwerk des russischen Fälschers hat also die Ehre, in den Akten einer welthistorischen englischen Regierungskommission als ernstes Beweisstück zu figurieren. In Ungarn erschien erst im vorigen Sommer eine neue, mit dem ganzen umfangreichen, aus Fords „Internationalem Juden" herübergenommenen Kommentar ausgestattete, prächtig gedruckte Uebersetzung der „Protokolle", die offenbar eine Nachahmung der Wiener Ausgabe der „Wissenden von Wien" vom Jahre 1925 ist Die Ausgabe hatte das Glück, von der Behörde veri boten zü werden. Seither herrscht eine nicht zu befriedigende Nachfrage nach dem Buch, obwohl exorbitante Preise dafür gefordert werden (50 bis 100 Pengö). ■ (Fortsetzung folgt.) Stossen. Die SnboUcoer Judlsdie Neologe IfflltHSgeinelllde sucht einen musikalisch gebildeten OBERKANTOR der auch in den alttraditionellen Gesangsweisen versiert ist Gottesdienst mit Orgel und Chor-Reflektanten unter 40 Jahren wollen ihre mit Photographie versehenen Offerte, denen glaubwürdige Dokumente beizulegen sind, bis 1. Mai 1930 dem Vorstande einsenden. Reisespesen werden nur denen vergütet, die der Vorstand zum Probegesang beruft Gehalt nach Vereinbarung. Ansprüche sind anzugeben. Subotica (Jugoslawien), am 6. März 1930. Der rorsfofli Fast in der Stunde, in der die Juden in der Synagoge die Megillah lasen, in der von der endgültigen Erhöhung berichtet wird, die Exzellenz Haman, der große Premierminister des Königs Ahaswerosch erfuhr, veröffentlichten Wiener Abendblätter den antisernitischen Antrag, den der kleine thüringische Haman im deutschen Reichstag eingebracht hat. Wir leben in milderen Zeiten, wenn man jetzt nur den Antrag des kleinen Haman niedriger hängt, so kann man dafür wenigstens — lachen. Wenn das Wort Voltaires wahr wäre, daß Läclierlichkeit tötet, so wäre über den thüringischen Innenminister Frick allerdings auch schon die ihm vom Herzen gebührende sanftere Todesart verhängt. Der Thüringer Innenrriinister äußerte seine Verachtung der Juden in dem Vorschlag, daß Deutsche, die sich mit Angehörigen der jüdischen Volksgemeinschaft oder einer farbigen Rasse vermischen, als Rassenverräter eingesperrt werden. Ganz ohne Ueberzeugung ist der Komiker doch nicht vorgegangen. Er hat Farbe bekannt, aber er verlangte nicht, daß das von ihm gewünschte Gesetz auch rückwirkend sei, was im Grunde genommen schließlich auch nicht unvernünftiger gewesen wäre. Aber Herr Frick bedachte offenbar, daß man auch mit den vorhandenen Zuchthausräumen rechnen müßte. * * * Der Antrag Fricks ist unter allseitigem schallenden Gelächter begraben worden. Es gibt zu viele deutsche Antisemiten, die trotz ihrer sonstigen politischen Gesinnung die Genealogie ihrer Familie kennen und es deshalb nicht wünschen, daß in Zukunft Gesinnungsgenossen die lebenslängliche Ehe mit einer geliebten Jüdin im voraus mit einer zweijährigen Zuchthausstrafe bezahlen. Die Juden sollten übrigens auch einige .MUderungsgTünde bei Beurteilung des Thüringer Ministers gelten lassen. War es nicht wirklich lieb von ihm, daß er nur für den einen Partner bei einer Mischehe das Zuchthaus forderte nicht für beide? Er läßt mit sich handeln. und Fast wird man in dieser Vermutung bestärkt, wenn man die weiteren Anträge des Thüringer Innenministers bedenkt, darunter auch den, der „in Fällen, die von besonderer Roheit und Gemeinheit der Gesinnung zeugen, die körperliche Züchtigung" dekretiert. Sollte er da vielleicht gar in erster Linie an jene von ganz „besonderer Roheit und Gemeinheit" zeugenden Ausschweifungen hakenkreuzlerischer Exzedenten gedacht haben, die sich in der Schändung jüdischer Friedhöfe austobt Einen Tag, bevor Herr Frick seinen Antrag stellte, konnte er zu der Meldung, daß auf dem jüdischen Friedhof in Lichtenfels letzte Woche zehn Grabsteine demoliert wurden, im „Berliner Tagblatt" lesen: „Es wird in Bayern bald keine Stadt mehr geben, die nicht Schändungen israelitischer Totenstädte zu verzeichnen hat, was zweifellos auf die wüste Hetze der nationalsozialistischen Presse zurückzuführen ist." Wenn Herr Frick für derartige Exzesse körperliche Züchtigung vorschlägt, so läßt sich das wirklich hören, auch wenn man in unseren Tagen von dem Werte solcher Abschreckimgsmittel nichts hören wül. $ $ * Die Inhaberin des antisemitischen Parfümerieladens in Wien unterstützte sinngemäß ihre Produktionen durch Plakatierung antisemitischer Zeitungsausschnitte, die von den unflätigsten Beschimpfungen der Juden strotzen. Der Herr Staatsanwalt wurde durch die antisemitische Chefin des Parfümeriegeschäftes sozusagen mit der Nase auf den aufhetzenden Inhalt dieser wie Stinkbomben wirkenden Presseerzeugnisse gestoßen. Meint sie, der Herr Staatsanwalt wird sich auch da Nase und Augen zuhaltend'sagen: „Non .olet." Ego.