Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WäAKftiMMIl ***cM.a^^«■c«iaiLwjJ^w>\.itjr<j..i.Pi ■■ i-^n Seite 6 DIE WAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUEREI HIGH, KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE* XVIH., W&HRINQERSTRASSE ST Telephon Nt. A 17.3-99 und A 16-9-34 Llafarant für Hallansta Uan AbteilungenfürKoscherfieisch ■mtcr Aufsicht des ehrar. Rabbinate« der •w. KultasgemBind« Wian. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen mission steht in Bälde bevor, wie der englische Kolonienminister im Unterhaus mitgeteilt hat. Dr. Cyrus Adler ist bekanntlich Rektor des Jüdisch-Theologischen Seminars von Amerika und des Dropsie College in Philadelphia, Präsident des „American Jewish Committee" und (nichtzionistisches) Mitglied des Rates der Jewish Agency. Das Agency-Schema. Herr Felix M. W a r b u r g, Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency, tritt in einer Erklärung den Ausführungen des Londoner „Jewish Chronicle" entgegen, in welchen ihm vorgeworfen wurde, er habe, ohne die Zionistische Exekutive zu Rate zu ziehen, ein Schema der internationalen Wirksamkeit der Agency und eine Einteilung der Agency-Mitglieder in Kommissionen ausgearbeitet. Hätte „Jewish Chronicle", erklärt WarbHrg, Interesse gehabt, die wirklichen Tatsachen zu erfahren, so hätte diese Zeitung doch bloß beim Londoner Zionistischen Büro nachzufragen brauchen, und sie wäre von jenen Zionisten eines Besseren belehrt worden, die bevollmächtigt waren, die zionistischen Freunde für diese versuchsweisen Beratungskomitees zu nominieren. Wir haben, schließt Warburg, das Schema der Zionistischen Exekutive in London zur Prüfung unterbreitet und erhielten postwendend ihre Vorschläge und Empfehlungen. Wird Dr. Magnes zurücktreten? In Jerusalem zirkuliert das Gerücht, daß Dr. J. L. Magnes beschlossen hatte, von seinein Amt als Kanzler der Hebräischen Universität zurückzutreten; als Grund wird die von verschiedenen zionistischen Kreisen an seiner Tätigkeit, im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Verbreitung seiner Broschüre „Like All the Nations?" geübte Kritik angegeben. Der Protest-Streik in Polen. Der vom Jüdischen Parlamentsklub als Protest gegen den auf der jüdischen Kaufmannschaft und Handwerkerschaft lastenden übermäßigen Steuerdruck für Dienstag, den 11. März proklamierte Streik wurde in allen Städten Polens in imposanter Weise durchgeführt. Die jüdischen Geschäfte waren geschlossen, die Handwerker feierten, stark besuchte Protestkundgebungen wurden abgehalten. Der Centraiverband der jüdischen Kaufmannschaft, der Verband der jüdischen Kleinhändler und der Centraiverband der jüdischen Handwerker haben gemeinsam mit dem Centraiverband der christlichen Kleinhändler und dem Verband der polnischen Handwerker einen offenen Brief an die Regierung, den Sejm und die gesamte Oeftentlichkeit gerichtet, in welchem auf die verzweifelte Lage der Händler und Handwerker als Folge des Steuerdruckes hingewiesen und an die Regierung wie an den Seim appelliert wird, besonders die unerträgliche Umsatzsteuer zu vermindern, weil sonst das Wirtschaftsleben in eine Katastrophe gerät, deren Entwicklung unabsehbar ist. Judenriecherei. Nachdem der antisemitische „F r i d e r i c u s" durch seine Hetze den preußischen Minister Greszins k i zu Fall gebracht hat. nimmt er großmütig den „Vorwurf" jüdischer Abstammung zurück (freilich nur, weil er auch sonst genug an ihm auszusetzen findet), aber immerhin schreibt er folgendes: „Ganz zu schweigen von den des öfteren gegen den Minister erhobenen Vorwürfen, er sei der uneheliche Sohn eines Mannes namens Cohn. Erstens kann der Minister, wenn das wirklich der Fall sein sollte, ja nicht dafür, denn seine Eltern kann niemand sich selber aussuchen und zum anderen stimmt die Sache mit Cohn, wenigstens nach meinen Informationen nicht Und dem Teil der nationalen Presse, der diese Sache mit Cohn immer und immer wieder durchwalzt, darf geraten werden, sich freundlichst genau zu informier e n." Diesen Rat könnte man den Antisemiten oft erteilen. Hier und da erlebt man aber doch seine Freude. Daß ausgerechnet der „Hammer" des Herrn Fritsch sich gegen die kindische Judenriecherei wenden würde, hat uns jedenfalls einen von dieser Seite gänzlich unerwarteten Genuß bereitet' Der „Hammer" schließt nämlich einen von seinem Redakteur Rudolf Linke verfaßten Aufsatz über den 1921 verstorbenen Max Bewer mit folgenden resignierten Sätzen: „Dieser leidenschaftliche Vorkämpfer des Deutschtums, der seine bürgerliche Existenz seinen politischen Ueberzeugungen zum Opfer brachte, hatte eine Jüdin zur Mutter. Es ist bezeichnend, daß diese Tatsache, obgleich sie nicht verborgen bleiben kennte, der Wirkung Bewers keinen Abbruch getan hat. Die völkischen Kreise waren damals noch unbefangengenug, die Bewertung eines Menschen in erster Linie von seinen Leistungen abhängig zu machen. Heute, das darf man wohl sagen, wäre das nicht mehr möglich. Man würde die beste Kraft eines solchen Menschen durch fortgesetzte hämische und kränkende Hinweise aut seine A bstammung, verbunden mit Verdächtigungen der Reinheit seiner politischen Uoberzeugung brachlegen. Die Entscheidung darüber, ob darin ein Fortschritt zu erblicken ist, sei den nachdenklichen Lesrn dieses Aufsatzes überlassen." Zu den nachdenklichsten Lesern des „Hammer*' gehört sicher der Führer der Berliner Nationalsozialisten Dr. Goebbels. In seinem „Angriff" findet sich anter der „Kleinen Chronik" die Feststellung, .laß zum 70. Geburtstag des Germanisten an der Hrager Universität Prozessor Dr. Ernst Kraus bedauerlicherweise „auch die deutschbewußten Zeitungen Deutschlands Festartikel gebracht" hätten, weil Kraus ein Vorkämpfer des Deutschtums in der Tschechoslowakei zu sein behaupte. „Vielleicht", so belehrt Magister Goebbels diese unaufmerksamen Schüler, „vielleicht würden diese Festartikel weniger herzlich ausgefallen sein, wenn allgemein bekannt gewesen wäre, daß Professor Kraus, wie jetzt nachträglich bekannt wird, J u d e ist!'* Angesichts einer solchen Auslassung hat man nur die Wahl, was man mehr bewundern soll: die Dummheit dessen, der solches schreibt, oder die nationale Verwahrlosung, die es fertig bringt, einem der besten Deutschen im Ausland sein Deutschtum abzusprechen, weil seine Nase Herrn Göbbel nicht paßt. Ein jüdisches Parlament in Palästina. Das Judentum Palästinas wird in den nächsten Wochen gemäß der eben erfolgten Publikation des neuen' jüdischen Gemeindegesetzes die „Assefat Haniwchari m" bestellen, die erste vom Volke gewählte Repräsentation des modernen palästinischen Judentums. Diese Körperschaft stellt die oberste politische Behörde für die Juden des Landes dar. Der neue Rat wird aus 71 Mitgliedern bestehen, entsprechend der Mitgliederzahl der einstigen Sanhedrin. Das aktive Wahlrecht wurde auf 20 Jahre festgesetzt und erstreckt sich auch auf Frauen. Jeder, der sich in das Stimmregister eingetragen hat, kann wählen; gewählt werden können Männer oder Frauen über 25 Jahre, die hebräisch lesen und schreiben können. Zur Stimmberechtigung genügt der einjährige Aufenthalt im Lande. Die Versammlung bestellt jedes Jahr aus ihrer Mitte den „W a a d Lenm i", welcher das Recht hat, von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinden Steuern für Zwecke der Erziehung, Wohlfahrt, Verwaltung usw. zu erheben. Das Budget des „Waad Leuini" und die von ihm erhobenen Steuern bedürfen der Genehmigung des Oberkommissärs. Obwohl der „Assefat Haniwcharim" in der Hauptsache lokale Probleme des Landes zu lösen bestimmt ist, werden den Wahlen politischer Charakter beigemessen. Die Wahlen müssen spätestens einen Monat nach der soeben erfolgten Veröffentlichung des Gesetzes über die Organisation der jüdischen Gemeinschaft in Palästina stattfinden. Jabotinskys Rückkehr nach Palästina unerwünscht. Wie der JTA-Vertreter erfährt, wurde einem Kreis von Freunden Jabotinskys in Palästina seitens einer palästinensischen amtlichen Stelle zu verstehen gegeben, daß eine Rückkehr Jabotinskys nach Palästina den Behörden unerwünscht sei. Grund hierfür ist, wie man glaubt, die von Jabotinsky kurz vor seiner Abreise aus Palästina gehaltene Ansprache, sowie einige von ihm später in der Palästina-Presse veröffentlichte Artikel. Rücktrittsabsichten Sir John Chanceliors? In Jerusalem heißt es, daß Sir John Chancellor sich mit der Absicht trägt, von seinem Amte als Oberkommissär Palästinas, das er im Juli 1928 übernommen hat, zurückzutreten, und daß seine jetzige Tour durch die Städte und Kolonien Nordpalästinas als eine Abschiedstour gedacht ist Lederhandschuhfabrik Josef TjasCmger L, Rotenturmsfraße 23 Telephon U »-3-29 * EL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 S EP ER ABENDE, Am 12. und U April werden im Restaurant sAionoN ORUMER Wien II., Zirkusgasse 30, Telephon R 43-1-60 Scderabende abgebalten. neuhhaiuges resimahi a la Carle Karmel-u.Tlsdiwelne sdielPessadi. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. Veröffentfidfungen der Vnion öeutsdjösterreidfiscQen Juden Bezirksorganisation XVI/XVII der „Union". Mittwoch, den 12. d. M. fand eine sehr gut besuchte Sitzung der Vertrauensmänner der Bezirksorganisation XVI/XVII der „Union" unter Vorsitz des Herrn Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch statt, die der Besprechung der Aktivierung der Bezirksorganisation gewidmet war. Von der Zentrale waren die Herren Dr. Karl Steiner, Reg.-Rat Dr. Max Lenk und Sekretär Oskar Hirschfeld erschienen, von denen der Erstgenannte ein eingehendes Referat über die Ziele und Zwecke der „Union" und die Wichtigkeit ihrer Bezirksorganisationen erstattete, das mit großem Beifall aufgenommen wurde. An der darauffolgenden äußerst lebhaften Debatte beteiligten sich u. a. die Herren Reg.-Rat Dr. Max Lenk, der über den Kampf gegen den jüdischen Nationalismus sprach, Sekretär Oskar Hirschfeld, der die Frage der Jewish Agency behandelte, ferner die Herren Samuel Deutsch, Gottlieb D r a b, Jakob Engel, Rudolf Geiger, Ottomar K a t z, Leopold Löwing e r und Siegmund W e i 1 e r. Es wurde schließlich die Konstituierung der neuen Ortsgruppenleitung vorgenommen und erscheinen gewählt: zum Obmann: Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch, zum Obmann-Stellvertreter die Herren Samuel Deutsch, Gottlieb D rab und Jakob Engel, Schriftführer: Rudolf Geiger, Kassier: Leopold L ö w i n g e r. In kürzester Zeit soll eine große Versammlung stattfinden, in der wahrscheinlich Herr Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n über die Wiener Kultusgemeinde sprechen wird. Außerdem ist, einer Anregung der Herren Samuel Deutsch und Jakob Engel zufolge, die Gründung einer eigenen Jugendgruppe der Bezirksorganisation geplant. Ueberhaupt scheint die Ortsgruppe unter ihrer neuen Leitung einen vielversprechenden Aufschwung zu nehmen. ■ B a ai Union denfschöslerrelchlscher Joden S Mitgliedschaft V1/V1I g EINLADUNG g zu der am ■ Mlllnodi, den 26. narz, 7,0 Uhr abends, 5 im Saal des Cale „narlahlll", Wien VI., 5 MarlahliferslraDe 89 a 2 stattfindenden ■ ¥er$ammlun£ g TAGESORDNUNG: ■ •luden vor O-ericfiti' S Referent: Dr. Heinrich nerbafsdieh S Anschließend Diskussion ■ Gäste willkommen! g Das Präsidium der 5 „Union dentsdiftsterr. Juden' in* UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN. _Ortsgruppe Floridsdorf._ Einladungzu dem am Donnerstag, den 27. März 1930, 8 Uhr abends, im Kaffee-Restaurant „Goldener Engel", Wien XXL, Am Spitz 3 - stattfindenden Sprediabend Tagesordnung: „Das Plannen yod der Dlnlbesdiuldiöang' Referent: Dr. Karl Steiner. Anschließend Diskussion. Gäste, auch Damen, willkommen! Für die Ortsgruppe XXI der „Union" Der Obmann: Dr. Julius Grünwald. Herbet und vcrbrBitßt.Die Nahrbeit*!