Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 11 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064145-3064156--17819-3082784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
- Safed 1× ep/1046078
- Subotica 1× ep/1048123
OCR text
Seite 8 DIE WAHRHEIT August-Unruhen Schaden erlitten haben, bewilligt; davon werden 80.000 Pfund — wie die hebräische Tageszeitung „Hazman" erfährt — zur Entschädigung von Joden und 20.000 Pfund zur Entschädigung von Arabern verwendet werden. Ein jüdischer Erfinder. Die Magdeburger Presse aller Richtungen, ebenso wie die Presse im gesamten Reiche, befaßt sich eingehend mit den gelungenen Modellvorführungen des absturzsicheren Flugzeuges, dessen Erfinder ein in Magdeburg wohnhafter Jude, Herr Rudolf Schul, ist. Schuls Modell ist ein schwanzloses Segelflugzeug, die Konstruktion dem Vogelflug nachgebildet Das Modell wird in die Luft geschleudert, gleichgültig aus welcher Richtung immer, es fliegt verblüffend sicher und kann in keinem Falle abstürzen. Die Fachleute sind der Ansicht, daß diese Erfindung für den Flugverkehr, auch bei Motorflugzeugen, von weittragender Bedeutung sein wird. Die Junkerswerke in Dessau sind bereits dabei, die Erfindung von Rudolf Schul wissenschaftlich und praktisch durchzuprüfen. Das drohende Scbäcbtverbot Vor einigen Tagen fand in Hamburg eine vom Centiral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufene Versammlung statt, in der Herr Gemeinderabbiner Dr. Carlebach, Leipzig, und der stellvertretende Syndikus des Centrai-Vereins, Herr Dr. Hans Reichmann, über das drohende Schächtverbot sprachen. Mehr als 500 Zuhörer, die größtenteils den gesetzestreuen Kreisen Hamborgs angehören, waren anwesend. Herr. Gemeinderabbiner Dr. Carlebach verlangt gegen die Verdächtigung der Tierquälerei eine jüdische Einheitsfront in dem Bewußtsein, daß unser altes Grundgesetz, das Mitleid mit der Kreatur und Tierfreundschaft verlangt wie sie sonst nirgends so Stade verlangt wird, eine Tötungsart, die rächt eine Qual des Tieres nach Möglichkeit vermeidet niemals gestatten würde. Er legt die beiden Gedanken: tierfreundliche Gesinnung und Forderung des Gesetzes seinen weiteren Ausführungen zugrunde, erklärt das Schächten für die humanste Tötungsart. was von Autoritäten wie Geheimrat E n g e J m a n n, einem der bekanntesten Physiologen, in einem wissenschaftlichen Gutachten bestätigt wird, in welchem er dartut, daß dies Verfahren alien übrigen vorzuziehen sei, und die Frage aafwirft. ob nicht das Schächten allgemein werden solle. Alle Versuche der Gegner, ein Schächrverbot zu erreichen, seien nicht begründet in der Liebe zu den Tieren, sondern das Schächtverbot sei lediglich eine Zielscheibe antisemitischer Angriffe. Es werde wieder einmal versucht, einen Eingriff in die uns verbrieften Kultnrrechie zu unternehmen und die Gewissensfreiheit der jüdischen Bevölkerung einzuschränken, man wolle unter dem Deckmantel des Tierschutzes die Juden treffen. Darum fühlt vor allem der Centrai-Verein, der für die Gleichberechtigung und Gleichheit der Juden auf allen Gebieten kämpft, die Verpflichtung, seine Kräfte einzusetzen in diesem uns von unseren Gegner aufgezwungenen Kampfe. Herr Dr. Hans R c i c b m a n n ergänzte die Ausführungen des Herrn Gemeinderabbiners Dr. C a r 1 ebac h durch eine Darstellung der nationalsozialistischen Bewegung und wies darauf hin, vor wie schwere Aufgaben der Centrai-Verein bei der Begegnung der nationalsozialistischen Agitation gestellt sei. Er forderte' entschlossenes Zusammenstehen, um der nationalsozialistischen Hochflut einen Damm entgegensetzen zu können. Die Versammlung, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg. Rechtsanwalt Doktor U r i a s, geleitet wurde, hinterließ bei allen Teilnehmern einen tieien Eindruck. KONKURS Die snboticaer Jüdlsdie Neologe HallDSeemeinde sucht einen musikalisch gebildeten OBERKANTOR der auch in den alttraditionellen Gesangsweisen versiert ist. Gottesdienst mit Orgel und Chor-Reflektanten unter 40 Jahren wollen ihre mit Photographie versehenen Offerte, denen glaubwürdige Dokumente beizulegen sind, bis 1. Mai 1930 dem Vorstande einsenden. Reisespesen werden nur denen vergütet, die der Vorstand zum Probegesang beruft Gehalt nach Vereinbarung. Ansprüche sind anzugeben Subotica (Jugosla wien), am 6. März 1930. Der forsfand Aerztlich geprüfte DIÄTSCHWESTER, Gesellschafterin. Beschließerin, versiert in Diätkochen für Diabetiker, Nieren-, Gallenkranke etc. sucht Stelle in Privathaus oder Sanatorium. Unter „Gewissenhafte VertraBensperson" an die Exped. d. Bl. Wiederaufbau zerstörter Stadtviertel in Palästina. Die Jadenschaft der Städte Jerusalem. Hebron und Safed, deren jüdische Viertel während der Augustunruhen zum Teil oder ganz zerstört wurden, hat ein gemeinschaftliches Komitee gewählt, welches die Aufgabe hat, die Frage der Entschädigung zu betreiben und die Wiederaufbauarbeit zu beschleunigen. An den High Commissioner Sir John Chancellor wurde der dringende Appell gerichtet ein entsprechendes Boden-Areal in der unmittelbaren Nähe von Hebron zur Ansiedlung der früheren jüdischen Einwohner Hebrons, deren Häuser zerstört wurden oder die aus Orjünden der mangelnden Sicherheit in ihre irüheren Wohnungen nicht mehr zurückkehren können, zur Verfügung zu stellen. In der schriftlich überreichten Petition, der dritten, die in der Angelegenheit der Juden Hebrons der Regierung unterbreitet wird, wird erklärt, daß die Regierung selbst für die Katastrophe verantwortlich sei und darum die Pflicht habe; für den Verlust an jüdischem Leben und Eigentum volle Entschädigung zu leisten. Die RegSerung wird ersucht, den Hebron-Juden langfristige Darlehen zu gewähren, wie sie den Beduinen von Beerscheba zur Zeit der Trockenheitsperiode gegeben wurden. Unsere Katastrophe, heißt es in der Petition, ist weit größer' als die der Beduinen von Beerscheba; die Regierung ist verpflichtet, unsere Forderungen zu erfüllen, damit wir in die Lage versetzt werden, in unsere Stadt und zu unserer Arbeit zurückzukehren. ZnrBeadifnng R 46-2-ie Die Telephonnummer der Redaktion und Administration der „Wahrheit" wurde geändert auf Bitte, vormerhen! Deutschland und die Idee des jüdischen Nationalheims. GeneralKress von Kressen heim, der Kommandant der türkischen Streitkräfte in Palästina im Kriege, der gegenwärtig zu Besuch in Palästina weilt, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur: Hätte Deutschland den Krieg gewonnen, es hätte sich unmöglich für ein jüdisches Nationalheim erklären können; ebensowenig hätte es eine arabische nationale Bewegung gegeben. Wären die Türken in Palästina geblieben, so würde eine intensive Türkisierung des Landes vor sich gegangen sein. Ich glaube, fuhrn General von Kressenstein fort daß die Juden deswegen auf die Seite der Alliierten getreten (?) waren, weil sip sich vergegenwärtigten, daß Deutschland nicht in der Lage sei. ihnen ein nationales Heim zu geben. Den Meinung des Generals von Kressenstein, daß Deutschland in keiner Weise beabsichtigt habe, ein jüdisches Nationalheim zu fördern, stehen Aeußerungen führender Männer der deutschen Politik entgegen. So hat unter, anderen Graf Bernstorff, der in den letzten Kriegsjahren deutscher Botschafter in Konstantinopel gewesen war und gegenwärtig Deutschland beim Völkerbund vertritt, bei einer am 17. Februar 1930 im Hamburger Hotel Atlantik stattgefundenen Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina, in der er den Vorsitz führte, unter anderem ausgeführt: „Die Idee der Errichtung eines nationalen Heimes für die Juden in Palästina ist nicht plötzlich am Ende des Krieges durch die Balfour-Dekiaratioii neu aufgetaucht, sie bestand schon seit längerer Zeit und ist auch von der deutschen Regierung schon vor der Revolution aktiv betrieben worden, und zwairr sind diese Verbandlungen damals durch mich als Botschafter in Konstantinopel geführt worden. Damals schon bestand die Absicht unserseits, falls wir einen anderen Ausgang des Krieges erlebt hätten, als wir leider erlebt haben, eine ähnliche Forderung an die seinerzeit in Palästina herrschende Türkei zu stellen. Ich habe damals wochenlang unter Assistenz vieler der Herren, die heute an diesem Werk tätig sind, in der Türkei mit dem Großwesir verhandelt . . . Dann kam der Ausgang des Krieges, den wir leider alle kennen, und was wir wollten, ist von England in die Hand genommen worden durch die bekannte Balfour-Deklaration, aus der heute das Mandatsrecht entstanden ist." Mangelnde Initiative des Londoner Kolonialamtes. Louis L i p s k y, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, erklärte in einer großen zionistischen Kundgebung in New York West Side, das britische Kolonialamt entwickelt nicht genug Initiative und entfalte nicht genug Wirksamkeit, um das jüdische Problem in Palästina zu lösen. Die in dem arabischen Boykott zum Ausdruck kommende Feindseligkeit gegen die Juden zeugt davon, daß die Araber noch nicht bereit sind, über Frieden zu reden. Einseitige Friedensgespräche seitens der Juden hat ein Sinken der geistigen Position zur Folge und untergräbt den Enthusiasmus für die zionistische Sache. Die Auflösung der „Jewsekzüa". Die von der „Wahrheit" bereits vor einiger Zeit mitgeteilte Auflösung der „Jewsekzija" (jüdische Sektionen der kommunistischen Partei) durch das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Rußlands wird nun offiziell bestätigt Die in Minsk erscheinende jiddische kommunistische Tageszeitung „Oktiabr", die diese offizielle Mitteilung bringt, schließt hieran die Bemerkung, daß die Auflösung der Jewsekzija eine Maßnahme ist, die mit der allgemeinen Reorganisation der Parteimaschinerie in Zusammenhang steht. Die Zeitung stellt fest, daß die Auflösung der Jewsekzija auf die jüdischen Kommunisten deprimierend gewirkt und Aeußerungen der Unzufriedenheit hervorgerufen hat. Die Zeitung raeint. daß viele Jewsekzija-Mit- «V GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGML KORNMEHL tMmmmmmm^mat^mmmmmmmamm^mmmm^ammmmtmm WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVI5I., WÄHRINGERSTRASSE 9? Telephon Nr. A 17 3-99und A 16-3-34 Lieferant «r Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfieisch unter Aufsieht des ehrw. Rabbinatee der ler. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen glieder die Lage falsch beurteilen,- wenn sie glauben, daü nun die jüdische kommunistische Tätigkeit eine Schwächung eriahren wird. Wir können uns eine Panik nicht gestatten, fährt die Zeitung fort, wir müssen gegen Stimmungen der Enttäuschung ankämpfen. „Oktiabr" schließt: Mit der Abschaffung der Jewsekzija wird sich die Lage der Juden im Sowjetreich sowohl in legaler, als auch in wirtschaftlicher Beziehung zweifellos verbessern, weil nun an Stelle der Jewsekzija die kommunistische Partei selbst an den Angelegenheiten des jüdischen Lebens direkt interessiert sei und so auch die direkte Verantwortung für die Arbeit zum Wohle der jüdischen Bevölkerung tragen wird. — Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube. Der jüdische Mittelstand Polens vor dem Zusammenbruch. Die polnische Regierung hat sämtliche in Aussicht gestellten Steuererleichterungen zurückgezogen, so daß das erhöhte Steuerbudget, das überwiegend den leistungsschwachen städtischen jüdischen Mittelstand belastet und ihn vollends zu erdrücken droht, aufrecht erhalten wird. Im Senat brachte der jüdische Parlamentsklub eine an den Ministerpräsidenten und den Finanzminister sich wendende Interpellation ein, in welcher auf die katastrophale Lage der jüdischen Kaufmannschaft und das Handwerkertum hingewiesen und mitgeteilt wird, daß sogar unter den alten soliden jüdischen Firmen Selbstmorde infolge wirtschaftlichen Zusammenbruches und Baiikerotts eine tägliche Erscheinung geworden sind. Nicht zu reden vom jüdischen Kleinhandel, der vollkommen zugrundegerichtet ist Die Hauptursache des Ruins des jüdischen Mittel- und Kleinhandelsstandes ist die ganz ungerechtfertigt hohe Steuerlast an sich, sowie ferner die ungleiche Verteilung der Steuerlasten auf die einzelnen Volksschichten, in der Weise, daß hauptsächlich die jüdischen Berufsgruppen betroffen werden. Die neu eingebrachte Steuernovelle entlastet in keiner Weise Handel und Handwerk. In der Interpellation wird mitgeteilt, daü der jüdische Parlamentsklub sich entschlossen hat, den folgenden Aufruf an die jüdische Bevölkerung zu veröffentlichen: Nachdem alle bisher versuchten Mittel, Erleichterungen zu schaffen, erschöpft sind, wollen wir auf andere Weise die Aufmerksamkeit der Regierungskreise auf eure Not und euer Elend lenken. Zu diesem Zwecke proklamieren wir Dienstag, den 11. März, als einen Tag des Protestes jregen das der jüdischen Bevölkerung zugefügte Unrecht. An diesem Dienstag haltet eure Läden, Werkstätten und Büros in. der Hauptstadt den ganzen Tag über geschlossen. Lasset eure Proteststimme in Versammlungen ertönen. Mögen die Aeußerungen eurer Verzweiflung, möge eure schreiende Not dringen in die Herzen der maßgebenden Faktoren und sie aufmerksam machen auf die Gefahr des Unterganges ganzer Volksschichten. Zum Schlüsse der Interpellation richtete der Parlamentsklub an den Ministerpräsidenten und an den Finanzminister die Frage: Gedenkt die Regierung, der Steuernovelle Bestimmungen einzufügen, die eine Erleichterung der Wirtschaftslage, des Handels und des Handwerkes bezwecken? Billiger Mazzothgrieß. Die bedeutend billigeren Preise bei dem Schmidlschen Mazzothgrieß machen die Erklärung notwendig, daß es sich hier nicht etwa um minder gute Erzeugnisse handelt, sondern daß trotz der billigeren Preise dieser Mazzothgrieß von ganz ausgezeichneter Qualität ist. Die von dem neuen Besitzer Herrn N. Brodetzky mit großen Opfern neu eingerichtete, wirklich mustergültige Mazzothfabrik in Floridsdorf ist nach den Grundsätzen der überaus anspruchsvollen modernen Hygiene und auf Grund der neuesten technischen Errungenschaften eingerichtet, ebenso halten die im Betrieb stehenden Maschinen jeden Vergleich mit den sonst nur in Amerika befindlichen aus. Es erübrigt sich hervorzuheben,' daß selbstverständlich auch alle Kaschruthvorschriften, unter ständiger Kontrolle verläßlicher Maschgichim, genau eingehalten werden, auch die Person des Herrn N. Br o d e t z k y ist Gewähr dafür, daß allen rituellen Anforderungen Genüge geleistet wird. Herr N. Brodetzky; führt bekanntlich seit 30 Jahren in der Leopoldsgasse 43 ein Lebensmittelgeschäft, das er an Samstagen und Feiertagen geschlossen hält. Das erstemal in Wien. Nach langen Bemühungen ist es der Firma Brüder Weinreb, Wien II., Taborstraße 62 (Tel. R 41-5-19) gelungen, einem viel gehegten Wunsche entsprechend, die bekannten Horowitz Margareten Mazzoth in Oesterreich einzuführen. Diese altbewährte Mazzoth-Marke ist allen aus Amerika, zurückgekehrten Juden sowie all jenen bekannt, die aus Amerika Liebesgabenpakete, enthaltend Mazzoth, zu Pessach erhielten. (Siehe Inserat im Innern des Blatte?.)