Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 11 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ME WAHRHEIT Seite T ideale Streben lediglich auf jüdischen Einfluß zurückführen, nicht, daß man auch sie einmal als „Judenknechte" denunzieren wird? * * * Den Grafen B e t h I e n, der nach konstitutionellen Begriffen auch die Verantwortung für den Amnestieerlaß trägt, haben die umfangreichen Kritiken der oppositionellen Abgeordneten kühl gelassen. Man findet immerhin Gründe dafür anzuführen, warum dieser oder jener nicht amnestiert wurde. Auf einen Zwischenruf jedoch fand kein Mitglied des Kabinetts auch nur den Schatten einer Antwort. Der Zwischenruf lautete: „Warum darf Ivan Hejjas, dessen Gewissen durch den Tod von 53 Menschen belastet sein sollte, sogar im Parlament sitzen?" Vielleicht schwiegen aber die ungarischen Minister nur darum, weil sie •denken, die grausamste Züchtigung Ivan Hejjas' konnte nur die sein, daß ihm im ungarischen Parlament dieser Zwischenruf ins Antlitz geschleudert wurde. * * * Der ungarische Unterrichtsminister Graf K1 eb e 1 s b e r g hat bekanntlich auch in Wien mit berechtigtem Stolz auf seine Schöpfung des Collegium Hungaricum hingewiesen, die es ermöglicht, daß besonders begabte ungarische Studenten zur Ergänzung ihrer Ausbildung auf Staatskosten die ausländischen Universitäten besuchen. Auch die Juden in Ungarn anerkennen dieses Verdienst des Grafen Klebelsberg, haben aber nicht den Ausdruck des Bedauerns darüber unterdrückt, daß unter •diesen vom Staate so geförderten Studenten kein einziger Jude sich befindet. Graf Klebeisberg schweigt zu diesem Vorwurf. Aber er könnte wahrhaftig darauf hinweisen, daß, wenn auch nicht «r selbst, so doch das herrschende Regime mehr •als genug getan, um hochbegabte Studenten jüdischen Glaubens zum Studium an — ausländischen Universitäten zu drängen. Ego. Veröffentficßungen der Tinion öeutsd)österreid}isd)en Juden Masaryk — 80 Jahre. . Die „Union deutschösterreichischer Juden" hat am 5. März 1930 an Herrn Prof. Dr. Thomas G. Masaryk, Präsident der Tschechoslowakischen Republik, folgendes Gratu- Jationsschreiben zu seinem 80. Geburtstag gewichtet: Hochgeehrter Herr Präsident! Der unendlich großen Schar von Gratulanten, <die sich zu Ihrem 80. Geburtstage mit den herzlichsten Glückwünschen einstellen, gestattet sich ■die „Union deutschösterreichischer Juden" anzuschließen, die seit Jahrzehnten Ihr selbstloses Wirken um Recht und Gerechtigkeit mit der .größten Anteilnahme begleitet. In bleibender Erinnerung ist noch bei uns allen Ihr in Wort und Schrift geführter mannhafter Kampf für Leopold Hilsner, das unschuldige Opfer eines blindwütigen Ritualmordwahnes. Sie haben, verehrter Herr Präsident, in jener Zeit, da die große Menge der Judenhetzer sich in gefährlichster Weise gegen die Juden und jene aufrechten Männer wandte, die <las unschuldig verfolgte Judentum zu verteidigen suchten, Ihre Volkstümlichkeit auf das Spiel gesetzt für eine Sache der Gerechtigkeit, und diese Jhre edle Handlungsweise wird Ihnen bei allen •Gerechtdenkenden unvergessen bleiben. Zu den Ehrenabenden der „Union" zählt jenes Symposion, ■das der Vorstand unserer Vereinigung im Anschlüsse an den Vortrag des Herrn Prof. Strack aus Berlin über „Blut im Aberglauben der Völker" ■veranstaltete, an welchem Abend auch Sie, verehrter Herr Präsident, uns die Ehre Ihrer Gegenwart schenkten und die „Union" in einer eindrucksvollen Rede begrüßten. Wir erlauben uns, Ihnen, hochgeschätzter Herr Präsident, die allerinnigsten Glückwünsche zu Ihrem schönen Feste darzubringen, und bitten Sie, überzeugt davon zu sein, daß diese unsere Wünsche aus tiefstem Herzen kommen. Möge eine gütige Vorsehung es Ihnen noch recht lange gönnen, in gleich hervorragender Weise wie bisher zu wirken, zum Wohle Ihres Vaterlandes und zum Wohle der Menschheit. Genehmigen Sie den Ausdruck unserer größten Verehrung Union deutschösterreichischer Juden Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein m. p. * Masaryk-Feiern der Juden in der Tschechoslowakei. Die gesamte Judenheit in der Tschechoslowakei hat den 80. Geburtstag des Präsidenten Masaryk festlich begangen. Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgemeindenverbände in Böhmen, Mähren und Schlesien hat einen Aufruf an die Kultusgemeinden gerichtet, in welchem den Gemeinden als eine einheitliche Ehrung der gesamten Judenschaft der historischen Länder ein humanes Werk empfohlen wird, nämlich die Errichtung eines jüdischen Handelslehrlingsheims, welches 50 Lehrlingen aus dem tschechoslowakischen Staate, in erster Reihe Waisenkindern, für die Zeit ihrer Lehre das Elternhaus ersetzen soll. Die Prager Kultusgemeinde stellt für diesen Zweck ihr dreistöckiges Haus, in welchem jetzt ihr Knabenwaisenhaus untergebracht ist, zur Verfügung: die Großloge Bnei Brith wird 40.000 Kronen jährlich, die Prager Kultusgemeinde 10.000 Kronen, die übrigen Gemeinden des Prager Verbandes 20.000 Kronen und der böhmische, deutsche, mährische und schlesische Gemeindeverband etwa 45.000 Kronen jährlich beitragen. — Die Prager Israelitische Kultusgemeinde hat aus Anlaß des 80. Geburtstages des Präsidenten Masaryk eine Festsitzung und eine Feier im Geisttempel abgehalten. Mitgliedschaft Landstraße der „Union". Donnerstag, den 20. d. M., 8 Uhr abends, findet eine Versammlung der Mitgliedschaft im R e s t a urantLittmann, HL, RadetzkystraBe21, statt, bei der auch die Neuwahl der Ortsgruppenleitung vorgenommen wird. Vortrag und Referent der Versammlung werden noch durch separate Einladungen bekanntgegeben werden, denen die Mitglieder und Freunde der „Union" recht zahlreich Folge leisten wollen. Wahrheiten vom Sage Hofft Hitler auf amerikanisches Geld? Die Zeitung „Der Jungdeutsche" hat bekanntlich eine Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem amerikanischen Journalisten Karl von Wigand, die in den Hearst-Blättern erschien, veröffentlicht; danach hätte Hitler gesagt: Ich bin nicht dafür, daß die Rechte der Juden in Deutschland beschnitten werden, aber ich dränge darauf, daß wir anderen, die wir keine Juden sind, nicht weniger Rechte haben als die Juden selbst. Dazu bemerkt die „Frankurter Zeitung": „Nun, das ist offenbar eine bewußte zweideutige Formulierung, deren Zweck auf der Hand liegt. In dem Münchner Hitlerprozeß kam ja mehrfach zur Sprache, daß für nationalsozialistische Zwecke auch in Amerika Geld gesammelt wurde. Das soll jetzt vermutlich fortgesetzt werden, und so wird für amerikanische Propaganda die Hakenkreuznadel vorsichtig unter den Rockaufschlag gesteckt. Wenn Hugenberg, um Geschäftsspesen zu sparen, Direktor einer Tiergarten-Synagoge G. m. b. H. geworden ist, glaubt Hitler, überm Atlantik auch ein philosemitisches Lächeln aufsetzen zu dürfen, um Prozeßkosten zu — nun, schonen wir sein vielleicht noch jargonfremdes Ohr — zu kollektionieren." Hitler als Deutschlands Führer empfohlen. Das „Prager Abendblatt", ein von der Regierung herausgegebenes und in der Staatsdruckerei gedrucktes Blatt, veröffentlichte jüngst einen Leitaufsatz, in welchem von dem märchenhaften Aurstieg der Nationalsozialisten die Rede ist und Hitler als Führer von unumschränkter Autoritätgepriesen wird, wo „die gesamte deutsche Oeffentlichkeit nach der Führerpersönlichkeit ruft". Auch Münchmeyer und Frick werden als Führer einer begeisterungsfähigen Jugend gepriesen. Der „Völkische Beobachter" nimmt natürlich „diese Ausführungen des Organs der tschechoslowakischen Regierung mit Vergnügen zur Kenntnis". Sehr merkwürdig! Bußgottesdienste in den palästinensischen Synagogen. Am 27. Februar, anläßlich des „Jörn Kippur- Katan" (Vorabend des Rosch Chodesch), wurden in allen Synagogen Palästinas im Zusammenhang mit der Verfolgung der Religion und der Rabbiner in Rußland Bußgebete gesprochen. In die Gebete wurde ein vom Oberrabbinat empfohlener Passus eingefügt, der sich direkt auf die russische Judenheit bezog. Ein Jude amerikanischer Gesandter in Polen? Der aussichtsreichste Kandidat für den Posten des amerikanischen Gesandten in Polen, ist, den letzten Drahtmeldungen zufolge, Dr. David Kaufmann, ein amerikanisch-jüdischer Diplomat. Dr. Kaufmann, der im 47. Lebensjahr steht, ist in Kowno geboren und zählt zu den intimsten Freunden des amerikanischen Präsidenten Hoover. Er nimmt seit etwa 20 Jahren aktiv an fast allen Aktionen der amerikanischen Judenheit regsten Anteil und hat bereits mehrere kleinere Gesandtenposten im Auftrage der amerikanischen Regierung ausgefüllt. Verfrühte Purimscherze. Das „Israelitische Familienblut t", Hamburg, meldet in seiner Nummer vom 27. Februar: In Brünn wurde der neue Bau des Gemeinschaitshauses der jüdischen Gemeinde, in dem alle Jugendbünde und Vereine, die gesellschaftlichen und sozialen Institutionen der Brünner Juden, ebenso wie die „J u n g - j ü d i sch e Bühne" ihr Lokal Iiab'-n werden, feierlich eingeweiht. Falls einer unserer Brünner Leser uns angeben kann, wo sich das Gemeinschaftshaus befindet, sind wir bereit, ihm eine beliebige Zahl von Gratiskarten der „Jung-jüdischen Bühne" zu spendieren. Jerusalems Altstadt durch den Boykott lahmgelegt. Man befürchtet als Folge des Boykotts gegen die Juden eine vollkommene Lahmlegung der Altstadt von Jerusalem, aus der nun auch arabische Ladeninhaber wegziehen, um sich im neuen Handelszentrum außerhalb der Stadtmauern anzusiedeln. Die englischen Polizisten zeigen stärkere Aktivität in der Auseinandertreibung der berufsmäßigen arabischen Boykott-Posten. Vor dem Bericht der Shaw-Kommission. Die Londoner „Y o r k s h i r e Post" teilt mit, daß der Bericht der im Herbst von der Regierung nach Palästina zur Untersuchung der unmittelbaren Ursachen der Augustereignisse entsandten Kommission noch in dieser Woche fertig vorliegen wird. (Nach einer anderen Londoner Meldung ist der Bericht bereits am 6. März unterzeichnet worden.) Die Kommission setzt sich bekanntlich aus Sir Walter Shaw als Vorsitzendem, dem Konservativen Sir H. B. B e 11 e r t o n, dem Arbeiterparteiler H. S n e 11 und dem Liberalen Hopkins-Morris, zusammen. Die letzten drei sind Mitglieder des Unterhauses. Es heißt, daß ein Mitglied der Kommission in gewissen Punkten anderer Meinung sei als seine Kollegen, wobei die Interpretation der Baliour-Deklaration als Prokiamierung einer nationalen Heimstätte für die Juden unter Berücksichtigung der religiösen und zivilen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung gewisse Schwierigkeiten verursacht hätte. Der Bericht wird erst veröffentlicht werden, wenn das Kabinett sich mit ihm beschäftigt hat. Regierungsentschädigung für die Palästinaopfer. Die Palästina-Regierung hat 100.000 Pfund Sterling zur Entschädigung von Personen, die während der Die bekannt besten und bezüglich ahm verläßlichsten £7.?£anMAZZ011I In Wien Vertretung für Oesterreich: SrDder REIME!. Hin H.,T»taHfr.6Z2!?SS