Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 10 (7.3.1930)
- Date
- 1930-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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•der portugiesischen Juden in Paris, setzte er es durch, daß sie 1772 das Recht der Niederlassung in Frankreich erhielten. Er selbst war am 11. April 1715 in Berlanga, Spanien, geboren worden und sein Vater, seine Mutter und er wurden zur Taufe gezwungen.'Nach des Vaters Tode entfloh die Mutter mit dem Sohne nach Bordeaux, „um der Gefahr zu entgehen, wegen Rückfall irr Ketzerei belangt zu werden". Am 15. September 1780 starb Jakob Rodriguez Pereira in Paris. Seine .Enkel waren die bedeutenden Bankiers und oft bahnbrechenden Unternehmer Jakob Emil und Isak Pereire, beide noch in Bordeaux geboren, aber dann in Paris groß geworden. Beide zeigten großes Interesse für die Arbeit ihres Großvaters für die Taubstummen. Der. Sohn Isaks Eugen widmete , sich selbst dem Studium der Erziehung der Taub-; stummen und stand in brieflichem Verkehr mit dem schon genannten Seg'üin.' Er' war Mitglieddes .Aufsichtsrates im Nationalinstitut für Taubstumme in Paris, der Schöpfung des Abbe de l'Epee. Isak Pereira schrieb 1865 ein Buch: „La Question Religieuse", das Heinrich Deutsch, der Sohn von Joel Deutsch, dem ersten und verdienstvollsten Direktor des Wiener israelitischen Taubstummeninstituts, ins Deutsche übersetzte. Eine seltsame Verkettung von Ereignissen! Noch mehr. Als auf Betreiben der Lehrer des genannten Instituts rücksichtslos und ohne Pietät die Wertgegenstände desselben versteigert wurden, kam das Bild, ein Kunstwerk, welches Jakob Rodriguez Pereira beim Unterrichte eines Taubstummen darstellte, um 60 Schilling, sage und schreibe: sechzig Schilling in den Besitz des Bundes-Taubstummeninstituts in Wien, dessen Direktor kein Judehfreund ist. Das Bild war eine -Spende von Dr. Ignaz von Hofmannsthal, der sich um das israelitische Taubstummeninstitut und um die jüdische Gemeinde große Verdienste erworben hatte. Der Nachkomme dieses edlen Mannes, -der Dichter Hugo von Hofmannsthal, wurde auf -seinen Wunsch im Franziskanerhabit begraben. In Wien fand sich kein Jude, der das Bild erworben hätte, und der jüdische Ahnherr war aus dem Gedächtnis geschwunden. Wahrheiten vom Sage Palästina als jüdischer Wohnsitz unmöglich. Henry Morgenthau, der einstige Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, hielt in einer vom Rutgers Club veranstalteten Versammlung in der East Side von New York eine Rede, in der er ausführte, der Z i o n i s m u s sei zum Fehlschlagen verurteilt, er habe zwischen Juden und Araber, •die vor dem Kriege friedlich miteinander lebten, ein Moment ernster Unruhe hineingebracht Indem die Zionisten Forderungen aufstellen, denen die . Araber nicht zustimmen können, haben sie P alästina als Wohnsitz für die Juden unmöglich gemacht. Es war ein fundamentaler Fehler gewesen, die Ba 1f o u r - D e k l a r a t.i o n, die eine nationale Heimat für die Juden in Palästina versprach, so zu interpretieren, als ob Palästina in "eine nationale Heimat der Juden umgewandelt werden sollte. Schwer gestraft. Ein anständiger deutscher Unternehmer flüchtet sich mit einem Entsetzensschrei in die Oeffentlichkeit Er heißt Abraham Frowein, ist stellvertretender Vor- Lederhandschuhfabrik osef Jjasßnger L, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 sitzender des Reichs Verbandes der Industrie und schildert seinen Passionsweg wegen seines Vornamens. Seine Familie ist urgermanischer Abstammung, er selbst gläubiger Christ, aber er wird bloß wegen seines Vornamens Abraham in den Hitler-Blättern verhöhnt und verspottet und als Jude verfolgt Herr Frowein, der den Hitterianern erklären will, daß die Vorliebe für biblische Vornamen gerade ein Beweis gläubiger Gesinnung ist. wird aui wenig Verständnis stoßen. Er hat ja vollkommen recht, wenn er darlegt, daß es bei weiterer Verhetzung in Europa bald andere Rassenfragen geben wird als die jüdische, und daß sich eine lädierte Kultur gegen Baschkieren und Hottentoten wird wehren müssen. „Aber diese Dinge, ' sagt Herr Frowein, „gehen ja viel weiter. Wenn man nicht schon aus dem Namen aui den Erzjuden schließen darf, so erfindet man irgend etwas anderes. In den Mitteilungen der Ortsgruppe Groß-Berlin der Vereinigung der Alten Burschenschatter war kürzlich in einem Bericht über den Young-Plan folgendes zu lesen: An die Stelle des aufrechten Dr. Vogler trat nach dessen Rücktritt der jüdisch verheiratete Qeheimrat Kastl, Schwager des ebenfalls jüdisch verheirateten Dr. Stresemann. Sowohl die jüdische Verheiratung üeheimrat Kastls wie die Schwagerschaft mit Dr. Stresemann sind hundertprozentig erfunden." Herr Frowein redet vergeblich gegen die Männer, die eine Rebekka als Egeria verdienen, weil diese bekanntlich die Kamele getränkt hat Eine neue Form des Boykotts in Palästina. In Jaffa, Jerusalem, Nablus, Haifa und Gaza zirkuliert eine Aufforderimg zur Bildung einer Gesellschaft mit einem Kapital von 500.000 Pfund zwecks Stärkung der antijüdischen Boykottbewegung. Diese Summe, heißt es in dem Appell, soll von der gesamten arabischen Bevölkerung in der Weise aufgebracht werden, daß jeder Araber jährlich ein Pfund zahlt. Der Appell enthält die Namen von 300 arabischen Kaufleuteh, die sich bereit erklärt haben, zu dem Boykott-Fonds beizutragen. Wie Juden Milliardäre werden. Der Genier „Pilori" weiß es. Er schreibt: „In der jüdischen Zeitung, die in Zürich erscheint, wurde der Börsenkrach von New York 14 Tage vorher angekündigt. Was muß man daraus schließen?" Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz", an das diese Frage gerichtet ist, beantwortet sie in folgender treffender Weise: „Man muß daraus schließen, daß wir Milliardäre geworden sind. Denn da wir die Kenntnis dieses großen Börsenvorgangs schon im Voraus hatten, haben wir entsprechend disponiert und sind dabei natürlich steinreich geworden. Infolgedessen hat unser Verwaltungsrat soeben beschlossen, den „Pilori" anzukaufen. Zu Purim werden wir noch mehr verraten". Hitlers Januskopf. Im „J ungdeutschen" weist August Abel darauf hin, daß Adolf Hitler in einer Unterredung mit dem amerikanischen Journalisten. Karl H. von W i e g a n d, die der „New York American" vom 5. Januar 1930 veröffentlicht, den Antisemitismus abgeschworen habe. Auf eine Frage Wiegands, warum er denn den Antisemitismus wieder auf sein Programm geschrieben habe, antwortete HiÜer: „Weil das Volk es nicht verstehen würde, wenn ich das nicht täte", und fügte hinzu: „Ich bin nicht dafür, daß die Rechte der Juden in Deutschland beschnitten werden, aber ich dränge darauf, daß wir anderen, die wir keine Juden sind, nicht weniger Rechte haben als die Juden selbst." Der „Jungdeutsche" zitiert noch .eine Rede Mussolinis vor ausländischen Journalisten, in der er den Antisemitismus „ein Produkt der Barbarei" und „antisemitischen Faschismus eine kranke Absurd i t ä t" nannte, und fordert Hitler auf, die Herrn von Wiegand gegebene Darstellung baldigst auch in den nationalsozialistischen Organen mitzuteilen. Hitler wird sich hüten, solche Dummheiten zu machen, die ihm seinen Januskopf kosten. Baron Hatvany amnestiert. Der bekannte ungarische Schriftsteller Baron Hatvany, bekanntlich jüdischer Abstammung, der im Februar letzten Jahres wegen Angriffen auf das reaktionäre und antisemitische Horthy-System zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, ist dieser Tage amnestiert worden. Gegen die russischen Religionsverfolgungen. In Trier haben sich die geistlichen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und der Synagogengemeinde, die auch auf sonstigen Gebieten in einer gemeinsamen Front harmonisch zusammenstehen, zu einem Protest gegen den unerhörten Terror in Sowjetrußland wider die Religionen vereinigt. Die äußerst wirksam und packend abgefaßte Kundgebung der Religionsgesellschaften der ältesten Stadt Deutschlands ist für die katholische Kirchengemeinde von Stadtdechant Rose hei. für die evangelische Gemeinde von Ungarische Mastgaese S 3*20 Mährische Lebergäase „ 3*40 Gaasfett kg „ 4*— Geräucherter Gansbägel per Stack S 3*— „ Gansbrust „ „ „ V- Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludl. XIX., Döbl. Hauptstraße 88 Pfarrer Becker und für die Synagogeiigemeinde von Überrabbiner Dr. Altmann gezeichnet; sie ist einerseits an die Gesandtschaft der Sowjetrepublik in Berlin abgeschickt und anderseits in den Tageszeitungen veröffentlicht worden. Im Anschluß daran hielt Oberrabbiner Dr. Altmann beim Sabbatgottesdienst am 22. v. M. in Anknüpfung an den aus der Thora verlesenen Text der Zehn Gebote, insbesondere des ersten Gebotes: ..Ich bin der Ewige, dein Gott!" eine von großer Begeisterung getragene, ergreifende Predigt, die die furchtbaren Ereignisse in Rußland vom allgemein ethischen und insbesondere vom jüdischen Standpunkt aus beleuchtete. Die Kundgebung der drei Konfessionen hat folgenden Wortlaut: „Die Kirchengemeinden der altehrwürdigen Stadt Trier erheben lauten und schärfsten Protest gegen die grausamen Religionsverfolgungen und die dabei angewandten unmenschlichen Gewaltmaßtiahmen der Machthaber in Söwjetrußlaiid. — Um den Zweck, einen Staat ohne Gott, ohne Religion und damit ohne Sittlichkeit aufzubauen, zu erreichen, wurde systematisch durch Schule. Presse und Kino der Gotteshaß in die Masse des Volkes gesät. Schärfsten Widerspruch aber muß das Weltgewissen erheben gegen die terroristische Gesetzgebung, die seit geraumer Zeit iedes göttliche und menschliche Recht, selbst die primitivsten Naturrechte mit Füßen tritt und jeder Willkür und Unterdrückung aller Gewissensfreiheit Tür und Tor öffnet. Täglich berichtet die Sowjetpresse von der Schließung oder Zerstörung* von Kirchen, Synagogen und Moscheen. In kurzer Zeit wurden 980 christliche Kirchen und 200 Synagogen geschlossen: lausende von Pfarrern. Rabbinern und Laien schmachten als Opfer dieser beispiellosen Gewaltherrschaft in Staatsgefängnissen oder in der Verbannung. Das Blut lausender um ihrer Gewissensüberzeugung Hingerichteter schreit nicht nur zum Himmel, sondern auch in die Gewissen der rechtlich und sittlich denkenden Menschen aller Bekenntnisse und aller Nationen. Verbrechen, Elend und Not auf allen Lebensgebieten wachsen ins Maßlose. — Dieses bolschewistische Regiment in die anderen Länder hineinzutragen, ist der ausgesprochene infernale Wille der .Gewalthaber. Darum muß nicht nur das-Mitgefühl mit den bis zum Tod bedrängten Brüdern in Rußland, sondern auch der eigene Selbsterhaltungstrieb und Selbstschutz die Gewissen der ganzen Kulturwelt zum entschiedensten und schärfsten Protest aufrufen." * Eine vom Amerikanisch- Jüdischen Kongreß einberuiene-Konferenz, der 146 Delegierte als Vertreter von 39 jüdischen Organisationen Amerikas beiwohnten* nahm die folgende Entschließung an- Ohne uns in die inneren Angelegenheiten der Sowjetrussischen Union einmischen zu wollen, protestieren wir als amerikanische Bürger gegen die Verfolgung der Religion in Rußland. Die Konferenz hat Sonntag, den 16. März, als Tag des Protestes der amerikanischen Judenheit gegen die Religionsverfolgung in Rußtand testgesetzt Der Ehrenpräsident des Amerikanisch- Jüdischen Kongresses, Rabbiner Dr. Stephan S. Wise, der aui der Konferenz die Hauptansprache hielt, erklärte: Es dari keine Anerkennung Rußlands durch die Vereinigten Staaten eifolgen, bis nicht die religiöse Freiheit in den Ländern der Sowjetunion gesichert ist. Das Sfihächtverbot in Baden abgelehnt, »-.■rp« h,* ^"kPflegeausschuß des badischen Landages hat den nationalsozialistischen Anr a g a u ir V e r b o t d e s S c h ä c h t e n s der Schlachtete mit den Stimmen des Zentrums, der Soziademokraten und der Demokraten gegen die S mmen der Antragsteller und der Bauernpartei bei SUmmenthaltung der Deutschen Volkspartei gelehnt. Berichterstatter des Ausschusses war Abgeordneter K u h n (Zentrum). Begründer des Antrages war der Nationalsozialist Kraft. In der sehr lebhaften Aussprache brachten die Vertreter der Sozialdemokratie und des Zentrums zum Ausdruck, daß ihre Fraktionen m dem Antrag antisemitische Tendenzen und Beschränkung der religi- MS<l-V?reiheit. erblicken: Auch die deutsche Militärverwaltung habe vor dem Kriege für die Herstellung der Konserven das Schächten der Iiere gefordert. (Es ist interessant, festzustellen, daß die badischen Sozialdemokraten im Gegensatze zu ihren bayrischen Gesinnungsgenossen für eine Ablehnung des Schächtverbotes gestimmt haben.) Keto Friede unter den amerikanischen Zionisten. Die von Rabbiner Louis I. N e w m a n und anderen Persönlichkeiten unternommenen Versuche, einen Frieden zwischen der offiziellen Gruppe des amerikanischen Zionismus, der sogenannten Weizmann-Lipsky- Gruppe und der zionistischen Opposition, der sogenannten Brandeis-Mack-Gruppe, herbeizuiuhren, haben bis jetzt zu keinem Erfolge geführt. Die Brandeis-Mack-Gruppe bereitet die Herausgabe eines Berichtes vor, in welchem ihr Programm und ihre Stellungnahme zu den aktuellen zionistischen Problemen nxiert werden soll. Es verlautet, daß diese Gruppe eine Konferenz ihrer Anhänger einberufen wird. in. der das Programm ratifiziert werden soll. 15 Jahre Gefängnis für den Attentäter aui Bentwich. Der junge Polizeibote Abdul Ghani, der vor einigen Monaten das Attentat auf den Chei des