Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 9 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Rittler in Innsbruck folgenden Brief-. „Nicht nur in Oesterreich beschäftigt sich die Oeffentlichkeit mit dem „Fall Halsmann", mit dem unglücklichen jungen Studenten, dessen Schicksal mit dem Abschluß des Prozeßverfahrens nicht erledigt sein darf. Namentlich in den Kreisen internationaler Frauenvereinigungen, die für die Gleichberechtigung aller Völker, für Recht und Gerechtigkeit eintreten und jede Art von Unterdrückung bekämpfen, lassen die bangen Zweifel über die Möglichkeit eines Justizirrtums die Gemüter nicht zur Rithe kommen. Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit begrüßt aufs wärmste Ihren Entschluß, das Wiederaufnahmeverfahren des Prozesses zu beantragen, versichert Sie ihrer stärksten moralischen Unterstützung in Ihrem Kampf um das Recht, und hofft zuversichtlich, daß dieser Kampf über alle Vorurteile hinweg der Wahrheit und dem Recht zum Sieg verhelfe." Pfui Teufel! Das ist das einzige Wort, das man gebrauchen kann, wenn man die folgenden Zeilen liest, die der Salzburger „Eiserne Besen" dem kürzlich unter so tragischen Umständen verschiedenen deutschen Sozialdemokraten Paul L e v i widmet: ..Der Jude Paul Levi. der bekannte und berüchtigte Fememordhetzer, ist tot. Vergangenen Sonntag vormittags ist er zu seinen Vätern heimgegangen. Es war morgens um 5 Uhr, da machte Paul Levi, der an Grippe erkrankt war. einen Sprung aus seinem Fenster. Das hielt seine Wirbelsäule nicht aus. Sie brach auseinander und das veranlaßte ihn. seinen Talmudgeist aufzugeben. Mit Paul Levi ist ein typischer Revolutionsjude weggestorben. Ein fanatischer Kämpier für ' seine Rasse. Während des Krieges war er einer der größten Aufwiegler. Er war es, der mit dem Halbjuden Karl Liebknecht und der Yollblurjüdin Rosa Luxemburg den „Spartakusbund" gründete. Als er jedoch sah. daß die Sache schiel ging und das große Gojiinschächten noch nicht durchgeführt werden konnte, da schwenkte er ab und ging zu den Sozialdemokraten. Dort betätigte er sich weiter im Sinne Alliudas und führte schließlich die Fememordhetze durch. Auch der disziplinierte Rcichsanwalt Jörns, der es ablehnte, die Beseitiger Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs zu verfolgen, ist ein Opfer seiner jüdischen Rache. Nun aber hat ihn sein Gott Jahwe zu sich geholt. Ueber die Ursache seines Todes ist man verschiedener Meinung. Die einen sagen, Paul Levi hätte den eigenen Rassegeruch nicht mehr ertragen können, er sei zum Fenster gestürzt, um frische Luft zu schöpfen, und dabei sei er hinausgeflogen. Andere meinen wieder, das stetige und gewaltige Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung habe ihn so in Verzweiflung gebracht, daß er es vorgezogen hat. in Abrahams Schoß zu flüchten. Jedenfalls ist der Schmerz bei Juden und Judenknechten sehr groß. Auch wir bedauern lebhaft, daß Paul Levi tot ist. Wir bedauern es. daß der kommende nationalsozialistische Staatsgerichtshoi sich nicht mehr mit ihm befassen kann. Paul Levi wäre zweifellos an einen der höchsten Galgen gehängt worden.*' Und was verdient so" ein antisemitischer Sudler. Herr Pressestaatsanwalt? Palästinasession der Mandatskommission. Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur erfährt hat der Vorsitzende der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes. Marquis T e o d o 1 i, dem Generalsekretär des Völkei bundes Sir Eric Drummond. mitgeteilt, daß die für den 2. April vorgesehen gewesene außerordentliche Session der Mandatskommission, die ausschließlich der Erörterung der Palästinalage gewidmet sein sollte, ausfällt, da die britische Regierung ^icht in der Lage ist, ihren Bericht über die Palästinaereignisse rechtzeitig herzustellen. Die Raiästinafrage, teilt Marquis Teodoli weiter mit werde darum erst in der normalen Junisession der Mandatskommission zur Behandlung gelangen, die,, statt wie in früheren Jahren Mitte Juni, in diesem Jahre schon am 4. Juni beginnen wird. In der Junisession der Mandatskommission wird neben der Behandlung der Palästinageschehnisse vom August 1929 auch der normale Bericht der Mandatskommission über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1929 zur Behandlung kommen. KONKURS In der isr. Kultusgemeinde St. Pölten ist die Stelle des VflSO besetzen. Bevorzugt werde*? Bewerber, welche vorbeten können nnd ffÖnW s""d. Gehalt nach Übereinkommen. Beweibnngsschreiben unter Angabe des Alters und Familienstandes sind zu richten an Kommerzialrat Albert Leidit, KaltnsvnrCeher VO LONTÄR I N, aus gut jüdischem Hause, Maschinschreiberin und Stenographin, sucht Posten. Gefl. Zuschriften unter „Tüchtig'' an die Exp. des Blattes Wann wird der britische Palästinabericht fertig? Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erfährt daß der Bericht der Shaw-Kommission, dessen Veröffentlichung Ende Februar erwartet wurde, zu diesem Zeitpunkt erst in den Händen des Kolonienministers sein wird, so daß die Veröffentlichung erst einige Zeit später wird erfolgen können. Aus Regierungskrisen wird dem JTA-Vertreter weiter mitgeteilt daß sich der Bericht in keiner Weise mit einer Interpretation der Balfour-Deklaration befassen wird: die Kommission ist an ihren Aufgabenkreis: Erforschung der Ursachen der Unruhen und Empfehlung der besten Methoden zur Verhütung einer Wiederkehr der Unruhen, gebunden. Aber die britische Regierung wird den Bericht in Beziehung zu der Frage der Maiidatsanweiidung prüfen. Eine neue Interpretation der Balfour-Deklaration kommt keineswegs in Frage. Eine Prüfung des Berichtes in bezug auf die Anwendung des Mandats bedeutet, daß — obwohl hinsichtlich des Mandats oder irgend einer Neuinterpretation der Balfour-Deklaration ein Zurückgehen nicht stattfinden wird — der Bericht notwendigerweise Angelegenheiten berühren muß, die eng mit der Durchführung des Mandats verbunden sind, indem ja alle .diese Angelegenheiten in einem inneren Zusammenhange miteinander stehen. Es eihält sich hartnäckig das Gerücht, daß zwei Berichte, ein M a j o r i t ä t su n d ein M i n o r i t ä t s b e r i c'h t, veröffentlicht werden würden. Die Entgegennahme von Aussagematerial ist definitiv beendet; ein Verhör mit den Mitgliedern der demnächst in London eintreffenden arabischen Delegation kommt nicht mehr in Frage. Die Führung in der Agency. Auf eine Anfrage der in Tel Aviv erscheinenden hebräischen Tageszeitung „Hazman", ob die zionistische Organisation Amerikas stark genug ist, um in den nächsten Monaten wieder von sich hören zu lassen, erwiderte Rabbi Dr. Stephen S. W i s e: Die Zionistische Organisation Amerikas ist nichts weiter als ein Resonanzboden für die Stimme Londons, hat keine sj? 1 b s t ä n d i g e Existenz und kein eigenes Programm. Sie willigte in die Jewish Agency-Pläne ein und büßt nun dafür durch Selbstvertilgung. Würde die Agency der Führung von Dr. J. L. Magnes folgen und der Doktrine zustimmen, daß die jüdische Siedlung in Palästina durch ein Kompromiß zustandegebracht werden könne, dann würde es um den Jischuw geschehen sein. (!) Dr. Wise gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich Dr. Weizmann den neuen Umständen gewachsen zeige und gegenüber der britischen Regierung, in Verhandlungen mit ihr, eine festere Haltung einnehmen werde. Es ist an ihm, sich nicht in das nichtzionistische Lager hineinziehen zu lassen, das in Amerika traurige Symptome eines Wiederverfallens in den Äntizionismus gezeigt hat, sondern mit Festigkeit darauf zu bestehen, daß die Balfour-Deklaration nicht beschnitten werde. Die Jewish Agency, schloß Dr. Wise, muß unter der Führung der zionistischen Mitglieder, voran der Dr. Weizmanns, stehen. Jüdisches Sammelunwesen. In der Berliner „Jüdisch-Liberalen Zeitung" lesen wir die folgende Zuschrift, die auch für unsere Verhältnisse teilweise ihre Berechtigung hat: Die Sammeltätigkeit für die verschiedensten jüdischen Zwecke nimmt in letzter Zeit Umfang und Formen an, daß dem Einzelnen die Möglichkeit einer genauen Orientierung völlig unmöglich gemacht wird. Zu welchen Mitteln dabei gegriffen wird, mag das folgende Inserat beleuchten, das ich in der Ausgabe des Berliner Tageblattes vom Sonntag, den 2. Februar a. c. sah. Es lautet: „Jüdische Organisation sucht Persönlichkeit, die Entree in besseren Kreisen besitzt Betreffende müßte auf Grund gesellschaftlicher Stellung und entsprechender Fähigkeiten geeignet sein, für Organisation, deren Tätigkeit bei jedem sozial empfindenden Juden Resonanz finden dürfte, größere Beiträge und Stiftungssummen zu erlangen. Antwort unter......" Es ist mir unbekannt, um welche Organisation es sich bei diesem Inserat handelt. Ich befürchte, daß bei derartigen Inseraten allen Organisationen, die auf Spendeneingänge angewiesen sind, Schaden erwachsen wird. Hier wird nicht mehr die Güte des Erstrebten oder die Aufzeigung der finanziellen Notwendigkeit zum ausschlaggebenden Faktor gemacht, sondern auf Grund gesellschaftlicher Stellung und entsprechenden Fähigkeiten sollen größere Beiträge und Stiftungssummen erlangt werden. In der letzten Zeit ist mehrfach in auffallender Form an die Opferwilligkeit weiter jüdischer Kreise appelliert worden. Das geschieht nicht auf Grund von Aufstellungen, aus denen zu ersehen ist, welche Mittel zur Erfüllung des erstrebten Zweckes benötigt werden und wie die Verwendung im Einzelnen gedacht ist, sondern GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl l*mm—^mmmmmmmmmmmm—mm^mmmtmmmumm^m^mmmm WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99und A 16-9-34 Lieferant für Hallanstalton AbteilungemürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrwr. Rabbinatea der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen fast immer nur durch allgemeine Appelle an die Mildherzigkeit der Juden. Selbst Persönlichkeiten, die den einzelnen geldfordernden Organisationen nahestehen, waren mitunter nicht in der Lage, anzugeben, für welche Zwecke das Geld benötigt wurde. Eine Uebersicht über das Verhältnis der Werbungskosten zu den benötigten oder erzielten Einnahmen wird fast nie gegeben; der Außenstehende macht sich darüber oft sehr eigenartige Gedanken. Die großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen sollten mit dieser Art der Sammeltätigkeit grundsätzlich brechen und sollten darauf hinwirken, daß eine derartige Sammeltätigkeit im jüdischen Leben unmöglich wird. Den Schaden bei der jetzigen Art der Sammlung muß das Gesamtjudentum tragen. Max J. B e e r. Revision im Prozeß Hinkis. Am 27. Februar beginnt vor dem Obersten Gericht in Jerusalem die Revisiönsverhaiidlung in dem Prozeß des jüdischen Pclizeibeamten aus Tel Aviv, Simcha Hinkis, der von dem Jaffaer Gericht unter der Beschuldigung, eine fünfköpfige arabische Familie getötet zu haben, zum Tode verurteilt worden war. Hinkis, der seine Unschuld beteuert, wurde auf Grund einseitiger ■ Aussagen arabischer Zeugen verurteilt." Die Kosten der Palästinaunruheii. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. S h i e 1 s teilte im Unterhaus auf eine Anfrage mit daß der britischen Regierung im Zusammenhang mit den Unruhen in Palästina Kosten in der Gesamthöhe von y9.U00 Pfund entstanden sind. Es ist darüber noch kein Beschluß gefaßt worden, ob diese Kosten aus dem Budget der Palästinaregierung gedeckt werden sollen. WonWodke zu Woche Der Almemor in der Mitte. Anläßlich der Eröffnung der neuen Synagoge in Hietzing veröffentlicht der bekannte Kunsthistoriker Professor Dr. Max Eisler in der „Menorah" eine Studie „Vom Geist der Synagoge", in der er aus der Begründung des Architekten Hugo G o r g e zu seinem preisgekrönten Entwurf folgende grundsätzliche Erörterungen hervorhebt: „Das Charakteristische der alten Synagoge bestand darin, daß das ewig Gleichbleibende, von allem zeitlichen Wandel Unveränderliche des jüdischen Gottesdienstes auch in der baulichen Anlage ohne Rücksicht auf ihre Erbauungszeit zu vollem Ausdruck gelangte. Das Wesen des jüdischen Gottesdienstes liegt in der Vermittlung der Heiligen Schrift durch das Vorlesen der Thora. Deshalb befindet sich in allen alten Synagogen der erhöhte Vorleseplatz (Almemor) in der Mitte des Betraumes, um den sich als geistigen und räumlichen Mittelpunkt die Sitze anordnen.*4 Es ist zu begrüßen, daß auch Kunst und Wissenschaft in manchen Dingen dem überlieferten Judentum mehr Verständnis entgegenzubringen beginnen. Der Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, Wien VI., Mariahilferstraße 113, teilt mit: Ueber die Vorgänge im „Gremium der jüdischen Kaufmannschaft" sind -in den letzten Tagen verschiedene Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Wir legen Wert daraui. festzustellen, daß wir mit dem genannten Verein in keinerlei Verbindung stehen. Todesfall. Ein kluger und charaktervoller Mann, voll Eifer für alles Gute und Schöne, ist von uns gegangen. Am 18. Februar verschied nach langem schweren Leiden Herr Dr. Jerome Stern, wirkl. Hofrat i. R., Inhaber des großen silbernen Ehrenzeichens der Republik Oesterreich.. Das Leichenbegängnis dieses hervorragenden Mannes fand Freitag, den 21. Februar, unter außerordentlich großer Beteiligung statt. Unter den Anwesenden bemerkte man: Die Vizepräsidenten