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Die Wahrheit · 1930-02-28 · Heft 9 (28.2.1930) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT >eifr 3 ©Cossen. In den -Wiener hakenkreuzlerischen Studentenkreisen herrscht große Erbitterung.. Nicht genug, daß an der Spitze des österreichischen Unterrichtsministeriums ein ausgezeichneter Gelehrter steht, der die Universitäten ausdrücklich als eine der Pflege der Wissenschaft geweihte Stätte bezeichnete, mußte man neulich in Wien den preußischen Unterrichtsminister feiern lassen, den jeder echte Hakenkreuzler als Judenknecht verabscheut. Endlich freut man sich, den Unterrichtsminister aus dem Lande, wo der Numerus clausus blüht, in Wien zu begrüßen. Hält er richtig vorher in Budapest eine fulminante Rede gegen den Numerus clausus. * * * Die „Dötz" schreibt unter dem Titel „Der jüdische Verleumdungsfeldzug gegen volksbewußte Deutsche": „Um den Hakenkreuzlern eines auszuwischen, melden die Judenblätter folgendes: Eine Synagoge im Osten Berlins wurde von bisher unbekannten Tätern geschändet." Warum wohl die „Dötz" selbst bei dem wirklich diskreten Hinweis auf „unbekannte Täter" so empört tut? Wer löst dieses Rätsel? * Die „Dötz" weiß halti wie anständige Blätter, die nicht als „Judenpresse" gelten wollen, über solche Vorfälle berichten müßten. Sie führt aus: „Daß diese Tempelschändung (nämlich das Bedecken der Mauer mit Hakenkreuzen und schändlichen Aufschriften, wie z. B. „Juda verrecke!") höchstwahrscheinlich von Juden bestellte Arbeit war, wie seinerzeit die „Schändungen" jüdischer Friedhöfe, die man auch den Hakenkreuzlern anzulasten versucht hat, wird von der sogenannten vom dummen Qoj noch immer heiß geliebten „großen Presse" verschwiegen. Gibt es etwas Gemeineres als die Wahrheit verschweigen? Nein!" * * * So, jetzt hat es die „große Presse" von berufener Seite gehört, wie sie wahrheitsgemäß anetändigerweise über derlei „Schändungen" zu berichten hätte. Sie dürfte sich nicht begnügen, von „unbekannten Tätern" zu faseln, sondern gleich klar, deutlich und ehrlich erklären, daß hier wieder „höchst wahrscheinlich" eine von Juden bestellte Arbeit vorliegt! Welche Niederträchtigkeit, auch nur die Möglichkeit offen zu lassen, daß derlei Dinge überhaupt jemals von Hakenkreuzlern verübt wurden! Wo doch die „höchste Wahrscheinlichkeit" immer dafür spricht, daß nur Juden ein Interesse, eine wahre Seelenfreude daran finden könnten, daß die Ruhe der Grä^ ber, in denen die Gebeine ihrer Eltern ruhen, gestört wird. Die „große Presse", das sind die Judenblätter, sollte sich wirklich die von der „Dötz" erteilte Lektion merken. Vielleicht hätte die „Dötz" noch ein wenig deutlicher sein können. Sie sollte nicht bloß von einer „höchsten Wahrscheinlichkeit", sondern von der „höchsten Gewißheit" sprechen, daß solche „Schändungen" nur von Juden ausgehen konnten. * * * Wilhelm II. hat, wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, zur Zeit, als die Konitzer Ritualmordbeschuldigung die Gemüter erregte, der Meinung Ausdruck gegeben, es sei ihm unfaßbar, daß eine solche „blödsinnige" Beschuldigung geglaubt werden könnte. Wie würde Wilhelm II. erst staunen, wenn er hören würde, daß seine Aeußerung in gewissen Kreisen als große Unvorsichtigkeit gewertet wird. * * # Der Budapester Universitätsprofessor Doktor Ludwig Mehely hat bekanntlich vor einigen Jahren, was ihm durch Dezennien umfassender Tätigkeit nicht gelungen, durch eine kleine Arbeit sich mit einem Schlage etwas Besonderes erworben: Einen europäischen Namen. Die diskrete fünfzigjährige Forscherarbeit Professor Mehelys hatte sich weder auf alttestamentarische, noch auf neutestamentarische Studien, sondern auf Rassenprobleme bezogen. Den europäischen Namen aber verdankt der Herr Professor seinem eigenen Testament, in welchem er die Enterbung seiner einzigen Tochter Eva für den Fall aussprach, daß sie einem Manne die Hand zum ewigen Bunde reicht, in dessen Adern auch auch nur ein Tropfen jüdischen Blutes fließt. Ob Professor Mehely Gründe zu diesen Zukunftssorgen hatte, weiß ich nicht, Tatsache aber ist, daß die kluge Eva, um allen möglichen Eventualitäten vorzubeugen, das Testament ihres Vaters anfocht. Und zwar mit Erfolg. Es kam zu einem Ausgleich. Ganz Europa lachte. Man merkte sich seither den Namen des Budapester Professors, der jetzt vielleicht gar nicht nötig gehabt hätte, durch einen neuen verblüffenden Einfall die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Professor Mehely erklärt nämlich in einer Zuschrift an den „Pester Lloyd", daß sich in seinen sämtlichen mit der jüdischen Rasse befassenden Arbeiten „keine Spur von Antisemitismus findet." * * * Herr Professor Mehely geht aber noch weiter. Er versucht es, sich geradezu auf den Philosemiten herauszuspielen. Er versichert, es gut zu wissen, daß die Ungarn und die Juden miteinander und untereinander in dem verstümmelten Vaterland leben müssen, weshalb er „seit Jahren die Modalitäten für die Möglichkeit dieses Zusammenlebens suche." Das wäre ja wirklich ganz schön, wenn nicht der Herr Professor eine dieser Modalitäten in der bei jeder Gelegenheit betonten leidenschaftlichsten Propaganda für den weitestgehenden Numerus clausus gefunden hätte, der schon das Nebeneinandersitzen von jüdischen und christlichen Hörern in den Lehrsälen verhindert. In seinem Kampf gegen die Blutsvermischung zwischen Ungarn und Juden glaubt Herr Professor Mehely aber nicht Tadel, sondern vielleicht Dank auch von den — Juden zu verdienen, denn er habe „aus einer fünfzigjährigen Forscherarbeit die unerschütterliche Ueberzeugung geschöpft, daß die Kreuzung von einander fernstehenden Rassen nur zum Verderben der beiden Rassen führt." Daß sich Herr Professor Mehely diesen Dank wirklich nur bei den Juden sichern wollte, dafür spricht schon der Umstand, daß er, worauf auch der „Pester Lloyd" hinweist, kein Wort jemals gegen Kreuzungen der ungarischen Rasse mit der slawischen oder der rumänischen geäußert hat, obzwar „den Blutindex dieser beiden letzteren Rassen ein weit größerer Abstand als den der jüdischen Rasse vom Blutindex der ungarischen Rasse trennt." Herr Professor Mehely hat aber nicht einmal seine einzige Tochter Eva — in seinem famosen Testament — gegen slawische oder rumänische Blutstropfen schützen wollen. * * * Aber sei dem wie immer, mag Herr Professor Mehely aus wissenschaftlichen oder aus anderen Gründen noch weiter gegen die Mischehen sein, so ist sein feierlicher Protest gegen die ihm zugemutete antisemitische Gesinnung sympathisch zu begrüßen. Vielleicht finden sich auch unter den „Erwachenden" in Ungarn endlich mutige Männer, die sich nicht schämen, zu bekennen, daß das Versinken in wüsten menschenfeindlichen Haß, sei dieser auf Konfession oder auf Rasse begründet, eigentlich nur ein böser Traum war .... Es wiederholt sich alles. Auch das Gute und Vernünftige. Es gab ja auch bei uns einmal eine Zeit, in der die besten Freunde und Verehrer Luegers die Bezeichnung „Antisemit" als Beschimpfung auffaßten. Eg0 Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger U Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-3-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 Ungarische Mastgänse S 3-20 Maurische Lebergäose ., 3-40 Gansf ett kg „ 4*— Geräucherter GansbQgel per Stück S 3*— „ Gaasbmst „ „ „ 7* Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludl, XIX., Döbl. Hauptstraße Wahrheiten vom Ja&e Schächten ist keine Tierquälerei. Im Strairechtsausschuß des Reichstages hat, wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, Abg. Dr. Bell (Zentrum), ehemals Reichsjustizminister, beantragt, dem § 412 folgenden Absatz 2 anzufügen: „Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts geboten sind." Der Antrag Dr. Bell wurde nun jüngst in einer Sitzung des Ausschusses mit 23 von 27 Stimmen (von den 4 Deutschnationalen stimmten 2 gegen, 2 enthielten sich der Stimme) angenommen. Mit dieser Abstimmung ist die erste Lesung des ersten Buches des Strafgesetzbuchentwurfes beendet. Das bayerische Schächtverbotsgesetz und das Reich. Zur raschen Durchführung des Schächtverbotes beantragten die Nationalsozialisten im Münchener Stadtrat, sofort Maßnahmen zur Einführung des Betäubungszwanges im städtischen Schlacht- und Viehhof zu treffen. Der zuständige Referent erklärte, daß dies deshalb auf Schwierigkeiten stoße, weil das Gesetz noch nicht verkündet und noch keine Ausführungsverordnung dazu ergangen sei. Es sei noch nicht einmal gewiß, ob das Gesetz am 1. Oktober, dem vom Landtag beschlossenen Termin, überhaupt in Kraft treten werde, da man von verschiedenen Seiten bezweifle, ob es mit der Reichsverfassung übereinstimme, und möglicherweise von der Relichsregierung Schritte beim Staatsgerichtshof dagegen unternommen werden würden. Graf Klebelsberg über den Numerus clausus. Der ungarische Kultusminister Graf Klebelsberg, der in den letzten Tagen In Wien geweilt hat, empfing im C o 11 e g i u m tlungaricum die Vertreter der Presse und hielt an sie eine Ansprache, in deren Verlauf er über den Numerus clausus erklärte: Zweierlei Ursachen waren für den Numerus clausus in Ungarn maßgebend: sozialökonomische und national-religiöse. Die erste Ursache flaut infolge Rückkehr normaler Verhältnisse ab; daraus resultiert eine immer mildere Handhabung des Numerus clausus. Was die nationalreligiöse Strömung anlangt, so habe er, der Minister, ihr niemals zugeneigt, vielmehr war er immer bestrebt gewesen, daß bei Aufnahme von Studenten die Fähigkeit und nicht das konfessionelle oder nationale Moment ausschlaggebend sein solle. Mit der Zeit wird eine weitere Besserung nach dieser Richtung eintreten. — Dazu ist zu bemerken, daß im Wiener Collegium Hungaricum, welches mit ungarischen Staatsgeldern erhalten wird, jüdische Studenten nicht aufgenommen werden; auch in dem dazugehörigen Studentenheim rinden Juden keine Aufnahme. Völkische Heldentaten. Kürzlich wurde die Berliner Synagoge Kottbuser Tor von bisher unbekannten Tätern in einer Weise besudelt, wie es bisher weder in Berlin, noch irgend wo im ganzen Reiche der Fall war. Zwanzig Hakenkreuze in Höhe von einem Meterund mehr bedeckten die ganze Front des Hauses und seine Türen. Ueber die ganze Breite der Fassade erstreckten sich die Worte: „Juda verrecke! Judas den Tod! Die Rache naht!" Die Empörung über das Bubenstück ist eine allgemeine; keiner geht vorüber, ohne seiner Entrüstung über die Tat laut Ausdruck zu geben. Auch die um die Synagoge herum liegenden Baulichkeiten sind in dieser Weise beschmutzt worden. Die Polizei hat die Nachforschungen nach den Tätern aufgenommen. Eine Kundgebung für Halsmann. Die Kommission zur Bekämpfung des Antisemitismus der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit richtete an den Verteidiger im Halsmann-Prozeß, Herrn Professor Doktor

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