Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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UonWottke xu Wodhe Grabsteinstellung. Sonntag, den 16. Februar, fand auf Einladung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und des Vorstandes des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awroliom" die Grabsteinstellung für den verewigten Rabbiner, Dr. Salomon Funk, statt. Die Grabstcinstellung war mit einer würdigen Feier verbunden, weiche trotz des schlechten Wetters durch die zahlreiche Beteiligung aus allen Kreisen der Wiener Judenschaft und der Familienangehörigen des Verewigten einen eindrucksvollen Verlauf nahm. Unter anderen waren erschienen: In Vertretung der israelitischen Kulüisgemejndfc Präsident Univ.-Prof. Dr. Alois Pick mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein und Dr. J. Löwennerz und einer großen Anzahl Vorstandsmitgliedern; Abordnungen des österreichischen Rabbiner- und Kantoren Verbandes: Delegierte der Tempel- und Humanitätsvereine. Def Vorstand des Tempelveneiiies „Aeschel Awrohom" erschien unter Führung des Obmannes Oskar Schramck vollzählig. Nachdem Oberkantor I. Müller einen Trauerpsaltn zflin Vortrage gebracht hatte, hielt Rabbiner Dr. D. Feuchtwang die Gedenkrede und rühmte die überaus großen Verdienste des Dahingeschiedenen als Rabbiner. Gelehrter, Forscher und Mitglied des Wiener Beth-Din. Mannigfache Pflichten hatte der Verstorbene auf sich genommen und alle hat er treulich erfüllt. Sein hingebungsvolles Wirken war nebst dem Wolüe seiner engeren Gemeinde der Judenschaft überhaupt gewidmet. Der Verstorbene hat Großes geleistet und reiche Saaten ausgestreut, deren Früchte noch spätere Geschlechtler genießen werden. Es ist aber ein dringendes Gebot der Notwendigkeit, an die Nachfolgerschaft zu denken» denn eine Gemeinde kann und soll nicht führerlos sedn. Nun richtete Architekt Hugo Gorge an den Präsidenten der Kultusgemeinde folgende Ansprache: „Das Grabmal für den Verewigten, der unter diesem Steine ruht, sollte sein Wirken und sein Verhältnis zu den Ueberlebenden symbolisch zum Ausdrucke bringen. So entstand dieses Mal als Schriftstein für den Lehrer und Führer, so. war sein geistiges Vermächtnis dem Architekten zum Programm für die gestellte Aufgabe geworden. Ich erfülle eine angenehme Pflicht allen an dieser Arbeit Beteiligten bestens zu danken, in erster Linie Herrn akademischen Maler Arthur Weiß, der in sorgfältiger Weise auf meine Absichten einging, was die Inschriften anbelangt (Der Text wurde von Vorsteher S. Seemann entworfen. Anm. der Red.) Nun möchte ich den seltenen Anlaß, bei dem der moderne Architekt Gelegenheit hat, dem Vertreter der jüdischen Oerfcnflichkeit gegenüber zu stehen, nicht vorübergehen lassen, ohne auf folgendes hinzuweisen. Unsere Arbeit ist Dienst an der Gemeinschaft, in einem ganz neuen Sinne, unpersönlich und in ihrem Wesen also auch Gemeindedienst, wie es die Arbeit des verewigten Rabbiners Dr. Funk gewesen ist. Das ist das Wesentliche der Arbeitauffassung des Architekten von heute, daß er in erster Linie der Gesamtheit zu dienen hat Wir erwarten aber auch, daß sich nicht nur das jüdische Ausland in diesem Sinne unserer Tätigkeit erinnert, sondern daß auch hierzulande unsere Bestrebungen erkannt und gewertet werden. Und nun bitte ich Sie, sehr geehrter Herr Präsident dieses Grabmal in de'm Schutz unserer jüdischen Gemeinde zu übernehmen." Präsident Professor Dr. Alois Pick dankte dem Künstler für sein schönes Werk und übernahm dasselbe in die Obhut der Gemeinde. Das Denkmal, führte er u. a. aus. ist ein Meisterwerk in traditionell jüdischem Geiste, und imponiert durch die Einfachheit und Geradlinigkeit, Eigenschaften, die ganz dem edlen Wesen des Dahingeschiedenen entsprechen. Nach einem vom Oberkantor J. Müller wirkungsvoll zum Vortrage gebrachten „El mole rachamim" fand die imposante Trauerkundgebung ihren Abschluß. Erste jüdische Koch- und Haushaltungsschulen. Rituelle Kochkurse. Das „Dr.-Krügor-Heim". früher „Elisabethheini". das es sich zur Aufgabe gesetzt hat. jüdische. Mädchen zur produktiven und manuellen Arbeit zu erziehen, hat beschlossen, an seine bereits bestehenden Institutionen wie die Frauengewerbeschule für Weißnähen und Kleidermachen mit Oeffentlichkeitsrecht. das von ausgelernten Schülerinnen vorgenannter Schule auf kollektivistischer Grundlage, als Arbeitsgemeinschaft geführte Schneideratelier, sowie die Sprachschule für Englisch und Französisch, eine rituell geführte Koch- und Haushalrungsschulc mit Beginn des kommenden Schuljahres anzugliedern. Als Vorläufer dieser Schule soll Mitte März ein rituell geführter Kochkurs unter Leitung einer jüdischen, vom Wiener Stadtschulrat approbierten Lehrerin eröffnet werden. Schlagworte der breitesten Allgemeinheit sind es, „die jüdische Küche ist schwer", „zur jüdischen Küche gehört ein guter Magen". Der gute Magen — und wir sind bereits mitten im allerdings im ersten Moment so winzig aussehenden Problem und doch mitten in einem die jüdische Frau und damit die jüdische Familie, die jüdische Gemeinschaft angehenden Problem. Wir wissen, wie verbreitet die Stoffwechselkrankheiten gerade unter unseren Volksgenossen sind. Es beginnt bei der einfachen Verdauungsstörung und Fettleibigkeit und allen Folgezuständen dieser scheinbar so geringfügigen Leiden, dann kommt die gefürchtete Zuckerkrankheit, die Quälende Gicht und schließlich die oft früh beginnende Arterienverkalkung. Alle diese Krankheiten, ganz besonders aber die zuletzt genannte, sind oft nur der Ausdruck für die ein ganzes Leben geübte unzweckmäßige oder Ueberernähruiig und der menschliche Organismus, diese wunderbare Präzisionsmaschiue, darf eben wie jede andere Maschine, respektive deren Motoren, nicht überlastet werden und mit den vorhandenen Energien muß weise und sparsam hausgehalten" werden. Die Hauptaufgabe, unseres ersten rituellen Kochkurses soll es nun sein, den Frauen und Mädchen von hervorragendster ärztlicher Seite Aufklärung geben zu lassen über die Errungenschaften der modernen Ernährungslehre, über Diät und Krankenkost, sowie über die Ergebnisse moderner Forschung auf dem Gebiete des Vegetarismus und der Rohkost. Ein dreifaches Ziel haben wir uns für diesen Kochkurs gesetzt: Schmackhafte Kost von der einfachen Küche bis zum erlesenen Festmenü. gesunde und die Gesundheit fördernde Ernährung auf Gru».. sler modernsten wissenschaftlichen Kenntnisse und trotz alledem keine Verletzung unserer jahrtausendealten Speisegesetze. Anmeldungen für den ersten Kochkurs werden bereits in der Kanzlei des „Dr.-Krüger-Heimes", Wien IL, Malzgasse 7. entgegengenommen, woselbst auch Prospekte erhältlich sind. Telephon R 43-5-40. Hermine Krüger. In der israelitischen Versorgungsanstalt fand am 13. Februar eine musikalische Veranstaltung statt. Oberkantor M a r g u 1 i e s brachte, von Frau Professor Segenreich-Pfeiffer am Klavier begleitet, jüdische und deutsche Lieder in meisterhafter Weise zum Vortrage. Josef Veleba erfreute die zahlreich erschienenen Pfleglinge durch sein vollendetes Qeigenspiel. Damen des Floridsdorfer Frauenveremes verteilten in der Pause Liebesgaben an die Insassen, die voll des Dankes über das ihnen Gebotene waren. „Einheif*. Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen", IL. Malzgasse 12. Die XVI. ordentliche Generalversammlung der Vereines „Einheit" galt vor allem der Trauerkundgebung nach dem am 21. Oktober 1929 in hohem Alter dahingegangenen Herrn Bernhard Hofbauer. Derselbe trat 1907 in den Vorstand des Vereines ein und war vom 26. April 1908 bis zu seinem Tode der sehr verdienstvolle- Präsident, dessen Name allein schon von größtem Werte für die „Einheit" war. Diese erhielt am 21. Jänner 1906 ihre gesetzliche Genehmigung und verdankt ihre Entstehung vor allem dem rührigen Seide Komet, dann dem früheren Obmann des Tempelvereines „Beth Israel" (polnischer Tempel) Samuel M e i s e 1 und Dr. Salomon Kren berger. In ergreifender Weise und mit bedeutsamen Worten priesen die Herren Moritz Felsenb nj g, als Vizepräsident der „Einheit". Herr Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde und Präsident der „Union österreichischer Juden", Dr. Jakob 0rnstein, sowie Kultusvorstand Wolf Pappenheim den strenggläubigen, charakterfesten, wohltätigen und hervorragend wirkenden Bernhard Hofbauer. Er war der Gründer .und Präsident des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums, er gründete das Bethaus „Machsike Hadath" im Lazzenhof, er war im Vorstand der Talmud Thora, er gehörte der „Union" an und war ein unentwegter Anhänger des politischen Liberalismus. Ein Jude von echtem Schrot und Korn. Der übrige. Teil der Generalversammlung brachte die erfreuliche Meldung, daß die „Einheit" im Jahre 1929 saniert sei, eine Tatsache, die sowohl Herr Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n als Herr Sekretär der israelitischen Allianz, Dr. Armand Kaminka, aufs freudigste als eine einzig dastehende Leistung begrüßten. Sie versprachen beide. soweit es an ihnen liegt, um so mehr die „Einheit" zu unterstützen, weil sonst die Kultusgemeinde selbst die Fürsorge für rituelle Ausspeisung der Armen auf sich nehmen müßte und weil die israelitische Allianz in der „Einheit" die Stelle habe, wo sie die bei. ihr hilfesuchenden Fremden aus allen Ländern verpflegen könne. Wie früher, so sorgte auch 1929 das Viererkomitee, bestehend aus den Herren Moritz Felsenburg, Adoli Fischer, Max Hofbauer und Regierungsrat Doktor Salomon Krenberger im Vereine mit dem braven Personal in Büro und Küche für die Zufriedenheit der Gäste und für Sparsamkeit und Genauigkeit. Im Jahre 1929 wurden 287.808 Portionen Essen verabreicht. Die tägliche Abnehmerzahl ist 260 bis 280 Personen. Die;,Einheit" gibt Essen in einer allgemeinen Abteilung, in der Mittelstandsküche und in einer Mensa für Hochschüler. Sie sendet täglich das Essen in die Kindergärten IL, Nestroygasse und XX., Othmargasse 48, und beliefert das Spital der Barmherzigen -Brüder, ein Mädchenblindenheim, die Polizei und Gericht. Nach Genehmigung des Rechenschaftsberichtes auf Antrag des Revisors Herrn Emil K r i t z 1 e r erfolgte die Wiederwahl der bisherigen Revisoren Jakob Fuchs, Emil Kritzler und Jakob Stern und die Neuwahl der Herren Karl K o h n, Bernhard N i w e s. Max Leo Popper, Oskar Schramek und Samuel Wechsler. Möge die „Einheit" zum Wohle der Armen gedeihen und blühen! Auszeichnung. Der Präsident der französischen Republik hat dem Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift „Das neue Europa", Dr. Paul Hohenau, das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion verliehen. Diese Zeitschrift hat sich seit 15 Jahren in erfolgreicher Weise um den ökonomischen Wiederaufbau von Europa durch eine kluge, maßvolle Verständigungspolitik bemüht. k GROSSFLEISCHHAUEREI ilEGM, KORNMEHL ■«■■■■■■■■■■■HBHHaMMrM WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99 od d A 16-9-34 Lieferant für Hallanstalten AbteilungenforKoscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. Rabbinatss dar •sr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Pnma-Qualität zu den billigsten Marktpreisen uiei -■ ■ „Cbewra Kadischa" für den XVL und XVIL Bezirk in Wien. Sonntag, den 23. Februar d. J., um 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale des Kultusbezirksamtes für den 16. und 17. Bezirk in Wien XVI., Hubergasse 8, die XXI. ordentliche Qeneralvejr- Sammlung dieses Vereines statt. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk in Wien. Sonntag, den 9. Februar veranstaltete der Verein in den Prachtsälen des Volksgarten-Restaurants eine Masken-Redoute, zu welcher sich ein sehr zahlreiches und distinguiertes Publikum eingefunden hatte. AIs Ehrengäste waren unter anderen erschienen der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Jakob O r n s t e i n, Kultusvorsteher Medizinalrat Doktor Jakob Deutsch, der Obmannstellvertreter des Bethausvorstandes Ottomar Katz und Gemahlin, der Obmann des Vereines „Kinderfreunde" Oberveterinärrat Heinrich Rosenzweig und in Vertretung des Kultur- und Tempelbauvereines Ottakring—Hernais Bundesbahninspektor Sigmund Schlesinger. Die Redoute wies auch einen sehr guten materiellen Erfolg auf und gebührt den Vorstandsmitgliedern des Vereines für die gelungene Veranstaltung volles Lob. Predigt. Der Vorstand des Döblinger Tempelvereines gibt bekannt, daß Se. Ehrwürden Herr Doktor Arnold Frankfurter, Freitag, den 21. d. M., bei dem um 5.30 abends beginnenden Gottesdienste eine Predigt halten wird. „Theologia", Verein jüdischer Hochschüler a. d. isr.-theol. Lehranstalt. Samstag, den 22. Februar findet um J49 Uhr vormittags eine Predigt des Kollegen abs. theol. et phil. Moses Z i k i e r im kleinen Tempel. 11.. Tempelgasse 3, statt. Der Morgengottesdienst beginnt wie gewöhnlich pünktlich um 8 Uhr früh. Hasimrah, Chorverband der Vereinstempelsänger. Der Verein, der seit dem Jahre 1921 besteht und dessen Zweck die Hebung und Förderung der sozialen Stellung der Vereinstempelsänger, Sängerinnen, Dirigenten und Organisten und des Chorgesanges ist, hat in seiner diesjährigen Generalversammlung in den Ausschuß nachfolgende Herren gewählt: Ehrenobmann: Tlirschmann Bernhard. Chordirigent. Pazmanitentempel. I. Obmann: Oesterreicher, Chordirigent. Wien X. (Tempel), II. Obmann: Fröhlich. Chorherr, Wien XIII. (Tempel), I. Kassier: Markus. Chorherr, Wien XIX. (Tempel). II. Kassier: Frau Willheim. Chordame. Wien XIX. (Tempel). I. Schriftführer: Glück. Chorherr; Wien XIII. (Tempel). II. Schriftführer: Frau Großmann. Chordame. Wien X. (Tempel). I. Revisor: Weiß. Chordirigent. II. Revisor: Herzberg. Chorherr. Wien XX.. I. Beirat: Revesz. Chorherr. Wien II. (Pazmaniten-Tempel). II. Beirat: Herz. Organist. Wien VI. (Tempel). Repräsentationsabend des Jüdisch-Akademischen Philosophenvereins. Der Jüdisch-Akademische Philosophenverein veranstaltet am Samstag, den 22. d. M.. um K-9 Uhr abends, in. den Sälen des Palais Ratibor. Wien I.. Singerstra&fc 16, seinen diesjährigen Repräsentationsabend mit Tanz. Der Reinertrag ist für die Bibliothek des Vereines bestimmt. Karten zum Preise von S 3.50 (für Studenten S 2.—) und Einladungen sind täglich in der Zeit zwischen 1-5 Uhr im Komiteelokal, Wien IX., Zimmermannplatz 8. Tel. A 25-2-28, erhältlich. An der Abendkassa erhöhte Preise. Abendkleidung. Zwei Jazzorchester. ..Urania" Mittwoch. 26. Februar. 148 Uhr. — Kleiner Saal. Dr. Max G r u n w a 1 d: Portugal and seine Oehelmjnden (Harranen) Mit Lichtbildern. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Juden Portugals auf königlichen Befehl gewaltsam getauft. Auch nach Einführung der Inquisition in Portugal hingen sie im geheimen weiter.dem Judentum an. Trotz jahrhundertelanger Verfolgung durch das Glaubensgericht haben sich tausende solcher Geheimjuden erhalten. In den letzten Jähren beginnen sie, sich offen zum Judentum zu bekennen. Für Mitglieder S 1.10 bis S 1.80. Für Nichtmitglieder S 1.40 bis 2.40. Karteinvorverkauf im Uraniagebäude wochentags von Y:9 bis 1 Uhr und von 2 bis 5 Uhr: an Samstagen bis 6 Uhr; an Sonntagen von 9 bis 1 Uhr. — Fernruf R 48-2-46.