Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT bette 7 „Palästina einst und jetzt". Unter diesem Titel hielt jüngst Dr. Fritz W i 1 k e, Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät der Wiener Universität, im Verein üdisches Museu ni" (Obmann: Hofrat Dr. S. Frankfurter) einen höchst interessanten Vortrag über seine Beobachtungen im Heiligen Lande, in dem er drei Monate zu Studienzwecken weilte. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes einen ausführlichen Bericht über diesen fesselnden Vortrag, der bei den Zuhörern größte Sensation erregte, veröffentlichen. Der H. G. V. -Mariahilfer Kinderfreunde" (Obmann: Ignaz Pol lach. Vereinslokal: VII. Bezirk. Mariahilierstraße 94, Cafe Rudolfshof), teilt uns in Ergänzung unseres Berichtes in Nummer 7 der „Wahrheit" mit. dati er 28 Kinder (15 Knaben und 13 Mädchen) von den Waisen unter seinen 68 Kindern vollständig bekleidet hat. Vortragsabend. Donnerstag, den 27. Februar d. .1. findet um 'AS Uhr.im kleinen Konzerthaussaal ein Vortragsabend der bekannten Wiener Rezitatorin Margarethe Bach unter Mitwirkung des Professor Hugo Gottesmann statt. Karten im Konzertbüro Guttinann. I.. Kärntnerring 3. resp. an der Abendkasse. Trauung. Sonntag, den 16. d. M. fand im festlich beleuchteten Seitenstet tentempel die Trauung des Fräuleins Mella Landau, Tochter des Herrn Moriz Nathan Landau und seiner Qattin Clara, mit Herrn Ing. Fritz M o r a w e t z, Sohn des Herrn Adolf und Frau Therese Morawjetz, unter großer Beteiligung der zahlreichen Freunde und Verehrer der beiden Familien statt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten * der! Wiener israelitischen Kultusgemeinde Professor Dr. Alois Pick sowie das Präsidium des Kranken-Unterstützungsvereines „N ä c listen liebe". Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Rosen mann verlieh, nur den Gefühlen der zahlreichen Freunde, zu denen er selbst seit langen Jahren zählt, passenden Ausdruck, als er in einer von persönlicher Wärme durchdrungenen Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Eltern des Brautpaares von weiten Kreisen gezollt wird. Die kantorale Funktion versah, mit verstärkter Chorassistenz Herr Oberkantor. Heinrich Fis c h e r in feierlichster Weise. Den fünfundachtzigsten Geburtstag beging am —lÄ/'.-d. M. das langjährige, überaus verdienstvolle "Vorstandsmitglied des Neudegger Tempels und Delegierter der ChewraKatlischa I, Herr Kommerzialrat Philipp W e i ß, Chef der Firma P h. W e i ß & Söhne, Wien VII., in voller geistiger Frische und körperlicher Gesundheit. Dem Jubilar, der sich ob seines rechtlichen Wesens allgemeiner Sympathien erfreut, mögen noch viele Jahre segensreichen Wirkens im Interesse unserer Gemeinde und des Josefstädter Tempels gegönnt sein. -• . H. Silberne Hochzeit. Dem Ehepaare Restaurateur Julius Grüner, 11., Große Piarrgasse 23. Fürsorgerat der Stadt Wien und seiner Gattin Fanny, geborene Fischer, die am 17. d. M. die silberne Hochzeit feierten, wurden aus diesem schönen Anlasse zahlreiche Glückwünsche weitester Kreise und große Ehrungen zuteil. Todesfälle. Am 6. Februar wurde unter großer Beteiligung Herr Isidor GoldschmLedt, dfer im 62. Lebensjahr nach langem, schweren Leiden verschieden ist. zu Grabe getragen, tief betrauert von seiner Gattin Karoline und seinen Kindern Heinrich und .Melitta. Den Verstorbene erfreute sich durch seine große Frömmigkeit und seinen vorzeitlichen Charakter allgemeiner Wertschätzung.Herr Rabbiner Dr. F e u e h tw a n g betonte dies auch in seiner gehaltvollen Trauerrede, in welcher er den Verblichenen als liebevollen Gatten und Vater würdigte, und auch erwähnte, wie der Dahingeschiedene Zeit seines Lebens ehrlicher aufopfernder Arbeit ergeben war. — Donnerstag, den 13. Februar, ist im Alter von 66 Jahren Frau Adele Herz, Gattin des Herrn Juda He uz, verschieden. Mit ihr ist einet Frau von großen Vorzügen dahingeschieden. An der Leichenfeier, die am 14. d. M. stattfand, nahmen viele Freunde der Familie Heil; die der allgemein geschätzten und beliebten Frau aufrichtig nachtrauern. . Salo Lemberger s. A. Donnerstag, den 6. Februar 1930 starb im Spitale der israelitischen Kultus- ^ememde Herr Salo Lemberger. Der Verblichene erfreute sich infolge seines integren Charakters und seines freundlichen Wesens allgemeiner Beliebtheit In seiner Jugend studierte er Medizin, befaßte sich auch mit Gesangsstudien und war einige Zeit im Tempel des 9 Bezirkes gemeinsam mit Jadlowker und Josef Schwarz im Tempelchore, im Jahre 1900 trat er in den Chor des Stadttempels ein und verblieb dort bis 1927. In dieser Zeit betätigte er sich nicht nur mit Chorgesang, sondern half auch zeitweise als Kantor. Sein besonderer Pflichteifer und. seine musikalischen Kenntnisse verhalfen ihn zu großer Beliebtheit, was sich auch darin bewies, daß er bei wohltätigen Veranstaltungen mit seinem mächtigen Baß und seinem seelenvollen Vortrage gerne mitwirkte und gerne gehört wurde. In seinem ganzen Wesen war jedech in besonderem Ausmaße die Gutherzigkeit und die ehrliche Anteilnahme an dem Geschicke der leidenden Menschheit ausgeprägt. Damit war er für den Beruf prädestiniert, welchen er im Jahre 1908 als Beamter im Wohltätigkeitsamte der Kultusgemeinde bis zu seiner schweren Erkrankung im November 1929 ausübte. Anläßlich seines Begräbnisses hat der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. Bach die Tätigkeit dieses Mannes' als Fürsorger geschildert und darauf hingewiesen, daß der Beamte im Wohkätigkeitsamte ein sehr schweres Amt ausübe. Schon der Verkehr im Amte mit den Parteien, die in der verschiedensten Weise ihr Leid und Weh klagen und denen man in den meisten Fällen nur teilweise behilflich sein, selten helfen kann, verhingt von dem Beamten, der mit dieser Agende betraut ist, einen großen Aufwand von Menschenkenntnis, Verständnis, Klugheit und Anteilnahme. Ebenso schwierig und unangenehm ist die Besorgung der Recherchen, welche den Einblick in die verschiedensten Lebensverhältnisse der Armut gewährt: auch physisch erfordern diese Erhebungen große Anstrengung. Es ist demnach das Amt eines Beamten im Wohltätigkeitsamte infolge der Ausübung seiner Dienstespflichten besonders zu bewerten und der verblichene Salo Lemberger hat es verstanden, durch seine Fähigkeiten dieses Amt in anerkennenswerter Weise auszugestalten. Mehrere Jahre war er auch Obmann des seinerzeit bestandenen jüdischen Beklcidungsvereines „Donauperle", ierner städtischer Fiirsorgerat und nicht zuletzt in den Kriegsjahren einer der bewährtesten und tüchtigsten Fürsorger in der Flüchtlingszentrale unter der Leitung Dr. Schwarz- Hillers. Was Herr Lemberger spezieil in dieser Tätigkeit geleistet hat. da er durch vier Jahre einen aufreibenden Parteienverkehr von täglich hunderten Personen bewältigte, feiner Vorträge ärztlicher oder pädagogischer Art hielt, das wird ihm bei all denjenigen, welche mit ihm in der Zirkusgasse in der Flüchtlingszentrale mitgearbeitet haben, bei den vielen Parteien, denen er aller Art Hilfe zuteil werden ließ, einen dauernden ehrenvollen Namen erhalten. Bei dem Leichenbegängnisse hat es sich auch erwiesen, welch besonderer Beliebtheit Herr Lemberger durch seine menschlichen Vorzüge sich erfreute. An seinem Sarge sprachen Herr Präsident Professor Dr. A. Pick. Herr Präsident des Bethausvorstandes Dr. Elias Münz. Herr Amtsleiter Julius Roseiiftld und sein intimer Freund Michael Striks. mit welchem er beinahe drei Jahrzehnte im Chore des Stadttempels gesungen hat. Die kantoraie Funktion versah Herr Oberkantor Fischer und sangen dabei etwa zwanzig Herren aus den Tempelchören. Unter Führung des Herrn Reg.- Rates Dr. E. Adler waren sehr viele Beamte anwesend und mit der Witwe und dem Bruder des Verstorbenen viele Angehörige und Freunde. Das Andenken an diesen vortrefflichen Mann wird bei allen, die mit ihm im gesellschaftlichen oder amtlichen Verkehr standen, ein dauerndes bleiben. Amtsleiter Rudolf Kraus. Die Berliner Verhandlungen mit Jadlowker gescheitert. In dem Konzert am 29. Jänner in der Neuen Synagoge, Oranienburgerstraße, sang Kammersänger Jadlowker, wie wir berichteten, auf Engagement. Obwohl der künstlerische Erfolg Jadlöwkers ein sehr starker war, haben, wie verlautet, die Verhandlungen zwischen der Gemeinde und Jadlowker wegen Uebernahme einer Oberkantorstelle durch den Kammersänger zu keinem Ziele geführt. Jadlöwkers finanzielle Bedingungen waren solche, daß die Gemeindeverwaltung glaubte, ihre Erfüllung vor' der Oeffentlichkeit nicht verantworten zu können. Jadlowker hat sich bereits auf seinen Posten als Oberkantor nach Riga zurückbegeben. Wahrheiten vom Jage Allzu scharf hält nicht lange. Mattsee im Salzkammergut erfreut sich einiger Beliebtheit eines Sommerpublikums, das auch von weiter herkommt, seitdem durch die Autoverbindungen das Gebiet leicht zugänglich geworden ist. Mattsee nimmt daher ständigen Aufschwung, was sich auch in dem Ausbau seiner Gaststätten, im Neubau von Pensionen und der Er- Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger ^■■^^■■■^^■■■M^^H^H^^^^HV 1., Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-5-29 * IL, Hollandstraße 11 Telephon R 47-2-40 richtung einer modernen Badeanlage erfreulich zeigt. Vor dem Kriege war es kaum bekannt. Im Zeitpunkte der Entdeckung glaubte man in Mattsee ebenso wie anderwärts, allerhand tun zu müssen, um die Juden fernzuhalten; es entwickelte sich dort ein antisemitischer Radikalismus. So wurde vor wenigen Jahren eine jüdische Familie, die trotz der öffentlichen Anschläge „J uden hinaus!" nach Mattsee gekommen war, durch eine Art Haberfeldtreiben veranlaßt, sogleich wjeder abzureisen. Nun hat der Fremdenverkehrs verein in seiner heurigen Hauptversammlung der Ansicht des ruhiger denkende» Hauptteiles der Bevölkerung in einem förmliche» Beschluß Ausdruck gegeben, in dem er als die fite den Fremdenverkehr maßgebende Körperschaft eri klärt, daß er Sonderbestimmungen vergangener Jahre nicht teilt und eine einseitige Haltung gegenüber dem Sommerpublikum tür schädlich und den Interessen des Ortes und seiner Wirtschaft für abträglich bezeichnen muß. Konflikt im polnischen jüdischen Parlamentsklub. In der Sitzung des jüdischen Parlamentsklubs stellte der Präsident des Klubs, Abg. J. ürünb a u m, den Antrag, der Regierung das Mißtrauen des jüdischen Klubs wegen ihrer antijüdischen Wirtschaftspolitik dadurch auszudrücken, daß der Klub im Sejm geschlossen gegen das Budget stimmt. Die Mehrheit des Klubs nahm aber einen anderen Antrag an, daß sich der Klub bei der Abstimmung des Budgets derStimmeenthalte. Daraufhin erklärte Grünbaum, daß er die Würde eines Präsidenten des Klubs niederlegt. Kein Richtungsweehsel in Ungarn. Der Konflikt der der Regierungsmehrheit angehörenden christlich soziale n Wirtschaitspartei mit dem Kultusminister (iraieu Klebeisberg, der wegen der vom Kultusminister in der Festversammlung der Budapester Jüdischen Gemeinde gehalteneu Rede gegen Numerus clausus und für Schaffung einer nationalen und konfessionellen Einheitsfront ausgebrochen war. ist in friedlicher Weise beigelegt worden. Die Partei hat eine Konierenz abgehalten, in der sie mit ..Genugtuung zur Kenntnis nahm", daß die anläßlich des Jubiläums der Zeitschritt ..Egyenlöseg" gehaltene Rede des Kultusministers „keinen Richtungswechsel in der christlichen Politik der Regierung bedeutet". flmtlicQe VerfauWarungen der Jsraefitisdfen Xuftusgemeinöe Wien Kundmachung. Fleischhauer, die im Zentrum des VI. und VII. Bezirkes ein den Anforderungen des ehrwürdigen Rabbinates entsprechendes Lokal für eine Koscherfleischbank besitzen und welche die Absicht haben, ihre Fletschbank unter Aufsicht der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu stellen, wollen ihre schriftlichen Angebote an die Amtsdirektion der israelitischen Kultusgemeinde Wien I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, richten. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 22. Februar 1930 findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 21. Februar 1930 werden bei dem um 5 Uhr 30 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); V., Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Dr. M. ü. M e h r e r); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII. , Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Samstag, den 22. Februar 1930 findet beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) im Gemeindetempel XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g> ein exegetischer Vortrag statt.