Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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UlE WAHRHEIT Seite 5 diesem Jahre mit 2,100.000 Schilling präliminiert, eingegangen sind erfreulicherweise, allerdings mit Rücksicht auf den 20prozcntigen Zuschlag. 2,500.000 Schilling. Für karitative Zwecke wurden im Jahre 1929 1.900.000 Schilling ausgegeben, also ein Betrag, der ungefähr dem präliminierten Kultussteuereingang entspricht, es wurde somit so ziemlich die ganze Kultussteuer allein für soziale Fürsorge verwendet. Daß die Finanzen derzeit geordnet sind, erscheint umso bemerkenswerter, als die Knltusgemeinde jüngst den Beamten eine G ehaltserhöhung bewilligt hat, wobei jedoch im Zuge der Verhandlungen die bisher bestandene A ngleichung an die Bezüge der Angestellten der Gemeinde Wien endgültig fallen gelassen wurde. Sind so die gemeinsamen Angelegenheiten aller Parteien im Kultusvorstande nicht gerade übermäßig viele, so gibt es dafür zahlreiche Differenzen und Gegensätze. Ein kardinaler Zwiespalt besteht in der Frage des allgemeinen Wahlrechtes, in der die „Union" nicht im geringsten nachzugeben gewillt ist. Die Zustimmung zu der Einsetzung eines Statuten- und Wahlreformausschusses darf nicht, wie dies jetzt von den gegnerischen Parteien oft geschieht, dahin gedeutet werden, daß die „Union" von ihrem prinzipiellen Standpunkte abweichen wird, es handelt sich hier lediglich um ein Forum, in dem die strittigen Fragen in parlamentarischer Weise behandelt werden sollen, ohne daß damit irgend welche Präjudizien in Bezug auf unsere bekannie Stellung zu dieser Frage gegeben erscheinen. Die Kultusgemeinde benötigt gewaltige Mittel, um zu existieren, wir stehen vor einem 6-Millionen-Schilling-Budget und wer da nicht einmal «inen Groschen Kultussteuer opfern will, hat nach unserer Ansicht nicht das Recht, bestimmend in die Geschicke der Gemeinde einzugreifen (lebhaite Zustimmung). Unverständlich erscheint es, daß auch in Fragen des Kultus gewisse Gegensätze vorherrschen. Bei der Unterstützung der Tempelvereine und der kleineu Bethausvereine ergeben sich Schwierigkeiten, indem hier die Tendenz besteht, beide gegeneinander gewissermaßen abzuwiegen. Die kleinen Bethausvereine sind sicherlich notwendig, denn sie pflegen einen strengen Konservativismus, der gewiß zur Erhaltung des religiösen Judentums in Wien dient. Die großen Tempelvereine aber erfüllen eine besonders wichtige Aufgabe, indem sie gerade jene zahlreichen Juden aufnehmen, die nicht streng orthodox, aber doch religiös eingestellt sind. Die Kultusgemeinde muß in diesem Falle alle Juden vereinigen und darf da nicht Unterschiede machen. Auch im 'Schulwesen sollte eigentlich kein Gegensatz bestehen, aber er ist dennoch vorhanden und manifestiert sich auf mancherlei Art. Es ist Aufgabe der Kultusgemeinde. für den öffentlichen Religionsunterricht zu sorgen und hier insbesondere Lehrer zu erhalten und zu gewinnen, die bei ihren Schülern tatsächlich Keuchtet sind, ihnen durch ihre Kenntnisse imponieren, mit einem Worte. Führer und Leiter der Jugend sind, die gerade unter den heutigen Verhältnissen die Autorität schwer anerkennt. Das nationale Ideal, das sehr leicht erschüttert werden kann, zum Beispiel durch die traurigen Ereignisse in Palästina, wird nie und nimmer das religiöse Ideal ersetzen können und gerade deshalb ist es Pflicht der Kultusgemeinde, die Jugend mit religiösen Idealen zu erfüllen und sie dadurch mit dem Judentum zu" verankern. Im Jahre 1929 wurde eine Reihe von Bibelschulen geschaffen, deren Besuch ein recht günstiger ist. wenn man bedenkt, daß diese Schüler — ungefähr 600 — freiwillig die Schulen frequentieren. Auch der Jugendgottesdienst wurde intensiviert, er ist .sehr gut besucht und als besonders erfreuliche Tatsache ist festzustellen, daß die Jugend ihre Eltern mitbringt und viele Kinder, die bisher überhaupt keine Gelegenheit hatten, in den Tempel zu kommen, beim Jugendgottesdienst einen bleibenden Eindruck für ihr Leben erhalten, den zu vertiefen Aufgabe der Schulverwaltung ist. Ueberhaupt ist die Frage der religiösen Erziehung eine sehr brennende und die Förderung konfessioneller Schulen für die Kinder religiöser Eltern erscheint demgemäß unbedingt wichtiger als zum Beispiel die Forderung nach nationalen Schulen, in welchen die religiöse Erziehung gegenüber der nationalen zurücktritt. Bei 3er sozialen Fürsorge reichen sich alle Parteien in einem gewissen Sinnetlie Hand, weil hier glücklicherweise die Politik ausgeschaltet ist. Auf diesem schönen Gebiete wird enorm viel geleistet. Der Referent gab einen Ueberblick über die zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen der Kultusgemeinde und schloß mit dem Appell, daß jeder Einzelne . mitarbeiten möge an diesem edlen Werke. In Variierung des Wortes: „Nichts Menschliches ist mir fremd", müssen wir sagen: „Nichts Jüdisches ist mir fremd" und demgemäß handeln! In dieser Hinsicht deckt sich Judentum mit Menschentum. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Jakob O r n s t e i n beschäftigte sich mit dem Budget der Kultusgemeinde und teilte mit. daß wthrscheinlich das Defizit für das Jahr 1930 mit S 316.000.— präliminiert werden wird, wobei in dieser Summe die Defizite der früheren Jahre eingeschlossen sind, deren Höhe nach dem Präliminare pro 1929 schon ungefähr S 450.000.— betrug. Es ist also der eisernen Sparsamkeit in der Gebarung der Gemeinde gelungen, das Defizit wesentlich herabzumindern, ein Erfolg, der angesichts der Sprozentigen Erhöhung der Angestelltengehalte besonders hoch zu werten ist. Wohl hat die Kultusgemeinde im Jahre 1929 eine 20prozentige- Erhöhung der Steuern vornehmen müssen, wodurch sich -zum Teil der günstigere Steuereing'ang erklärt, aber auch bei Bund und Gemeinde befinden sich bekanntlich die Steuern in einer aufsteigenden KuPve und die Steuer bei der. Kultusgemeinde beträgt im Durchschnitt pro Kopf immer nur S 43.—. während sie beim Bund pro Kopf S 400.— beträgt. Der Redner zog Vergleiche zwischen dem Budget der Wiener Kultusgemeinde mit ihren ungefähr 250.000 Juden und dem der Berliner Kultusgemeinde mit ihren nur 173.000 Juden. Die Wiener Gemeinde steht vor einem Budget von 6 Millionen Schilling, während das der Berliner Gemeinde 12 Millionen Mark beträgt. Dabei ist zu bedenken, daß dort die Steuern nicht wie bei uns durch Kommissionen geschätzt werden, sondern daß sie in Form eines Zuschlages zur staatlichen Einkommensteuer eingetrieben werden, der jetzt 10 Prozent beträgt. Dadurch ist ein Defizit nicht möglich, denn diese Zuschläge erreichen ganz exorbitante Höhen, wie der Redner an einzelnen ihm bekannten Beispielen illustrierte. Um aus dem Defizit herauszukommen, ist die Kultusgemeinde bekanntlich an den Bund wegen eines ständigen Beitrages zu den Leistungen der Gemeinde herangetreten. Präsident Dr. O r n s t e i n schilderte in interessanter Weise die einzelnen Phasen dieser Verhandlungen mit den Bundeskanzlern Seipel, Streeruw i t z und Schober und sprach die Hoffnung aus. daß es trotz aller Schwierigkeiten doch gelingen werde, hier zu einem Ziele zu gelangen und vom Bund einen ausreichenden Betrag zu bekommen. Auch dieser Redner behandelte unter großem Beifall der Versanimlui-g die einzelnen Fürsorgeinstitutionen der Gemeinde, von deren hervorragenden Leistungen, auf die wir stolz sein können, er ein anschauliches Bild entwarf. Er beschäftigte sich schließlich mit der Austrittsbewegung und stellte fest, daß viel gefährlicher als diese Bewegung — in den letzten 10 Jahren sind unter Berücksichtigung der Einbezw. Rücktritte 6777 Personen aus dem Judentum ausgetreten — das Mißverhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen ist. 27.172 Todesfällen stehen 22.232 Geburtenin der gleichen Zeit gegenüber. Dieses Mißverhältnis ist wohl hauptsächlich durch die momentanen tristen wirtschaftlichen Verhältnisse zu erklären. Dr. O r n s t e i n beendete seine Rede mit dem Wunsche, daß sich bei Besserung dieser Verhältnisse auch diese jetzt bestehende Gefahr abwenden lasse. An die Ausführungen der beiden Referenten schloß sich eine sehr lebhafte Debatte an, an der sich die Herren Hofrat Ing. Josei Löwy. Komm.-Rat Bernhard Buchwald. Börserat Ignatz Glück und Dr. Josef T i c h o beteiligten. Namentlich wurden in dieser Debatte die Unterschiede zwischen Religion und Volkst u m eingehend behandelt. Besonders lebhafte Zustimmung löste die Erwiderung des Herrn Börserat Ignatz Glück auf einen gegen ihn gerichteten Angriff in der ..Neuen W e 11" aus. die ihn als „unwürdig" für das Kultusvorstandsmandat hingestellt hatte, weil er einer Lehrerin, die die Kinder für eine Chanukka-Veranstaltung ein rein zionistisches Lied gelehrt hatte, in entschiedener Weise entgegengetreten ist. Dieses Verhalten des Herrn Lörserat Ignatz Glück fand die vollste Billigung der Versammlung, die ihrer Entrüstung über die Angriiic der „Neuen Welt" in lauter Weise Ausdruck gab. In später Stunde schloß Obmann Adolf Taub die Versammlung. Am 13. d. M. iand im Cafe Lovrana eine gut besuchte Versammlung der Bezirksorganisation Hl der „Union" statt, in der Herr Dr. Ernst Feldsberg über das Thema „Kultus und Politik" sprach. Der Redner führte ioigendes aus: Viele moderne Menschen glauben, daß das Judentum, wie so viele seiner unermüdlichen Leichenredner behaupten, nichts anderes als eine versteinerte mumienhafte Religion sei, die aus grauer Ferne in unsere Zeit hineinragt. Trotzdem aber wohnt dieser Religion ein reicher Vorrat von unerschütterlicher Lebenskraft inne. da sie nach wie vor imstande ist, so viele begeisterte Anhänger um sich zu scharen. Wenn auch den Juden der Boden unter den Füßen genommen wurde, wenn auch unsere Ahnen, von Haus und Hof vertrieben, in der Diaspora unter Foltern und Torturen durchs Leben ziehen mußten, so war doch all das, was wir Religion nennen, ein unentwegter Begleiter des Schicksals dieser Menschen. Alle Versuche, das Judentum zu vernichten, machte der unversiegbare Quell der Religion und ihrer Lehre zunichte. Es gibt kein Kulturvolk, in dem nicht eine religiöse Anlage wohnt. Die Fähigkeit, religiös zu empfinden, ist ebenso ursprünglich, wie die Fähigkeit zu Liebe und Haß, wie die Fähigkeit zur Furcht und Hoiinung. Die religiöse Anlage, die den Menschen der Grundstein für alle Ethik und Moral ist, gehört dem großen Bereiche des Fühlens und des Wollens an und unterscheidet sich eben dadurch von dem Begriif der Wissenschaft, die dem Bereiche des Denkens, des Urteilens und der Logik angehört. Es ist also von Anbeginn an ausgeschlossen, den Versuch zu unternehmen, die Religion mit Hilfe der Wissenschaft zu bekämpfen. Diejenigen, die unter Berufung auf die moderne Aufklärung und unter Berufung auf die Errungenschaften der Wissenschaft glauben, den Grund gefunden zu haben, die religiösen Begriffe abstreifen zu können, haben wohl am wenigsten Anspruch darauf. Diener der Wissenschaft zu sein. Wenn aber die Vertreter einer Religionsgemeinschaft glauben, daß eine Religion an innerer Macht und Stärke gewinne, wenn sie ihr Gebiet über alles Wesen und Treiben der Menschen ausdehnt, wenn sie versucht, die Herrschaft über die Seele und über den Körper des Menschen und gleichzeitig die legale Anerkennung dieser Herrschaft zu erreichen, dann vertreten sie eine religionswidrige Richtung, die man K 1 e r i k a 1 i sm u s nennt. Dem Judentum« ist der Klerikalismus fremd, da das Judentum vor allem keinen Klerus besitzt. An Stelle des Hohen Priesters des alten jüdischen Reiches besitzen wir heute den Lehrer, an Stelle des Tempels das Schulhaus und an Stelle des Tieropfers die Nächstenliebe des Einzelnen. Die persönliche Frömmigkeit unseres Glaubens beruht also auf Gerechtigkeit, Liebe und Treue. Diese Forderung nach Verinnerlichung der Religion, die Ablehnung jedes Gedankens der Herrschaft über die Seelen sind die besteh Schutzmaßnahmen gegen den Klerikalismus und haben gleichzeitig verhindert, daß die Juden unter die Stufe der Zigeuner oder anderer Nomadenvölker herabsinken. Die Bibel und alle anderen jüdischen Werke sind stets die Quelle ewigen Lebens gewesen und werden es auch immer bleiben. Ungarische Mastgänse S 3*2» Mäftriscae lebergaese „ 3-4« 6aasfett kg „ 4-— Geräucherter Gaasbfigel per Stack S 3*— „ Gaasbrost „ „ „ Stadta. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludl, XIX., Döbl. Hauptstraße 89 Die höchsten Gebote unseres judiscnen Glaubens iindeu niie vetwukuenung in uein uegnne uer Nachstenlieoe. Die Wiener juuenscnau, icspeKtive ihre vei tretung. uer Wiener ivuitusvorstunu, uoen in treuer criuliung uieser traditionellen Kinciit in jeuer beziehung wanre iNacnsteniieDe durch die Lrhaitung einer Keine von Institutionen, uie uer leiuenucn menschheit dienen. Das versorgungshaus, uas spitai der Kultusgemeinde, das YVonitanitsumt uer Kultusgemeinde und all die anderen ruisiugeinstitutionen ueweisen, daß uer alte Ueist des juuentums in uuerschutteniclier form oei den veitretern uer Wiener judeusenatt erhalten blieb. Es muß uoer auch uas Bestreben aller Juden bleiben, vor jede auuere fontiK uie c r n a 11 u n g uer Religiosität zu setzen. Unser Judentum braucht Keine Renaissance, keine Keorgamsation durch Schaltung nationaler Degrnte, durch die leiuer der EinfluU der hceligion und Uas Verständnis tür ihre Lenre immer inenr zurücKgeurangt wird. Der Redner Deleuchtete die gegenwärtige politische Situation in Haiästina und stellte fest. duU die Gründung eines judischen Reiches in Palästina wohl eine sehr schöne oache wäre, aber unter den omvaltenuen politischen umstanden ausgeschlossen sei. Keinesfalls aoer dune diese nationalistische Strömung aui die politische Stellung der Wiener Judenschait sich auswirken. Als »utger dieses Staates haben wir ebenso wie alle anderen Staatsbürger alle Pflichten zu eriüllen und wollen daher auch alle Rechte gleich den anderen Staatsbürgern besitzen. Der Redner bekämpfte insbesondere die gerade von den Jüdischnationaien tür alle, die nicht national eingestellt sind, georauchte Bezeichnung als ..Assi in ilaute n". Das Festhalten am jüdischen Glauben, die Uebung religiöser Gebräuche, die unbedingte religiöse Erziehung der Kinder, die Führung eines jüdischen Haushaltes, die Vorsorge für die Erhaltung jüdischer Institutionen, die Beschäftigung mit den Werken jüdischer Wissenschaft kann doch nicht als Assimilation nur aus dem Grunde bezeichnet werden, weil ein Mensch, der sonst voll und ganz zu seinem Judentumc steht, nicht, wenn er von seinem Judentume spricht, an einen Nationalismus denkt, dessen Geburtsstunde in die Zeit der französischen Revolution fällt. Nur diejenigen, welche treu zu ihrem Glauben stehen, werden die sichere Gewähr daiür bieten, daß das Judentum sich in dem Glänze erhalten wird, in dem es sich bisher erhalten hat. Die ausgezeichneten Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall aufgenommen; man merkte iörmlich, wie er allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen. Herr Löwy erinnerte an das Uganda-Problem der Jüdischnationalen und besprach die Stellungnahme Englands zu diesen Bestrebungen, die ihm um so mehr bekannt sei. da er durch mehr als 20 Jahre in England lebte. Med.-Rat Dr. Heinrich Haase führte aus, daß noch vor nicht.zu langer Zeit sich der Kultusvorstand nur mit Angelegenheiten des Kultus beschäftigte. Die Meinungsverschiedenheiten betrafen lediglich den Kampf zwischen Orthodoxie und liberalem Judentum. Der gegenwärtige Kultusvorstand ist aber oit gezwungen, über jüdisch-politische Probleme zu verhandeln, die dem Judentume mehr schaden als nützen können. Der Redner beleuchtete dann die allgemeinen Zustände in Palästina und insbesondere' aui Grund von persönlichen Berichten eines Gewährsmannes, der durch längere Zeit in Palästina weilte, die politischen Differenzen innerhalb der in Palästina angesiedelten Juden. Seine Ausführungen verrieten wie immer ein tiefgründiges Wissen und eine besondere Kenntnis jüdischer Geschichte. Herr Ing. Hugo Koditschek sprach über die allgemeine Situation des Tempels im III. Bezirk (Untere Viaduktgasse). Er bezeichnete die Zustände als unhaltbar, da der Tempelverein gezwungen sein würde, das Gotteshaus zu sperren, wenn sich nicht die Juden des III. Bezirkes entschließen würden, alles zur Erhaltung dieses Gotteshauses beizutragen. Es ist bezeichnend, daß bei diesen wirklich von Liebe zum Judentum und zu unserem jüdischen Glauben getragenen Worten von jüdischnationaler Seite ein höhnischer Zwischenrui fiel, der an dem Schulbeispiel des Tempels bestätigt zu finden glaubte, daß die Religion eine gewesene Sache sei. Zum Schluß ergriff Herr Präsident Dr. Jakob Ornstein, lebhaft akklamiert. das Wort. Er sprach über das Budget der Kultusgemeinde, über die Notwendigkeit der Förderung der T e m p e 1vereine und erklärte an der Hand statistischer Daten, wie sehr gerade die religiösen Institutionen der Kultusgemeinde, wie rituelles Bad. Schechita und dergleichen in Anspruch genommen werden. Schließlich widerlegte der Redner noch die Behauptung, daß ein aus dem Judentume ausgetretener Jude weiter Jude bleiben könne. In sehr scharfen Worten wies er jeden Versuch zurück, einen Glaubensgenossen, der sein Judentum von sich warf, noch als Volksgenossen anzuerkennen. Der Stolz jedes Juden erfordere es. solche Menschen, die um ihres Vorteiles willen ihr Judentum verlassen, auszuscheiden aus der jüdischen Gesellschaft. Daß sie in der nichtjüdischen Gesellschaft selbstredend ebenfalls die Achtung finden werden, die sie verdienen, davon ist wohl jeder überzeugt. Der Vorsitzende Herr Komm.-Rat Adolf Unser dankte den Rednern und allen Erschienenen in herzlicher Weise und schloß hierauf die schön verlaufene Versammlung.