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Die Wahrheit · 1930-02-14 · Heft 7 (14.2.1930) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 7 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Settf 6 DIE WAHRHEIT Ungarische Mastgänse S 3*20 Mährische Lebersänse „ 3*40 Gansfeit kg „ 4-— Geräucherter Gansbflgel per StDck S 3*— „ Gansbiust „ „ „ T— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 KarlFaludi, XIX., Döbl. Hauptstraße 88 Undank ist der „Hakoah" Lohn! Wir haben ims in unserem Blatte schon öfters mit der „Hakoah" befassen müssen, zu einer Zeit, als mit diesem Sportverein Politik getrieben wurde. Allerdings konnte man der damaligen Leitung und vor allem Herrn Dr. Körner zugute halten, daß .sie mit ehrlicher Aufopferung für ihren Standpunkt eintraten. Sie hatten aber auch mit dem Idealismus ihrer Mannschaft gerechnet und mußten sehen, daß ein Spieler nach dem andern der „Hakoah" den Rücken kehrte und nach Amerika ging, wo ihnen hohe Gagen in Aussicht gestellt wurden. Mit dem Rücktritt des Präsidenten Dr. Körner fängt der Untergang dieses Sportvereines an. Die Mannschaft verlor die Erstklassigkeit und konnte sie erst im vorigen Jahre wieder erlangen, wobei sie auch in der jetzigen Meisterschaft eine mehr als klägliche Rolle spielt. Aber noch hatte die Leitung mit der Politik nicht genug; sie holte sich als Präsidenten Herrn Dr. Fritz Löhner-Bela, der in dieser neuen Eigenschaft den komischen Mut fand, im „Neuen Wiener Journal" Heimwehrpolitik in einer Art und Weise zu machen, daß er Politiker wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum in gehässigster Weise angriff und dabei selbst antisemitelte. Auch seine Aera dauerte nicht lange und knapp vor einer Generalversammlung trat er zurück. Es war ein offenes Geheimnis, daß er auch so nicht wiedergewählt worden wäre. Was nun folgte war ein trauriges Schauspiel. Die Führung der „Hakoah", in der meist ganz sportunkundige Mäzene saßen, verlegte sich aufs Geschäftemachen, und das verstand sie noch weniger wie den Sport, was ihre zahlreichen Fehlgriffe bei Spielererwerbungen beweisen. Wenn aber zum Unterschied von der Leitung die Mannschaft noch nicht allen Zusammenhang verlor, so war das der Verdienst einiger weniger Spieler, die den alten Sportgeist hochhielten. Und hier war es wieder der „alte" Scheuer, dessen Name mit dem der „Hakoah" stets in einem Zusammenhang genannt wurde. 16 Jahre kämpft er .mit der gleichen Aufopferung und mit gleich großem Erfolg für seine Mannschaft. In diesen 16 Jahren, als schon oft das Kartenhaus zusammenzufallen "Mrohte, da war er es, der alles wieder zusammenbrachte. Und als es der „Hakoah" finanziell besonders schlecht ging, da verzichtete er sogar auf seine ganz gering bemessene Gage. Und heute? Eine im Spätherbst im aufopfernden Kampfe für die „Hakoah" erlittene Verletzung zwang ihn, vorübergehend mit dem Spielen auszusetzen, und da fanden die Herren der Leitung — man muß es direkt hervorheben, daß es Juden sind — den Mut, ihn zum Zurücktreten von seinem Vertrage zu bewegen. In einer Zwangslage, man hatte ihm im Falle seines Einverständnisses die sofortige Bezahlung der Gehaltsrückstände von vielen Monaten zugesagt, nahm der Spieler Scheuer das Anerbieten an. Der Fall ist symptomatisch. Mit Scheuer geht der letzte Rest der alten Hakoahtradition verloren. Und was zurückbleibt? Wir erleben jeden Sonntag auf einem Sportplatze, daß die „Hakoah" zum Gaudium der zahlreichen Gegner eine Niederlage nach der anderen erhält Ist es wirklich notwendig, daß man sich so vor aller Welt lächerlich mächt wenn — wie oben aufgezeigt — die Leitung der „Hakoah" selbst den Idealismus untergräbt? E. H. Keine Purim-Umziige in Tel Aviv. Der Stadtrat von Tel Aviv hat beschlossen, daß das diesjährige Puritn-Fcst, das auf den 14. März fällt, im Hinblick auf die traurigen Ereignisse im August v. J. als stilles Fest begangen werden soll;'Karnevalsumzüge werden nicht stattfinden. Im vergangenen Jahre wurde das Purim-Fcst in Tel Aviv, dem zahlreichen Juden aus ganz Palästina -beiwohnten, mit besonderem Pomp gefeiert; seinen Höhepunkt erreichte das Fest, als das von Eckener gesteuerte Luftschiff „Graf Zeppelin" die Stadt überflog und 15 Kilo Konfetti, eigens für diesen Zweck mitgeführt über die Stadt streute. Ueber «0.000 Menschen befanden sich in den Straßen und jubelten dem Luftschiff zu. Kollektivbestrafung der Stadt Safed? Das Haifaer Distriktsgericht erwägt die Kcllektivbestrafung der Stadt Safed wegen der dort Ende August stattgefundenen Unruhen, die mit antijüdischen Massakers und Niederbrennung eines Teiles des jüdischen Viertels verbunden waren. Es heißt, daß der Stadt eine Kollektivstrafe auferlegt werden wird, daß aber das von Juden bewohnte Viertel von der Beitragsleistung zu dieser Kollektivstrafe befreit sein wird. Antijüdische Agitation in Aegypten. Große Mengen antisemitischer und antizionistischer Flugschriften sind in der letzten Zeit in Aegypten in Umlauf gekommen; man hat das Gefühl, daß eine organisierte Körperschaft diese Propaganda leitet. Rabbi Nahum Effendi, der Oberrabbiner von Aegypten, hat den Unterstaatssekretär des Innern aufgesucht und dessen Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß eine solche Hetztätigkeit ernste Folgen haben könnte. Der Minister versprach, die Agitation zu unterdrücken. Er hat bereits der Zeitung „AI Fatach" befohlen, die laufende Veröffentlichung des berüchtigten Pamphlets. „Protokolle d»r Weisen von Zion" und von Henry Fords „Internationalem Juden", einzustellen. Das Ford-Buch wird ungeachtet dessen, daß Ford seine Verleger angewiesen hat, sein Werk aus dem Buchhandel zurückzuziehen, weiterhin für antisemitische Propaganda in verschiedenen Ländern benutzt. Waffen- und Munitionsscbmuggel nach Palästina? Ein dem Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond von Emir Chekib Arslau und lbsan El Djabri namens des Syriopalästinensisclicn Komitees überreichtes Memorantum enthält den folgenden Passus: Sind die Zionisten bereit, auf ihre in dem Palästiuamandat verankerten Privilegien zu verzichten, indem sie die jüdische Einwanderung stoppen und ihre Idee von einer jüdischen Mehrheit in Palästina aufgeben? Werden die Juden auch aufhören, Waffen und Munition nach Palästina zu schmuggeln, ein Vorgehen, das die. Araber noch mehr in Wut bringt, als Herrn Jabotinskys Philippika und Drohungen oder Herrn Harry Sachers gegen die Araber vor der Untersuchungskommissiou ausgesprochene Beleidigungen? In dem Memorandum wird schließlich gefordert, daß der Völkerbund den Arabern Palästinas das Recht der Selbstbestimmung sichern sollte. So ändern sich die Zeiten. In der „New York Sun" vom 22. Jänner bespricht der irühere amerikanische Botschaiter in Berlin James W. G e r a r d das jetzt auch in Amerika erschienene Rathenau-Buch von Graf Harry Keßler. Seiner Meinung nach zeige nichts deutlicher den Unterschied zwischen dem einstigen und dem heutigen Deutschland auf, „als die Erhöhung Walther Rathenaus, Juden, Industrieorganisators, Träumers und Schriftstellers, auf den Posten des Staatssekretärs für Auswärtige Angelegenheiten des Deutschen Reiches". Er fährt fort: „In dem Deutschland, das ich vor dem Kriege kannte, konnte kein Jude einen Titel rühren, kein Jude konnte Offizier in der Armee werden. Wenn ein Jude sich die vielbeneidete Partikel „von" vor seinem Namen wünschte, mußte er sich erst taufen lassen." Die Bestattung von Aschenurnen auf dem jüdischen Friedhof in Prag. Wie erinnerlich, ist vor längerer Zeit zwischen der Prager israelitischen Kultusgemeinde und der- Chewra Kadischa wegen der Zulassung der Bestattung von Aschenurnen ein Konilikt ausgebrochen. Die Chewra Kadischa weigerte sich, entgegen den Wünschen der Gemeindeleitung, solche Urnen auf dem Friedhof zu bestatten. Dieser Streit ist nun im Ausgleichswege beigelegt worden. Wir erhalten darüber iolgende Mitteilung aus Prag: Der bekannte Konflikt wegen der Urnenbestattung auf dein Prager jüdischen Friedhofe wurde mit der Leitung der Chewra Kadischa ausgetragen. Die Urnen sollen auf dem jüdischen Friedhofe in Straschnitz auf einem Grundstück bestattet werden, welches zum Friedhof gehört und innerhalb des Friedhofes liegt Es soll aber einen separaten Eingang erhalten und durch eine Umfriedung von den übrigen Teilen des Friedhofes abgeteilt werden. Dieser Platz wird von der Chewra Kadischa gratis beigestellt welche auch einen Betrag für die Baukosten eines kleinen Gebäudes bewilligt, in welchem sich die Wohnung des Wächters und ein Taharoraum befinden wird, in welchem die Taharo etc. abgehalten werden. Die Chewraleitung hat mit dem Akte der Feuerbestattung nichts zu tun, auch dürfen ihre Funktionäre nicht mittun. Es ist aber vorgesehen, daß Angestellte der jüdischen Vorortsgemeinde, wie Lieben, Zizkoy, Smichov etc., welche Urnen auf ihren Friedhöfen bestatten, verwendet werden. Diesen Sonntag hat ein Lokalaugenschein am Friedhof stattgefunden, an welchem Vertreter der Kultusgemeinderepräsentanz und Chewra Kadischa teilgenommen haben. Es wird der äußerste Teil des Friedhofes zu diesem Zweck verwendet werden. Wirtschaftsboykott in Amerika. In der „J e w i s h Tribüne" wird eine Predigt des New Yorker Rabbiners Dr. Stephen S. Wise wiedergegeben, die durch Radio über das ganze Land verbreitet wurde. Die Predigt befaßte sich mit dem Boykott jüdischer Angestellter in New York und schldB mit der Ankündigung, Dr. Wise werde, bevor der Winter zu Ende gehe, eine Liste der großen New Yorker Gesellschaften bekanntgeben, die keine Juden anstellen. Dr. Stephen S. Wise führte aus. daß die Boykottbewegung jüdischen Angestellten gegenüber große Fortschritte gemacht habe und daß insbesondere die großen führenden Organisationen Amerikas, die ihren Häuptsitz in New York haben, in großer Anzahl dazu übergegangen seien, jüdische Angestellte abzulehnen. Leider hätten sich auch Korporationen, bei denen Juden in leiten- ~k GROSSFLEISCHHAUEREI II1GM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfurKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen der Stellung seien, aii dieser Boykottbewegung beteiligt.. Die Gründe für die Ablehnung jüdischer Angestellter lägen in der Hauptsache in der Strebsamkeit, jüdischer Angestellter. Dr. Wise meinte u. a.. er könne zehntausend jüdischer junger Leute an einem. Tage in industriellen und wirtschaftlichen Unternehmungen, die von Juden kontrolliert werden, unterbringen, wenn diese Angestellten eine schriftliche Garantie geben würden, daß .sie nie eine Gehaltserhöhung fordern: werden und daß sie mit allen ihnen von ihren Arbeitgebern vorgeschriebenen Lohnbedingungen einverstanden sind. Da^ Dr. Stephen S. Wise die Lösung des- Problems im "-Sinne' yonrair play nicht für durchführbar hält, will er den Kampf durch Veröffentlichung der erwähnten Liste aufnehmen, zu dem er die Häupter der christlichen Kirchen und die führenden Laien gleichfalls aufruft, da dies Problem auch das ihre sei. VonWodhe zuWodke Juden im österreichischen Verfassungsgerichtshof. Dem neuen Verfassungsgerichtshof Oesterreichs gehören auch diesmal zwei Juden, und. zwar die Rechtsanwälte Dr. Freundlich (Sozialdemokrat) und Dr. Becker an. Sie wurden auf Vorschlag der politischen Parteien von der Regierung, bzw. vom Bundespräsidenten ernannt. Auszeichnung eines Wiener jüdische. Gelehrten. Die Londoner Royal Medical Association hat den Wiener jüdischen Kliniker Professor Heinrich Neumaiin zur Abhaltung des fachwissenschaftlichen Festvortrages auf der Jahresversammlung der Association nach London geladen. Professor Neumann, ein religiöser Jude und aktiver Mitarbeiter in zahlreichen jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Wien, gilt schon seit langem in der medizinischen Welt als die größte Autorität in der Ohrenheilkunde. Er ist Vorstand der Wiener Ohrenklinik. . Todesfall. Der Herausgeber der „J ü d i s eh e n_ Press e", Herr Rabbiner Dr. Joel P o 11 a k und seine Gattin wurden von einem schweren Schicksalsschlag betroffen. Ein blühendes, . vielversprechendes Kind wurde ihnen im zarten Alter von fünfeinhalb Jahren entrissen. Die Redaktion der „Wahrheit" spricht ihnen ihr tief gefühltes Beileid aus. Johann Kremenezky 80 Jahre. Am 15. Februar wird Ing. Johann Kremenezky, der bekannte Glüh-, lampen-lndustrielle. der zum engsten Freundeskreise Theodor Herzls gehört hat, 80 Jahre alt. Er wurde 1850 in Odessa geboren, kam jung nach Wien und begründete die erste österreichische Glühlampenfabrik, die unter seinem Namen noch heute besteht und eine der bedeutendsten der Welt ist Der Zionistischen Organisation schloß er sich bei deren Gründung sofort an. Auf dem ersten Zionisten-Kongreß in Basel wurde er neben Herzl, Oskar Marmorek, Leopold Kahn und O. Kokesch in das Engere Aktionskomitee der Zionistischen Organisation gewählt und blieb dessen Mitglied bis zum VII. Zionisten-Kongreß. Seitdem war er viele Jahre Mitglied des Großen Aktionskomitees. Er war Mitbegründer des Jüdischen Nationalionds und bis 1907 Leiter des in Wien errichteten Hauptbüros des KKL. Nach Beendigung des Weltkrieges gründete er in Tel Aviv eine Fabrik für elektrische Bedarfsartikel und gemeinsam mit Borris Goldberg die ,.Silikat"-Ziegelwerke. Aus dem Deutschen Reich. Am 10. Februar feiert der Kunsthistoriker und Theaterkritiker der Ullstein- Presse Dr. Max Osboru seinen 60. Geburtstag. Er veröffentlichte bisher über 30 Publikationen größeren und kleineren Umfanges über bildende Kunst und Theater, die weite Beachtung fanden. Seine Kunstkritiken, die vorwiegend, in der „Vossischen Zeitung", der „Berliner MoTgenpöst", der „B. Z. am Mittag", usw. erscheinen, gelten als maßgeblich. Max Osborn hat sich1 Iii den letzten Jahren auch dem jüdischen Künsrwesen -zugewandt Er ist Mitglied des Vorstandes des Vereins für

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