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Die Wahrheit · 1930-02-14 · Heft 7 (14.2.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 7 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 s Schaiding eines Museunis iür jüdische Kunst bei der Jüdischen Gemeinde Berlin und hielt vor einiger Zeit bei der ersten Veranstaltung dieses Vereins eine großangelegte Rede über jüdische Kunst. — Rechtsanwalt Dr. Jacob Marx, Karlsruhe, begeht am 13. Februar die Feier seines 50 Geburtstages. Seit vielen Jahren steht er an der Spitze des Landesverbandes Baden des Central-Vereins deutscher . Staatsbürger jüdischen Glaubens. Billiger Mazzothgries. Die bedeutend billigeren Preise bei den Schmidlsclien. Mazzothgries machen die Erklärung notwendig, daß es sich hier nicht etwa um minder "gute Erzeugnisse handelt, sondern daß trotz der billigeren Preise dieser Mazzothgries .von ganz ausgezeichneter Qualität ist. Die von dem neuen Besitzer Herrn N. B r odetzky mit großen Opfern neu eingerichtete, wirklich mustergültige M a z z o t h f a b r i k in Floridsdorf ist nach den Grundsätzen der überaus anspruchsvollen modernen Hygiene und auf Grund der neuesten technischen Errungenschaften eingerichtet, ebenso halten die im Betrieb stehenden Maschinen jeden Vergleich mit den sonst nur in Amerika befindlichen aus. Es erübrigt sich hervorzuheben, daß selbstverständlich auch alle Kaschruthvorschriften, unter ständiger Kontrolle verläßlicher Maschgichim, genau eingehalten werden, auch die Person des Herrn N. Brodetzky ist Gewähr dafür, daß allen rituellen Anforderungen Genüge geleistet wird. Herr N. Brodetzky führt bekanntlich seit 30 Jahren in der Leopoldsgasse 43 ein Lebensmittelgeschäft, das er an Samstagen und Feiertagen geschlossen hält. Personalnachrichten. Gegen den 14. Februar 1930 wird der bekannte Londoner Bankier und Philanthrop Ernst Schiff samt Gemahlin in Wien zu kurzem Aufenthalte eintreffen. Mr. Ernst Schiff ist ein jüngerer Haider und Kompagnon des Mr. Otto Schiff, Neffe der amerikanischen Philanthropen Jakob Schiff und direkter Nachkommen des vom vierzehnten Jahrhundert her berühmten Rabbiners Maharam Schiff. Mr. Ernst Schiff nimmt eine hervorragende Stelle im englischiüdischen Leben ein. Er ist junior Warden (Vorsteher) der Great Synagogue (Mr. Lionel de Rothschild ist senior Warden). Präsident des Jewish Religions Educatlon Board. Vorsitzender des Komitees für äußere Angelegenheiten beim Jewish Board oi Dcputies und vieler anderer kultureller und karitativer Institutionen. Madame Schiff ist eine geborene l.pvy. ihr Vater war Bankier in -^™...iL-.» und Australien. Mr. Schiff besucht das erste Mal Mitteleuropa. * Dem verdienstvollen Obmann des I. Wiener Gewerbevereines. Herrn Josef Ornstein, wurde von der Handels- und Gewerbekammer in Wien anläßlich seines 40jährigen Geschäftsjubiläums das silberne Ehrenzeichen verliehen und bei dieser Gelegenheit ein künstlerisch ausgeführtes Diplom für langjährige ersprießliche Gewerbeförderung überreicht. Silberne Hochzeit. Herr Restaurateur Julius (j r ü n e r, IL, Kleine Pfarrgasse, Fürsorgerat der Stadt Wien, feiert mit seiner Gattin Fanny, geborene Fischer, am 17. d. M. die silberne Hochzeit. Der jüdische Frauenverein Leoooldstadt veranstaltet am Mittwoch, den 19. d. M_ 8 Uhr abends, im Cafe K r y s t a 11, ein Rummy-Turnier mit schönen Preisen, wozu er alle Freunde und Gönner höflichst einladet. Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen in Wien. Am 7. Jänner 1. J. fand die Generalversammlung statt. Trotz aller Bemühungen ist es dem Vorstande nicht gelungen, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu erhalten: 138.623,14 Schilling Ausgaben stehen 129.866,85 Schilling Einnahmen gegenüber, so daß ein Defizit von 8756,29 Schilling resultiert. 110 interne Zöglinge, 57 Mädchen und 53 Knaben bevölkern die Waisenhäuser. XIX.. Ruthgasse 21, und Probusgasse 4, der Gesundheitszustand der Kinder war ein vorzüglicher, von Infektionskrankheiten blieben die Heime mit einer Ausnahme verschont, die Gewichtszunahmen der Kinder waren stetig und erreichten neun Kilogramm als Maximum. Die Schulerfolge waren ausgezeichnet. Die austretenden Zöglinge, 19 Mädchen und 17 Knaben, wurden, soweit sie nicht von ihren Angehörigen übernommen wurden, in geeigneten Lehrstellen untergebracht, drei davon übernahm in dankenswerter Weise das Lehrliugsheim des Vereines „Zukunft". Der Freitag-Abendgottcsdicnst, die Chanuka- und Purim-Feier. die Sederabende bieten ebenso wie die Barmizwah-Feiern der Zöglinge willkommene Gelegenheit zur religiösen Erziehung der Jugend. Gesangs-, Klavier- und Violinunterricht wird an begabte Zöglinge erteilt. Die Werkstätten für Buchbinderei und Schusterei sind in ^vollem, zufriedenstellendem Betriebe. Das zahnärzliche Ambulatorium, unter der bewährten Leitung des Herrn Dr. Benno Hacker, hat reiche Arbeit geleistet: 334 Plomben und 345 andere Behandlungen geben ein Bild derselben. Ungefähr 50 Kinder, die wegen Krankheit oder aus andern Gründen in den Heimen keine Aufnahme finden konnten, werden durch Monatsbeiträge unterstützt, auch dienen die Sprechstunden des Sekretärs der Beratung der Witwen. Großer Dank gebührt dem Vorstande der Kultusgemeinde für seine hochherzige Subvention, dann dem Hause Gebrüder Gutmann, insbesonders Herrn Hans Gutmann, den Bnai Brith-Vereinigungen, allen voran der Loge Wien, dem Hause Rothschild, dem Baukenverbande. der Chewra Kadischah, der Alliance Israelite, der Chewra und dem Verein Kinderireunde iür den 16. und 17. Bezirk, dem Joint, dem Verbände für freiwillige Jugendfürsorge iür ihre Subventionen; dann dem Verein „Mariahilfer Kinderireunde" und seinem Präsidenten Herrn Ignaz Pollak für die Bekleidung von 13 Schützlingen. Der Vorstand dankt innig seinen Mitarbeitern, den Direktionen der Waisenhäuser und ihren Helfern, dem ärztlichen Berater Herrn Hoirat Dr. Philipp Silberstein iür seine aufopferungsvolle Tätigkeit, der Leiterin der jüdischen Jugendfürsorge Fräulein Schwarz. Herrn Amtsleiter Kchlmann und Herrn Amtsleiter Kraus für ihre Hille und Herrn Redakteur Hirschfeld iür seine freundliche publizistische Förderung und den beiden Damenkomitees für ihre erfolgreiche Unterstützungen. Die Versammlung war zahlreich besucht und verliei in würdevoller Weise» In warmen Worten gedachte der Berichterstatter der dahingeschiedenen Freunde und Gönner, so der Frau Baronin Charlotte von K ö n Lg swarter, die seit 1874 Präsidentin des Schutzdamenkomitees gewesen, des Herrn Bürens Sieg wart von Ketschendorf, der stets warmherzig die Tätigkeit des Vereines förderte, der Vereinsmitglieder Emil üoldberg, Robert Rosenfeld, Direktor Ernst Schifimann und des Herrn Emil Katz. der mehr als 20 Jahre in vorbildlicher Weise die buchhalterischen Geschäfte des Vereines besorgte. Herr Generaldirektor Ingenieur Pollak dankte dem Verein namens der Kultusgemeinde. Herr Dr. Knöpfmacher iür den Verband der Bnai Brith-Vereinigungen, Herr Dr. Stiaßny für die Loge Wien, Herr Vizepräsident Frankfurter für den Verein Zukunft. Zum Schlüsse fanden die Wahlen in den Vorstand statt, wobei die früheren Vorstandsmitglieder wiedergewählt, beziehungsweise ernannt wurden: neugewählt wurde Herr Kultusvorsteher David Doha n. In der konstituierenden Vorstaitdssitzung wurden sämtliche Mandatare wiedergewählt, zum Präsidenten Herr Richard P e t s c h e k. 3£unst und£itetatuw Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 17. Februar 1930. um K-8 Uhr abends, im Klubsaale der „Hakoah". I.. Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain). Vortrag des Herrn Dr. Leopold Ehrlich (Hichler): „Aus eigenen Werken." Eintritt frei. Gäste willkommen. Konzert Kürzlich hörte man im mittleren Konzerthaussaal die jugendliche Pianistin Mitzi W e r b n e r. Sie spielte Werke von Chopin., Korngold. Ravel, Liszt- Btisotn" mit glänzender Techuik. schönem, weichen Anschlag und ausdruckvollster Phrasieruug. Die junge Künstlerin, die eine Schülerin der Frau Prof. Nelly Friediänder-Reichlin ist. wird ihren Weg machen. S. H. Esra und Neheinia und die Errichtung des zweiten Reiches. Montag, den 20. Jänner, hielt Herr Rabbiner. Dr. M. Rosenmann im Rahmen der Veranstaltungen des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über ein Thema, das merkwürdigerweise von jüdischen Gelehrten viel zu wenig bearbeitet worden ist. und zwar über „Esra und Nehemia und die Errichtung des zweiten Reiches". Er brachte eine Fülle von neuen Gesichtspunkten vor. wobei er sich mit den Anschauungen Hölschers. Kautschs. Stades und Wellhausens auseinandersetzte. Er verwies darauf, daß die in Esra und Nehemia angeführten Edikte und Dokumente der persischen Herrscher angefangen von Cyrus bis Darias Longimanus als echt und unzweifelhaft anzusehen seien und erklärte, daß er den Versuch der nichtjüdischen Gelehrten, die Texte des Alten Testamentes für nicht vollwertig zu betrachten, mit aller Entschiedenheit zurückweisen müsse. Gerade das Auffinden der Papyrus Assuan-Elephautine, welche vor zwei Jahrzehnten vor sich gegangen war und in welchen der Name Sambalat und andere genau angegeben sind, beweist, daß an den historischen Tatsachen, wie sie in den letzten Büchern der heiligen Schrift geschildert werden, nicht zu zweifeln ist. Kein Volk habe so sehnsuchtsvoll die Rückkehr zur Scholle angestrebt Wiedas jüdische. Weder Aeneas, als er fluchtartig seine Heimat Troja verließ und sich in Latium ansiedelte - möge die Erzählung zum Teil sagenhaft sein —. noch die Einwohner der Stadt Aquilea, die nach Venedig auswandern mußten! Auch in der Neuzeit denken die Irländer, die im vorigen Jahrhundert wegen politischer Unterdrückungen emigrierten, nicht im entferntesten au eine Rückkehr: sie finden sich in ihrer neuen Heimat recht wohl. Zu diesem inneren Drange der Exulanten gesellte sich als gewaltiger Machtfaktor das Wohlwollen Cyrus' und der anderen Perserkönige. Der Vortragende versuchte in großen Zügen den Zustand der neuen Kolonie in Jerusalem zu zeichnen, wobei er namentlich die Persönlichkeit Serubabels festzuhalten bestrebt war. Ebenso verwies er darauf, wie die Nachbarvölker Samaritaner, Amoniter. Moabiter und nicht zuletzt der arabische Stamm der Nabatäer einerseits durch Verleumdungen, anderseits durch Ueberfälle das junge Gemeinwesen erdrücken wollten. In dieser Zeit der Not entstand unter den Zurückkehrenden eine Bewegung, die scheinbar die Rettung, tatsächlich aber den Untergang des Judentums in Palästina bedeutet hätte. Diese Bewegung zielte darauf hin, durch Abschließung von Mischehen die Nachbarvölker zu versöhnen: das allmähliche Aufsaugen des palästinischen Judentums war im Anzüge ohne jede nennenswerte Gegenwehr. Der Vortragende schilderte nun in plastischer Weise, wie die beiden Männer Esra und Nehemia in dieses Vakuum eintraten. Beide waren von glühender Liebe zum Judentum erfüllt, beide von der Ueberzeuguug getragen, daß die „Versöhnung" durch Mischehen das Ende des Judentums bedeuten würde, daher selbst mit drakonischen Maßregeln unterdrückt werden mußte. Allein in ihren Endzielen waren die beiden wie in ihrem Wesen verschieden. Esra, der Schriftgelehrte, versuchte die Thora zum Mittelpunkte des jüdischen Lebens und Denkens zu gestalten. Er stellte die Idee des heiligen Samens, also der Familieiireinlieit voran. Nehemia-, ein Staatsmann von weit ausgreifender Konzeption arbeitete zunächst darauf hin. den Bestand des Gemeinwesens nach innen und außen zu sichern. Der Referent führte einige typische Züge an, die den feinen Diplomaten in Nehemia erkennen ließen. Im Altertum war bekanntlich die Mauer Voraussetzung jeder Sicherheit. Mit einer unermüdlichen Hingube ließ Nehemia die Mauer um Jerusalem wieder erstehen. Ebenso verfügte er, daß jeder zehnte Mann aus der Umgebung nach Jerusalem ziehen mußte, um die Stadt zu bevölkern, ein politischer Vorgang, der später im Mittelalter vön Heinrich dem Städtebauer und in der Neuzeit von Friedrich dem Großen unter ausdrücklicher Bezugnahme auf das Vorgehen Nehemias nachgeahmt wurde. Der Vortragende wies schließlich darauf hin, daß Nehemia. um das Kultzentrum in Palästina aufrecht zu erhalten, die Tempelabgabe auis neue in Ordnung brachte. Nehemia und Esra sind demgemäß jene Männer, die das geiährdete Gemeinwesen der neuen Kolonisation in Palästina wieder fest begründeten. Hundert Jahre später war es Alexander, der die Samaritaner niederhielt und sich als wohlwollender Herr Judäas erwies. In diesem Zeitraum eines Säkulums war die jüdische Ansiedlung über alle Nachbarvölker hinausgewachsen, vermöge jener geistigen und politischen Kräfte, die ihm von jenen beiden historischen Persönlichkeiten Esra und Nehamia zugeführt worden sind. Die außerordentlich lehrreichen und interessanten Ausführungen des Rabbiners Dr. Rosemnann ernteten überaus dankbaren Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. Es wäre wünschenswert, daß dieser Vortrag in publizistisch größerem Maße verwertet werden möge. Etwa eine Broschüre über die Epoche Esra und Nehemia hätte aktuelle Bedeutung. j. b. Eine rabbinische Akademie an der griechischen Universität in Saloniki. Im Hinblick darauf, daß in den meisten jüdischen Gemeinden Griechenlands es an Rabbinern, Religions- und Hebräischlehrern, die gleichzeitig auch die griechische Sprache beherrschen, fehlt, bereitet die Universität in Saloniki die Schaffung eines Instituts für jüdische Studien vor. das der Universität direkt angegliedert sein soll. Der Inhaber des Lehrstuhls iür Hebräisch an der Universität Saloniki Lazare Belleli, der aus Korfu stammt und mehrere Jahre in. England verbracht hat, erhielt von der Universität den Auftrag, eine Reise durch die jüdischen Gemeinden von Mazedonien und Thrazien zu machen, um zu erkunden, t>b genug junge Juden, die griechische Gymnasien absolviert haben, und sich der rabbinischen oder der Lehrerlaufbahn widmen wollen, für den Besuch der rabbinischen Akademie in Saloniki in Betracht kommen. flmtlicße Verfautßarungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemeinöe Wien Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und Der Vorstand des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" beehren sich, bekanntzugeben, daß die Grabsteinstellung für den verewigten Herrn Rabbiner Dr. Salomon Funk s. A. Sonntag, den 16. Februar 1. J„ um V2II Uhr vormittags auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes, I. Tor, stattfindet und zu dieser Feier geziemend einzuladen. Wien, den 10. Februar 1930. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 14. Februar 1930, werden bei dem um 5 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Doktor M. G r 1111 w a 1 d); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XV1I1.. Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Doktor D. Feuchtwang). Samstag, den 15. Februar 1930 findet beim Morgengottesdienste (Begimr 8 Uhr 30 Minuten) im GemeindetempelXXl.. Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rose n m a n n) ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Jugendgottesdienst Am Samstag, den 15. Februar 1930, findet um 3 Uhr nachm. der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt.

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