Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 6 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064145-3064151--17773-3082733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Sehe 1 Kaufleute durch die sozialen Lasten, die Einschränkungen des Handels durch das Zollwesen drückend auf die allgemeine Wirtschaft wirken. Die stetig wachsende Zahl der Arbeitslosen verglich der Redner mit den Verlustlisten im Kriege. Ebenso wie wir wahrend des Krieges in den Zeitungen die Verlustzinern nicht mehr mit "dem kritischen Auge lesen konnten, weil sie leider zu einer Alltagserscheinung geworden waren, ebenso können wir uns nicht mehr so recht vorstellen, was die uns in den Zeitungen mitgeteilten steigenden Arbeitslosenziffern für uns alle bedeuten. Die Enolge, die unser Bundeskanzler in Haag erzielt hat, sind wohl sehr bedeutend, aber immerhin nur die erste Etappe zur Besserung unserer Wirtschaftslage. Nun ist es Sache des Bundes und der Gemeinde, der Wirtschaft durch Steuernachlässe, durch richtige Verwendung der Investitionsanleihe und durch Rücksichtnahme auf die besonderen Bedürfnisse der Gewerbetreibenden aui die Beine zu Helten. Der Redner sprach die Hoffnung aus, daß es bald gelingen möge, durch produktive Arbeitslosenfürsorge und durch Berücksichtigung der Erfordernisse des leidenden Kaufmannstandes, vor allem aber durch Aenderung der herrschenden Kreditpolitik der Banken gerade 5enen zu helfen, die in dieser Wirtschaftskrise als sogenannter Mittelstand buchstäblich um ihre Existenz ringen. Reicher Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen des Redners. Herr Dr. Ernst Fcldsberg versuchte darzulegen, wie schwer der Steuerdruck ist, der auf der österreichischen Wirtschaft lastet. Er besprach in eingehender Weise die geltenden Bestimmungen der Einkommensteuer, der allgemeinen Erwerbsteuer und der Körperschaftssteuer. Er wies an Hand praktischer Beispiele nach, daß der Begriff der Doppelbesteuerung in Oesterreich doch nicht aus den Steuergesetzen gebannt sei, sondern daß durch die mehrfache Besteuerung ein und desselben Einkommens gerade für die Kaufmannschaft eine Doppelbesteuerung geschaffen sei, die ungerechtfertigter Weise gerade diesen Stand der österreichischen Bewohnerschaft besonders belaste. Wenn auch momentan ein Abbau der Steuern vielleicht nicht möglich sei, so könnte doch ein Entgegenkommen des Bundes gegenüber den Zensiten mit einem Schlage dadurch geschaffen werden, daß diejenigen Organe, welche mit der Steuerschätzung und Steuerbemessung betraut sind, den rigorosen fiskalistischen Standpunkt verlassen und angewiesen werden, durch Berücksichtigung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage von den geltenden Stcuerbestimmungen den loyalsten Gebrauch zu machen. Weiters beschäftigte sich der Redner mit den kommunalen Steuern, insbesondere mit der Fürsorgeabgabe, Wohnliausteuer und Wertzuwachsabgabe. Es war vielleicht im Interesse der Wiener gelegen, in den Inflationszeiten Steuern und Abgaben zu schaffen, die wenigstens zum Teile die Inflationsgewinne erfassen, um Wohlfahrts¬ und Fürsorgeinstitutionen zu errichten, die in schlechteren Zeiteii der Menschheit dienen mögen. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise aber erfordere einen unbedingten Abbau all dieser Abgaben, weil sie die Konkurrenzfähigkeit des Kaufmannes gegenüber dem Auslande ganz bedeutend herabmindern. An einigen statistischen Daten wies der Vortragende nach, daß die Bewohnerschaft Wiens 64 Prozent aller Steuern trage, obwohl sie nur 33 Prozent der Bevölkerung Oesterreichs ausmache. Die Belastung jedes österreichischen Staatsbürgers durch Gemeinde- und Staatssteuern habe im Jahre 1928 einen Betrag von 430 Schillingen erreicht, welcher Betrag perzentuell Oesterreich vor England und Deutschland rangieren lasse. Zum Schlüsse sprach auch Herr Dr. F e 1 d s b e r g die Hoffnung aus, daß die angekündigten Steuerermäßigungen in kürzester Zeit in Kraft treten mögen, und hoffte, daß die Erhöhung der Zinsgroschensteuer nicht das Präludium der angekündigten Steuerermäßigungen bedeuten werde. Die Ausführungen des Referenten bewiesen seine besonderen Kennntnisse auf dem Gebiete des österreichischen Steuerrechtes und fanden den allgemeinen Beifall der Zuhörer. An der Diskussion beteiligte sich als erster Redner Herr Hof rat Ing. Josef Lö.wy, der die Bodenwertabgabe vom unverbauten Grunde einer scharfen Kritik unterzog. Sodann sprach der Vizepräsident des Verbandes, Herr Kammerrat Kohn, über die wirtschaftliche Notlage des Kaufmannstandes und über Ziele und Zwecke des Verbandes jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender Wiens. Er richtete insbesondere an den anwesenden Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Jakob O r n s t e i n, die Bitte, die Kultusgemeinde möge nach Kräften die leidende jüdische Kaufmannschaft unterstützen. Zum Schlüsse ergriff, von der Versammlung ganz besonders akklamiert, Herr Vizepräsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n das Wort. Er versicherte die'anwesenden Kaufleute des besonderen Wohlwollens der Kultusgemeinde und wies darauf "hin, daß die Kultusgemeinde zwar infolge ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage nicht imstande sein werde, in jenem Ausmaße zu helfen, als sie es gerne tun würde. Trotzdem aber mögen alle davon überzeugt sein, daß die Wiener Kultusgemeinde stolz auf ihre Fürsorgeinstitutionen sei und ihr besonderes Augenmerk vor allem diesen Institutionen widme. Er bat die Anwesenden, davon überzeugt zu sein, daß es seit jeher ein heiliges Vermächtnis der Kultusgemeinde war. Leidenden und Unglücklichen zu helfen und überall dort einzugreilen, wo es gilt, die oberste Pflicht jüdischer Nächstenliebe zu erfüllen. Mit Dankesworten an alle Redner schloß hierauf der Vorsitzende, Herr Adolf Taub, nach einem kurzen Resümee die Versammlung. Keine Neuwahlen in den palästinensischen Städten. Wie die ITA erfährt, soll die Amtstätigkeit aller palästinensischen Munizipalitäten so verlängert werden, daß innerhalb der nächsten drei Jahre in Palästina keine Wahlen stattfinden. QmTliclic t)«rlauTbarungen der israelitischen 16iltusqemetnde UJien Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 8. Februar 1930 findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die Israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 7. Februar 1930 werden bei dem um 5 Uhr 10 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Fezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: IL, Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. G r u n w a 1 d); V., Siebenbrunnengasse 1 a (Rabbiner Dr. M. G. M e h r e r); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIIL, Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. B a c h). Samstag, den S. Februar 1930 finden beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) in den Gemeindetempeln XVIIL, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) und XXL, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n) exegetische Vorträge statt. _ Verzeiclanis jener Koscherfleischbänke, welche unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien stehen. Gültig ab 15. Jänner 1930 bis auf weiteres. Bezirk: Schwarzbrod Josef, Seitenstettengasse 3; Fellner Julius, Haidgasse 7; Gerstl Ignatz, Malzgasse 5; Gerstler Leib, Schiffamtsgasse 14: Hasten Süssie, Obermüllnerstr. 5: Hirschler Josef, Wolfgang Schmälzigasse 4; Kronland Michael, Hermineng. 12; Kurzrock Osias, Gr. Sperlg. 28; Lustig Nathan, Leopoldsgasse 49; Lubczer Kaiman, Rueppgasse 27; Rüber Markus, Schiff amtsg. 19; Schönfeld Israel, Krummbaumg. 1; Schönfeld Hirsch, Gr. Sperlg. 31; Täuber Michael, Haidgasse 3; Walfisch Moses, Förstergasse 5; Wlach Viktor, Im Werd 3; Winter Moritz, Heinestraße 9; Hacker Paula, Dianagasse 8; Kornmehl Sigmund, Berggasse 15; Spuller Emil, Planetengasse 3; Loheit Froim, Rauchfangkehrergasse 22; Margules Josef Leib, Oesterleingasse 4; Melzer Simon, Friedmanng. 29; Piontkewitz Wolf, Hofferplatz 10; Kornmehl Siegmund, Währingerstraße 97; Eichner Heinrich, Rauscherstr. 3; Hirschl Eugen, Treustraße 1; Hönning Leopold, Jägerstraße 26; Kurzrock Osias, Mortaraplatz 4; Lederer Josef, Jägerstraße 24 (Heinzelmanngasse 16); Lempert Moriz, Klosterneuburgerstraße 1; Petyan Wilhelm, Klosterneuburgerstraße 10; Rottenstreich Hermann, Hannovergasse 12. Unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. M. Rosenmann: 21. Bezirk: Kaufer Aron, Schloßhoferstraße 6. Konlirmanden-Ontenlcht Der Vorstand bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den Gemeinde- und Vereins- Synagogen stattfindenden Konfirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmanden- Unterricht vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Mädchen frei, welche im Laufe des Kalenderjahres das 14. Lebensjahr bereits erreichen. Die p. t. Eltern oder Vormünder werden demgemäß eingeladen, ihre Töchter, bzw. Mündel zu veranlassen, sich bei ihrem Religionslehrer oder im Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenste ttengasse 4, III. Stock, bis spätestens 25. Februar 1930 wegen Teilnahme an dem Konfirmanden- Unterrichte zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Religions-Unterricht genießen und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, sind gleichfalls im Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde bis zu dem angegebenen Termin anzumelden. Oer Unterricht ist unentgeltlich. 1. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 2. 3. 9. 10. 14. 15. 16. 16. 18. 20. 20. 20. 20. 20. 20. 20. 20. Kundmachung. Im IL Semester des laufenden Schuljahres finden in der Zeit vom 9. bis 14. Februar L Jan den Bibelschulen der israelitischen Kultüsgemeinde Neuaufnahmen von Schülern und Schülerinnen der Volks-, Haupt- und Mittelschulen statt. An diesen Anstalten wird den Altersstufen und den Vorkenntnissen der Zöglinge entsprechend, Ergänzungsunterricht in den hebräischen Lehrgegenständen (Lesen, Liturgie, Pentateuch, Talmud) geboten. Der Unterricht ist unentgeltlich. Die Schüleraufnahmen finden in folgender Einteilung statt: A. I., Seitenstettengasse 4, IV. Stock. 1. Für Knaben und Mädchen der Volksschule, Freitag y«3—VA Uhr; 2. für Knaben der Hauptschule, Donnerstag 6—7 Uhr; 3. B a r m i z w a h k u r s, Mittwoch Vi>3 bis Vs4 Uhr. B. IL, Tempelgasse 5, IH. Stock. 1. Für Knaben der Volksschule, Montag 2—4 Uhr, Freitag 2—4 Uhr, Saal I; 2. für Mädchen der Volksschule, Dienstag 2— 4 Uhr, Saal I, Freitag 2—3 Uhr, Saal II; 3. für Knaben der Hauptschule, Montag ¥26—Vzl Uhr, Saal II; 4. für Knaben der Mittelschule, Montag 4 bis 6 Uhr, Mittwoch 4—6 Uhr, Saal I; 5. für Mädchen der Mittelschule, Mittwoch 3— 5 Uhr, Saal II; 6. Talmudkurs für Jünglinge, Montag 6—8 Uhr, Donnerstag 6—8 Uhr, Saal I. C. II., Sebastian Kneippgasse 14. 1. Für Knaben der Volksschule, Sonntag 11—12 Uhr, Mittwoch %4—Va5 Uhr; 2. für Knaben der Hauptschule, Sonntag 10—11 Uhr, Mittwoch V25—M>6 Uhr; 3. für Mädchen der Volksschule, Sonntag 10— 11 Uhr, Mittwoch 3—4 Uhr; 4. für Mädchen der Hauptschule, Sonntag 11— 12 Uhr, Mittwoch 4—5 Uhr. D. IL, Rembrandtstraße 32. Für Knaben der Volks- und Hauptschule, Sonntag 9—12 Uhr, Mittwoch l/<>2—V->5 Uhr. E. VIII., Neudeggergasse 12. Für Mädchen der Haupt- und Mittelschule, Dienstag V>5—%6 Uhr. F. XV„ Turnergasse 22. Für Knaben der Hauptschule, Dienstag 6—7 Uhr, Mittwoch 6—7 Uhr. G. XX., Othmargasse 46. 1. Bibelschule für Knaben und Mädchen (Hebräisch Lesen, Siddur, Pentateuch), Sonntag 10—1 Uhr vorm., Mittwoch 2 bis 5 Uhr nachm., Donnerstag 7—8 Uhr abends; 2. Talmud, Montag 2—4 Uhr nachm., Samstag 4—6 Uhr nachm. 3. Barmizwahkurs, Sonntag 9—10 Uhr vorm., Donnerstag 7—8 Uhr abends; 4. Hebräische Kurse (Iwrith b'Iwrith), für Knaben und Mädchen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 3—8 Uhr abends.