Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 5 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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~k GROSSFLEISCHHAUEREI fliGM. KORNMEHL LMBWHmaMaMBBBBHnBaBBBa WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99 and A 16-9-34 Lieferant fOr Hallanatalton Abtei lungenfür Koscherfleisch unter Aufsieht des ehn>. Rabbinates der ler. Kultusgemeinde Wido. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Ungarische Mastgänse S 3 20 MfihriscHe LebergSase „ 3-40 (iaasfett kg „ 4*— Geraacaerter GaasbBgel per Stick S 3*— „ Gaasbrast „ „ „ T— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Kart Faludi, XIX., Döbl. Hauptstraße 88 in den Dienst des Vaterlandes zu stellen verstand, den Juden eine neue Heimstätte in Palästina verhieß. Es war das ein glänzender politischer Gedanke Balfours, aber man darf nicht übersehen, daß in seiner Deklaration auch ausdrücklich betont wird, daß nichts geschehen soll, was die Stellung der Juden außerhalb Palästinas als gleichgcachtete Bürger ihrer Heimatländer antasten soll. Die Zionisten aber wollen uns weismachen, daß Palästina der jüdische Staat kat exoehen sei, und diese Verfälschung der Hcrzlschen Ideen und der Balfour-Dcklaration beginnt sich fürchterlich zu rächen. Bevor noch die Heimstätte selbst gesichert ist — und wie wenig sie dies ist, haben wir in letzter Zeit schaudernd erlebt —, machen sich die sehr bedauerlichen Wirkungen der jüdischnationalen Propaganda fühlbar. Wir alle, ob wir mehr oder weniger aufgenommen haben von der Kultur unserer Heimatländer, sollen eine Nation sein! Diese Behauptung ist fast lächerlich, sie ist aber auch schädlich, denn sie bietet unseren antisemitischen Feinden einen, ihnen sehr willkommenen Anhaltspunkt, was z. B. auch daraus hervorgeht, daß, als Stricker im österreichischen Nationalräte den Antrag auf Anerkennung der Juden als Nation stellte, Kunschak sofort seine Zustimmung zu diesem Antrage gab. Man mag daraus erkennen, wem wir die größte Freude mit derartigen Aspirationen machen. Wir wären unwürdig des Kampfes und der Leiden unserer Vorfahren um die Gleichberechtigung, wenn wir einem politischen Schlagworte zuliebe diese Gleichberechtigung hinwerfen würden. Wir dürfen ja nicht vergessen, daß erst wenige Dezennien vergangen sind, seitdem wir als freie Mitbürger in diesem Staate leben können, und dürfen nicht übermütig werden. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben die Juden klüger und vorsichtiger gemacht, sie wissen, daß die Reaktion, die jetzt wieder ihre Orgien feiern möchte, für die Juden eine große Gefahr bedeutet, und es ist daher die Aufgabe der österreichischen Juden, genau zu beobachten, wie sich die politischen Dinge entwickeln, damit sie nicht plötzlich erwachen und sehen, daß sie arg zurückgeschlagen wurden. Eine weitere Nahrung hat der erwachende Antisemitismus in Oesterreich infolge der Erstarkung der sozialdemokratischen Partei und der Tatsache gefunden, daß Juden führend in dieser Partei sind. Das bot den Antisemiten einen willkommenen Anlaß, Sozialdemokratie und Judentum in einen Topf zu werfen, und viele sozialdemokratisch eingestellte Juden begehen das Unrecht, nicht Rücksicht auf diesen latenten Antisemitismus zu nehmen, der alle Juden dafür verantwortlich macht, daß einzelne Juden führend in der sozialdemokratischen Partei sind. In den letzten zwei Jahren ist .nun eine Bewegung entstanden, die scheinbar nicht antisemitisch, sondern nur antimarxistisch ist. Wieder begehen manche Juden den Fehler, die Augen zu verschließen und nicht zu sehen oder sehen zu wollen, wohin der Pfeil, der aus dem Heimwehrlager abgeschossen wild, in Wirklichkeit fliegt. Die Ziele und Aufgaben der „Union" haben sich seit dem Zusammenbruche gewaltig geändert, die Verkleinerung des Territoriums hat scheinbar ihren Aufgabenkreis verringert, in Wirklichkeit sind ihr jetzt unendlich schwierige, aber sehr wichtige Aufgaben entstanden. Die Juden Oesterreichs dürfen nicht ohne Führung bleiben, es muß der Versuch unternommen werden, eine Körperschaft aufzurichten, in der alle Juden vereinigt sind, um gegen alle Versuche, sie wieder in die Vergangenheit zurückzuschaudern, gewappnet zu sein. Die Voraussetzung für diesen Zusammenschluß muß das Bekenntnis zum Judentum und zum österreichischen Vaterland bilden, das Bewußtsein, daß wir gleichzeitig Verpflichtungen gegen unsere jüdischen und österreichischen Mitbürger zu erfüllen haben. Eine solche Vereinigung scheint unmöglich, wenn man die religiösen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gegensätze betrachtet, die in der österreichischen Judenschaft vornefrschen, aber es ist die feste Ueberzeugung der Leitung der „Union", daß diese Gegensätze überbrückbar sind in einer Zeit der Gefahr, da alle Nebensächlichkeiten beiseite gelassen werden müssen. Die „Union" steht auf dem Standpunkte, daß sie alles unternehmen will, was den österreichischen Juden nützt, und alles vermeiden will, was ihnen schadet. Diese einzig mögliche mittlere Linie zu betreten ist die Pflicht der österreichischen Juden. Dr. Max Lenk beschäftigte sich noch mit der Stellungnahme der „Union" zu denVerfassungskämpfen und zum Preßgesetz und mit der Angelegenheit Halsmann. Es folgte eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Dr. Karl Steiner, der die Statuten der „Union* eingehend würdigte, Bundesfürsorgerat Sobel, Dr. Julius Grünwald, Dr. Ernst Feldsbcrg. der in ausgezeichneter Weise über das Problem der religiösen Erziehung der Jugend sprach. Sekretär Oskar Hirschfeld, der seinen persönlichen Eindruck von der Revisionsverhandlung H a 1 s m a n n schilderte, u. a. m. beteiligten. Dr. Julius G r ü n w a 1 d schloß mit Dankesworten an die Redner und Erschienenen die schön verlaufene Versammlung. Wahrheiten vom lote In den Armen ilegen sich .... In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung des Zionistischen Parteirates wurde nachstehender Antrag des Zionistischen Landeskomitees zum Beschluß erhoben: „Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, welches mit der Vorbereitung des ordentlichen Delegiertentages beauftragt ist, beantragt, den Verband der demokratischen Zionisten im Falle seines Eintrittes in den zionistischen Landesverband für Oesterreich als Sondervereinigung der österreichischen Landesorganisation anzuerkennen." Der Verband demokratischer Zionisten hat darauf an das zionistische Landeskomitee folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Wir melden hiermit den Beitritt des Verbandes demokratischer ZionisteniOesterreichs zum zionistischen Landesverbände für Oesterreich an. Hochachtend mit Zionsgruß. Für den Verband demokratischer Zionisten: Robert Stricke r." Wir wollen gewiß die Freude ob der Vereinigung der so oft veruneinigten zionistischen Brüder nicht trüben. Aber wir können es uns nicht versagen, angesichts dieses freudigen Ereignisses im blau-weißen Hause die Worte zu wiederholen, die derselbe Herr Stricker, der den Beschluß des zionistischen Parteirates mit Anerkennung begrüßt, noch vor einigen Wochen zur Charakterisierung seiner nunmehrigen Bundesgenossen geschrieben hat: „Die zionistische Organisation nimmt keinen Anteil am Schicksal der Juden, am Schicksal der jüdischen Jugend. Sie nimmt keine Stellung zur politischen Lage in Oesterreich. Sie wird, wenn keine radikale Aenderung eintritt, als Faktor im Leben der österreichischen Juden verschwinden. Aus all diesen Tatsachen geht hervor, daß bei einer noch längeren Dauer dieser Leitung und Wirtschaft die österreichischeziorHstistAe 'Organisation ihr'1 e't'z t e s Kapital an moralischer und politischer Vertrauenswürdigkeit verlieren muH." Die ,-,-radikale Aenderung", die Stricker verlangte, scheint nunmehr-eingetreten zu sein. Ob sie was nützen wird, mag man . füglich bezweifeln. Ausgerechnet der Herr Beda . . . Der Herr, der auf dieses Pseudonym hört, ist bekanntlich der Wiener. Rechtsanwalt Dr. Fritz L ö h n e r, der einst seine Schriftstellerkarriere als poetischer Mitarbeiter eines Wiener zionistischen Wochenblattes begann —t damals schrieb er mokant über „Getaufte und Baldgetaufte" — und es auf dem Umwege über „Ausgerechnet Bananen" bis zum Librettisten Franz Lehärs gebracht hat. Eines seiner Librettos hat in der „Arbeiter-Zeitung" eine herbe Kritik erfahren, seitdem ist er wütender Sozialistenfresser geworden. Diese Geschmacksrichtung ist immerhin die Privatangelegenheit Bedas und könnte uns ebenso kalt lassen wie die verschiedenen Leitartikel, die er als Jude und für die Juden während der, Verfassungskämpfe im „Neuen Wiener Journal" schrieb und in denen er alle Juden, die sich vermessen, nicht jüdischnational zu wählen, als Nachläufer der jeweils zur Macht gelangten Partei (im Wiener Falle" also der von ihm so gehaßten Sozialdemokratie) und gedankenloses Stimmvieh denunziert Was sich Herr Beda aber letzten Sonntag im „Journal", dessen sarkastischer Reimschmied er sein will, leistete, geht schon über die berühmte Hutschnur. Die Tatsache, daß Juden in der Sozialdemokratie führend tätig sind, ist von uns so oft bedauernd festgestellt worden, daß wir nicht in den Verdacht kommen können, mit diesen Zeilen der Partei irgendwelche Helferdienste leisten zu wollen. Aber es ist geradezu anwidernd, wie hier ein Jude in einer Tonart, die den Antisemiten alle Unehre machen würde, die jüdischen Führer der Sozialdemokratie als Profitgeier hinstellt An ihren Idealismus scheint der Herr Librettist nicht glauben zu wollen, er wird schon seine persönlichen Erfahrungen haben, die ihm solchen Unglauben nahelegen. Die Einsetzung der Klagemauerkommission. Wie die ITA erfährt, wird die Nominierung der Kandidaten für die in der letzten Sitzung des Völkerbundrates beschlossene Dreierkommission zur Regelung der Klagemauerfrage in den nächsten Tagen nicht erfolgen können. Der Premierminister und das Foreign Office sind durch die Flottenkonferenz voll in Anspruch genommen; der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. Hugh Dalton. der gegenwärtige Vertreter Großbritanniens im Völkerbundsrat, hat, wie verlautet, auf seine Bitte um Instruktionen bezüglich der Dreierkommission die Antwort erhalten, daß vorderhand nichts unternommen werden kann. Der Shaw-Bericht nicht vor Ende Februar. Die Palästina-Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw hat, wie die ITA erfährt, in einem der Räume des Colonial Office ihre zweite Sitzung nach der Rückkehr aus Palästina abgehalten. Der erste Teil des Berichtes, der sich mit der Untersuchung der Ursachen der palästinensischen Unruhen beschäftigt, ist im Entwurf nahezu vollendet. Der zweite Teil, in dem Maßnahmen vorgeschlagen werden sollen, durch die eine Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse in der Zukunft vermieden werden soll, ist noch Gegenstand von Besprechungen innerhalb der Kommission. Die Kommission wird von nun ab allwöchentlich Sitzungen abhalten und in diesen Sitzungen aucJi noch weitere Zeugen einvernehmen. Der Bericht wird nicht vor Ende Februar fertiggestellt und dem Parlament vorgelegt werden können. Jabotinsky vor der Untersuchungskommission. Der Führer der Revisionisten, Wladimir Jabotinsky, ist in London eingetroffen und wurde am 24. d. in einer vertraulichen Sitzung, die volle vier Stunden dauerte, vor der Untersuchungskömmission einvernommen. Um die Einvernahme Jabotinskys, die zuerst abgelehnt wurde, ist bei den Zionisten lebhaft gestritten worden. Der Kampf gegen den ungarischen Numerus clausus. An der Szegediner Universität hat der Numerus clausus aufgehört. Die Stadt S z e g e d i n hat nämlich zum Bau der Universität 8 Millionen Pengö beigetragen, hat aber seinerzeit ausgesprochen, daß an der Szegediner Universität das Kind jedes Szegediner Bürgers aufgenommen werden muß. Die Universität forderte jetzt den Kultusminister auf, dieser Bestimmung des Subventionsvertrages Geltung zu verschaffen, worauf der Kultusminister erklärte, daß die Universitätsbehörden diese Forderung der Stadt Szegedin vom nächsten Semester an restlos respektieren werden. Die Jewish Agency rührt sich. Wie die ITA erfährt, wird die wiederholt verschobene, aber schon äußerst dringlich gewordene Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency wahrscheinlich am 18! März in London stattfinden. Die Verhandlungen zwischen dem Vorsitzenden des Administrative Committee, Herrn Felix M. War bürg, und der Londoner Executive über diesen Punkt sind aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Amerikareise des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. ChaimWeizmann ist auf unbestimmte Zelt verschoben worden. (Es dürfte dies auf Unstimmigkeiten zwischen Wärburg und Weizmann zurückzuführen sein.) Die Berliner „ J ü d i s c h e R u n d s c h a u" erfährt, daß Dr. Weizmann sich zur Erholung in die Schweiz begibt und Anfang Februar Gelegen-