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Die Wahrheit · 1930-01-31 · Heft 5 (31.1.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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heit nehmen wird, mit repräsentativen Kreisen der Jewish Agency in Europa die schwebenden Fragen zu besprechen. Die Autoeraphensammiunz der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat durch eine Spende unseres Mitarbeiters, des bekannten Schriftstellers Herrn Benjamin Segel eine Bereicherung erfahren. Herr Segel hat sämtliche Zuschriften, die er über sein im Jahre 1924 erschienenes Buch „Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet. Eine Erledigung'" erhalten hat. der Bibliothek geschenkt. Es sind dies Briefe von berühmten Persönlichkeiten, so von Professor A. Brückner, Berlin, Professor Hans Delbrück, Berlin. Professor Hans Driesch. Leipzig, den Nobelpreisträgern Professor Rudolf Euckeu. Jena und Thomas Mann. Prof. Ulrich, Kahrstedt. Göttingen. Prof. Max Lohr, Königsberg i. Pr., Prof August Messer, Gießen. Protessor Johannes Reinke, Preetz. Holstein. Prof. Karl Stählin, Berlin. Prof. Ferdinand Tönnies. Kiel. Sie stellen in der Gesamtheit eine scharfe Verurteilung des Antisemitismus dar. Die Behandlung der Palästinafrage im Völkerbund. In seiner am 19. Jänner in London abgehaltenen Sitzung nahm der Jewish Board of Deputies einen Bericht Lucien Wolfs über die Arbeit des Joint Foreign Committee (Komitee zur Führung der auswärtigen jüdischen Angelegenheiten) entgegen. Lucien Wolf berichtete über die jüngsten Entscheidungen des Völkerbundrates im Zusammenhang mit den Palästina-Unruhen. Zwei Kommissionen sind eingesetzt worden. Die eine wird die Form einen1 außerordentlichen Sitzung der Peranenten Mandatskommission annehmen und „die unmittelbaren und entfernteren Ursachen der Vorkommnisse, die zur Beruhigung des Landes unternommenen Schritte und die Maßnahmen zur Verhinderung einer Wiederholung solcher Ereignisse prüfen; die zweite wird eäne ad-hoc-Kommission aus drei Mitgliedern „zur Prüfung, Bestimmung und endgültigen Festlegung der jüdischen und mohammedanischen Rechte und Ansprüche an der Klagemauer in Jerusalem" sein. Es war ursprünglich beabsichtigt, daß diese Körperschaften schon in der Mai- Session des Völkerbundrates ihre Berichte erstatten. Dies wird nuimicht mehr möglich sein, weil es — wie der Außenminister Henderson in der Ratssitzung feststellte — unwahrscheinlich ist, daß der Bericht der Shaw-Kommission der Mandatskommission rechtzeitig zu diesem Termin wird vorgelegt werden können. Voraussichtlich werden die Untersuchungsergebnisse der beiden Kommissionen dein Völkerbundsrat nicht vor September unterbreitet werden können. Das Joint Foreign Committee bedauert diese Verzögerung der Untersuchungen, weil sie eine Verzögerung der endgültigen Befriedung Palästinas bedeutet Das Committee erkennt aber an, daß eine gründliche Untersuchung notwendig ist und erwägt die Schritte, die gemeinsam mit anderen jüdischen Organisationen zur angemessenen Vertretung der Jüdischen Interessen vor den untersuchenden Instanzen unternommen werden sollen. Lucien Wolf berichtete des weiteren über die Lage in Rumänien, die weiterhin wegen der Gegensätze zwischen der Union rumänischer Juden und dem Jüdischen Parlamentsklub undurchsichtig sei, ferner über die ReligionsVerfolgung in Rußland, die drohende Enteignung des historisch werfvollen jüdischen Friedhofs in Saloniki und die Verhältnisse der yemeiniitischen Flüchtlinge in Aden. Diese Fragen werden gegenwärtig geprüft, und es wird über sie fortlaufend berichtet werden. Ernst Wallach in Amerika. Dem von uns iüngst wiedergegebenen Interview mit Herrn Ernst Wallach, Vizepräsidenten des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der vor kurzem in den Vereinigten Staaten geweilt hat, über Ursachen und Wirkungen des deutschen Antisemitismus, wird auch weiterhin viel Aufmerksamkeit gewidmet. Viele Zeitungen, die das Interview bringen, knüpfen an die. Ausführungen des Herrn Wallach Kommentare, in denen der internationale Charakter des Antisemitismus und die Notwendigkeit einer gemeinschaftlichen Abwehr betont wird. „Ernst Wallach", schreibt die in Pittsburg erscheinende Zeitung „Jewish Criterion", „Vizepräsident des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, einer 60.000 Mitglieder zählenden Organisation, erklärt, daß der Antisemitismus in Deutschland ein Ergebnis sei der durch die Nachkriegsdepressionen in der Wirtschaft erzeugten Unzufriedenheit Das mag wahr sein. Aber es gab einen Antisemitismus in Deutschland noch vor dem Kriege, und zwar in der gleichen bösartigen Form wie heute. Wir erinnern an die Angriffe und Beleidigungen, denen die Juden seit der Bismarck- Zeit bis zur Abdankung dies Kaisers ausgesetzt waren. Gäbe es keine Wirtschaftsdepressionen, die deutschen Judenhasser würden hundert andere Gründe für ihren Haß finden." Schändung des jüdischen Friedhofs in Saloniki Ein Teil des historisch wertvollen jüdischen Friedhofs in Saloniki, und zwar der Teil, der die Begräbnisstätte der berühmten Familie Allatini einschließt, ist in rohester Weise entweiht worden. 67 Grabsteine wurden zertrümmert die Gräber wurden besudelt. Ein Teil der Umfassungsmauer des Friedhofes ist ebenfalls zerstört worden. Auf Ersuchen der Gemeinde hat die Polizei eine Untersuchung eingeleitet, die bisher ohne Ergebnis geblieben ist. da keiner der Täter gefaßt wurde. Eine neue Volkszählung in Palästina. Eine Statistikerkonferenz, die, von der Zionistischen Palästina-Exekutive einberufen, gegenwärtig in Jerusalem tagt, hat den Beschluß gefaßt, der Regierung die Vornahme einer neuerlichen Volkszählung verzuschlagen. Diesen Beschluß faßte die Konferenz, weil nach ihrer Meinung die Volkszählung von 1922 in ihren Ergebnissen gegenwärtig unbrauchbar geworden sei. Das Arbeitsdepartement der Zionistischen Exekutive nimmt zunächst eine Zählung der in den jüdischen Kolonien beschäftigten jüdischen Arbeiter vor und trifft Vorbereitungen für die Zählung der jüdischen Handwerker. Die Volkszählung im Jahre 1922 ergab eine Gesamtbevölkerung von 757.187 Einwohnern, wovon 590.890 Moslems. 83.794 Juden, 73.024 Christen. 7028 Drusen, 162 Samaritaner, 265 Bahais, 156 Metawallis, 1454 Hindus und 408 Sikhs waren (bei den vier letztgenannten Gruppen handelt es sich um Angehörige der britischen Militärbesetzung). Ende 1923 betrug die Zahl der jüdischen Bevölkerung 93.300 (gegenüber der Zahl von 83.794 bei der Volkszählung von 1922): Ende 1924 waren es schon 110.000 Juden, Ende 1925 147.000 und Ende 1926 158.000. Im Juli 1927 schätzte das Gesundheitsdepartement der palästinensischen Regierung die Zahl der jüdischen Bevölkerung auf 147.687. In dieser Zeit war durch die Auswanderung eine Verringerung der jüdischen Bevölkerungszahl enstanden. Die letzte Schätzung der Bevölkerungszahl Palästinas ist die vom 31. März 1929 mit folgenden Zahlen: 557.649 Moslems, 149.554 Juden, 78.463 Christen und 8850 Angehörige anderer Bekenntnisse. Nach 24 Jahren. i Mehrere Anstifter, des zu einer traurigen Berühmtheit gelangten HoraeleT Judenpogroms vom 13. Jänner 1906 wurden jetzt in Hornel erkannt, verhaftet und vor Gericht gestellt. In der Gerichtsverhandlung, die sechs Tage dauerte, wurde festgestellt, daß die Angeschuldigten Mitglieder der Exekutive der zaristischen Pogrom-Organisation „Soj u s Ru s ko go Naroda" gewesen waren. Etwa 50 Zeugen wurden verhört, unter ihnen sechs Juden, die Leidtragende des nunmehr 24 Jahre zurückliegenden Progroms waren. Es wurden harte Strafen gefällt. Ivan Davidow wurde zum Tode. Sergej Makosewski zu acht Jahren und Jeffim Katschanow zu fünf Jahren Kerkers verurteilt. Jüdische Mitglieder des tschechoslowakischen Staatsgerichtshofes. Unter den für den Staatsgerichtshof der Tschechoslowakei pro 1930 ernannten Mitgliedern befinden sich die folgenden jüdischen Rechtsgelehrten: Dr. Theodor Nußbaum als Stellvertreter des Präsidenten des Staatsgerichtshofes, Dr. M. Mandl- Pilsen, Dr. Emil M e i ßne r-Deutsch-Brod (ein Bruder des Justizministers Dr. Meißner), Dr. Karl Herrmann- Prag. Dr. Moritz Eckstein- Pilsen und Prof. Dr. Heinrich Singer- Prag, der Kirchenrechtler der deutschen Universität.___ Vereinigung jüdischer Akademiker. Samstag, den 1. Februar 1. J., 8 Uhr abends, findet im Cafe A r 1 o n, 1., Rothgasse 3, ein Vortrag des Herrn Dr. Leo Deutschländer über Franz R os e n z w e i g als Denker, Dichter und Jude statt. Gäste willkommen! Kein Konsumzwang. Tlmtlicfje Verfautßarungen der Jsraefitisdjen Xuftusgemeinöe Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 31. Jänner 1930, werden bei dem um 5 Uhr beginnenden Aböndgottesdienste in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssyrtagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Grunw a I d); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz). Samstag, den 1. Februar 1930, findet beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) im Gennemdeüemepel, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) ein exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Jugendgottesdienst. ' Am Samstag, den 1. Februar 1930, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Erstklassige Bürokraft Fräulein mit 5jähriger kommerzieller Praxis erbittet Halbtagsbeschäftigung. Samstag ausgenommen. Zuschriften an die Administration dieses Blattes unter „Tüchtig" erbeten. Tüchtige junge Verkäuferin, in der Parfömeriebranche gut bewandert sucht Stellung. Bste Referenzen Soiie Z. IL, Malzgasse 7. Tel. R 43-5-40. VonWodke zu Wodke Auszeichnung des Präsidenten der Kultusgemeinde. Der Bundespräsident hat dem Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Generaloberstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick, das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich verliehen. Antisemitische Frechheit und Unverschämtheit Rektor und Senat der Universität haben den Führer der Nationalsozialistischen Studentenschaft von der Universität verwiesen. Der Gemaßregelte hatte ein nationalsozialistisches Flugblatt unterzeichnet, in dem die Universität eine „Hochburg jüdischer Frechheit und marxistischer Unverschämtheit" genannt wurde. So geschehen in — Frankfurt a. M. Das Begräbnis der Gattin des Chief Rabbi Hertz. Am 20. Jänner fand auf dem Willesder-Friedhot in London die Bestartung der verstorbenen Gattin des englischen Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz statt. Alle jüdischen Institutionen Londons watren durch ihre führenden Persönlichkeiten vertreten. Im.Trauergeiolge sah man unter anderen den Präskienten des Board of Deputies Lord Rothschild, den Präsidenten der Anglo-Jewish Association Leonard G. Montefiore, den Generalsekretär der Zion. Weltorganisation Israel Cohen, Sir Myer Spielmann, Land Swaytbhng, Sir Robert Waley-Cohen, Ernst Schiff, Otto Schiff, das Parlamentsmitglied Major Isidore Salmon. Sim Reginald Tuck, den Führer des Wett-Misrachi Rabbi Meir Berlin. Die Trauerrede in der Friedhofssynagoge hielt Dajan Feldmann. Mrs. Hertz, sagte em. hat von ihren Vorfahren eine edle Art jüdischer Frömmigkeit geerbt Es gab keine gute jüdische Sache, die sie nicht zu dem ihren gemacht hätte und zu fördern bemüht gewesen wäre. Sie war das Ideal einer jüdischen Frau. Oer Mädchen- und Frauenvereht „Krankenbesuch" (Bikur Chatülm). Wien L. Seitenstettengasse 4. veranstaltet Sonntag, den 2. Februar i. J., 4 Uhr nachmittags, im Festsaale des Hotel Continental. IL, Taborstraße. eine WobMtigkeitsjause mit erstklassigen künstlerischen Vorträgen. Eintrittskarten zu S 2.60 (inkt Jause) sind bei allen Vorstandsdamen und an der Kassa erhältlich. Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien, XVI., Wurlitzergasse 11, veranstaltet am Sonntag, den 9. Februar 1930. in den Prachtsälen des Volksgarten-Restaurants. I.. Burgring, eine Masken-Redoute unter Mitwirkung der Salonkapelle Seidl. Mit Rücksicht auf die große Not der Zeit, weiche an den Verein die schwersten Anforderungen stellt, bittet die Vereinsleitung im Interesse ihrer Schützlinge um recht zahlreiche Beteiligung. Eintrittskarten sind bei allen Vorstandsmitgliedern erhältlich. .Jugend und Judentum", der in unserer letzten Nummer veröffentlichte Artikel eines jungen Wiener Juden, stammte von Herrn Otto Herz, was hiemit, da die Unterschrift irrtümlich ausgelassen wurde, festgestellt wird. m Virovltlca (Jugoslawien). Am 8. d. M. fand die Trauung des Fräuleins Grete Springer, Tochter des I- Kantors, Herrn Adolf Springer, mit Herrn Alexander S c h w a r t z, Sohn des hier sehr angesehenen Kaufmannes Julius Schwartz, statt. „Seudat Sabat", Verein zur täglichen unentgeltlichen Armenausspeisung. Wien. H„ Malzgasse 2. Sonntag, den 26. Jänner 1930. fand die XII. ordentliche Generalversammlung in Anwesenheit einer großen Anzahl von Vereinsmitgliedern statt. Als Vertreter sind erschienen: Für die israelitische Kultusgemeinde Kultusvorsteher Dr. Isidor K laber, für die israelitische Allianz Rabbiner Dr. A. Kaminka, für den Tempelverein „Beth Israel" Kultusvorsteher Dr. Leo Landau. Der Rechenschaftsbericht und der Kassabericht wurden dankend zur Kenntnis genommen. Die acht laut Statuten ausgelosten Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Neugewählt wurden Herr Kultusvorsteher Dr. Leo Landau und Herr Sig. Kornmehl. Zu Ehrenmitgliedern wurden für ganz besondere Verdienste um den Verein die Herren Kultusvorsteher Bernhard Altmann und der- Vereinsverwalter Herr Wiener Beth Hamidrasch, IL, Tempelgasse 3. Montag. 3. Februar 1930. 6—7 Uhr. Prof. Doktor S. Kraus: Jüdische Geschichte. Dienstag. 4. Februar 1930, 6—7 Uhr. Prof. Doktor S. Kraus: Jüdische Geschichte. 7—3 Uhr, Rabbiner Dr. M. Rosenmann: Ikkarim. Mittwoch. 5. Februar 1930. 6—8 Uhr. Prof. Dr. S. Kraus: Liturgie. Donnerstag. 6. Februar 1930, 6—7 Uhr, Rabbiner Dr. M. Rosen mann: Ikkarim. 7—3 Uhr, Rabbiner Dr. Taglicht: Sprüche Salomonis.

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