Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT DIE WA Verzögernd wirkt noch der Umstand, daß in London ~ vor Veröffentlichung des Berichtes noch einige Zeugen einzuvernehmen sind. Der Bericht wird nicht vor Ende Jänner der Regierung vorgelegt werden können. Der Jerusaleiner „Palestine Bulletin" veröffentlicht in einer Sonderpublikation den Gesamtbericht über die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission inenglischerSprache. Die Publikation ist zum Preise von 500 Mil von der Expedition des „Palestine Bulletin" Jerusalem, P. O. B. 683) zu beziehen. Eine deutsche Uebersetzung des Berichtes wäre wohl angezeigt. Henri Torres in Berlin. Henri Tor res. einer der angesehensten Pariser Anwälte, ist in Berlin eingetroffen und hat als Gast der Deutsch-französischen Gesellschaft am 9. Jänner einen Vortrag „Uebcr die Geschworenen" gehalten. In einem Gespräch mit Berliner Pressevertretern äußerte sich Henri Torres auch über den Prozeß Schwarzbarth. Bekanntlich hat Torres den Juden S c h w a r z b a r t Ii, der den ukrainischen Hetman Petljura ermordet hat, vor dem Pariser Geschworenengericht . verteidigt. Petljura, sagte Torres. war der einzige Verantwortliche für die Schandtaten in der Ukraine. Man braucht nur daran zu denken, daß seine Soldaten mit dem Rufe: ,£s lebe unser Vater Petljura!" ihre Opfer gemordet und geschunden haben. Hätten die Geschworenen Schwarzbarth nicht freigesprochen, dann hätten sie den tiefsten Sinn der Gerechtigkeit, den Willen Frankreichs gefälscht. Es waren Geschworene, die ihn freigesprochen haben, wirkliche Geschworene. Ich werde Ihiien in dem Vortrag erzählen, warum Frankreich niemals ein gemischtes Gericht an Stelle der Geschworenen setzen wird: die Geschworenen sind die Republik, das weiß jedes Kind in Frankreich. Es gibt keine Republik ohne Geschworene. Die Lage des Judentums in Rußland. Am 3. Jänner veröffentlichte die Sowjetregierung von Zcntralrußland Anordnungen zu einer gründlichen Untersuchung der sozialen und wirtschaftlichen tage der nationalen Minoritäten. Man hofft, daß im Ergebnis der angeordneten Untersuchung die deklassierten Juden das Recht wieder erhalten werden. Mitglieder von Kooperativen zu sein. Gleichzeitig aber verkündigt das Kommissariat für innere Angelegenheiten eine Gesetzesvorlage, in der neue Einschränkungen gegen die ehemaligen jüdischen Händler enthalten sind, insofern sie nicht in die Kategorie der Wahlberechtigten gehören. Das neue Gesetz wird diese Kategorie deklassierter Juden zwingen, ihre Wohnungen in den Gebäuden öffentlichen Besitzes zu räumen, auch wenn sie in den Vorstädten und nicht in der Stadt selbst wohnen. Diese Gesetzesvorlagc trifft tausende von Juden, denen als ehemalige Kaufleute das Recht entzogen wurde, in den größeren Städten zu wohnen, und die daher ihre Wohnungen in die nahegelegenen Vorstädte und Sommerfrischen verlegt haben. Die Vorlage bezieht sich nicht nur auf jene Personen, die selbst früher Kaufleute oder religiöse Funktionäre waren, sondern auch auf Personen, die von ihnen ausgemalten werden. Auch Wahlberechtigte haben ihre Wohnungen zu räumen, wenn ihre Beschäftigung als eine solche festgestellt wird, die nicht zur Klasse der „nützlichen Arbeit" gerechnet wird. Ausnahmen gelten für ehemalige Rotarmisten und Wissenschaftler. Aus privaten Mitteln errichtete Häuser bleiben im Rahmen des geltenden Gesetzes Eigentum ihrer Erbauer, auch wenn diese zur deklassierten Bevölkerung gehören. Der amerikanisch-jüdische Kongreß hat sich in seiner letzten Konferenz mit der Unterdrückung der jüdischen Religion in Rußland beschäftigt. Der Präsident des Kongresses. Bernard S. Deutsch, teilt jetzt mit, daß er gemäß dem ihm vom Kongreß erteilten Auftrag ein Komitee ernannt Jiabe, das die Bedingungen in Rußland studieren und Maßnahmen ergreifen soll, die unter den gegebenen Umständen als ratsam erscheinen. Der Kommission gehören als MitgKeder an: Carl Sherman als Vorsitzender; Dr. I. L. Bluestone. Gedaliah Bubi ick, Rabbi Moses Hyamson und Nathan D. Perlman. Dr. Stephan S. Wise. Bernamd S. Deutsch und Bernard G. Richards werden als ex officio-Mütgüeder fungieren. Mit Bezug auf die große Demonstration gegen die Verfolgung der Religion in Rußland, die vor ■kurzem, wie wir jüngst berichteten, in dar Londoner Albert-Hall stattfand, gibt Bernard S. Deutsch in einer Erklärung seiner Hoffnung Ausdruck, daß wichtige christliche Körperschaften in Amerika, die. wie ihm bekannt ist, die Frage aufmerksam verfolgen, ihren Einfluß bald auch öffentlich fühlbar machen und dadurch bekunden werden, daß die antireligöse Kampagne der Sowjets alle Religionen in gleicher Weise trifft Er zitiert die Erklärung des Chefs Rabbi Dr. J. H. H e r t z in der Albert Hall-Versammlung, in der dieser der Hoffnung Ausdruck gab, daß die britische Regierung und alle zivilisierten Regierungen Vorstellungen erheben werden, in denen der sittlichen Entrüstung aller Freunde der Humanität wegen der Religjoesverfolgung in Rußland Ausdruck gegeben werde: solche Vorstellungen könnten diejenigen Staatsmänner in Rußland stärken, die die verbrecherische Torheit des aggressiven Atheismus erkennen. Der alte Jüdische Frigfboff von Saloniki gefährdet. Die griechische Regierung hat die Enteignung eines Teiles des jüdischen Friedhofes in Saloniki zur Errichtung yon''Wohnstätten für «ine Gruppe griechisffaer Flüchtlinge ans Adrianopel angeordnet Die jüdische Gemeinde hat der Regierung ein Gesuch unterbreitet, die Verfügung rückgängig zu machen, mit iier Begründung, daß dem Friedhof von den Juden religiöser Charakter beigemessen wird. (Der Friedhof von Saloniki hat für di; orientalische Judenschaft eine ähnliche Bedeutung wie der Prager Judenfriedhot für die westliche Judenheit.) Drei jüdische Senatoren und Abgeordnete, die die Affäre im Parlament zur Rede bringen wollen, haben die Zurücknahme der Enteignungsorder bis zum Zusammentritt des Parlaments am 14. Jänner gefordert. (Siehe den Artikel „Die Juden von Saloniki" in Nr. 2 der „Wahrheit".) Verstärkung der britischen Polizei in Palästina. Der Kommandant der palästinensischen Polizcimacht Major Saunders hat sich nach London begeben, um die Rekrutierung weiterer 200 britischer Polizisten zu überwachen, durch die eventuell die gegenwärtige Stärke der britischen Polizei in Palästina von 550 Mann auf 750 erhöht werden soll. Zahlung der Entschädigungen im Februar. Einer Meldung der Tel Aviver Tageszeiiung „Haarez" zufolge soll mit der Auszahlung der Entschädigungssummen für die während der Unruhen zu Schaden Gekommenen im Februar begonnen werden. Die meisten .Gesuche um Entschädigung sind bereits nachgeprüft worden. Verhandlung über die Kollektivstrafen in Safed. Unter dem Vorsitz des Distriktskommissärs für Ncrdpalästina. Colville, begann am 8. d. M. die Verhandlung über die Kollektävstrafen für Safed. Durch ein Verhör soll, die Schuld der Safedef Araber an den August-Massakers und die für die Zerstörung des jüdischen Viertels zu zahlende Summe festgestellt werden. Arabische Stellen melden, daß der Mufti von. Safed die benachbarten Dörfer bereist, um zugunsten der durch die Unruhein geschädigten Araber Geld zu sammeln; In andiaren Kreisen glaubt man aban, daß er seine Rundreise unternimmt, um Widerstand gegen die Bezahlung der KoMektivgeldstrafen zu organisieren. Entlassung jüdischer Regierungsbeamter in, Palästina. Zwei jüdische Architekten, von denen der «ine schon seit vielen Jahren seine Stelle bekleidet, sind vom Regierungsdeparteiment für öffentliche Arbeiten entlassen worden. Eine Begirönduiig für die Entlassung ist nicht gegeben worden. Es erregt öffentliche Aufmerksamkeit, daß diese Entlassung zu eiiiier Zeit geschieht, in der viele Neueinstellungen im technischen Departement in Verbindung mit dem Bau des Hafens in Haifa und anderen Unternehmungen erfolgt sind. Lautes Beten an der Klagemauer nicht gestattet? Eine Anzahl orientalisch-jüdischer Frauen, die an der Klagomauer nach ihrer Amt mit üauter Stimme für die Ganesung eines kranken Kindes beteten, wurden1 von mehreren Arabern aufgefordert, ihre Stimmen zu dämpfen oder den Ort zu verfassen. Die Araber brachten zum Bekräftigung ihrer Aufforderung einen Polizisten an die Mauer. Mehrere arabische Repräsentanten, unter ihnen auch der Großmufti, haben vor der Untereuchungskommission die Behauptung aufgestellt, daß die Juden zwar das Recht hätten, an der Klagemauer zu beten, daß sie es aber nicht mit lauter Stämme tun dürfen. Dia gemeldete Maßnahme dient offenbar! dem Zwecke, dieser Auffassung praktisch Nachdruck zu verleihen. Das judenreine Hebron. Die jüdische Gesamtibevölkerung von Hebron, deren Zahl vor den Unruhen mehrt als 500 betrug, besteht gegenwärtig aus 15 Arbeitern, die damit beschäftigt sind, Grabsteine auf den Gräbern der jüdischen Opfer dem August-Massakers zu errichten, und einem jüdischen Polizisten. Die jüdische Bevölkerung ffiürchtet noch Immert nach Hebron zurückzukehren. Die 16 jetzt in Hebron befindlichen Juden bewohnen eines der verlassenen jüdischen Häuser, und der Distraktsbeamte hat ihnen.Sicherheit garantiert. Auszeichnung des Präsidenten des Orthodoxen Gemeindebundes Jugoslawiens. Aus Anlaß der Verkündung des neuen Judengesetzes des Königreiches Jugoslawien hat König Alexander den Präsidenten des Orthodoxen Gemeindebundes, Herrn Direktor Hermann Deutsch in Subotica, durch Verleihung des Skt. Sava-Ordens III. Klasse ausgezeichnet. Direktor Deutsch hat an dem Zustandekommen des Judengesetzes mitgewirkt. ßauprogramni der Pester israelitischen Gemeinde. Der Vorstand der Pester israelitischen Gemeinde hat in seiner jüngsten Sitzung auf Vorschlag des Präsidenten der Baukommission, Oberhausmitglied Doktor Samuel Glücksthal, beschlossen, daß die bereits siebzigjährige und schon zu den Kunstdenkmälern zählende Hauptsynagoge in einen solchen repräsentativen Baurahmen gefaßt werden soll, der sowohl den Gesichtspunkten der Stadtverschönerung als dem Prestige der Pester Judentums entspricht. Es soll neben' dem Tempel ein Kulturhaus gebaut werden, in dem das jüdische Museum nebst Bibliothek untergebracht werden sollen. Mittels weiterer Benutzung der von der Hauptstadt zur Verfügung gestellten Grundstücke in der Wesselenyi-ucca soll zwischen stilgemäßen Arkaden ein Park errichtet werden, ^ls dessen Abschluß in gerader Linie mit der rückwärtigen Front der Synagoge sich der Heldentempel zum Gedächtnis der im Weltkriege gefallenen jüdischen Helden erheben soll. Die Ausführung der Arbeiten soll hervorragenden Fachleuten übertragen werden. Nach Fertigstellung der endgültigen Projekte wird die Gemeinde die Ausführung der Bauten im -Frühjahr 1930 in Angriff nehmen lassen. Ungarische Mastgänse S 3'20 Mährische Lebergänse „ 3*40 Gansfett kg „ 4-— Geräucherter Gansbügel per Stock S 3*— „ Gansbrust „ „ „ T— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döbl. Hauptstraße 88 GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM, KORNMEHL UHHBMMHMHMHHMBHMBV WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE XVIII., WÄHRIN GERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17 3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanatalton AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehm. Rabbinates der Isr*. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorte»- von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen VonWodke zu Worte Festabend. Zur Feier des siebzigsten Geburtstages des Schulrates Professor Dr. Heinrich Pollak, findet am IS. Jänner 1930, SUhrabends, im Restaura ntTon eil o, IL, Lilienbrunngasse 2, ein Festabend statt, wozu die Freunde sowie die ehemaligen Schüler des Schulrates Dr. Pollak herzlichst eingeladen werden. Zwangloses Abendessen! Das Komitee. 50. Geburtstag Prof. Wolfsohns. Anläßlich des 50. Geburtstages des Pianisten und Komponisten Professor Juliusz Wolf söhn fand beim Jubilar und seiner Gemahlin ein Apres-Souper mit künstlerischen. Darbietungen statt, zu dem erschienen waren: Der politische Gesandte Dr. Karol Bader mit Gemahlin. Legatiönsrat Dr. P e t e r k a von der tschechoslowakische« Gesandschaft, der polnische Konsul Neumann mit Gemahlin, der Pressechef der polnischen Gesandtschaft Prof. Dr. Parnes mit Gemahlin, die Vizepräsidenten der Kuhusgemeinde Dr. Jakob Ornstein und Dr. Josef Löwen herz, letzterer mit Gemahlin, Dramaturg Professor Heinrich Glücksmann mit Gemahlin^ Professor Hugo Gottesmann, Bildhauer Stanislaus Lewandowsky, Sängerin Rosa Fuchs- Feyer, Universitätsprofessor Du. Frey mit Gemahlin, die Industriellen Kommerzialrat Johann Kr erneue zky und -Kommerzialrat Ernst Hochmuth mit Gemahlin, Justizrat Dr. Alexander Mintz, Frau Doktor Julian Sternberg, Frau Dozent Grunfeld, Direktor Gregor Szereszewsky mit Gemahlin und Tochter, Kommerzialrat Jules Gourary mit Gemahlin, Direktor Bernard mit Gemahlin. Direktor Alexander Hatschck, Ing. Heinrich Münster, Redakteur Dr. Reich mit Gemahlin, Dr. Tullo Nüssenb 1 a 11 mit Gemahlin, Dr. W. G u t m a n Ii mit Gemahlin und viele andere. Die Soiree nahm dank deT liebenswürdigen Bemühungen der Frau Prof. W olf söh n einen sehr stimmungsvollen schönen Verlauf. Goldene Hochzeit. Samstag, den 11. d. M, fand im festlich beleuchteten und dekorierten Tempel in der Humboldtgasse eine erhebende Feier statt. Dan Begründen und Ehrenpräsident des Israelitischen Tiempel- und Schulvereines Favoriten, Herr Jakob S. Straßberg, und seine Gattin Amalia, geb. Haber, feierten an diesem Tage in voller Rüstigkeit das seitene Fest der goldenen Hochzeit. Unter der großen Zahl der Anwesein dein die das schöne Gotteshaus füllten, sah man den Gesamtvorstand des Tempel- und Schulvereines mit Obmann Max Bergen an der Spitze. Die Israel. Kuitusgemeinde Wien war durch Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein, die Organisation der Wiener Tempeilvereine durch Obmann Börserat I. Glück, der „Humatiitätsverein", dessen Begründer und langjähriges EhrenmitgJied Herr St Haßberg ist, durch Obmann Komm.-Rat Weis vertreten,- die Bezirkskommission Wieden-Margareten-Favoriten, deren Mitglied der Jubilan seit, vierzig Jahren ist, sowie zahlreiche Wohltätigkeitsvereine entsendeten Delegierte. Das Jubelpaar, das mit den Kindern und Ktndeskindent im Tempel erschienen warn, wurde von dem Vorstande auf-ihre Ehrenplätze - geleitet. Nachdem Herr J. S. Straßberg feierlichst als Maftir zun Thora gerufen wurde, richtete Herr Rabbiner Dm. Kupfer ein© herzliche Ansprache, am ihn, in der er die unvergänglichen Verdienste des Jublars um dfen Tempel- und Schulverein sowie um den Humanitätsverein, seine Bescheidenheit und seine wie auch seiner edlen Gattin stille segensreiche Tätigkeit im Bezirke hervorhob. Oberkantor S. Weiß brachte meisterhaft einein überaus wirkungsvollen, von ihm für diesen schönen Anlaß verfaßten Segensspruch zum Vortrage. Selbstverständlich wurderr auch die Söhne des Jubelpaares Herr Rechtsanwalt Dok-