Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT a Faierl". Erst vor kurzem wurde Wolfsohns »Hebräische Suite" für Klavier mit Orchester im Radio Wien zum zweitenmal vom Komponisten selbst erfolgreich' vorgetragen. Eine große Schülerschar, unter denen einige bereits einen sehr bekannten Namen haben, kennzeichnet Prof. Wolfsohn als hochgeschätzten Pädagogen, als welcher er des öfteren in der Presse gerühmt wird (letzthin von Dr. J. Korngold in der N. Fr. Pr.) So steht Prof. Juliusz Wolfsohn als hervorragender Künstler an seinem Jubeltage vor der großen Schar seiner Verehrer da. Wir Juden sind ihm besonderen Dank schuldig, uns hat er unendlich viel gegeben. Prof. Albert E i n s t e i n hat einmal an den Meister der Töne geschrieben: „Ihr Streben verdient den Dank aller Jude n." Ein zutreffendes Wort, das festgehalten sei mit dem Wunsche, der Künstler möge sein gewaltiges Schaffen noch recht lange Jahre fortsetzen. üaroffentlickunqan «Ur Union dtu^scnSs+errticViscbeftudtn IX., Berggasse 4 Postspark.-Kto. 9.464 ^33^1 An alle Mitglieder und Freunde der „Union"! Seit Jahrzehnten ist die „Union" der Hort der staatsgrundgesetzlich gewähr leistetenRechteder österreichischen Juden, seit Jahrzehnten ist sie das Bollwerk, an dem die Angriffe unserer Feinde zerschellten. Wo und wann immer es galt, die Interessen des Judentums zu schützen, seine Rechte zu wahren, Verunglimpfungen und Anfeindungen abzuwehren, war die „Union", ihren hehren Verpflichtungen getreu, auf dem Platze. Wollt Ihr, jüdische Mitbürger, diesen so überaus schweren Kampf gegen unsere übermächtigen Feinde einem ideinen Häuflein weitsichtiger und opferbereiter Juden überlassen? Einen Kampf, der aussichtslos ist ohne Eure freudige, opferbereite Mitarbeit, ohne Eure tatkräftige, leidenschaftserfüllte Teilnahme an diesem schicksalsschweren Ringen um die durch das Blut unserer Vorfahren eroberte Gleichberechtigung. Unser Verein hat sich aber seit Jahrzehnten auch einer weiteren Aufgabe zuwenden müssen. § 2 unserer Statuten schreibt uns sorgsame Beobachtung aller Vorgänge im jüdischen Gemeindeleben vor. Wir haben uns nun auch in vielen Wahlperioden an den oft sehr schweren Wahlkämpfen für den Kultusvorstand beteiligt, ausgehend von der Erwägung, daß uns die Pflicht obliegt, unsere Gemeinde in dem alten, traditionellen Geiste, in welchem wir sie von unseren Vätern übernommen haben, zu erhalten. Was wir in Zusammenarbeit vermögen, das haben wir bei den Kultuswahlen im Dezember 1928 bewiesen. Wenige Wochen der Vorbereitung haben genügt, um in allen Bezirken eine große Schar wackerer Mitarbeiter zu sammeln und dadurch tausende von jüdischen Mitbürgern, die sich bisher allen jüdischen Angelegenheiten fernhielten, über die uns allen drohende Gefahr aufzuklären und für uns zu gewinnen. Wir müssen aber immer auf dem Posten sein, wir müssen unsereOrganisation zu einem schlagfertigen Instrumente ausgestalten, jederzeit bereit, alle von außen und innen herankommenden Gefahren und Angriffe abzuwehren. Die „Union deutschösterreichischer Juden" muß der lebendige Hort unserer jüdischen Mitbürgerbleiben. Dazu bedarf sie auch der Mithilfe aller und bittet, den angesichts unserer gesteigerten Versammlungs- und Pressetätigkeit mit S 12.— für das Jahr 1930 festgesetzten Mitgliedsbeitrag zur Weiterführung dieser verstärkten Agitation im Interesse der österreichischen Juden uns baldfreundlichst zu übersenden und neue Mitglieder für die „Union" zu werben. Der Zentralvorstand der „Union deutschösterreichischer Juden". Wien IX., Berggasse 4. Wahrheiten vom Jage Zionistische Verstimmung. „Die Stimme" hat „Zwischen den Zeilen" auf unseren Artikel „Die Krise im Zionismus" repliziert. Der Umstand, daß das „assimilatorische Winkelblättchen" über diese Krise nicht zur Tagesordnung übergegangen ist, sondern einige ihrer zahlreichen Einzelheiten in „einem großmächtigen Aufsatz" besprochen hat, hat das dadurch besonders betroffene stimmbegabte Blatt, das in allen Winkeln der weiten Welt gelesen wird, so aus dem blau-weißen Häuschen gebracht, daß es seine ganze vornehme zionistische Erziehung vergessen hat Die Krise im österreichischen Zionismus besteht eben nach der Ansicht der „Stimme" nicht, die „Erklärung des Verbandes demokratischer Zionisten" ist von ganz untergeordneter Bedeutung; daß „Die Stimme" eine Woche vorher auf diese „Erklärung" mit einer fünf Spalten langen „Aufklärung der österreichischen Zionisten" — „großmächtiger" geht es wohl nicht — geantwortet hat, ist anscheinend bereits ihrem kritisch schwachen Gedächtnis entschwunden. Und so bleibt ihr, die sich in der letzten „Neuen Welt" den Vorwurf der Fälschung gefallen lassen muß, nur übrig, einen uns unterlaufenen Irrtum festzustellen: Das Zeitungsunternehmen, das nach dem Referate des Dr. Friedmann so schweren Schiffbruch erlitten hat, ist — Gott behüte! — nicht „Die Stimme", sondern „eine heute nicht mehr erscheinende jüdische Tageszeitung". Ihren Namen sollt ihr in der „Stimme", da man im Hause des .Gehenkten nicht gerne vom Strick redet, nie erfahren: Es war die „Wiener Morgenzeitung" s. A. Schließlich harrt „Die Stimme" „bebenden Herzens und angsterfüllt" unserer weiteren Angriffe und will uns anscheinend in dieser Beziehung zuvorkommen, indem sie eine im Laufe der Jahre vorgenommene Aenderung unseres Titelkopfes böswillig „anprangert". Wir wissen nicht, wo da die Schlechtigkeit liegt, und glauben, daß eine solche drucktechnische Maßnahme eher mit den Anstandssitten zu vereinbaren ist als die im Gerichtssaal festgestellte Irreführung von zionistischen Redakteuren in bezug auf die Firma, bei der sie eigentlich angestellt sind. Hoffentlich wird der „Zwischen den Zeilen- Schinder „Sem" nie an einen solchen „Irrtum" glauben müssen. Dr. Weizmanns Friedensbereitschaft. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, hielt bei einem ihm zu Ehren vom Anglo Palestinian Club gegebenen Diner, bei welchem Herr James de Rothschild den Vorsitz führte, eine Ansprache, in der er Ungarische Mastgänse S 3*20 Mährische Lebergänse „ 3*40 Gansfett kg „ 4*— Geräucherter Gansbügel periStück S 3'— „ Gansbrust „ „ „ T— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludi, XIX., Döbl. Hauptstraße 88 u. a. ausführte: „Ein Wort über die Araber: Ich beabsichtige nicht, Worte des Komplimentes zu sagen. Lange bevor der Angriff auf uns gemacht wurde, hat die oberste zionistische Institution eine Resolution angenommen, die unsere Beziehung zu dem Arabertum ausdrückt und die, ich hoffe es, zwischen uns und den Arabern bestehen wird. Es heißt in dieser Resolution: Wir sind entschlossen, mit dem arabischen Volk in Eintracht und in gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat in einen blühenden Staat umzuwandeln, dessen Aufbau allen seinen Bevölkerungsteilen ungestörte nationale Entwicklung sichert. Dies ist der großer Wunsch des großen semitischen Volkes. Als einer, der das Privileg besitzt, die Angelegenheiten der Zionistischen Organisation zu führen, erkläre ich, dafr wir von dieser Entschlossenheit nach keiner Seite hin abgewichen sind. Nicht Pogrome und nicht irgendwelche Erhitztheit, sei es außerhalb, sei es innerhalb unserer Organisation, wird uns von diesem Ziele ablenken. Wir werden mit den Arabern zusammenleben, wir werden mit ihnen zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen Palästina als ein Land aufbauen, in welchem zwei Völker in Achtung und Freundschaft gegeneinander leben. Das ist die Politik der Zionistischen Organisation, die Politik der Jewish Agency. Für ein friedliches Zusammenleben sind zwei Partner notwendig. Wir, der eine Partner, sind zum Frieden bereit, die Araber von heute, jedenfalls einige ihrer Führer, Leute, die sich selbst zu Führern ernennen, denken, daß die einzige Antwort auf das in dieser Resolution zum Ausdruck gebrachte Bestreben die ist, uns ins Meer zu werfen. Das wird nicht gelingen. Wir sind im Lande und beabsichtigen, im Lande zu bleiben." Die letzten, stark überheblichen Worte Weizmanns sind geeignet, die gute Wirkung seiner Friedensbotschaft vollkommen aufzuheben. Palästinafragen vor dem englischen Parlament. Auf die Fragen von Frank Smith (Arbeiterpartei), wann die Untersuchungskommissioa den Bericht dem Hause wird vorlegen können, und ob die Administration schon in der Lage sei, Eigentum der Bewohner erwiderte der Unterstaatssekretär Dr. Drummond S h i e 1 s, die nach Palästina entsandte Untersuchungskommission werde voraussichtlich Ende Dezember die Untersuchung abgeder Bericht vorliegen wird. (Die Untersuchung wurde inzwischen tatsächlich abgeschlossen. D. Red.) Was die Sicherheit betrifft, so ist die Regierung überzeugt, daß die lokale Administration die Ordnung im Lande aufrecht erhalten wird; unmöglich sei es aber, eine.Garantie gegen vereinzelte Fälle von Angriffen auf Leben und Eigentum zu übernehmen. in Palästina Leben und zu sichern, iür die Kolonie Protest gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. Die prominentesten englischen Geistlichen und der Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. Hertz luden zu einer Protestversammlung gegen die Religionsverfolgungen in Rußland nach der Londoner Albert Hall ein. Der über 10.000 Menschen fassende Saal war überfüllt, alle Schichten der englischen Bevölkerung waren vertreten. Es wurde einmütig die folgende Entschließung angenommen: Die Versammlung protestiert mit ganzer Kraft gegen die unaufhörliche Verfolgung aller Gläubigen in Rußland und fordert alle, die an Gott glauben und die die Freiheit lieben, auf, unablässig zu beten und zu arbeiten für die religiöse Freiheit der Völker in Rußland. Die englische Regierung wird aufgefordert, die größten Anstrengungen zu machen, damit die Sowjetregierung die religiösen Verfolgungen einstellt. Die Resolution wird allen zivilisierten Regierungen der Welt übermittelt. Nachdem Maitre Th. Aubert, der speziell zu der Versammlung aus Genf nach London gekommen ist, einen generellen Bericht über die Verfolgungen der Gläubigen in Rußland erstattete und die Geistlichen der verschiedenen christlichen Religionen über das Martyrium ihrer Anhänger im Sowjetreich berichtet hatten, ergriff Chief Rabbi Dr. Hertz das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführte, die Juden haben am stärksten unter der religiösen Verfolgung in Rußland zu leiden; das Judentum sei die Zielscheibe für die Religionsfeinde. Die Beschlagnahme der Synagogen seitens der lokalen Sowjets dehnt sich über ganz Rußland aus. Während der vergangenen hohen Feiertage mußten in zahlreichen Städten die Juden in Scheunen und Ställen ihren Gottesdienst verrichten, und sie waren glücklich, wenn sie solche Unterkunftstätten für ihr Gebet gefunden hatten. Die Rabbiner sind mannigfachen Erniedrigungen unterworfen. Die Zionisten werden mit unmenschlicher Grausamkeit behandelt, man wirft ihnen vor, daß sie Agenten des britischen Imperiums seien. Man wirft sie in die Gefängnisse oder deportiert sie nach den ödesten Gegenden Sibiriens. Viele von ihnen werden zu Selbstmord und Wahnsinn getrieben. Jede Art religiösen Unterrichtes ist verboten. Erst unlängst wurden zwei Rabbiner, der eine 71, der andere 73 Jahre alt, zu je sechs Monate Zwangsarbeit verurteilt, weil sie