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Die Wahrheit · 1930-01-03 · Heft 1 (3.1.1930) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1930
Issue
Heft 1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 das „furchtbare Verbrechen" begangen haben, kleinen Kindern das Beten beizubringen. In Winiza, Podolien, wurden zweihundert Kinder über zwei Wochen lang in den Gefängnissen gehalten, weil sie das Versteck ihrer hebräischen Lehrer nicht verraten wollten. Was ist nun zu tun, fragte der Chief Rabbi. Er glaube, sagte er, an eine Wirkung von Vorstellungen seitens der englischen Regierung. Indem diese Regierung der moralischen Empörung aller Menschenfreunde Ausdruck geben wird, wird sie das Rückgrat jener Staatsmänner stärken, die einsehen, wie töricht ein aggressiver Atheismus ist. In die inneren Verhältnisse des russischen Volkes will sich kein Mensch einmischen. Der Rabbiner schloß, man dürfe nicht verzweifeln an dem klaren Sinn eines ganzen Volkes, schließlich werde die Gerechtigkeit triumphieren. VonWodke zu Wodke | Jenny Schur. | Am 23. Dezember v. J. wurde eine Frau zu Grabe getragen, die es tausendfach verdiente, daß ihr gesegneter Name weit über die Grenzen ihres Kreises genannt werde. Jenny Schur, die Gattin des Industriellen Moriz Schur, kam aus einem patriarchalischen Hause Böhmens, als Tochter des in der Industrie bekannten Begründers der Firma „Isak Mautner" im Jahre 1S90 nach Wien, wo sie mit ihrem Gatten und ihren Kindern ihren ständigen Wohnsitz nahm. Es dauerte nur kurze Zeit und das Haus Schur vereinigte in seinen Räumen die beste intellektuelle Gesellschaft Wiens, welche der reizenden blonden Hausfrau, die der geistige Mittelpunkt ihres Hauses war, durch zahlreichen Besuch den Beweis ihrer Sympathie bezeugten. Frau Schur war eine Dame, mit allen Gaben des Geistes ausgerüstet; ihre Bildung stand der heutigen modernen weiblichen Bildung nicht nach. Sie, die von allen Seiten aufgefordert wurde, in dem Kreis des öffentlichen Lebens eine führende Rolle zu spielen, wies alle Ehrenstellen ab und trat nie aus dem Familienkreis heraus, der ihre einzige Beglückung war. Aber sie öffnete ihr großes Herz allen Fragen und Sorgen der Menschheit, wobei sie im Sinne ihrer herrlichen Eltern ihren Glaubensgenossen den ersten Platz ihres guten Herzens einräumte. Hand in Hand mit ihrer sprichwörtlichen Güte ging ihr Verständnis für Not und Elend und wurde ihre Hilfsbereitschaft gefordert, gab sie mit vollen Händen den Beweis ihrer Menschlichkeit, indem sie sich für die Einbeziehung zu einer guten Sache noch herzlich bedankte. Das .ist wahre, alttestamentarische Menschenpflicht, die leider so selten geworden, weil die Anforderung der heutigen Zeit zu große Opfer heischt. Die Heimgegangene zählte dieselben nicht, kein Bettler klopfte vergebens an ihre Tür, ein Schwerbedrückter verließ nie ihre Schwelle ohne Mitgefühl, ohne Hilfe, die stets mit Zartheit geboten wurde, und so wurde dieses von Gott gesegnete Haus der Hort der Unglücklichen, aber auch der Ort der Berater, dem Unglück steuern zu können, wo man ihm durch rationelle und organisierte Arbeit beispringen konnte. Die Verewigte öffnete ihr Haus für die Beratungen der „Weiblichen Fürsorge" und ihre Tochter Rosa, dieser Institution angehörend, war der Mittler zu ihrer Mutter Herz, welches nie versagte. Dieser edlen Seele ward es leider bestimmt, durch ein langes Siechtum, welches sie mit frommer Ergebung ertrug, viel leiden zu müssen. Gehegt und gepflegt von ihren Kindern, die mit seltener Hingabe ihr Krankenzimmer Tag und Nacht umgaben, war ihre flmttidje Verfautßarungen der JsraefitiscQen JCuftusgemeinbe Wien Predigten in den israelitischen Gemeindesynagogen. Freitag, den 3. Jänner 1930, werden bei dem um 4 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in nachbenannten Gemeindesynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. M. Qrunwald); XVIIL, Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 4. Jänner 1930, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugendgottesdienst für die israelitsche Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Kundmachung. Z. 8802 ex 1929. Wien, 30. Dezember 1929. Es wird hiemit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die neu eröffnete Fleischbank des Herrn I. Glücksmann, IL, Große Mohrengasse 40, nicht unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien steht und daß die in der Eröffnungsanzeige erwähnte Berufung auf Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Mayersohn den Tatsachen nicht entspricht. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Stunde gekommen und jeder, der diese Frau kannte und liebte, trauert um ihren Heimgang. Ein gütiges Herz hat zu schlagen aufgehört, nie aber wird das Andenken an diese Frau bei jenen versiegen, denen sie ihre Freundschaft schenkte; ein solches Geschenk besaß ich durch 40 Jahre und meine Tränen folgen ihr in das Grab, das ihre edle Hülle aufnahm zum Weg des Herrn! Sofie Grünfeld. Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Montag, den 30. v. M. fand eine öffentliche Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes statt, deren wichtigster Tagesordnungspunkt die Bewilligung eines Budgetprovisoriums für die Monate Jänner- Februar 1930 im Rahmen der Tangente des Voranschlages vom Jahre 1929 bildete. Im Laufe der Debatte kam es zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der „werktätigen Juden" (Moriz- Hirschfeld) und dem neuen „Klub sozialistischer Juden" (Dr. Glanz-Mendel Singer-Grünhut), auf die wir wie auf die Sitzung überhaupt noch ausführlich in unserer nächsten Nummer zurückkommen. Festgottesdienst Im festlich beleuchteten Tempel des 3. Bezirkes, Untere Viaduktgasse 13, fand am Freitag, den 27. Dezember 1929, 4 Uhr abends, ein Festgottesdienst anläßlich des 70. Geburtstages des an diesem Tempel seit einem Jahrzehnt verdienstvoll wirkenden Predigers Herrn Schulrat Dr. Heinrich P o 11 a k vor einem zahlreich erschienenen Publikum statt. Erschienen waren u. a.: Der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. J. O r n s t e i n, der Obmann der Vereinigung der Tempelvereine Kultusvorsteher Börserat I. Glück, die Religionsprofessoren Dr. Huß und Breuer, in Vertretung der „Union deutschösterreichischer Juden" deren Vizepräsident Hofrat Ing. Josef L ö w y sowie das Vorstandsmitglied Ing. Hugo K o d i ts c h e k, der Obmann der Bezirkskommission Doktor H e n d 1 e r, der Vorstand des Tempelvereines Beth Hachneseth mit dem Obmann Dr. Auerbach sowie viele Freunde und Verehrer des Jubilars. Nach dem Anzünden der Chanukalichter und dem eindrucksvollen Vortrage des Moaus Zur Jeschuosi durch den Chor hielt der Obmann des Tempelvereines Dr. Auerbach im Namen des Vorstandes an den Jubilar eine tief empfundene Ansprache und dankte ihm für seine außerordentliche Verdienste als Prediger. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Armin A b e 1 e s die Festpredigt. In geradezu meisterhafter Weise verstand es Herr Dr. Abeles, die hervorragenden Geistes- und Charaktereigenschaften sowie die überaus große Bescheidenheit des Jubilars zu schildern, eine jahrzehntelange verdienstvolle Tätigkeit als Lehrer der. jüdischen Religion an den Mittelschulen und sein jetziges Wirken als Prediger darzustellen, wobei er auf die große Anzahl seiner in geachteten Stellungen befindlichen ehemaligen Schüler hinwies, die dem Jubilar heute noch grenzenlose Verehrung bekunden. Als zum Schlüsse Herr Rabbiner Dr. Abeles auf das vorbildliche Familienleben des Jubilars hinwies, welches nach altjüdischer Tradition als mustergültig zu bezeichnen ist, konnte sich niemand dem tiefen Eindrucke dieser Rede entziehen. Hierauf betrat Schulrat Dr. Pollak die Kanzel, um in schlichten, aus aufrichtigem Herzen kommenden und wahrhaft zu Herzen gehenden Worten und mit Rührung in der Stimme für die ihm zuteil gewordene Ehrung zu danken. Er dankte Gott, daß er ihm die Kraft gegeben, sein weihevolles Amt bisher in voller geistiger und körperlicher Frische auszuüben, und bat die Vorstehung, ihm dies im Dienste der heiligen Sache noch weiterhin zu ermöglichen, und schloß mit den alten Segensworten „Jeworechecho" seine aus tiefstem Herzen kommende Ansprache. Die kantoralen Funktionen wurden in formvollendeter Weise von dem langjährigen bewährten Oberkantor S. Lewy versehen, welchem der verstärkte Tempelchor unter Leitung des Dirigenten Tabakin würdig assistierte. Die schöne Feier hinterließ bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck. Ing. Hugo Koditschek. Lehrlingsheim „Zukunft". Zugunsten des Lehrlingsheimes findet am 5. Jänner 1930, nachmittags, eine Aufführung im Deutschen Volkstheater von „Die andere Seite" mit Alexander Moissi statt. Restliche Karten im Heime, IX., Grünetorgasse 26, auch telephonisch A 16-3-23. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 6. Jänner 1930, um lA7 Uhr abends, Vorstandssitzung, ^8 Uhr Vortrag des Herrn Uriel Birnbaum über „Kunst oder Prophetie?". Anschließend Generalversammlung des Vereines. Med. Univ. Dr. Ernst Adler, bisher Arzt an den Neuen Wiener Universitätskliniken (I. Med. Klinik Prof. Wenkebach, Kinderklinik Prof. Pirquet und Frauenklinik Prof. Kermauner) ordiniert ab 1. Jänner 1930 für Innere, Kinder- und Frauenkrankheiten IL, Heinestraße 34 (Eingang Kleiue Stadtgutgasse 6) von 2—4 Uhr nachmittags. Tel. R 44-709. Trauung. Am 24. Dezember v. J. fand im Pazmanittentempel die Trauung des Herrn Dr. Felix Tänzer, Sohn des Ehepaares David und Sofie Tänzer, mit Fräulein Clara Z i e g 1 e r, Tochter des Herrn Siegmund Ziegler und seiner Gattin Elsa, geb. Honig, statt Eine große Anzahl von Gästen füllte das schöne Gotteshaus und verlieh Herr Rabbiner Dr. Mehrer nur den Gefühlen der vielen Freunde passenden Ausdruck, als er in seiner Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die den Eltern des Brautpaares, aber auch Herrn Dr. Felix Tänzer von weiten Kreisen gezollt wird. Die Vorstandsmitglieder des Tempelvereines „Aeschel Aurohom" und des Kranken-Unterstützungsvereines „Nächstenliebe" erschienen zur Ehrung ihres Kollegen unter Führung ihrer Obmänner korporativ. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Müller mit großer Assistenz. TodesfalL Am 27. Dezember wurde unter großer Beteiligung das Vorstandsmitglied des Josefstädter Tempelvereines, Herr Max P o 11 a k, der im 59. Lebensjahre nach kurzem, schweren Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. An seiner Bahre trauern seine Gattin Camilla, geb. Klein, sein Sohn Berthold sowie eine große Anzahl Verwandter. Der Verstorbene war ein gediegener Mann, der sich wegen seines trefflichen Charakters allgemeiner Hochschätzung erfreute. Dies betonte auch Herr Rabbiner Dr. B a u e r in seiner gehaltvollen Trauerrede, in welcher er den Verstorbenen als liebevollen Sohn, Gatten und Vater würdigte und auch davon sprach, wie der Dahingeschiedene ' Zeit seines Lebens ehrlicher, aufopfernder Arbeit ergeben war. Der Josefstädter Tempelverein war durch eine Delegation mit Obmann Direktor Stein und Tempelvorsteher P o 11 a c h an der Spitze vertreten. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Landau in überaus würdiger Weise. Aufgelöste Kultusgemeinde. Auf Grund einer Kundmachung des Landesamtes wird die israelitische Kultusgemeinde in Weitentrebe titsch, Bez. Podersam, aufgelöst, da ihre materiellen Mittel nicht hinreichen, um die gesetzlichen Bedingungen ihres Weiterbestandes zu erfüllen. Die Kultusgemeinde wird mit der Kultusgemeinde Podersam vereinigt — Laut dem von der „Oesterr. Isr. Union" herausgegebenen „Kalender für Israeliten, Jahr 5677—1916/17 betrug die Seelenzahl dieser Gemeinde in dem genannten Jahr 45, die der Steuerträger (Kultusbeiträge) 14. Der Vorstand bestand aus sieben, der Tempelvorstand aus drei Mitgliedern. Rabbiner war Herr Ignaz Duschak, Kantorat und Religionsunterricht war in einer Person vereinigt. Die Gemeinde hatte eine Chewra Kadischa, eine Talmud Thora und eine Talmud Thora-Stiftung. Einnahmen und Ausgaben betrugen insgesamt 1381 Kronen. Melodie des Herzens. Der erste Ton- und Sprechfilm der Erich-Pommer- Produktion, der momentan im Ufa-Ton-Kino in der Taborstraße läuft, war natürlich geeignet, das stärkste Interesse zu erregen. Hans Schwarz hat unter der Oberleitung Pommers diesen Film inszeniert Er wurzelt im ungarischen Milieu und es ist den Schöpfern dieses Films gelungen, die Seele eines Volkes und den Rhythmus ihres Lebens in Bildern und Tönen einzufangen und so die stärkste Wirkung zu erzielen. Die Handlung, von S z e k e 1 y ersonnen, ist überaus einfach und anspruchslos. Die Liebesgeschichte zwischen einem Honvedhusaren und einem Bauernmädel, volkstümlich und einfach, und, wie gesagt, wirkungssicher. Diese beiden Hauptfiguren werden von Willy F r i t s c h und Dita P a r 1 o verkörpert Fritsch ist heute einer der besten Menschendarsteller des deutschen Films. In diesem Film brilliert er auch als Sänger, der zwei Schlagerlieder des Films ganz ausgezeichnet und mit sympathischer Stimme zum Vortrag bringt. Dita Parlo gibt eine liebenswürdige volkstümliche Figur. In den übrigen Hauptrollen sind eine Reihe deutscher und ungarischer Künstler beschäftigt, nicht zu vergessen eine ausgezeichnete Zigeunerkapelle. Die Tonwiedergabe ist ausgezeichnet Die Dialogpartien klingen überaus klar und auch die Musikbegleitung ist ganz ausgezeichnet. Hervorragend klingt natürlich die Zigeunerkapelle. Der Film konnte bei seiner festlich autgemachten Premiere einen verdienten großen Erfolg finden. dkamifza-fFeierri. Jüdisches Färsorgekomitee für die jüdischen Insassen in Lainz. Donnerstag, den 26. v. M., um 2 Uhr nachmittags, veranstaltete das rührige Komitee eine erhebende Chanuka-Feier für die Alten im Lainzer Versorgungshause. Unter Führung des Obmannes Vorsteher Karl A11 m a n n und Frau wurde zuerst ein Rundgang durch die verschiedenen Pavillons gemacht, um auch die kranken Pileglinge zu besuchen und zu beschenken. Um 4 Uhr versammelten sich die Gäste und die übrigen Pileglinge der Anstalt im großen Vortragssaale, wo Herr 1. Kantor Leo Funke die Chanukalichter entzündete, worauf die Vizepräsidentin des Fürsorgekomitees Frau Rosa Fleischmann alle Anwesenden terzüchst begrüßte. Die Pfleglinge wurden mit einer reichlichen Jause und Geldgeschenken bedacht, hierauf folgten die heiteren Vorträge des Frl. Hertha Weinmann und Herrn Anton Rudolf, die Violinvorträge des Herrn Hermann Gottlieb, und Herr Leo Funke unterhielt die Zuhörer durch seine vorzüglich zu Gehör gebrachten Lieder. Zum Abschied sprach noch Pilegling Kramer im Namen aller Insassen den Dank dem Komitee, insbesonders dem Obmann Herrn Karl A11 m a n n aus. Kinderbewahranstalt. Chanuka ist ein Fest der Jugend. Dies kam einem so recht zu Bewußtsein, wenn man die Kleinsten der Kleinen, welche der Kinderbewahranstalt in der Schiifamtsgasse, dieser ältesten jüdischen Wohlfahrtsanstalt, anvertraut sind, beobachtete, wie sie mit leuchtenden Augen die glänzenden Lichter, die Herr Oberkantor G. Margulies entzündete, umstanden. Eine illustre Gesellschaft, vom Obmanne Herrn Rabbiner Dr. Max G r ti n w a 1 d herzlichst begrüßt, wohnte

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