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Die Wahrheit · 1926-12-10 · Heft 51 (10.12.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 51 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5t deshalb der Prozeß Warburg—Fritsch, der bekanntlich noch nicht beendet ist, mit dem einmütigen Gefühl der Sympathie für den so schwer verleumdeten jüdischen Philantropen verfolgt." Mit diesen richtigen Bemerkungen leitete das Hamburger „Israelitische Familienblatt" vom 25. v. M. einen Artikel ein, in dem es sich in scharfer Weise gegen eine sinnlose Entgleisung des Münchener zionistischen Blattes „D a s Jüdische Echo" wendete, das sich dieser — wahrhaftig seltenen! — Einheitsfront verschließen zu müssen glaubte. Es hat nämlich, wie es in dem Artikel des „Familienblattes" weiter heißt, „vor kurzem an leitender Stelle einen Aufsatz „M a x Warburgs Seelennöte" gebracht, der für alle, die um das Wirken dieses Mannes in jüdischer Sphäre auch nur weniges wissen, eine einzige Ungeheuerlichkeit darstellt. Was ist geschehen? Max Warburg hat im Verlaufe der Prozeßverhandlung geäußert: „Wenn ich jemals in eine Interessenkollision zwischen meinem Deutschtum und meinem Judentum kam, so habe ich mich stets für die Interessen Deutschlands entschieden." Max Warburg ist kein Zionist, er bringt dieser Bewegung, wie wir sagen zu können glauben, auch keine allzu erheblichen Sympathien entgegen. Das jedoch sind s* ine Privatangelegenheiten, über die zu diskutieren liier nicht der Ort ist. Deshalb hat niemand, besondeis aber kein jüdisches Blatt, das Recht, einen um das deutsche Judentum so hoch verdienten Mann, der — wenn er auch nach außen hin in jüdischer Beziehung nicht so hervortritt wie als deutscher Wirtschafsführer — doch unablässig, und nicht zuletzt durch eben diesen Prozeß, sich für die Ehre und das Gedeihen des Judentums einsetzt, noch dazu während dieses Prozesses, derart in den Rücken zu fallen." Die gerechte Empörung des Hamburger „Israelitischen Familienblattes" ist wohl verständlich, doch es möge bedenken, daß es dem zionistischen Blatte mit seiner hämischen Glosse nur darum zu tun war, einem führenden „Assimilanten" wieder einmal zu verunglimpfen, und hierzu ist kein Mittel zu schlecht. In einem solchen Bestreben sind sich alle jüdischnationalen Blätter einig, und so darf es uns nicht w undern, daß auch die „Wiener Morgenzeitung" vom 3. d. M. mit folgendem „taktvollen" Artikel „Assimilationsideologie" in den entbrannten Streit eingreift: „Herr Warburg ist so Jude, wie es Vazsonyi war, der ja ebenfalls in jüdischen Dingen zum Opfer bereit war, wenn es die magyarische Sache erforderte. Wenn ein Mann solchen Kalibers dem Antisemitismus gegenübertritt, so akzeptiert er notwendigerweise dessen Standpunkt, denn er selbst hat ja keinen. Die Assimilation ist wurzellos und ihre Träger können aus der Mentalität der Angst niemals zur Unbefangenheit gelangen. Der im öffentlichen Leben stehende israelitische Bürger deutscher Nation ist sehr ägriert über alles, was ihn an die Geburtsmatrik erinnert. Es ist deshalb nur logisch, wenn er sich in einem Dilemma, das doch undenkbar ist und das nur in seiner Vorstellung oder in der antisemitischen Irrsinnspsychose bestehen kann, für die nichtjüdische Sache entscheidet. Das ist dann natürlich gutes Futter für die Fritsch und Genossen, denen Warburg niemals deutsch genug sein wird." Gegenüber diesen unerhörten Ausführungen, die schon durch die .pietätlose Beleidigung des toten Vaszony i und durch den entstehenden Gleichklang mit den Antisemiten allein gebrandmarkt werden, genügt es wohl, gleich dem Hamburger „Israelitischen Familienblatt", „summarisch festzustellen, daß uns eine derartig frivole Beschimpfung eines treuen Glaubensgenossen in einem jüdischen Blatte kaum je begegnet ist. Wenn der so ungerecht Behandelte nun auch gewiß nicht gleich zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß in jüdischen Kreisen Undank der Welten Lohn ist, so schien es uns doch geboten, das Deplacierte dieser zionistischen Anwürfe darzutun.'* tilosseii. Dr. Ahrer, der gewesene österreichische Finanzminister, in dessen Wirken die volksbeglückende, gegen das „jüdische" Kapital gerichtete Finanzwirtschaft ihren schwindelerregenden Gipfelpunkt erreichte, hat Oesterreich verlassen. Erst auf dem freien Boden Amerikas hat ihn der Ruf der Untersuchungskommission: „Kehre zurück!" erreicht. Aber da dieser Appell nicht auch durch die beruhigenden Worte: „Alles vergeben!" ergänzt wurde, ist wohl damit zu rechnen, daß er vergebens jfc sein wird. Seine Freunde, darunter wohl manche, fv die nicht nur ihm, sondern auch sich selbst den - sicheren Aufenthalt, in Amerika gönnen, verbreiten # die Nachricht, daß Dr. Ahrer als Grund seiner überi stürzten Abreise Holzgeschäfte angegeben habe, |f deren Abschluß seine persönliche Anwesenheit er- I fordere. Die Annahme dieser Holzgeschäfte ist allerdings plausibler als die früher kolportierte Nachricht von einer Studien- und Vortragsreise;; Dr. Ahrer befand sich offenbar auch als Minister schon seit längerer Zeit auf dem — Holzwege. , * **" Der fünfundachtzigjährige Eugen Rakosi, der Nestor der ungarischen Journalistik, der seinen im- ■f geheuren Leserkreis noch täglich durch seine von jugendlichem Idealismus, gereifter Weisheit und funkelndem Geist erfüllten Leitartikel in staunende X> Bewunderung setzt, ist durch ein richterliches Ury.- teil zum — Verleumder gestempelt worden. Er hatte den Satz niedergeschrieben, daß die Spuren einer Reihe politisch gefärbter Verbrecher immer wieder in das Lager der Erwachenden geführt haben. Das ist eine Anklage, die seit Jahr und Tag * die Spatzen auf dem Dache pfeifen, eine Behauptung, so selbstverständlich, wie daß 2X2=4 ist. Wer würde es nicht für eine kinderleichte Aufgabe betrachten, den Wahrheitsbeweis dafür zu erbringen, daß z. B. die Csongrader Bomben werf er, die Attentäter vom Elisabethstädter Klub, die Mörder von Kecskemet und Orgovany, kurz alle die von patriotischem Ueberschwang getriebenen Helden so vieler Mordprozesse zwar den Versuch wagten, ihre Taten zu leugnen, aber mit Stolz ihre Zugehörigkeit zu den Erwachenden proklamierten? Der Vorsitzende, Herr v. Töreky, hat aber die Erbringung des Wahrheitsbeweises verhindert. O weiser Richter, wie recht hattest du! Herr von Töreky hatte mit bewunderungswürdigem Scharfsinn auf diese Weise die einzige Möglichkeit geschaffen, den angeklagten Rakosy als Verleumder zu verurteilen. Wer erinnert sich da nicht an die Anekdote von dem gastfreundlichen Mann, der an einen Bekannten die freundliche Einladung richtete: „Wenn Sie morgen Mittag zu mir kommen k ö litt e n, sind Sie mein Gast." Der so liebenswürdig

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