Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 50 (3.12.1926)
- Date
- 1926-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 DIE WAHRHEIT Sri* 3 Staaten in größerer Zahl nach Südafrika einsetzte, wurde aus bestimmten Kreisen gegen die Zunahme mittelloser Einwanderer jüdischen Glaubens die Aufmerksamkeit der Regierung gelenkt. Bis dahin war es ein offenes Geheimnis, daß z. B. die frühere Regierung Smuts von den großindustriellen jüdischen Kreisen Johannesburgs, Kimberleys u. a. sehr stark beeinflußt war. Seitdem die rein burisch-nationale Regierung H e r t z o g s ans Ruder kam, die für eine Erhaltung der niederländischafrikanischen Muttersprache, Sitten und Religion kämpft, das heißt, für ein überwiegend holländisch-afrikanisches, evangelisches Südafrika, gewann dieses Einwanderungsproblein naturgemäß einen ganz anderen Charakter. Bedeutet das nun, daß in Südafrika damit eine bestimmte antisemitische Bewegung, wie sie z. B. in Deutschland vor einem halben Jahrhundert oder wie in Frankreich nach dem Panama.-Skandal zustande kam, im Gange ist? Das ist kaum anzunehmen, obwohl es schwer ist, sich über die Bedeutung und den Umfang dieser sogenannten Johannesburgischen Geheimorganisation ein richtiges Urteil zu bilden. Es ist nicht zu 'leugnen, daß viele Leute mit Sorge die überwiegende Einwanderung jüdischer Elemente aus Ländern wie Rußland, Polen, Oesterreich, Rumänien usw. in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben. Jedoch ist das viel mehr als eine Sache der Einwanderungsbehörde, als die einer Art Ku-klux-klan zu betrachten. Jedenfalls ist man in Südafrika nicht grundsätzlich gegen eine Einwanderung von Juden, aber man kann es keinem Lande übelnehmen, wenn aus dieser Einwanderung nur die besten Kräfte herausgeschält werden. Ebenso wie für Amerika ist es ein Gebot der Stunde, für Südafrika eine jährliche Quote festzusetzen. Die Südafrikaner leugnen es gar nicht, daß der Jude viel zu der industriellen Entwicklung ihres Vaterlandes beigesteuert hat. Namen wie Albu, Beit, Krambach, Dunkelb euler, Eckstein, Friedländer usw. haben im Laufe der Zeit nicht nur einen guten Klang erhalten, sondern man spricht sogar jetzt von einem Sir Georg, Sir Alfred, Sir Julius oder Sir Gottfried, und fast alle sind durch ihre eigene Regierung ausgezeichnet und in höhere Stellungen befördert worden. Es wäre unfair, den Juden ihre teilweise Monopolisierung von Industrien in Südafrika zu mißgönnen, denn sie haben niemand konnte ihn dem Pharao deuten." Es war kein Zufall, daß sich der Mundschenk erst nachträglich des Josef und seiner Traumdeutung erinnerte, sondern göttliche Fügung, damit Josef zur Größe gelange. Denn wäre Josef als erster mit seiner Deutung gekommen, hätten die Traumdeuter Aegyptens gesagt, daß auch sie so gedeutet hätten, werm man sie nur früher gefragt hätte. Damm mußte Josef warten, bis sich alle abgemüht und den Geist des Königs mit unbefriedigenden Deutungen abgespannt hatten, um schließlich das rechte Wort zur rechten Zeit zu sprechen. Man nenne solches nicht törichte, übertriebene Vorsicht oder kleinliche Selbstsucht, wenn man den Menschen das rechte Wort nicht alsogleich darbietet Viel Ruhm, gerechter Lohn ist schon manchem Tüchtigen entgangen, weil er ein Wort; eine Idee, einen Gedanken zu früh preisgegeben hat. Viele sahen sich um Erfolg und Anerkennung betrogen, während Unfähige, die mit der Geschicklichkeit eines Taschendiebes das wertvolle Wort entwendeten, als eigen, ausgaben, die Früchte fremder Geistesarbeit ernteten. Die Geschichte vom Ei des Kolumbus ist das ewig-wahre Argument, das die kleinen Geister bloßstellt, die stets nachher alles gekonnt und zustandegebracht hätten, nachdem ein Großer es vollbracht hat. Wie hatte doch Simson gesagt! „Hättet ihr nicht mit meinem Kalbe gepflügt, so hättet ihr mein Rätsel nicht erraten." Mit fremdem Kalbe ist leicht den Acker bestellen. Die im Geiste Armen und Trägen sparen ,sich nur allzugerne die schwere Arbeit eines wertvollen, tüchtigen Denkens, möchten aber doch auf dem Brachbodien ihres öden geistigen Ackers wunderbare Früchte sehen. Im ehrlichen Bekenntnis des rechtmäßigen Besitzers darf man andere Weisheit gerne genießen; wer aber dem geistigen Arbeiter seines Geistes Früchte entwendet und als eigene ausgibt, ist ein Dieb. Diebstahl gibt es an irdischem wie am geistigen Gute. Darum sage man auch den Weisen mit geändertem Sinne: „Welse, habt acht auf eure Worte, achtet auf die Weisheit vom fetzten Worte", Dr. V. Kurrera. auf den Gebieten z. B. von Mohär, Baum- und Schafwolle. Schuh- und Seifenfabriikation, Eisen, Stahl u. a. m. wertvolle Industrien dort ins Leben gerufen, die der ganzen Bevölkeiung zugute gekommen sind, und das in Zeiten, wo kein anderer es getan hat oder tun konnte. Was man dem Juden vorwirft, ist sein „kosmopolitischer*' Charakter. Daraus wird behauptet, daß er kein guter südafrikanischer Bürger werden kann. Man kann meines Erachtens erst vernünftig darüber urteilen, wenn spätere Generationen, wie auch die der anderen Völker, die sich dort niedergelassen, Südafrika endgültig zu ihrem Vaterland gemacht haben. Eine Beobacthung, die man angestellt hat und von den Afrikanern, hauptsäcwlich den afrikanisch-holländischen Elementen, sehr günstig beurteilt wurde, ist die, daß die bessere Schicht der Juden selten oder nicht mehr nach seinem Herkunftslande zurückkehrt, obwohl es gerade für Südafrika eine allgemeine Erscheinnung ist, daß die Leute, die dort einmal vermögend geworden sind, in irgendeiner der großen Avenuen New Yorks oder in einer der besseren Vorstädte Londons sich ein großes Haus kaufen und die Geldsummen ihres Vermögens dort lassen, ohne weiter an das Wohl oder Wehe des fernen afrikanischen Landes, dem sie ihren Wohlstand doch verdanken, noch zu denken. Wenn man wissen will, wie Südafrika über die Juden urteilt, so möge folgender Bericht eines Afrikaners in „Ö n s V a d e r 1 a n d" davon zeugen. „Der Jude kommt in neun bis zehn Fällen aus einem Lande, wo er Generationen hindurch einem unterdrückten und mißhandelten Menschenschlag angehört hat. In der Union kann er in wenigen Jahren die Einbürgerung erlangen, und teilt somit alle Rechte und Vorrechte dieses freien Landes. In dem demokratischen Zusammenleben des südafrikanischen Volkes erreicht er und seine Familie bald einen Status, den er nie und niemals im Lande seiner Herkunft hätte erreichen können. Er kommt durch seine angeborene geschäftliche Tüchtigkeit ziemlich leicht zu Gelde, bleibt im Lande, und somit das verdiente Geld auch. Seine Kinder sind dabei zweifellos ein Gewinn für die weiße Bevölkerung, was in Südafrika angesichts des Eingeborenenproblems eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. Mit seinem jüdischen Glauben haben die Südafrikaner nichts auszufechtert, denn Rassenfanatismus und Engherzigkeit, düe der jüdische Glauben mit sich bringt, legen seine Kinder im Laufe der Zeit unter dem Einfluß des südafrikanischen freien Lebens und der breiten Natur von selbst ab." Antisemitische Erotik *) Von Luise Fischer-Treu. IL Ein Mensch mit klarem Verstand, der dieses als völkisches Standardwerk gedachte Buch liest, wird bei seinen Beweisführungen am häufigsten über ein Wort staunen, dieses Wort ist ein Eigenname: „Bett au er!!" Bettauer ah Kronzeuge für weit ausragende Behauptungen! Er, der unglückliche und durchaus nichtdeutsch-völkische Besitzer dieses kritisierenden Verstandes, wird im Sachregister feststellen, daß dieser Name die Seiten 7, 11, 46, 48, 60, 115 bis 118, 118 bis 218, 229, 240, 243 beherrscht: er wird ferner feststellen, daß nochmals besonders „Bettauers Wochenschrift*' unter 126ff angeführt ist, und er wird staunend fragen: „Wer ist Bett au er?" In deutschen Landen von München bis Berlin, von Hamburg bis Breslau, überall, wohin sich ein Exemplar der „Erotik und Rasse" verschlagen kann, wird er vergebens fragen. Niemand kennt ihn, niemand hat je von ihm gehört oder gelesen. Bis schließlich jemand kommt, der Wiens Tagesgrößen kennt und ihn dahin aufklärt: „Bettauer war ein Wiener Journalist, einer von den vielen, die mit einer flotten Feder reichlich Geld zu verdienen verstanden, sich Lokalberühmtheit erschreiben und drei Tage nach ihrem Tod vergessen sind; wenn sie nicht gerade, wie dieser, durch eine Aufsehen erregende Todesart etwas länger in der Leute Mund bleiben". Das ist also der große Kronzeuge, die Personifikation jüdischen Einflusses, vor dem man warnen muß, vom Anfang bis zum Ende eines 250 Seiten umfassenden Buches. Aber reden wir jetzt wirklich von Bettauer, da ihn nun einmal der Apostel deutschvölkisch überlegener Geistigkeit immer wieder als Kronzeugen anführt. *) Siehe „Wahrheit" Nr. 48 vom 19, November.