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Die Wahrheit · 1926-12-03 · Heft 50 (3.12.1926) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 50 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^e\tült: WAHKHK1T Dti 50 braucht: Geld, Geld und wieder Geld, und um die Mittel für den Wiederaufbau zu erlangen, wendet er sich vor allem an jene Juden, die in einem prosperierenden, reich mit Naturschätzen bedachten Lande lebend, mit Glücksgütern gesegneter sind als ihre Glaubensgenossen in Europa. In die Sprache Strickers übertragen, lautet. das folgendermaßen : „Für ihr K1 e i n g e 1 d (!) bricht man dienstfertig dem Zionismus das Rückgrat, beraubt ihn seines Hauptinhaltes, seines jüdisch-revolutionären (!) Programms." Daß der Zionismus keine revolutionäre, sondern vielmehr eine konservative Bewegung ist, d. h, eine Bewegung, die an die Vergangenheit anknüpft und Gewesenes wieder erneuern will, scheint also manchem „radikalen" Zionisten nicht klar zu sein. In allen Ländern, in welchen Juden wohnen, werden die Unterhandlungen, die von Dr. W e i zmann in Amerika geführt werden, mit Interesse verfolgt und mannigfach sind allseits die Hoffnungen, die sich an seine Bemühungen zur Einigung aller Juden der Welt knüpfen. Die amerikanische Presse sieht in freudiger Erwartung dem Tage entgegen, an dem der Pakt zwischen Dr. W e i z m a n n und Louis M a r s h a 11, dem Wortführer der amerikanischen Juden, zustande kommen wird, und ist sicherlich im Rechte, wenn sie von diesem Tage sagt, daß er wohl ein bedeutsamer, ja ein großer Tag in der jüdischen Geschichte sein wird. Robert Stricker ist jedoch anderer Meinung; er sagt in dem angeführten Artikel: „Groß wird der Tag nicht sein, aber bedeutsam, ein schwarzer Tag schwärzester Ordnung. Er wird die jüdische Front nicht erweitern, er wird sie auseinanderreißen. Und Jahre schwerster Kämpfe werden vergehen, ehe die Spuren des unseligen Tages getilgt sein werden." Sollte der ersehpte Tag der Einigung aller Juden tatsächlich heranbrechen, dann werden allerdings seine Spuren noch lange Zeit andauern. Getilgt werden allein diejenigen werden müssen, welche sich aus kleinlichem Parteiegoismus der Einigung der Judenschaft entgegenstellen. Ob vorher „J ahre schwerster Kämpfe" werden vergehen müssen, das wird die Zukunft lehren. Die Gehässigkeit Strickers und des Wiener Zionistenblattes gegen Weizmann aber — das steht schon heute fest — hat, real gesprochen, ihre Ursache in der „ruchlosen" Absicht Weizmanns, zur Jewish Agency auch Nichtzionisten heranzuziehen, wovon die Wiener Jüdischnationalen eine Schädigung ihres ohnehin nicht großen politischen Einflusses befürchten müssen. Antisemitismus in Südafrika? Von Dr. M. R. Breyne, Dozent der niederländischen und südafrikanischen Sprach«« am Orientalischen Seminar der Universität Berlin. Anläßlich antiseonätischier Blättermeldungen über den angeblichen Antisemitismus in Südafrika und das Zustandekommen einer sogenannten judengegnerischen Geheimorgaoisation in Johanmisburg, gestatte ich mir folgende Ausführumgen, die auf persönlicher Erfahrung und Kenntnis des Landes, das ich 1924/25 noch bereiste, wie auch auf Mitteilungen der afrikanisah-hoUändischien Zeitung „Ons Vaderland", Regierungsorgan aus Prätoria, beruhen. Ein direkter Antisemitismus, der in einem blinden Rassenhaß gipfelt, wie er in Deutschland besteht, ist in Südafrika gar nicht vorhanden. Bis zum Jahre 1924, hauptsächlich in den älteren Zeiten der Krüger-Regierung, war von einer judengegnierischen Bewegung nicht die geringste Spur zu finden. Es ist allgemein bekannt, daß der Jude Sammde Ma«rcks sein großes Vermögen dem sehr gerechten Präsidenten Krüger zu verdanken hat. Erst nach dsm europäischen Kriege, als die Auswanderung jüdischer Elemente aus den osteuropäischen Rand- Das letzte Wort. „ . . . er schickte und ließ rufen aüe Traumdeuter Aegyptens und alle seine Weisen und es erzählte Pharao ihnen seinen Traum, aber keiner deutete ihn dem Pharao." I, 41, 8 Die Wirkung des Wortes auf Geist und Herz der Menschen ist von den verschiedensten Ursachen und Umständen abhängig. Will man gegebenenfalls mit seinem Worte bei einem oder vielen Zuhörern Erfolg haben, so ist die Beobachtung mancher scheinbar unwesentlicher Momente nicht nur wichtig, sondern geradezu ausschlaggebend. Man spricht gerne von „geistigen Waffen", Wort- und Redegefechten und trifft damit, daß man den Meinungskampf mit dem wirklichen Waffengange vergleicht, haargenau das Richtige. Wie der erste Schwertstreich den Kampf herausfordert, so ist das erste Wort der hingeworfene Fehdehandschuh, der das Turnier des Disputes, das Rededuell eröffnet; wie der letzte Streich, der den Gegner zu Boden streckt und kampfunfähig macht, zum Aufgeben jedes Widerstandes und zur Einstellung des Streites .zwingt, so soll auch das letzte Wort den Sieg der Ansicht nnd Meinung bedeuten. Wer das letzte Wort hat, hat gewissermaßen als Sieger den Kampfplatz verlassen, und wenn in einer Sache das „letzte Wort" noch nicht gesprochen ist, so besagt dies, daß keiner der streitenden Teile von sich behaupten darf, recht behalten zu haben. Wie es Streitigkeiten gibt, die zu keinem Ende kommen. Anfeindungen und Fehden, die stets vom neuen losbrechen, so gibt es auch im Meinungsstreite strittige Fälle, die des letzten Wortes dauernd entbehren. Der Talmud hat gelstreich und weise die Entscheidung aller anentschiedenen Debatten dem großei Frledensbringer Elia zugewiesen und damit den Wert des „letzte» Wortes" für Streit und Frieden in der Menschheit angezeigt. Aber nicht nur wie eine Siegesfanfare des Rechtes und Rechtbehaltens tönt das letzte Wort über den Kampfplatz der streitenden Geister, sondern auch wie ein gewaltiger Glockenschlag des Erfolges kommt es als das Beste zuletzt. „Der Letzte ist immer der Beste", sagt ein jüdisches Wort, und der kluge Redner spart die (Argumente größter Schlagkraft auf den Schluß seiner Rede. So hatte auch der Prophet Nathan in kluger Berechnung die um den Thron für ihren Sohn Salome bangende Batschewa zu David geschickt, ihr Anliegen vorzubringen und „während du mit dem Könige noch sprechen wirst, werde ich nach dir kommen und deine Worte vollenden", für sich selbst die entscheidende Wirkung des Schlusses einer Rede aufgespart. Immer und überall], aber besonders für den Redner, der die Meinungen beeinflussen, Wirkung und Sdeg erreichen will, gilt das Wort „sei nicht vorschnell mit deinem Munde", nicht zu früh und vorschnei zu sagen, was man später oder zuletzt sagen muß. Wie der geschäftstüchtige Verkäufer zuerst die mindere, dann die bessere und zum Schlüsse die beste Ware zeigt, um einen Kauf zustande zu bringen, so hängt auch der Erfolg der Worte von der Weisse ab, in der sie zu Gehör gebracht werde«. Denn auch die Worte und Gedanken sind eine Ware, die der eine hat der andere entbehrt, und die Weisheit, einmal auf den Markt gebracht, wird leicht rechtlich oder widerrechtlich von Berufenen und Unberufenen angeeignet Darum hielt das Judentum strenge darauf, daß Weisheitssätze eines Gelehrten stets in dessen Namen wettergesagt werden. Diese Mahnung ist nicht zwecklos, denn leicht und oft finden sich die, die sich mit fremden Feden schmücken und mit anderer Köpfe Gedanken und Weisheit brüsten als wäre es eigene. Das ist mm auch ein Grund, mit seinen Worten nicht vorschnell z* sein und dahin zielt eine treffliche Bemerkung der Alten zu der Schriftsteüe: „Pharao ließ alle Traumdeuter Aegyptens Untf alle «eine Weisen rufen, ensählte ttxvezi seinen Tranm, afcef

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