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Die Wahrheit · 1926-12-03 · Heft 50 (3.12.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 50 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT OesfOTCKttscftc WoOensdum rar tMlsdre Interessen mt fäm BetDlatt: Verüflenflldiiingen der „Union ßeatsc&ösieirdäissäicr JSBtien* " Redaktion und Administration: Wien HL H*eIn«»sAra0«» M. - Fernruf 42-2-1« Uli. Jahrgang wirn. 3. Dezember »y*26 Nummer 50 „Mt eingerollter Fahne." Der Führer der zionistischen Bewegung und Präsident der zionistischen Organisation, Dokter W e i z m a n n, ist nach Amerika gereist, um den vom letzten Zionistenskongreß genehmigten Plan der Erweiterung der „Jewish Agency" zu verwirklichen. Dr. Weizmann, dessen hervorragende Persönlichkeit, dessen edles, von reinstem Idealismus getragenes Wollen ihn die Verehrung seiner Anhänger und darüber hinaus die Achtung der Judenschaft der ganzen Welt verschafft hat, wurde in den Vereinigten Staaten sowohl jvon zionistischen, als auch von nichtzionistischen Juden mit Begeisterung empfangen — auch der Präsident der Vereinigten Staaten C o o 1 i d g e gewährte ihm eine Audienz — und Tausende und Abertausende unserer Glaubensgenossen jubelten dem Manne zu, dessen ehrliches Streben darauf gerichtet ist, das Judentum der ganzen Welt ohne Rücksicht auf seine religiösen und politischen Unterschiede oder — besser gesagt — unter voller Rücksichtnahme auf seine mannigfachen religiösen und politischen Differenzierungen zu einigen zu dem einen Ziele: Wiederaufbau Palästinas. Er hat als einer der ersten unter den führenden Zionisten erkannt, daß der Zionismus aus seiner nationalistischen Isolierung heraustreten müsse, um das schwierige Werk des Wiederaufbaues durchzuführen, und er war daher bemüht, die iSchranken niederzureißen, die engstirnige jüdischnationale Parteipolitiker zwischen Juden und Juden .aufgerichtet haben. Er ist zur Ueberzeugung gelangt, daß ein so gewaltiges Werk, wie es die Wiederverwurzelung der großen Scharen jüdischer Kolonisten im Lande der Väter ist, nur unter Mithilfe aller Juden vollendet werden kann, und — er handelt nach dieser seiner Ueberzeugung. Dies ist es, was ihm eine kleine Gruppe jüdisch-nationaler Politiker, die sich als ^radikale Zionisten" bezeichnen und noch radikaler gebärden, nicht verzeihen kann, dies ist der Grund, warum ein Mann, auf dem alle Zionisten und nicht nur diese allein stolz sein sollten, im eigenen Lager so heftig angefeindet wird. Von dem geradezu fanatischen Haß, mit welchem Weizmann von diesen „Zionisten" verfolgt wird, von der blinden Wut, mit welcher sie jeden seiner Schritte zur Einigung der Juden begleiten, legte ein Artikel in der „Wiener Morgenzeitung" Zeugnis ab, der den Titel „Mit eingerollter F a Ii n e" führt und von Robert Stricker gezeichnet ist. In dem Artikel werden Dr. W e i zm a n ri und seine „f e i c h e n a m e r i ka n i s c h e n 'As sirai Kation sj u d en" in der unglaublichsten •Weise verhöhnt: - > - : „Dr. Weizmann fuhr mit ganz kleinen programmatischen üepäck hinüber und mit eingerollter zionistischer Fahne. Es handelt sich beileibe nicht darum, den amerikanischen Geldleuten Zugeständnisse oder gar Opfer moralischer oder intellektueller Natur abzuringen, etwa die Anerkennung der Judenstaatsidee, das Bekenntnis zur jüdischen Nation, das Bekenntnis zur jüdischen Schicksalsgemeinschaft. Nein, nicht ein halbes Promille ihres hundertprozentigen amerikanischen Nationalismus und ihrer hundertprozentigen satten Ruhe, nicht ein Quentchen ihrer Seelen, nur Geld wird verlangt." Nicht die zionistische Fahne hat Doktor Weizmann eingerollt, als er den Boden Amerikas betrat, wohl aber die Fahne des jüdischen Nationalismus, jener unnatürlichen und unjüdischen nationalen Bewegung, für welche die jüdischen Bürger der Vereinigten Staaten glücklicherweise nicht das geringste Verständnis aufbringen können. Zu seinem „programmatischen Gepäck" gehören nicht jene öden Schlagworte und inhaltsleeren Phrasen, mit welchen gerade diejenigen, welche über Dr. Weizmann am meisten höhnen und spotten, bei Parteiversammlungen und Wahlbewegungen der jüdischen Bevölkerung die Köpfe umnebeln und ihr den Sinn für Wirklichkeit und Zweckmäßigkeit zu rauben versuchen, zu seinem „programmatischen Gepäck" gehören auch nicht jene agitatorischen Kniffe, wie sie von manchen jüdischnationalen Politikern zum Stimmenfang benützt werden, die sich nicht scheuen, die schwere Arbeit der jüdischen Pioniere in Palästina, ihre wirklich anerkennenswerten Leistungen als Agitationsmittel zu verwenden, um damit für ihre eigene Person Stimmung zu machen. Zum „programmatischen Gepäck" Dr. Weizmanns gehört einzig und allein die heiße und unstillbare Sehnsucht nach einem jüdischen Palästina und nach der Einigung aller Juden der Erde im Zeichen des Palästinaaufbaues! Dr. Weizmann ist aber kein weltfremder Ideologe, kein wirklichkeitsfremder Programmatiker, sondern er versteht es — eine echt jüdische Eigenschaft — den höchsten Idealismus mit realem, nüchternem Sinn für die Wirklichkeit zu verbinden. Er ist nämlich im Gegensatz zu manchen anderen zionistischen Politikern der Ansicht, daß durch Schlagworte und Versammlungsreden das Aufbauwerk in Palästina nicht wesentlich gefördert werden kann, daß eine noch so intensive Parteiagitation, deren Ziel es ist, Andersdenkende in Wort und Schrift herabzusetzen, um die eigene Persönlichkeit in um so hellerem Lichte erstrahlen zu lassen, weder Sümpfe austrocknen noch Straßen bauen kann. Er ist vielmehr der Anschauung, daß man nicht nur zum Kriegftihren, sondern auch für Arbeiten,, die nicht der Zerstörung, sondern dem AuU -bau- ,gewidmet suxd, hauptsächlich drei Dinge

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