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Die Wahrheit · 1926-11-26 · Heft 49 (26.11.1926) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 49 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite $ 6tfe WA] S t .*« > I *i i? Kr. 4§ Redner definierte hierauf unsere im Gegensatz zu den Jüdischnationalen stehende unverrückbare Ansicht über diesen jüdischen Geist, für den wir aus den ethischen Schätzen unserer Bibel mit ihren erhabenen Forderungen nach glaubensbrüderlicher Liebe für die Bedrängten die Grundlagen finden. So wird auch in unserer Gemeinde zweiundzwanzig Milliarden für die Wohlfahrtspflege allein ausgegeben und Dr. Ornstein streifte in ergreifender Schilderung das Elend der Wiener jüdischen Wohlfahrtsanstalten, an die wir zuerst denken müssen, bevor wir nach Palästina blicken, das selbst nach Aussagen hervorragender englischer Staatsmänner, so des Kolonialministers A m e r y und des Kriegsministers Churchill, nur e i n Heim für Juden und ansonsten kein Judenstaat, sondern nur ein binationales Land für Araber und Juden werden könne. Wenn aber dort die Juden bis heute trotz aller Anstrengungen nur ein Fünftel der Bevölkerungsziffer erreicht hätten, so ist an eine Majorität nie zu denken, und die Juden müßten wie bisher trachten, sich noch ein Heim dort zu erringen, wo sie, wie wir hier, bereits wurzeln und wo sie die Gleichberechtigung nach schweren Kämpfen errungen haben, die aber, nicht nur in den Bundesgesetzen, sondern auch in den Herzen des ganzen Volkes verankert sein müsse. Auch dafür kämpft die „Union" und Dr. Ornstein schloß mit der Aufforderung, ihr in diesem doppelten Ringen ums Vaterland und unsere Religion getreulich mitzuhelfen. Obmann Dr. Julius G r ü n w a 1 d dankte den Rednern für ihre mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen, die trotz wiederholter Aufforderung seinerseits und der Referenten selbst von jüdiischnationaler Seite unerwidert blieben. Er gab hierauf einen kurzen Abriß der Geschichte der Ortsgruppe Floridsdorf der „Union", der beizutreten und deren Organ „Die Wahrheit" und ihren Pnessefonds zu stärken, er die Anwesenden aufforderte. Sein Appell fiel auf fruchtbaren Boden; zahlreiche Anmeldungen waren auch der äußere Erfolg des schön verlaufenen Abends. safia Wahrheiten vom Tage Jugendgruppe der Union deutschösterreichischer Juden. Samstag, den 20. November, fand im Goldsaale des Cafe Silier die erste gesellige Veranstaltung der Jugendgruppe in dieser Saison statt, ein Tanz- und Gesellschaftsabend, der sehr gut besucht war und einen sehr angeregten Verlauf nahm. Unter den Gästen bemerkte man den Präsddentem der „Union", Herrn Dr. Jakob Ornstein, Herrn Kultusvorsteher D. Dohan, Herrn Bethausvorsteher S. Ernst, Herrn S. Kornmehl und Herrn Moritz Oesterreicher u. v. a. Die Jugend, welche ausschließlich den ersten Wiener jüdischen Familien entstammt, huldigte eifrig dem Tanze und die, welche das Alter der Tanzfreudigkeit bereits überschritten hatten, führten bis in die späten Nachtstunden eine animierte Konversation und scheinen sich ebenfalls sehr gut unterhalten zu haben. Der Abend bedeutete einen großen gesellschaftlichen Erfolg und allgemein wurde der Wunsch gehört, daß ihm noch viele ähnliche Veranstaltungen folgen mögen. Dauerwellen Haarfärben Schönheitspflege Perücken und Scheiteln erstklassig und zu bürgerlichen Preisen bei S. PESSL Wien I„ Kärntnerstraße 28 - Budapest, Vaczi utea 19 Baden, Beethovengasse 2 SEHENSWERTES HAARLAGER Die Ermordung eines jüdischen Studenten in Czernowitz durch einen antisemitischen Heißsporn hat unter der polnischen Bevölkerung Rumäniens große Aufregung hervorgerufen. Die Erbitterung richtet sich in erster Linie gegen jene Kreise, welche mit Wissen und Willen der Regierung unter der rumänischen Studentenschaft mit allen Mitteln der Verhetzung Stimmung gegen die Juden zu machen versuchen. Die Vorgeschichte des gräßlichen Mordes, dem ein hoffnungsvoller Student, David Falik, zum Opfer fiel, ist kurz folgende: Die jüdische Studentenschaft des Czernowitzer Gymnasiums war über die Parteilichkeit und Ungerechtigkeit einiger Professoren, die aus ihrer antisemitischen Gesinnung durchaus kein hehl machten, in großer Empörung, und zwar richtete sich die Erbitterung vor allem gegen Professor Däaconescu, einen wütenden Antisemiten und Anhänger Cuzas. Die jüdischen Studenten pfiffen den antisemitischen Pofessor aus und einer — übrigens kein Jude, sondern eim Ruthen« — soll ihn sogar tätlich beleidigt haben. Deswegen wurden 14 jüdische Studenten vor Gericht gezogen, gleichzeitig aber von den Cuzisten eine blutrünstige Hetze gegen die gesamte jüdische Studentenschaft entfaltet. Die Folgen dieser, besonders unter der rumänischen Studentenschaft betriebenen Hetze stellten sich alsbald ein. Der 21jährige Student Teutu aus Jassy kam nach Czernowitz, „um für die Beleidigung des Rumänentums Rache zu nehmen", und streckte den jüdischen Studenten Falik mit einem wohlgezielten Revolverschuß zu Boden. Falik verlor sofort das Bewußtsein, wurde in ein jüdisches Krankenhaus gebracht und dort operiert. Die Operation konnte aber sein Leben nicht retten. Der Attentäter wurde festgenommen und erklärte beim ersten Verhör, er sei eigens aus Jassy hergekommen, um David Falik zu erschießen. Den Ansporn hierzu erhielt er durch die Lektüre einer vom klägerischen Professor Diaconescu veröffentlichten Broschüre, in der geschildert wurde, wie rumänische Professoren von jüdischen Jungen verhöhnt wurden. In der Broschüre wird der junge Falik als einer der Haupttäter dargestellt, weswegen er den Entschluß faßte, Falik aus dem Wege zu räumen. — Nach zwei martervollen Tagen ist der junge David Falik seinen Verletzungen erlegen, die ganze Czernowitzer Judenschaft folgte trauernd seinem Leichenzuge. Der Revolverschuß aus der Pistole dies antisemitischen Studenten hat den einen jüdischen Gymnasiasten nicht etwa wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, denn trübe und dicht mit Wolken bedeckt ist der Himmel Rumäniens und zumal den jüdischen Bürgern dieses Staates lacht kein Sonnenstrahl. So ist die Tragödie des David Falik nur ein Akt des Trauerspiels: „Das rumänische Judentum." Leiferde im — Talmud. Das Todesurteil in Hildesheim hat den Vorhang vor das grauenhafte Schauspiel von Leiferde gezogen. In die allgemeine Stimmung von Entsetzen und Mitleid bringt die völkische Presse wiederum die besondere Note. Trotz aller auch von amtlicher Seite getroffenen und von uns seinerzeit auch veröffentlichten Feststellung, daß Schlesinger weder Jude noch jüdischer Abstammung sei und sogar zeitweilig in völkischen Kreisen sein Tätigkeitsfeld gesucht hat» behauptet das „Deutsche Tageblatt" vom 2. November in der Ueberschrift durch das Stichwort „D e r jüdische Haupttäter", daß Schlesinger Jude sei. Den Gipfel freilich erklimmt das Plauener Organ der Völkischen, die „Völkischen Nachrichten für Westsachsen", indem es schreibt: „. . . Schlesinger ist Jude. Ein echter Talmaidjude. Er ist der Sohn des Synaigogenvorbeters Schlesinger von der Stuttgarter Synagoge. Solche Juden kennen sich immer ganz besonders gut aus in den Talmudgesetzen. Schlesinger wußte, daß im Talmud und Schulchan Aruch zum Mord an Nichtjuden aufgefordert wird. Das wußte der Sohn des Synagogenvorbeters, und darum handelte er danach. Er schraubte mit seinem Kumpan Weber die Schienen los und brachte auf diese Weise 21 Menschen In grauenhafter Weise um. Was Schlesinger ausführte, war eine religiöse Tat im Sinne des Talmuds. Er wird deshalb von seinen Rassegenossen nicht verurteilt, JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wfcp IL, Glöckengrasse 24 Wien IL. Taborstra&e 44

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