Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 48 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 48 Theater, Kunst u. Literatur | iVon Woche zu Woche Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 8. d. M. im Klubsaale der „Hakoah" (I. Wipplingerstraße Nr. 24) Herr Eduard Jonas-Schachtitz über „Geschichte der jüdischen Münzen". Der Vortragende gehört zu jenen immer seltener werdenden Männern, welche trotz großer beruflicher Inanspruchnahme als Kaufleute ihre Mußestunden nur geistiger Betätigung und vornehmlich dem Studium der Geschichte und Literatur des Judentums widmen. Leider steht ihren rein ideellen Bestrebungen nach stetiger Vertiefung und mehr als dilettantischer Beschäftigung schon die heutige Generation interesse- und verständnislos gegenüber. Unsere Jugendbildner. Rabbiner und Religionslehrer hätten die Pflicht, an derartigen Vorträgen nicht nur selbst teilzunehmen, sondern ihre Schüler und Gemeindeangehörigen zum Besuche derselben anzuregen, da sie allen Bereicherung ihres Wissens bieten. Statt dessen mußte der Obmann des Vereines eine ebenso berechtigte wie bewegende Klage über die Unzulänglichkeit des Besuches seinen einbegleitenden Worten hinzufügen. — Die Münzprägung datiert bei uns erst seit der Zeit der Makkabäer. Schon der Umstand, daß selbst nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft die Juden kein Privilegium zur Prägung eigenen Geldes hatten und auch nicht anstrebten, weist ihre Bezeichnung als Handelsvolk in das Bereich der Fabel. Man hat sich persischer und phönizischer Münzen bedient, später, nach Alexander dem Großen, mazedonischer, der Ptolemäer und Seleuciden. Die Bibel kennt als Schekel. Minen und Talente (kikar) nur Edelmetallbarren von einem bestimmten Gewichte, das aus Baby- Ionien stammte. Nach der Befreiung vom Joche der Seleuciden waren die politischen Erfolge der Makkabäer und Hasmonäer, freie Religionsübung, Gebietserweiterungen, Abgabenfreiheit, Verleihung hoher Würden und Titel an die Häupter der nationalen Partei unter Simon 139 a. Chr. durch die Erlaubnis eigene und zwar silberne Münzen zu prägen, gekrönt worden. Er prägte Schekel im Gewichte vonzirka 14,5 g und Halbschekelstücke zu 7,25 g, welche durch Funde bei Jerusalem und Jericho in ansehnlicher Menge zum Vorschein kamen und auf der Vorderseite einen Kelch und auf der Rückseite einen dreiblättrigen Lilienzweig trugen; die Legende ist in altheb rji i s c h e n, dem samaritanischen Alphabet ähnlichen Buchslaben gehalten und lautet i. A. „Schekel Israel", i. R. „Jeruschalem hakedoschah". Aus politischen Gründen hat schon nach fünf Jahren die Prägung aufgehört. Antiochos VII. widerrief alle Zugeständisse, Jerusalem wurde belagert, seine Mauern geschleift. Für den Lokalbedarf durfte der Hohepriester kleine Bronzemünzen schlagen, ein Recht, das bloß bis a. 64 v. Chr. gegolten hat. Zweisprachige, einerseits mit hebräischen, auf der anderen mit griechischen Lettern bedruckte Münzen finden sich seit Alexander Janai. Interessante Schilderungen gab der Vortragende von Münzen des Antigonus, Antipas und Archelaus. Während des großen Aufstandes gegen Roms Gewaltherrschaft gab es nur Notgeld aus Bronze von kleinem Format mit Weinblatt, Paltnzweig, Vase und der Legende „Cheruth Zion": nach der Unterwerfung desselben prägte der Sieger Denkmünzen aus Gold, Silber und Bronze. Bar-Kochba hat römische Denare oder griechisch-römische Drachmen von Caesarea in Kappadozien mit jüdischen Typen überprägen lassen, auch Bronzemünzen, welche im Talmud als „Maoth schel sekunah", „Geld der Gefahr", Erwähnung finden. — Der Vortragende gab außerdem eine Liste der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Münzkunde aus alter und neuer Zeit und illustrierte seine Ausführungen in instruktivster Weise durch Vorführung seiner eigenen reichhaltigen Sammlung jüdischer Münzen. Er genießt als Numis'matiker anerkannten Ruf und ist langjähriges Mitglied der österreichischen numismatischen Gesellschaft. Eine kurze Diskussion bezog sich mehr auf historische Details außerhalb des Themas. Med.-Rat Dr. Haase. Maimonides-Institut, Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift : An die Redaktion der „Wahrheit": Mit bezug auf Ihre Mitteilung betr. die Universitätsvorträge wäre ich Ihnen für die freundliche Richtigstellung verbunden, daß dieselben nicht über Auftrag von irgend einer Behörde, sondern aus freier Initiative des Maimonides-Instituts und (wie im Anschlag in der Universität bemerkt ist) „mit Genehmigung" des Rektorates eingerichtet wurden. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. A. Kaminka. Ueber den ersten an der Universität am 13. d. M. gehaltene:? Vortrag des Herrn Rabb. Dr. A. K a m i n k a werden wir in der nächsten Nummer berichten. Eröffnung der „Karoline-Altmann-Schiilerausspeisung". Lim das Andenken der vor einigen Monaten verstorbenen Frau Karoline A11 m a n n, die als große Wohltäterin bekannt war, zu ehren, hat die Familie der Verstorbenen eine Stiftung geschaffen, durch welche die Talmud-Thora-Volksu n d Bürgerschule in die Lage versetzt wurde, die seit Jahrzehnten segensreich wirkende Schülerausspeis u ii g wieder aufzunehmen. Die feierliche Eröffnung, dieser Ausspeisung, die mit einer würdigen Gedenkfeier für K a r o I i n e Altmann s. A. verbunden war. fand Sonntag, den 14. November um 12 Uhr mittags in dem geräumigen Tunisaale der Anstalt statt. Unter den zahlreichen Festgästen erblickte man den Gesamt vorstand der Talmud Thora-Schule mit seinem Präsidenten Kommerzialrat Siegmund B o n d i an der Spitze, die Rabbiner Dr. A. K aminka, Dr. Pinchas Ko h n, Dr. Po 11 a k, Schenk und Dr. T a g 1 i c h t, die Kultusvorsteher Wolf Pappenheim, Kommerzialrat Markus und Moriz, den Präsidenten des Bethausvorstandes im XV. Bezirk Kommerzialrat S. Bernhard und den Obmann der Bezirkskommission XII—XV A. A1 b e r s sowie den Gatten der Verstorbenen Herrn Karl Altmann mit den Familienmitgliedern. In seiner Gedenkrede schilderte Rabbiner Dr. Pinchas Kohn das gottesfürchtige Leben und menschenfreundliche Wirken der Verstorbenen in überaus warmen Worten und schloß mit der Erklärung: „Im Namen der Verwaltung der Talmud-Thoraschulc sei hiemit die Karoline Altmann-Schülerausspeisung-Stiftung zu treuen Händen übernommen. Es soll und wird unsere Aufgabe sein, diese Stiftung zu verwalten und so zur Ausführung zu bringen, daß das Bild der Verklärten uns in allen Maßnahmen den richtigen Weg zeigt. Es soll und wird unser Bemühen sein, für diese Stiftung weite Kreise von Freunden zu werben, so daß es uns gelingt, aus den unserer geistigen Obhut anvertrauten jungen Seelen glückliche und zufriedene Menschen zu machen. So wird in der Geschichte der Talmud-Thora unsterblich Gutes wirken das Wollen und der Name der seligen Frau Karoline A11 m a n n." Nach der offiziellen Eröffnung der Karoline-Altmann-Schülerausspeisung durch den Präsidenten Kommerzialrat S. Bondi dankte der Gatte der Verstorbenen Herr Karl A 11 m a n n tiefgerührt für die dem Andenken seiner unvergeßlichen Gattin entgegengebrachten Ehrungen. Hierauf fand ein Rundgang durch die Anstalt statt, bei dem die Festgäste die zweckmäßige Einrichtung derselben zu besichtigen Gelegenheit hatten. Der Beizer Raw. Rabbi Jisocho Dow Beer Rokeach ist Freitag, den 5. d. M. im Alter von 75 Jahren verschieden. In ihm verliert das orthodoxe Judentum der Welt einen seiner größten und vollendetsten religiösen Führer, einen Mann, der durch seine hervorragende Gelehrsamkeit und tiefe Frömmigkeit sich die Liebe, das Vertrauen und die Verehrung der polnischen Judenschaft und darüber hinaus die Achtung des gesamten Judentums erworben hat. Der Beizer Raw — wie er allgemein genannt wurde — galt als unbestrittene Autorität in allen religiösen Fragen und besaß in der ganzen Welt hingebungsvolle Anhänger im Kreise der orthodoxen Judenschaft. Am meisten hat er jedoch zur religiösen Erhaltung des polnischen Judentums beigetragen. Als die Nachricht von der schweren Erkrankung sich verbreitete, veranstalteten seine Anhänger auf der ganzen W e 11 Bittgottesdienste. Doch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapid und in der Nacht von Freitag auf Samstag hauchte er seine Seele aus. Nach dem Ausgang des Sabbats setzten die Vorbereitungen zur Bestattung des Rabbi ein. Ganz Mittel- und Ostgalizien stand von dem Augenblick des Sabbatausganges unter dem Zeichen des schmerzvollen Ereignisses. Viele Sonderzüge führten Tausende von Chassidim aus allen Gegenden nach Beiz. Ueber zweihundert Rabbiner waren gekomenm, um dem großen Rabbi die letzte Ehre zu erweisen. Sonntag um 1 Uhr mittags wurde der Rabbi nach der Tahara in ein Tallith gehüllt in sein Bethaus getragen. Hier haben seine Söhne, Schwiegersöhne, wie sein Bruder von ihm Abschied genommen. Nach den Hespedim der Familienangehörigen verkündete der Präses der Beizer zweihundert Rabbiner waren gekommen, um dem großen Rabbi A r o n- Rokeach einstimmig zum Nachfolger seines Vaters gewählt wurde. Dann wurde der Rabbi von seinen Getreuesten auf den Friedhof getragen und ohne Sarg in die Gruft gelegt. MM an/irailf halAln l- Ffir Kantor mit od. ohne Begleitung IlfHlEvflHffc llfllf.111 2- Dasselbe als Duett ffir Sopran und mKWT MWWl AU> fttr chanukafelern Komponiert von Aron FRIEDMaNN, königl. Musikdirektor, Oberkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. — PREIS RMk 1 30. Juwal-Verlatf, Berlin W, Lietzeaburgerstraße Nr. 8 a Zu haben; Buchhandlung L, D. Hirschler * Co,, Wien l„ Rabensteig 6