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Die Wahrheit · 1926-11-19 · Heft 48 (19.11.1926) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 48 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 GUS WAHRHEIT iV»J» Nr. 48 exakt ist, sondern auch der Wahrheit entspricht: Das internationale Wirtschaftsmanifest ist, wie inzwischen von dem Nichtjuden Lucien Romier in dem nicht jüdischen, eher antijüdischen Pariser „Figaro" unwidersprochen festgestellt worden ist, von dem nichtjüdischen Engländer Sir George Paish angeregt worden. Von den Vorarbeiten war in Frankreich der nichtjüdische Präsident der Bank von Frankreich, Robineau, in Deutschland der nichtjüdische Reichsbankpräsident, Hjalmar Schacht, unterrichtet. Die Unterzeichner des Manifestes setzen sich naturgemäß aus. denjenigen Wirtschaftskreisen zusammen, die an einem regeren weltwirtschaftlichen Güteraustausch interessiert sind, und nicht aus denjenigen, die durch Zwangsmittel der staatlichen Gesetzgebung, durch Zollbeamte und Grenzpolizei ihre Produkte gegen die ausländische Konkurrenz „schützen" lassen, anstatt durch Vervollkommnung ihrer Produktion aus eigener Kraft die ausländische Konkurrenz abzuwehren. Das alles sind keine jüdischen Erfindungen, sondern Tatsachen, wenn auch — wir glauben es gern — wenig angenehme Tatsachen für den „völkischen Gedanken" des „Deutschen Tageblatts" und der „Deutschen Zeitung". Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes sieht heute in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Ausland, sagen wir ruhig: in der internationalen Zusammenarbeit, den einzigen Weg zu Deutschlands Aufstieg. Daß die Völkischen das nicht sehen, liegt nicht nur an ihrer Blindheit, sondern vornehmlich daran, daß ein Teil von ihnen, die Berufsantisemiten, aus dieser Blindheit ein Geschäft gemacht haben, von dem ihre materielle und geistige Existenz abhängt. WWVWWWWWAV^AVW Herbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! •Jf+MIWJM'fJ'fMFMWJUWfMrm Ein authentischer Bericht über die letztenTage Dr.Hermann Jellineks. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Am 23. November 1848 wurde Dr. Hermann Jellinek im Wiener Stadtgraben vor dem Neutor erschossen und dann am Währinger Friedhof unter Nummer 26 bestattet. Fürst Alfred Windischgrätz hatte bekanntlich in Verbindung mit dem Banus Jellaöic den Oktoberaufstand blutig niedergeworfen und am 31. Oktober von Wien Besitz genommen. Nun begann man an Repressalien zu denken und sogenannte „Reinigungen" durchzuführen. Namentlich nach vierzehn Männern, die auf einer Proskriptionsliste des Generals Cordon standen, wurde gefahndet. Zu diesen gehörte wohl Hermann Jellinek nicht; trotzdem wurde er vom blutigen Schicksal erreicht. Es sollte nämlich an Vertretern der drei Konfessionen ein Exempel statuiert werden. Wenzel Messenhauser war Katholik, Dr. Julius Becher Protestant und nun wurde nach einem Juden Ausschau gehalten. Lange Zeit wurde an Adolf Fischhof gedacht und da man ihn nicht fand, griff man nach Hermann Jellinek. Dieser hatte scharfe Artikel, insbesondere gegen den Hof veröffentlicht und auch an vielen radikalen Komitees teilgenommen. Er sollte dies nunmehr büßen. Mehr als einen halben Monat wurde Jellinek in Haft gehalten und schließlich am 22. November nach einem kriegsgerichtlichen Verfahren gemeinsam mit Dr. Julius Becher, dem Hauptredakteur des Tagblattes „Der Radikale", dessen Mitarbeiter Jellinek gewesen, zum Tode durch den Strang verurteilt und am 23. durch Pulver und Blei hingerichtet. Eine Schilderung der Persönlichkeit Dr. Hermann Jellineks sei für eine andere Gelegenheit vorbehalten; hier mögen kurze Angaben genügen. Dr. Hermann Jellinek wurde als zweiter Sohn des Isak Low Jellinek am 22. Jänner 1822 in Drslowitz bei Ung.-Brod geboren. Sein älterer Bruder war Adolf Jellinek, der später berühmt gewordene Prediger unserer Gemeinde; sein jüngerer Moritz Jellinek,. später Direktor der Straßenbahngesellschaft in Budapest. Nachfolgender Brief ist von Moritz Jellinek an den damals in Leipzig wohnenden Adolf Jellinek, wahrscheinlich aus Ung.-Brod gerichtet. Er befindet sich im Besitze der Familie Jellinek und gelangt bis auf zwei Stellen, die über Wunsch der Familie eliminiert wurden, hier wortgetreu zum erstenmal zur Veröffentlichung. Der Brief ist nicht bloß von einer gewissen historischen Bedeutung für die Beleuchtung der damaligen Zustände, sondern trägt auch zur richtigen Beurteilung des Charakters und des Verhaltens Dr. H. Jellineks in jener Zeit bei. Der Historiker Helfert, der die Wiener Revolution in mehreren Werken geschildert hat, richtet in denselben gehässige Angriffe gegen Juden und Judentum, wobei er nament- Feuilleton Israel. „Er sprach: Nicht Jakob" soll fernerhin genannt werden dein Name, sondern Israel..." I, 32, 29 In dunkler Nacht rang einst Stammvater Jakob mit einem Engel. Bei Aufgang der Morgenröte endete das Ringen zwischen Mensch und Engel, indem der Engel dem Stammvater einen Segen sprach: „Du sollst fernerhin nicht mehr „Jakob" genannt werden, sondern „Israel". Dieser Name „Israel , den sich damals Stammvater Jakob erkämpft und errungen hat, soll besagen, wie die Erklärer der Heiligen Schrift bemerken, daß die Segnungen Israels nicht durch List und Betrug, sondern durch Vorrecht und offenkundig Jakob zuteil wurden. Von den beiden Namen „Jakob und Israel" wünscht der Midrasch den Namen Israel als Hauptnamen des Stammvaters genannt und erhalten zu sehen. Als Jakob auf seinem Sterbebette seine Enkel Ephraim und Menasse segnete, sprach er: „es werde genannt mein Name über sie", und als er seine Söhne zu sich rief, um ihnen Segen zu geben und die Zukunft zu verkünden, sagte er: „Höret auf Israel, euren Vater." Moses segnete vor seinem Scheiden die Stämme Israels und ließ seinen Segen ausklingen in den Wunsch: „Heil dir, Israel!" Der Name Israel war Losung und Panier dem Volke. In ihm lag die Bestimmung und Lebensaufgabe des Volkes ausgesprochen; erinnerte er doch das Volk an sein Bündnis mit seinem Gotte, an die unwandelbare Liebe, die Gott seinem Volke bewahrt, und an die heilige Treue, die dieses Volk seinem Gotte schuldig ist. Sehr schön sagt ein Wort der Weisen: „Reiche und Herrscher kommen und gehen, Israel bleibt bestehen!" Das Wort Israel ist aber mehr als ein Name, mehr als die Bezeichnung eines Volkes und mehr als der Ausdruck für irdische Macht und Herrschaft — es bedeutet die von Gott in das Herz seines Volkes gelegte Idee, bedeutet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft all derer, die sich bekennen zu dem einig-einzigen Gotte. Der Name Israel war nicht geknüpft an Grund und Boden, nicht abhängig von Tempel und Staat, war nicht das Eigentum der Bewohner des Nordreiches, die verschollen und vergessen sind, sondern war und blieb lebendig in dem Geistesleben des ganzen Volkes, wo immer es wohnte, blühte oder litt. In seinen Gebeten und Liedern, in seiner schöngeistigen oder wissenschaftlichen Literatur nannte sich das Volk „Israel", das Volk, das für Gott kämpft, den Namen und das Zeichen seines Gottes an sich trägt, den Gottesgedanken und die Gotteslehre durch die Welt tragen will. Sehr richtig sagen unsere Alten: ,lJeberall, wo dieses Volk „Israel" heißt und den Namen seines 'Stammvaters trägt, ist ein Ehrenname gemeint, kündet der Name das Lob seines Trägers." Als der Tempel in Trümmer sank, als das Volk heimatlos in die Welt hinauszog, als ein Rest einstiger Größe und Pracht, und Rom von dem ehemaligen stolzen, starken Reiche nichts mehr wissen, es vielmehr schmähen und erniedrigen wollte, nannte es die Kinder des Stammvaters Jakob „Judäer", verschwieg mit Willen und Absicht vor der Welt den alten Ehrennamen. Aber aus dem Herzen, aus dem Bewußtsein der Versprengten konnte es die Erinnerung an eine große und heilige Bestimmung nicht tilgen; man konnte sie Juden nennen, aber sie blieben B'ne Israel, Kinder Israels. Und

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