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Die Wahrheit · 1926-11-19 · Heft 48 (19.11.1926) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 48 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT OcsferreklUscbe Wocbens&rffi iflr HMtafte Interessen m flem Beiblatt: Veröffenflldrangen der ..Colon aenlscMslerreKftlsibar iwiar Redaktion und Administration: Wtem ML, 9*mx.Mmm*zm*rmm&*i 13. - Fentrut 42-2-1» XL1I. Jafcrgang Wien, 19. November 1926 Nummer 48 § Das „jüdische" Wirtschaftsmanifest. Von Dr. Richard Lcwinsoh n. Hundertundsiebzig führende Männer der Wirtschaft aus fünfzehn europäischen Ländern und aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika haben sich zusammengefunden, um einen Wirtschaftsappell an die Welt zu richten. Sie fordern die Staaten und die Menschen auf, sich auch wirtschaftlich nicht durch Grenzsperren, die niemandem etwas nützen, das Leben zu erschweren, durch Zollbarrieren, Einfuhrverbote und Transportschikane den Güteraustausch zu behindern und künstlich die Preise hochzuhalten und den Konsum zu schmälern. Das Manifest ist in seiner Fassung nicht sehr präzis, die Gedankengänge sind nicht neuartig; es gibt nur in allgemeinen Umrissen wieder, was die klassische Nationalökonomie seit Adam Smith, d. h. seit hundertfünfzig Jahren, fordert, und was im heutigen Deutschland von Gelehrten wie Brentano, Dietzel, Aereboe mit Nachdruck vertreten wird. Der Erfolg des Aufrufes war nicht so groß, wie manche es erwartet haben. Von den verantwortlichen Staatsmännern meldeten sich nur die Amerikaner. Der Präsident der Vereinigten Staaten Coolidgc und sein Staatssekretär Mellon, die beide der hochschutzzöllnerischen Republikanischen Partei angehören, hielten sich für verpflichtet, auseinanderzusetzen, daß die Grundgedanken des Wirtschaftsmanifestes für das zerstückelte, buntscheckige Europa vielleicht nützlich ,und praktisch ausführbar seien, für das geeinigte Wirtschaftsgebiet der U. S. A. aber nicht in Frage kämen. Ferner soll sich der General-Diktator Primo de Rivera gegen das Wirtschaftsmanifest ausgesprochen haben, was nicht überrascht, denn als einzige der größeren .europäischen Länder, mit Ausnahme des sozialistischen Rußlands natürlich, hat sich die künstlich hochgepäppelte spanische Wirtschaft an dem Manifest nicht beteiligt. Merkwürdiger war die Haltung Italiens, denn gerade von italienischer Seite haben die namhaftesten Industriellen und Großbankenleiter das Manifest unterschrieben und, da ja das neue Italien allezeit „schneidig" auftritt, eine Extrakundgebung erlassen, in der sie betonen, daß ihnen das Manifest in seinen Forderungen nicht scharf genug sei. Zweifellos geschah das mit Kenntnis und stiller Zustimmung der fascistischen Regierung. Trotzdem setzte ein paar Tage darauf in dem offiziösen Blatt Mussolinis ein Kampagne gegen das Manifest ein, weil es den „nationalen Belangen" der italienischen Wirtschaft zuwiderlaufe. Das übliche Doppelspiel der italienischen Nationalisten: Einlenken gegenüber dem Ausland, zumal wenn England dabei ist, aber kraftvolle Sprache nach innen. Das ist der objektive Tatbestand. Nun kommt der subjektive: das Wirtschaftsmanifest, wie die Antisemiten es sehen. Darnach ist das Manifest eine jüdische Erfindung, mit deren Hilfe die „Internationale der Händler" die Weltwirtschaft unterjochen will. Beweis? das völkische „Deutsche Tageblatt" erbringt ihn: „Unter den Unterzeichnern des Aufrufs bemerkt man den jüdischen Finanzminister in Belgien, Francqui; aus Dänemark haben u. a. die Bankleute Hertz und Meyer unterzeichnet. Aus Deutschland ist die Bankjudenschaft durch die Namen Deutsch, Warburg und Mendelsohn vertreten. England hat seine Rothschilds (Lionel de Rothschild, in Firma N. M. Rothschild & Sons) nebst Herrn Montague-Norman (früher Montag geheißen) vorgeschickt. Aus Frankreich sind natürlich die anderen Rothschilds, dazu noch der Finanzjude Finaly und die „Urfranzosen" Laederich und Lewandowski, dabei. Aus der Tschechoslowakei läßt sich ein Bankdirektor Feilchenfeld, aus Oesterreich noch ein Stück der Rothschild- Dynastie und aus Italien der gerissene Finanzjude Toeplitz vernehmen." Abgesehen davon, daß weder Francqui noch Montague-Norman Juden sind, und daß der französische Unterzeichner Laederich zwar nicht urfranzösischer, aber flämisch-christlicher Abstammung ist, ist diese I iste durchaus richtig. Es stehen für mehrere Länder auch jüdische Unterzeichner unter dem Wirtschaftsmanifest oder doch Männer halbjüdischer Abstammung; und zu den neun „Finanzjuden", die das „Deutsche Tageblatt" entdeckt hat, könnten wir den völkischen Forschern noch vier bis fünf weitere Unterschriften als jüdisch diagnostizieren. Der Befund wäre also: dreizehn oder vierzehn, vielleicht sogar fünfzehn Juden unter hundertsiebzig Financiers und Großindustriellen, die das Manifest unterzeichnet haben. Wir möchten den Rassenforschern noch gleich einige weitere Hinweise für die statistische Auswertung dieser Zahl geben. Man könnte zum Beispiel sagen: Unter der gesamten Bevölkerung der Erde bilden die Juden nur ein Prozent, unter dem Wirtschaftsmanifest annähernd zehn Prozent. Oder: In dem arbeitssamen, ausgepowerten China bilden die Juden nur 0,001 Prozent der Bevölkerung, unter den Multimillionären des internationalen Wirtschaftsmanifestes sind sie zehntausendmal so stark vertreten. Das könnte mau alles sagen, und wir würden uns freuen, diese Berechnungen demnächst in der völkischen Presse auftauchen zu sehen. Aber man könnte auch etwas anderes sagen, was nicht nur den Vorteil hat, daß es zahlenmäßig

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