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Die Wahrheit · 1926-11-12 · Heft 47 (12.11.1926) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 47 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 47 DIE WAHRHEIT Seit» III Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den ,13. November d. J., um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen des L, II.» IX. und XX. Bezirkes statt Festgottesdienst. Wie berichtet, fand anläßlich des 75jährigen Jubiläums der Gründung der Landstraßer Oberrealschule, Wien HL, Radetzkystraße, im Rahmen der übrigen Feierlichkeiten für die ehemaligen und gegenwärtigen jüdischen Lehrer und Schüler dieser Anstalt Freitag, den 5. November, %6 Uhr abends, im Tempel. HL, Untere Viaduktgasse 13, ein feierlicher Gottesdienst statt, der einen sehr würdigen Verlauf nahm. Unter den zahlreichen Festgasten, welche das festlich beleuchtete und geschmückte Gotteshaus bis zum letzten Plätzchen füllten, bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Professor Dr. A. Pick und den Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein, das Professorenkollegium der Anstalt mit Direktor Prof. Franz Schubert an der Spitze, viele Schüler und Absolventen der Anstalt sowie den Gesamtvorstand des Tempelvereines mit Präsidenten Dr.'Auerbach. Nachdem Oberkantor Lewi das „Ma tauwu" zum Vortrage gebracht hatte, sang der durch den Chor des Stadttempels verstärkte und von Chordirektor Z e 11 n i k geleitete Tempelchor in meisterhafter Weise „G epriesen sei die Stunde" von Salomon Sulzer. Hierauf hielt Rabbiner Dr. A. Abel es, der ehemals Professor der jubilierenden Anstalt war, die Festrede, in welcher er die Tatsache hervorhob, daß die Oberrealschule in der Radetzkystraße, die nunmehr auf eine 75jährige segensvolle Tätigkeit zurückblicken kann, die älteste Schule dieser Art nicht nur in Wien, sondern in ganz Oesterreich ist. Die große Zahl hervorragender Männer, die an der Anstalt unterrichtet haben, die zahlreichen Schüler der Anstalt, welche im öffentlichen Leben hervorragende bteilungen erworben haben, beweisen, v.elcher Geist an der Anstalt herrsche. Dr. Abeles schloß seine vorzügliche Rede mit dem Wunsche, die Anstalt möge noch viele Jahre in dem gleichen Geiste weiterwirken und ebensoviel Segen stiften wie bisher. Mit dem großen fi a 11 e 1 u j a h von Sulzer, das auf alle Anwesenden einen tiefen Findruck machte, fand der Festgottesdienst seinen Abschluß. Nach dem Gottesdienste sprach Direktor Franz Schubert, der noch ganz unter dem Eindrucke der Feier stand, dem Präsidium der Kultusgeminde und des Bethausvorstandes sowie Rabbiner Doktor Abeles den innigsten Dank des ProfessorenkoÜegiums aus. Trauung. Sonntag, den 7. November fand im Ottakringer Gemeindetempel unter großer Beteiligung von Verwandten, Freunden und Bekannten die Trauung des Fräulein Olly Sträußler, Tochter des Metall-Großhändlers Herrn Emanuel Sträußler und seiner Gattin Friederike, geb. Eisinger, mit Herrn MUDr. Richard Kawer statt. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt an das Brautpaar eine sehr herzliche Ansprache und ermahnte dasselbe, stets eingedenk zu bleiben der grenzenlosen Liebe und Treue seiner Eltern und auf dem festen Grunde echt jüdischer Tugenden das neue Haus aufzurichten. Auf die zahlreichen Anwesenden machte die Trauung in dem festlich beleuchteten Gotteshause einen tiefen Eindruck. Herr Oberkantor Kogan versah mit Chor- und Harmoniumbegleitung die kantoräle Funktion in erhebender Weise. 70. Geburtstag. Anläßlich des 70. Geburtstages seines Vizepräsidenten Herrn Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter veranstaltet der Vorstand des Tempelvei eines C h e w r a Beth Hatfilah in seinem Tempel, IX., Mullnergasse 21, Samstag, den 13. November, um 'A9 Uhr vormittags, einen Festgottesdienst, um den verdienstvollen Jubilar zu ehren. Wir werden über den Verlauf dieser Feier in unserer nächsten Nummer berichten. Linz. Wir haben in unserer letzten Nummer die traurige Nachricht vom Hinscheiden des ehemaligen Linzer Gemeinderabbiners Moritz F r i e d m a nji gebracht, der am 31. Oktober im Alter von 90 Jahren verschieden ist. Der Verstorbene, der sich durch seine vorzüglichen Charaktereigenschaften und sein menschenfreundliches Wesen die Wertschätzung aller Mitglieder seiner Gemeinde erwarb, war nicht nur ein vorzüglicher Redner, der bei freudigen und traurigen Anlässen die Herzen seiner Zuhörer aufs tiefste bewegen konnte, sondern auch ein wohlwollender Lehrer, zu dem alle Schüler, denen er Religionsunterricht erteilte, in aufrichtigster Verehrung emporblickten. Das Leichenbegängnis des verewigten Rabbiners gestaltete sich- .zu einer würdigen Trauerkundgebung, an der zahlreiche Mitglieder der Linzer und Nachbargemeinden, Vertreter der oberösterreichischen Landesbehörden und der österreichischen Kultusgemeinde teilnahmen. Erschienen waren: In Vertretung der obeFösterreichischen Landesregierung und des Landesschulrates Hofrat Meiss-Taufen, für die Stadtgemeinde Linz Magistratsdirektor Dr. Matthias Kiener, der Kirchenrat der altkatholischen Gemeinde mit dem Pfarrer Freiherr von Rehm, Realschuldirektor i. R. Hofrat H. Commenda, der Direktor der Bundesoberrealschule Dr. Brunnmayr. der Direktor des Bundesgymnasiums Dr. Klemens Aigner mit Professor Dr. Stadlmann, der Direktor des Realgymnasiums Hofrat Dr. Huemer, Volksschuldirektor Josef Mayr, Ferner waren anwesend: Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien und Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden" Dr. Jakob O r n s t e i n, Rabbiner Doktor T a g 1 i c h t aus Wien. Rabbiner Dr. Manfred P a p o und Tempelvorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Daniel Bonyhadi aus Salzburg, Hermann Smetana und Rujd e r jun. aus G m u n d e n, Herr Nathan P o 11 a k aus Steyr. Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde M ö d 1 i n g Kommerzialrat Karl Klein, der Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde Linz unter Führung des Präsidenten Benedikt Schwager und der beiden Vizepräsidenten Emil Bruder und Dr. Gustav Morgenstern, der Vorstand der Chewra Kadischa, an dessen Spitze Herr Adolf Pick, Herr Stadtrat Dr. Hermann Schneeweiß, die Tempelvorsteher Otto Orlik und die beiden Stellvertreter Glaser und Sand. Der israelitische Frauenverein, vertreten durch Frau Grete Weiß, Frau Hilda Bruder und Frau Glaser. Vom Gemeindehause, in dem der Verstorbene wohnte, wurde der Sarg mit den irdischen Resten des allseits Verehrten Dienstag, den 2. d. M. in den Tempel gebracht und im Mittelgange desselben aufgestellt. Um 2 Uhr nachmittags fanden sich aus allen Schichten der Bevölkerung Trauergäste ein, um dem ehemaligen Seelsorger und Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerfeter begann mit „Adonoi moh-odom" von Oberkantor Bernhard Löwensohn unter Orgel- und Chorbegleitung ergreifend vorgetragen. Hierauf hielt der derzeitige Rabbiner der Kultusgemeinde Linz, Dr. Viktor K u r r e i n die Gedenkrede, in welcher er ausdrucksvoll das Lebensbild und die Persönlichkeit des Verewigten zeichnete und feinsinnig das vergangene Jahrhundert beleuchtete, dem das Leben und Wirken Friedmanns angehörte. Im Namen des Rabbinerkollegiums und der Wiener Rabbinervereinigung übermittelte Rabbiner Dr. Taglicht aus Wien die letzten Grüße und wies geistvoll auf die Tatsache hin, daß der Männer, die für den Rabbinerstand sich widmen, immer weniger werden. Präsident Benedikt Schwager sprach namens der Kultusgemeinde Linz, betonte die Verehrung und Beliebtheit, die der in Gott Ruhende allseits genoß, daß er als 20jähriger Mann die Antrittsrede des Verewigten seinerzeit hörte und gedachte der Innigkeit, mit der Rabbiner Moriz Friedmann noch am verflossenen Versöhnungstage sein Gebet verrichtete und daß die göttliche Vorsehung ihn den 90. Geburtstag, den er in einigen Wochen hätte feiern sollen, nicht mehr erleben ließ. — Nach dem Schiwisi, vom Oberkantor Löwensohn und Chor gesungen, wurde der Sarg von den Mitgliedern der Chewra in den Leichenwagen gehoben, worauf sich der imposante Trauerzug zum israelitischen Friedhofe in Bewegung setzte. Vor der Zeremonienhalle des Friedhofes, wo eine große Menschenmenge bereits harrte, wurde der Sarg niedergestellt. Innige Worte des Abschiedes sprachen noch der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien Dr. Jakob Ornstein im Namen der israelitischen Kultusgemeinde Wien und Rabbiner Dr. Manfred P a p o aus Salzburg namens der Kultusgemeinde Salzburg. Rabbiner Dr. Kurrein sprach sodann das Schlußwort, das dem Abschiede des Verewigten galt und in ein ergreifendes Gebet ausklang, worauf die Beisetzung in einem Ehrengrabe erfolgte. Kl. Optische Anstalt lOwcnthal Wien IL, Grotte Stadtgotgasse Nr. 30 Reich assortiertes Musterlager Reparaturen prompt und billig ._Bl<|ene »clileilcgel Jos. Scßfesinger Tiefteste Qedtäisd}e Verlagsunb SoriimeatsdudjQanbhmg Wen /., Seitenstettengasse 5

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