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Die Wahrheit · 1926-11-12 · Heft 47 (12.11.1926) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 47 (12.11.1926)
Date
1926-11-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Nr. 47 punkte des Werkes. Als Herrscher der Wahabiten ist er für uns noch von einem besonderen Interesse. Die Wahabiten vertreten im Islam etwa die Rolle der jüdischen Propheten. Sie treten gegen den Kult der Seher und Derwische auf, fühlen sich als Träger der reinen Religion. Im Kampfe gegen den Gräberkult haben sie bereits einmal das Grab des Propheten zerstört. Man wird hier erinnert an die Worte über das Grab Moschehs, wie sich überhaupt eine vielseitige Verknüpfung jüdischen und arabischen Geistesleben zeigt. Heute ist aber neben dem geistigen Interessenkreis durch die Nachbarschaft Palästinas auch eine politische Interessensphäre der beiden Völker neu entstanden. „Das neue Europa" (Zürich—Wien—Berlin). Das soeben erschienene November-Dezemberheft dieser von Dr. Paul Hohenau herausgegebenen politischen Revue bringt wieder einige interessante und aktuelle Artikel zur Frage der europäischen Verständigung. Bemerkenswert sind die Ausführungen des gewesenen französischen Ministers Loucheur, der vor kurzem in Wien weilte, „Die wirtschaftliche Zukunft Europas", ein Beitrag des ehemaligen englischen Unterstaatssekretärs Lord Newton über den englischen Kohlenstreik und ein von General Auffenberg verfaßter Epilog zum Paneuropäischen Kongreß, sowie Ausführungen des Kapitän Persius zum Thema: „Braucht Deutschland Kolonien?" Von Woche zu Woche Zwei Vertreter der Judenhelt Im ungarischen Oberhaus. Das Verlangen der Judenschaft in Ungarn nach einer selbständigen Vertretung im ungarischen Oberhaus hat seine Erfüllung gefunden. Nach dam neuesten Regierungsentwurf werden sowohl die orthodoxe wie die neologe Landesorganisation je einen Sitz im Magnatenhaus erhalten. Der Vertreter der orthodoxen Organisation wird durch das Hundertkomitee der orthodoxen Landeszentrale gewählt. Den Vertreter für die neologe Organisation wählen die Gemeinden selbst. Der Regierungsentwurf wurde im Parlamente mit großer Mehrheit angenommen. Die Bibliothek der Kultusgemeinde, die nunmehr auf ein Alter von über 100 Jahren zurückblicken kann, ist eine der wertvollsten Einrichtungen unserer Gemeinde. Die immer größere Bedeutung, welche dieselbe im jüdischen Leben unserer Stadt gewinnt, kommt in einer namhaften Steigerung ihrer Frequenz zum Ausdruck. Nach Werken aus allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft kann eine rege Nachfrage festgestellt werden. Die tägliche Besucherzahl betrug in den letzten Jahren durchschnittlich 60 gegen 24 in der Vorkriegszeit. Die Entlehnerzahl ist ungefähr die gleiche geblieben, weil mit Rücksicht auf den großen Wert vieler Werke und die Unersetzbarkeit einer großen Zahl von Druckschriften eine Entlehnung nur unter besonderen Vorsichtsmaßregeln erfolgen kann. Um allen Ansprüchen, die an eine nach modernen Prinzipien geleitete Bibliothek gestellt werden müssen, in vollem Umfange gerecht zu werden, mußten eine Reihe bibliothekarische Einrichtungen geschaffen werden. Ein Standortskatalog, der schon früher begonnen wurde und nun in 36 Foliobänden fertiggestellt ist: ein nach Autoren geordneter alphabetischer Zettelkatalog über die gesamten Bestände der Sammlung, ferner ein Handschriftenverzeichnis. Ebenso erwies sich die Schaffung eines Schlagwortkataloges, von dem die Teile: Bibliographie, Bibel, Zeitschriften fertiggestellt sind sowie die Anlage eines historisch-geographischen Kataloge s als notwendig. Neben diesen Arbeiten wurde der Katalog der Hebrai ca vollendet, ein Werk, das dazu berufen ist, eine wertvolle und eingehende Orientierung über das weitausgedehnte jüdische Schrifttum zu bieten. Um die Bedürfnisse der Besucher zu befriedigen, eine Kontrolle über die kostbaren Schätze der Sammlung zu ermöglichen, eine stete Evidenz über die laufenden Geschäfte zu erlangen, mußte die Bibliothek und ihre technische Einrichtung zweckmäßig erweitert werden. Die Unterbringung des „Beth- Hamidrasch" in den bisher als Wintertempel benutzten Räumen bot die Möglichkeit, die schon seit langer Zeit angestrebte Erweiterung der Gemeindebibliothek durchzuführen. Die feierliche Eröffnung der renovierten und erweiterten Gemeindebibliothek fand Mittwoch, den 3. d. M. statt. Zu dieser Feier hatten sich eine Anzahl geladene Gäste eingefunden, darunter Präsident Prof. Dr. A. P i c k, die Vizepräsidenten Dr. J. O r n s t e i n und Dr. J. L ö w e n h e r z, Amtsdirektor Reg.-Rat Dr. Adler, Oberrabbiner Prof. Doktor Chajes, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Rabbiner Dr. Taglicht und der ehemalige Direktor der Universitätsbibliothek Hofrat Dr. Frankfurter, die Kultusvorsteher V. Bauminger, Richard Bettel heim, D. Dohan, Dr. R. Glanz, Bezirksrat E. Hof mann, Dr. Ing. A. Karplus, S. Meister, W. Pappenheim und die Vertreter der jüdischen Zeitungen. Bei einem Rundgang durch die Bibliotheksräume, bei welchen Regierungsrat Dr. B. Wachstein als Führer diente, konnten sich die Anwesenden von der reichhaltigen Ausstattung der Bibliothek überzeugen. Besondere Beachtung fand die praktische Einrichtung des Lesesaales in dem eine große Zahl von Besuchern gleichzeitig arbeiten kann. Ergebnis des Wettbewerbes für die künstlerische Ausgestaltung der Grabstätte für die im Weltkriege gefallenen, auf dem Zentralfriedhofe, israelitische Abteilung, beerdigten jüdischen Soldaten: Das zur Beurteilung der eingelangten Wettbewerbsarbeiten für die künstlerische Ausgestaltung dieser Kriegergrabstätte von dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien eingesetzte Preisgericht (Vorsitzender Architekt Dr. .Clemens Holzmeister, Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien) hat unter 25 Entwürfen die drei ausgesetzten Preise den nachfolgenden Projekten zuerkannt: den I. Preis: Betrauung mit der Ausarbeitung der Detailpläne, dem Projekte „gezeichneter Davidstern im Kreise zwischen wagrechten Linien", Verfasser Herr Ing. Arch. Leopold P o n z e n, den II. Preis: von S 1000.— (Tausend) dem Projekte „E mmu h", Verfasser Herr Ing. Egon R i s z, den III. Preis: von S 600.— (Sechshundert) dem Projekte „I m p 1 u v i u m", Verfasser Herr Ziv.-Arch. Fritz R e i c h 1. Ferner hat das Preisgericht einhellig beschlossen, dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu empfehlen, die unter den Kennworten „8" und „Schalom" eingereichten Projekte (Verfasser derzeit unbekannt) um den Betrag von je S 400.— anzukaufen. Sämtliche Projekte gelangen ab Sonntag, den 14. November 1. J., im Amtsgebäude der israelitischen Kultusgemeinde, Wien I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, zur Ausstellung und können an diesem Tage und an den beiden folgenden Tagen in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags besichtigt werden. Vorträge über jüdische Wissenschaft und Literatur an der Wiener Universität. In mehreren deutschen Hochschulen wurden bereits seit einer Reihe von Jahren Dozenturen für verschiedene judaistische Fächer eingerichtet und jüdischen Gelehrten übertragen. Die Universität Frankfurt, die keine theologische Fakultät besitzt, hat z. B. die verschiedenen Religionsgemeinschaften ermächtigt, Lehraufträge zu erteilen und ein solcher wurde von jüdischer Seite Dr. Martin B u b e r übertragen. Auch andere Universitäten haben sich dieser Gepflogenheit angeschlossen, so daß alle ordentlichen und außerordentlichen Universitätshörer, die an den betreffenden Hochschulen inskribiert sind, die Möglichkeit besitzen, öffentlich akademische Vorlesungen auch über jüdische Wissenschaft und Literatur zu hören. Wie wir erfahren, wird nunmehr im Wintersemester auch an der W i ener Universität ein Vortragszyklus über jüdische Geschichte, Religionsphilosophie und nachbiblische Literatur, der den Hochschülern aller Fakultäten frei zugänglich ist und ihnen die Möglichkeit bietet, sich Kenntnisse in diesen Wissensgebieten anzueignen, eröffnet. Der Auftrag zur Abhaltung dieser Vorträge wurde dem Maimonidesinstitut erteilt, das sich in der kurzen Zeit seines Bestandes durch seine wissenschaftlichen Arbeiten ein solches Ansehen in akademischen Kreisen erworben hat, daß dessen Leiter, Prof. Dr. Armand Kaminka, ad personam von den akademischen Behörden zum Vortragenden bestimmt wurde. Es wurde für die Vorträge der geräumige Hörsaal 35 der philosophischen Fakultät, in welchem bereits in den letzten zwei Jahren Dr. Kaminka einzelne wissenschaftliche Vorträge für einen großen Kreis wissenschaftlicher Hörer gehalten hat, zur Verfügung gestellt, so daß nunmehr ein zusammenhängender Zyklus von Vorträgen abgehalten werden kann. Die Vorträge finden an Samstagen um v^7 Uhr abends statt, sind allgemein zugänglich und unentgeltlich. Das Vortragsprogramm ist folgendes: I. 13. November 1926. „Der hebräische Text der Psalmen und die Version der Septuaginta". (Besprechung des neuen Psalmenkommentars von Prof. Franz Wutz.) II. 11. Dezember 1926. „Die bedeutendsten jüdischen Schriftgelehrten der römischen Kaiserzeit". Erster Teil. (Hillel. Gamliel I., Akabja, Jochanan ben Zakkai.) III. 15. Jänner 1927. „Grundideen der Philosophie des Moses Maimonides". (Einheit Gottes und Anthropomorphismus, Prophetie und Offenbarung, System der Ethik.) IV. 12. Februar. „Mittelalterliche hebräische Dichtung". (Gabirol, Halevi, Tadros. Die Abhängigkeit des Kirchenhymnus „Dies irae" von hebr. Bußgebeten.) V. 12. März 1927. „Neuhebräische Literatur von M. Ch. Luzzato bis Bialik".

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